Grey's Anatomy 10x07

Die Serie Grey's Anatomy hat sich in der Episode Thriller ganz dem Geiste von Halloween verschrieben. Während die Patienten dabei ihr Bestes geben, um den Zuschauern Angst einzujagen, muten viele der Arzt-bezogenen Elemente leider etwas zahnlos an.
Die wandelnden Toten
In einem Moment, der sich fast The Walking Dead würdig erweist, wird Leah (Tessa Ferrer) von einem Möchtegern-Zombie in den Hals gebissen. Zwar hat man den Patienten bereits als wahnsinnigen Junkie identifiziert, bevor die schrillen Schreie der Ärztin verebben. Trotzdem handelt es sich bei dieser Szene um das Highlight in diesem Handlungsstrang. Weder der panische Patient Victor (Eric Ladin), der ebenfalls von dem Walker angefallen wurde, noch dessen Behandlung durch Jackson (Jesse Williams) und April (Sarah Drew) können packen oder gar Begeisterungsstürme heraufbeschwören.
April und Jackson
Stattdessen fürchtet man sich - zumindest die Rezensentin - bei jeder Unterhaltung der beiden Expartner vor den flirtigen Anspielungen. Zum Glück scheint Avery aber vollkommen in seiner neuen Beziehung aufzugehen. Hingebungsvoll kümmert er sich um seine temporär sehbehinderte Freundin Steph (Jerrika Hinton). Als April jedoch wieder einmal euphorisch betont, dass sie ja bald Matthew (Justin Bruening) heiraten wird, scheint ihre Freude darüber etwas künstlicher Natur zu sein...
Leben im Bein
Der Ekel-Faktor kommt in dieser Episode nicht zu kurz. Neben einem Zahn, der in Leahs Wunde stecken bleibt, zeichnet dafür in erster Linie eine weitere Patientin verantwortlich. Aufgrund ihrer panischen Angst vor Krankenhäusern und Ärzten hat sie die Behandlung einer Wunde so lange aufgeschoben, dass sich eine Reihe von Maden in ihrem Gewebe häuslich eingerichtet haben. Das Ganze ist - Halloween durchaus angemessen - zum einen äußerst unappetitlich. Zum anderen bietet sich hier für Meredith (Ellen Pompeo) noch die Gelegenheit, sich als weitsichtig und einfühlsam zu profilieren. Allerdings wirkt es doch recht unplausibel, dass sich eine ausgeprägte Phobie einzig mit einer Augenbinde und ein paar beruhigenden Worten bändigen lassen sollte...
Zu Tode erschreckt
Die Geschichte um ein kleines Mädchen, das sich in Brasilien irgendetwas eingefangen hat, was nun ihre Adrenalinproduktion behindert, scheint einzig aus zwei Gründen in die Episode integriert zu sein. Zum einen, damit ihr Vater den Satz „she could get scared ...to death?“ über seine Lippen bringen kann. Zum anderen kann dank dieses allzu beschäftigten Erziehungsberechtigten noch einmal eine gedankliche Verbindung zu Alex' (Justin Chambers) Rabenvater James Evans (James Remar) hergestellt werden.

Versöhnung
Seit Jo (Camilla Luddington) sich über Gebühr in die familiären Bande ihres Freundes einmischte und Alex sich dadurch erneut durch James enttäuschen lassen musste, herrscht in der Beziehung der beiden Funkstille. Diese kommt erst zu einem Ende, als Jo im Tinkerbell-Outfit vor Alex' Tür auftaucht, um sich zu entschuldigen. Es mutet zwar etwas seltsam an, dass die Chirurgin derartig viel Mühe in ein Kostüm investieren sollte, nur um sich bei ihrem Freund zu entschuldigen. Aber vielleicht war sie zuvor ja auch in Joes Bar gewesen. Außerdem sieht Wilson als Fee schlichtweg zauberhaft aus.
Arizeah
Um Alex und Jo steht es also wieder besser. Selbst in der Liebelei zwischen Leah und Arizona (Jessica Capshaw), in der sich die Assistenzärztin nun ein striktes Distanz-Programm auferlegt hat, kommt es zu einem Moment der Wärme. Als sich Leah nach ihrem Biss vor einer Ansteckung mit HIV fürchtet, stiftet Arizona ihr einfühlsam Trost. Obwohl die Annäherung der beiden für Freunde der Calzona-Paarung ein wahrer Dorn im Auge sein dürfte, muss die Rezensentin doch zugeben, dass sie der Interaktion von Leona mittlerweile etwas weniger skeptisch gegenübersteht. Zudem besteht so die Chance, dass es bald auch für Callie einen neuen love interest geben könnte - ein äußerst vielversprechender Gedanke.
Heathers Erbe
Den berührendsten Moment zu Thriller steuert allerdings Shane Ross (Gaius Charles) im Zusammenspiel mit einer verwahrlosten Patientin bei.
Gerade weil das Thema Heather in Grey's Anatomy bislang so stark vernachlässigt wurde, wohnt ihrem Tribut nun solch eine emotionale Kraft inne. Verhältnismäßig subtil wird ihr Charakter, der auf der Suche nach Richard Webber (James Pickens Jr.) in den Nachwehen des großen Sturmes verstorben war, posthum gewürdigt. Wir erfahren, dass die eigensinnige Assistenzärztin sich um benachteiligte Patienten gekümmert hatte, die sonst durch die Maschen des amerikanischen Gesundheitssystems gefallen wären. In einer sehr rührenden Szene, die die Tränendrüsen auf eine harte Probe stellt, tritt Ross in die Fußstapfen seiner verstorbenen Kollegin, wodurch er gleichzeitig seinem eigenen Seelenfrieden ein großes Stück näher kommen dürfte.
Versöhnung in Sicht?
Die Freundschaft zwischen Cristina Yang (Sandra Oh) und Meredith ist noch weit davon entfernt, sich wieder zu normalisieren. Doch nachdem Mere die Muffins entdeckt, die ihre Freundin unbemerkt in ihrem Haus deponiert hatte, scheint der Chirurgin ein Licht aufzugehen. Hoffnungen darauf, dass eine Versöhnung der beiden in greifbare Nähe rückt, sind also nicht unbegründet.

