Grey's Anatomy 10x04

In der Serie Grey's Anatomy steht mit der neuesten Folge ein großes Jubiläum an. Denn bei Puttin' on the Ritz handelt es sich um die 200. Episode von Shonda Rhimes Erfolgsprodukt. Zwar ereignen sich trotz des feierlichen Anlasses keine spektakulären Höhepunkte. Dennoch kann sich das Arztdrama im Vergleich zur Vorgängerepisode wieder steigern und bringt einige erfreuliche Begebenheiten hervor.
Eine Gala mit besonderen Anreizen
Die Art und Weise, wie Meredith (Ellen Pompeo) und Derek (Patrick Dempsey) in Puttin' on the Ritz miteinander umgehen, ist durchweg sehenswert und gehört zu den Höhepunkten der Episode. Da sich die frischgebackenen Eltern darauf verständigt haben, fürs Erste beide der Arbeit fernzubleiben, verlagert sich der Kampfgeist der Topchirurgen auf die Erziehung ihrer Kinder. Jackson Avery (Jesse Williams) möchte mithilfe einer großen Spendengala Geld für die Wiederinstandsetzung des Grey-Sloan-Memorial-Krankenhauses nach dem großen Sturm sammeln. Dadurch, dass er das ohnehin schon vorherrschende Konkurrenzdenken befeuert, trägt er noch zusätzlich zu ihrem privaten Wettstreit bei. Jackson, der so attraktiv wie geschäftstüchtig ist, verspricht nämlich, zehn Prozent der Einnahmen des Abends an die Krankenhausabteilung abzugeben, die auf der Party das meiste Geld eintreiben kann. Es ist zwar nicht gänzlich klar, wie die entsprechenden Gelder am Ende bei der Vielzahl der Gäste effektiv auseinandergerechnet werden könnten. Dem Wettstreit verdanken die Zuschauer aber auf jeden Fall kurz darauf den erfreulichen Anblick eines Dereks, der sich mit Jonglagetricks Zugang zu den Herzen - und somit auch in die Geldbörsen - der reichen Klientel verschafft.
Im Eifer des Gefechts
Doch auch Meredith hat noch so manchen Trick auf Lager und kann besonders durch ihre Entrüstung - „I can't help it if my eyes have a natural sparkle!“ - begeistern. Ebenso schön mit anzusehen wie ihre ehelichen Kabbeleien mit Derek ist die anschließende Versöhnung der beiden, nachdem sie sich endlich wieder im OP die Hände blutig machen konnten.
Während im Hause Grey also wieder Harmonie einkehrt, leitet Jacksons Intervention aufseiten der (Ex-)Paare Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) sowie Owen (Kevin McKidd) und Cristina (Sandra Oh) scheinbar eine weitere Entfremdung ein.
Callie lässt sich im Eifer des Gefechts dazu hinreißen, die betuchten Gäste durch die Geschichte ihrer bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Ehefrau finanziell zur Ader zu lassen. Diese Anwandlung hebt zwar zum einen hervor, wie sehr sie Arizona noch böse ist. Gleichzeitig scheint sich Callie dabei aber darüber bewusst zu werden, dass sie ihre Ehefrau eben noch nicht unwiederbringlich verloren hat. Schließlich ist Arizona nicht tatsächlich gestorben, sondern ihr lediglich untreu gewesen. Es bleibt abzuwarten, ob die künftigen Episoden von Grey's Anatomy dieser tieferen Erkenntnis Rechnung tragen werden.

