Grey's Anatomy 10x05

Grey's Anatomy 10x05

In der Serie Grey's Anatomy scheitert Meredith daran, sowohl ihrer Karriere als auch ihrer Familie gerecht zu werden. Obwohl es der Episode I Bet It Stung nicht an Drama mangelt, sorgt eine Reihe humoristischer Lichtblicke für die nötige Auflockerung.

Richard Webber (James Pickens Jr.) macht in „Grey's Anatomy“ langsam Fortschritte. / (c) ABC
Richard Webber (James Pickens Jr.) macht in „Grey's Anatomy“ langsam Fortschritte. / (c) ABC

In der Episode I Bet It Stung gelingt es den Drehbuchautoren auf überzeugende Weise, die Patientengeschichten mit dem Privatleben der Chirurgen aus dem Grey Sloan Memorial Hospital zu verbinden. Dabei werden Charakterzeichnungen vorangetrieben und, obwohl ein dramatischer Streit den Rest der Handlung überschattet, gibt es auch etwas zu lachen.

Sister Wives

Das Frühstück im Hause McDreamy ist zu einer festen Konstante geworden. Neben Meredith (Ellen Pompeo), Derek (Patrick Dempsey), Zola und dem kleinen Baby Bailey sind auch Callie (Sara Ramirez) und ihre kleine Tochter Sofia perfekt in die wohlkoordinierten Abläufe eingebunden. Dieses Arrangement führt zu einem höchst amüsanten und liebevoll inszenierten Abschiedskuss zwischen den sister wives Callie und Meredith.

Doch die Harmonie ist in dieser fünften Episode der zehnten Staffel von Grey's Anatomy nicht von Dauer. Während Callie nach einem Neubeginn lechzt, stehen insbesondere Meredith schwere Zeiten bevor.

Der Tanz in die richtige Richtung

I rebounded to the McDreamys“, muss Callie perplex im Gespräch mit Owen Hunt (Kevin McKidd) feststellen. Owens schnell voranschreitende Beziehung zu der Ärztin Emma (Marguerite Moreau), die er in der vorangegangenen Episode Puttin' on the Ritz auf der Wohltätigkeitsgala kennengelernt hatte, hält Callie dabei zusätzlich noch einen Spiegel vor. Den entscheidenden Anstoß, ihrer neuen Dreiecksbeziehung den Rücken zuzukehren, bekommt die Chirurgin jedoch dank einer Patientengeschichte. So hatte sich Donna Woods (Erin Way) seit frühester Kindheit in ihrer Funktion als doner baby für ihre krebskranke Schwester Reese (Melanie McComb) aufopfern müssen.

Während sich Donna am Ende doch dazu durchringt, ihrer allzu risikofreudigen Schwester mit einer Niere aus der Patsche zu helfen, hat Callie von der endlosen Rücksichtnahme genug und schmeißt Arizona (Jessica Capshaw) kurzerhand aus ihrer Wohnung. Dennoch muss man ihren darauffolgenden Unterwäschetanz dabei nicht zwangsläufig als Todesstoß für ihre Ehe betrachten. So war in der Vergangenheit immer wieder klar geworden, dass die Gefühle zwischen den beiden Partnerinnen nach wie vor stark sind. Vielmehr bringt das spärlich bekleidete Herumgehopse zum Ausdruck, dass Callie den Schock, betrogen worden zu sein, nicht nur verarbeiten konnte. Gleichzeitig kann sie daraus eine neue Stärke ziehen, die endlich in wiedergewonnener Lebensfreude resultiert. Und vielleicht wird es ihr diese positive Energie ja langfristig auch ermöglichen, ihrer Ehefrau zu vergeben.