Während Meredith ihr Halloween mit dem Nachwuchs und den obligatorischen „Süßes, sonst gibt's Saures“-Streifgängen zubringt, zieht sich Cristina in eine Bar zurück, in der sie auch gleich auf Shane trifft. Obwohl der Gedanke an ein Intermezzo zwischen der Top-Chirurgin und ihrem „Sharky“ reichlich gewöhnungsbedürftig erscheint, entwickelt sich zwischen ihm, ihr und einer Reihe von Tequilas doch eine interessante Chemie... Man darf gespannt sein!
Enttäuscht von der enttäuschten Bailey
Nach der vorangegangenen Episode Map of You hatte sich die Rezensentin noch einen größeren Anteil von Bailey (Chandra Wilson) in der Handlung herbeigesehnt. Doch nun enttäuschen beide Erzählstränge, in denen die Chirurgin zugegen ist. Während Richards mentale Kehrtwende in Bezug auf Meredith nur einen weiterer Bestandteil in einer Geschichte bildet, die weder sonderlich interessant noch plausibel erscheint, macht auch Bailey im Umgang mit ihrem Ehemann Ben Warren (Jason George) keinen guten Eindruck. Ebenso wie Meredith fällt es ihr nicht leicht, ein Gleichgewicht zwischen familiären und beruflichen Ambitionen zu etablieren. Doch während jeder Chirurg selbst entscheiden muss, welche Opfer er dem medizinischen Ehrgeiz bringen möchte, zeigt Miranda sich ernsthaft enttäuscht darüber, dass sich Ben zu Gunsten der Familie entschieden hat.
Fazit
Ben verhält sich im Umgang mit Tuck und auch in Bezug auf seine Ehefrau so liebreizend und aufopferungsvoll, dass man ihn dafür Umarmen möchte. Es bleibt zu hoffen, dass es Miranda gelingen wird, seine Entscheidung gegen die Chirurgie zu akzeptieren.
Die Beziehungspause zwischen Owen (Kevin McKidd) und Emma (Marguerite Moreau) ist kaum von Interesse, da ihre Zweisamkeit den Zuschauern größtenteils vorenthalten wurde. Auch der Handlungsstrang um Richard verfehlt es, die Zuschauer nennenswert zu berühren - obwohl seine Entscheidung, Bailey zu „feuern“, mit überaus dramatischer Musik hinterlegt ist.
Die Patientengeschichten bedienen sich zwar gekonnt einiger Schock-Momente, können aber aufgrund ihrer recht unspektakulären Auflösungen nicht gerade zu den Höhepunkten dieser Episode gezählt werden. Eine Ausnahme bildet sicherlich der Moment, in dem Shane Ross einen neuen Impuls für seine Zukunft erhält.
Insgesamt kann Grey's Anatomy so zwar ein paar packende Szenen hervorbringen. Die Episode wirkt dabei aber dennoch recht durchschnittlich. Zum Glück werden dabei an verschiedenen Stellen jedoch Begebenheiten in Schwung gebracht, die für die nähere Zukunft der Serie durchaus optimistisch stimmen.
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 1. November 2013(Grey's Anatomy 10x07)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x07
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