Flirten mit Nachwirkungen
Im Falle von Cristina und Owen scheint sich Yangs Forderung, dass sich beide nun wieder mit anderen Menschen treffen sollten, an ihr zu rächen. Denn, obwohl Cristinas Jagd nach den großen Schecks äußerst amüsant zu beobachten ist („Oh, rich bitch ten o'clock!“), führt sie der Chirurgin am Ende nur die Schattenseiten der Partnersuche vor Augen. Owen hat hingegen mehr Erfolg und schließt die Bekanntschaft mit der attraktiven Emma (Marguerite Moreau), bei der es sich ebenfalls um eine Ärztin handelt. Als es offenkundig wird, dass die beiden sich allzu gut verstehen, kann man an Cristinas Gesicht förmlich den Stich in ihrem Herzen ablesen. Obwohl die Figur der Emma eine neue Dynamik in die totgesagte Beziehung von Yang und Hunt bringt, ist es in den Augen der Rezensentin hier langsam an der Zeit für einen Schlussstrich.
Champagner und ein Kuss
Während sie von ihrer Ehefrau für tot erklärt wird, betrinkt sich Arizona mit April (Sarah Drew) in einem Vorratsraum. Dies erscheint in jedem Fall um einiges lohnender zu sein, als zu versuchen, mit einem einzigen, medizinischen „Kühldings“ den Champagner für die gesamte Wohltätigkeitsparty genießbar machen zu wollen. Zudem profitieren beide Figuren von ihrem trunkenen Intermezzo und können sich in ihrer Albernheit in einem sympathischen Licht präsentieren. Die Chemie zwischen den beiden Schauspielerinnen erscheint dabei so stimmig, dass man schon fast einen angeschwipsten Kuss zwischen den Chirurginnen vermutet. Doch das Intermezzo zwischen Arizona und April bleibt (ob leider oder ob zum Glück, liegt im Auge des jeweiligen Zuschauers) rein platonisch. Dafür kommt es äußerst unverhofft zwischen Stephanie (Jerrika Hinton) und Shane (Gaius Charles) zu Lippenkontakt, als sich die beiden Assistenzärzte gerade als rock sharks feiern, nachdem sie souverän die medizinische „Guacamole“ in der Notaufnahme bewältigt hatten.
Jackson, Steph - und April?
Als man bereits befürchtet, dass es sich bei dem Kuss um einen cleveren Trick der Drehbuchautoren handeln könnte, um Jackson von seiner Freundin zu „befreien“ und somit wieder für April verfügbar zu machen, kommt es doch anders. Jackson ist reif und verständnisvoll genug, um über das Malheur hinwegzusehen. Doch, obwohl es sich bei Steph nach wie vor um einen recht blassen Charakter handelt, ist dies nicht unbedingt eine schlechte Entscheidung von Jackson. Irgendwann muss seinen Gefühlen für April - die auch ihrerseits schon wieder angedeutet werden - doch bitte ein Ende bereitet werden. Und wenn ihre Liebe nun mal unabwendbar ist, sollen sich das die beiden Chirurgen doch endlich eingestehen. Genug ist genug!

Bekannte Patienten
Bereits nach dem ersten Aufeinandertreffen von Alex Karev (Justin Chambers) und einem der drei Junkie-John-Does drängt sich allzu penetrant der Verdacht auf, dass James Remar nicht nur in der Serie Dexter als Vaterfigur eingeschritten ist, sondern dass er nun auch den Erzeuger eines Chirurgen in Grey's Anatomy mimen wird. Da an der verwandtschaftlichen Verbindung zu Alex im Grunde genommen nie ein Zweifel bestand, zieht sich dieser Handlungsstrang etwas in die Länge. Es bleibt zu hoffen, dass die sich anbahnenden, obligatorischen Auseinandersetzungen die eine oder andere Überraschung mit sich bringen werden.
Auch Bailey (Chandra Wilson) bekommt es mit einem Patienten zu tun, der ihr nur allzu gut vertraut ist. Dem schwer kranken Richard Webber (James Pickens Jr.) steht sein kindischer Trotz nach wie vor nicht gut zu Gesicht. Doch Miranda gibt nicht auf und kommt auf die rettende Idee. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass in Grey's Anatomy ein Problem dadurch gelöst wird, dass zwei schwierige Patienten in einem Zimmer zusammengelegt werden. Gleiches hatte bereits in der Episode Physical Attraction... Chemical Reaction der vierten Staffel funktioniert. Doch immerhin bringt die Konfrontation mit einem sterbenden Rassisten Webber schließlich dazu, sich dem anstrengenden Kampf um das Leben zu stellen.
Fazit
Dass ein Blick der Wohltäter auf die Arbeit der Chirurgen im OP ausreicht, um unendliche Geldbeträge freizusetzen, ist trotz Jacksons lobenswerter Eloquenz zwar etwas zu simpel geraten, um glaubhaft zu sein. Dafür kann der Unfall der Akrobatin, der sich in der Episode Puttin' on the Ritz auf der Gala ereignet, einen intensiven Schockmoment beisteuern und lässt einem die Haare so zu Berge stehen, wie es wohl nur ein offener Bruch mit der entsprechenden Geräuschkulisse zu tun vermag. Ansonsten geht es auch in dieser Jubiläumsfolge von Grey's Anatomy recht ruhig zu. Während die Geschichte um Alex' Vater bislang nicht besonders vielversprechend erscheint, sorgt besonders der Wettstreit der verschiedenen Chirurgen um Spendengelder für Erheiterung.
Obwohl sich die Einführung von Owens neuem love interest Emma zunächst recht unspektakulär vollzieht, ist doch der frische Wind löblich, den dies in die angestaubten Beziehungsgeflechte bringt.
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 11. Oktober 2013Grey's Anatomy 10x04 Trailer
(Grey's Anatomy 10x04)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x04
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