Zwischen Meredith (Ellen Pompeo) und Cristina (Sandra Oh) steht momentan nicht alles zum Besten. © ABC
Zwischen Meredith (Ellen Pompeo) und Cristina (Sandra Oh) steht momentan nicht alles zum Besten. © ABC

Neue Freunde

Während Callie tanzt, muss sich Arizona nach einer neuen Bleibe umschauen. In diesen schweren Zeiten ist es schön, zu sehen, dass die Chirurgin nicht komplett auf sich gestellt ist. Zum einen ergreift so April (Sarah Drew) im OP gegenüber Callie Partei für ihre Trinkkumpanin. Zum anderen hat Arizona allem Anschein nach auch in Leah (Tessa Ferrer) eine neue Vertraute gefunden. Mit der Vorstellung, dass die beiden sich Aufzeichnungen von Operationen anschauen, während sie fettige Nahrung in sich hineinstopfen, geht zweifelsohne eine sympathische Wirkung einher. Gleichzeitig sät jedoch der flirtige Umgangston, der zeitweise die Interaktion der beiden Chirurginnen umgibt, ein unangenehmes Gefühl... Für Arizona wäre es definitiv zu früh, um sich in den allgegenwärtigen „Rebound“-Reigen einzureihen.

Ein misslungener erster Eindruck

Stephanie (Jerrika Hinton) hatte sich doch so große Mühe gegeben, um einen guten Eindruck auf Jacksons (Jesse Williams) Mutter Catherine Avery (Debbie Allen) zu machen. Doch bedauerlicherweise ist die betont züchtige Bluse gerade geöffnet, als Catherine sie zum ersten Mal erblickt. Zwar ist es auch unterhaltsam, wie die chirurgische Pionierin daraufhin ihrer scharfzüngigen Abneigung gegenüber Steph freien Lauf lässt. Gleichzeitig fällt es dabei jedoch - wie so oft bei Catherines Charakter - schwer, die aufbrausende Frau sympathisch zu finden. Im Angesicht ihres anstrengenden Verhaltens scheinen ihre professionellen Errungenschaften immer wieder zu verblassen. Immerhin kann Avery Senior ihre Expertise gegenüber dem Schmerzfetischisten und Hornissenfreund Mr. Samuels (Jason Antoon) unter Beweis stellen und lässt am Ende sogar im Umgang mit Steph verhältnismäßige Milde walten.

Der Rabenvater

Die Geschichte um Alex' (Justin Chambers) entfremdeten Vater James Evans (James Remar) hatte bereits in der Episode Puttin' on the Ritz (10x04) ihren Anfang genommen. Im Lichte dieser Begegnung macht Jo Wilson (Camilla Luddington) einen etwas zweischneidigen Eindruck. Zum einen projiziert sie ganz offensichtlich ihr eigenes Nähebedürfnis auf ihren Freund Alex. Dabei übertritt sie mit ihrer Hartnäckigkeit zeitweise die Schwelle zur penetranten Ignoranz. Manche Beziehungen sind einfach so irreparabel beschädigt, dass es für die Beteiligten vielleicht besser wäre, sie ruhen zu lassen.

Auf der anderen Seite zeugen Jos Bemühungen, dem heroinsüchtigen James zu helfen, von ihrem Glauben an das Gute im Menschen. Gleichzeitig spiegeln sich darin selbstverständlich auch ihre Gefühle für Alex wider, dem sie um jeden Preis - und zur Not auch gegen seinen Willen - das familiäre Glück ermöglichen will. Jos Instinkt scheint dabei auch nicht gänzlich falschgelegen zu haben. So lässt sich an Alex' abwägendem Verhalten im Fahrstuhl ablesen, dass er sich - entgegen seiner harten Worte - tatsächlich doch gerne mit James aussprechen würde.

Die Assistenzärzte Leah (Tessa Ferrer) und Ross (Gaius Charles) in der Serie %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
Die Assistenzärzte Leah (Tessa Ferrer) und Ross (Gaius Charles) in der Serie %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC

Mutter vs. Chirurgin

Meredith wird im Verlauf der gesamten Episode zwischen dem Wunsch nach Exzellenz in gleich zwei Lebensbereichen zerrieben. Ein Versprechen gegenüber Zola kommt dabei eindrucksvoll einer Ausnahme-OP in die Quere, bei der sie wieder einmal an Cristinas (Sandra Oh) Seite brillieren könnte. Am Ende geht Meredith dann aber gleich doppelt leer aus. Zum einen verpasst sie nicht nur die Teeparty mit Zola, sondern leistet ihrer Tochter auch keinen Beistand dabei, als deren Platzwunde genäht werden muss. Zum anderen wird der gestressten Meredith durch ihre beste Freundin die Chance auf eine Teilnahme an der Leber- und Herztransplantation verwehrt. In Yangs Augen ist die wieder einmal durchweg unterhaltsame Miranda Bailey (Chandra Wilson) einfach die bessere Wahl für diese Operation.

Es ist gut möglich, dass Cristina mit Bailey diejenige Chirurgin auserwählt hat, die am besten vorbereitet ist. Obwohl auch Miranda eine Mutter ist, bekommt man bei ihr von dieser Seite kaum etwas mit. Das erweckt den Eindruck, dass sie die kompromisslosere Ärztin ist. Andererseits hätte Yang ihrer Freundin zuliebe ruhig etwas sanftere Worte der Rechtfertigung wählen können. Gerade, wenn es stimmt, dass sie Merediths Entscheidung zugunsten einer Familie akzeptiert.

Fazit

Die Serie Grey's Anatomy kann sich in der Episode I Bet It Stung eindeutig steigern. Wenn Sätze wie „I am a donor baby. My parents only had me to save her“ fallen, kann man sich einer berührenden Wirkung kaum entziehen. Zudem kann sich auch der Charakter von Richard Webber (James Pickens Jr.) langsam wieder rehabilitieren, indem er an Stärke gewinnt.

Während die Patientengeschichte um Dexters James Remar mit Dialogfetzen wie „I don't want to let you down, too“ einen allzu konstruierten Eindruck macht, können die meisten anderen Begebenheiten mit ihrer Natürlichkeit punkten. Dabei stellt auch der Kuss zwischen Callie und Mer dank der überzeugenden Leistung beider Schauspielerinnen keine Ausnahme dar.

Obwohl Cristina in dieser Episode besonders in ihrem Streit mit Mer keinen übermäßig sympathischen Eindruck hinterlässt, kann einen ihr Charakter doch stark in den Bann ziehen. Die Figur erscheint besonders lebendig, da man so außerordentlich gut mitverfolgen kann, wie sich ihre insgeheime Enttäuschung über Owens besser geglückten Beziehungsneustart in ihrem Verhalten niederschlägt. Cristina hat sich endgültig zwar nicht gegen jegliche Beziehungen, aber in jedem Falle gegen eine Familiengründung entschieden. Weil sie zu einem ohnehin schon schmerzlichen Zeitpunkt in ihrem Leben zusätzlich mit Meredith und derer Entscheidung konfrontiert wird, legt sie besondere Härte an den Tag. Indem sie die eigene Exzellenz betont, scheint sie insgeheim vor sich selbst eine aufgegebene Liebe zu rechtfertigen.

Ebenso nachvollziehbar und authentisch ist auch Merediths Hilflosigkeit, die sich in einem Streit mit Derek Bahn bricht. Wir wollen hoffen, dass es Mer bald gelingen kann, eine gesündere Balance zwischen Arbeit und Familie zu finden - bevor einer der beiden Lebensbereiche ernsthaften Schaden nimmt.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 21. Oktober 2013
Episode
Staffel 10, Episode 5
(Grey's Anatomy 10x05)
Deutscher Titel der Episode
Zurechtweisungen
Titel der Episode im Original
I Bet it Stung
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. Oktober 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. Februar 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 17. Februar 2014
Autor
Jeannine Renshaw
Regisseur
Mark Jackson

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x05

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