Grey's Anatomy 10x03

Die Serie Grey's Anatomy legt in der dritten Episode ihrer nunmehr zehnten Staffel Ermüdungserscheinungen an den Tag. So vergeht die Episode Everybody's Crying Mercy ohne wirkliche Höhepunkte und verärgert zudem durch ein inkonsistentes Drehbuch.
Yang als Lichtblick
Cristina Yang (Sandra Oh) ist großartig. Der Handlungsstrang um Meredith (Ellen Pompeo) und Derek (Patrick Dempsey), die nach der Geburt des kleinen Bailey von Schlafproblemen heimgesucht werden, ist zwar recht sympathisch inszeniert und scheint der Realität von frischgebackenen Eltern zu entsprechen. Doch es ist die Figur von Cristina, die für die erfrischendsten Szenen dieser Episode verantwortlich ist.
Erster Sex vs. Nie wieder Sex
Das Ende ihrer Beziehung zu Owen (Kevin McKidd) resultiert auf Seiten von Yang in einem Energieüberschuss, den in dieser Episode besonders Alex Karev (Justin Chambers) zu spüren bekommt. Die Tatsache, dass er noch nicht mit seiner Freundin Jo Wilson (Camilla Luddington) geschlafen hat, verleitet Cristina zu allerlei erquicklichem Spott. Doch während Alex und Jo am Ende ihr sexuelles Missverständnis aus der Welt räumen können, werden Yang ihre kleinen Gemeinheiten vom Karma heimgezahlt, indem sie nicht so recht von Owen loskommt. Leider erweist sich dieser Handlungsstrang trotz des facettenreichen Spiels von Sandra Oh als recht zäh. Ihr finaler Beschluss - „Let's date other people“ - lässt das oft diskutierte Liebesaus der beiden so lediglich noch ein wenig endgültiger erscheinen. Aber vielleicht werden ja die angestrebten Trost-Partner wieder etwas Schwung in die Handlung bringen.
Das Ende von Calzona?
Auch die Geschichte von Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) kommt nicht recht voran. Callies Entscheidung, den Ehemann ihrer Patientin am Ende doch im Unklaren über die Affäre seiner Frau mit seinem Bruder zu belassen, weckt zwar zwischenzeitlich die Hoffnung, dass auch Callies Härte gegenüber Arizona bald vorbei sein könnte. Doch am Ende sieht es dann doch ganz danach aus, dass Callie ihrer Ehe keine zweite Chance geben wird. Und dementsprechend hat sich die Einstellung der Betrogenen im Vergleich zur vorangegangenen Episode nicht verändert. Auch wenn Callies Verweigerung einer Paartherapie nicht dem Wunsch nach einer Scheidung gleichkommt, würde man sich an dieser Stelle - wie auch bei Yang und Hunt - endlich Klarheit wünschen, damit die Handlung sich wieder neuen, abwechslungsreicheren Begebenheiten zuwenden kann.

Das Leid der Patienten
Die Patientengeschichten machen in Everybody's Crying Mercy keinen sonderlich einfallsreichen Eindruck. Obwohl es herzerwärmend ist, wie Jackson (Jesse Williams) einer entstellten Patientin eine gute Nachricht überbringt - und daran auch seine Freundin Stephanie Edwards (Jerrika Hinton) teilhaben lässt -, erscheint es allzu unausweichlich, dass hier noch etwas schief gehen muss. Dass die kostenlosen OP am Gesicht der Frau nie wirklich infrage stand, wirft zwar ein gutes Licht auf das verschmitzte Organisationstalent von Owen Hunt. Gleichzeitig fühlt man sich so aber ein wenig um eine tieferen Dramatik betrogen.
Weder ein junger Patient, der nun doch auf ein Herztransplantat warten muss, noch die Geschichte um eine Frau, die tödlich durch einen Baseballschläger verletzt wurde, können sich nennenswert von den medizinischen Fällen abheben, mit denen es die Chirurgen im Grey Sloan Memorial Hospital in den vergangenen Staffeln zu tun bekommen hatten. Die Tatsache, dass die verletzte Frau kurz vor ihrer Bewusstlosigkeit noch Leah (Tessa Ferrer) ihre Affäre gesteht, wirkt nicht nur wenig innovativ, sondern gleichzeitig auch so stark auf Callies Eheprobleme zugeschnitten, dass dieser Fall zudem jegliche Lebensnähe einbüßt.
Endlich Drama
Immerhin stellt sich bei dieser Operation zwischenzeitlich die in der Episode Everybody's Crying Mercy bislang vermisste Dramatik ein, mit der endlich ein Gefühl von Dringlichkeit in die Handlung kommt: Als Callie April (Sarah Drew) wütend für ihr vorschnelles Eingreifen zurechtweist („What the hell did you just do?“), standen der Rezensentin förmlich die Haare zu Berge.
Bestanden!
Obwohl Aprils Patientin am Ende nicht überlebt, gibt es für die Ärztin noch gute Neuigkeiten. So hat April im zweiten Anlauf nun doch ihre Prüfung bestanden. Während man sich darüber noch mit der Chirurgin freut, deutet sich jedoch - schon wieder - die nicht zu verleugnende Anziehung zwischen ihr und Jackson an. Bedeutet das Lächeln der beiden, während sie sich dann doch - ohne Umarmung - wieder von einander entfernen, dass sie sich mit ihrer platonischen Freundschaft arrangiert haben? Oder wird das Liebes-Hin-und-Her bei ihnen nie vorbei gehen?

Richards schwer verdauliches Betragen
Der geschwächte Richard Webber (James Pickens Jr.) sieht zum Fürchten aus, und seine Versuche, auch nur einen Löffel Suppe zu essen, sind ungemein mitleidserregend. Doch der Chirurg ist am Leben - und das ist in seinem Sinne. Dies ging zumindest aus den Worten hervor, die der ehemalige Chefarzt am Ende von I Want You With Me (10x02) als Stimme aus dem Off von sich gegeben hatte: „I was wrong about a lot of things. But I was right about one thing. I was right about this.“ Damit hatte er sich allem Anschein nach darüber gefreut, Meredith zu der Entscheidungsträgerin über seine medizinischen Behandlungen zu machen. Doch am Ende von dieser Episode straft er Grey mit harschen Worten ab: „I didn't call you my family. I'm not your father. I chose you because I thought you could put emotions out of it and make the right call.“ Er ist nicht länger froh, überlebt zu haben, sondern sogar furchtbar enttäuscht darüber. Es ist sicherlich keine schöne Erfahrung als erwachsener Mann zur Hilflosigkeit verdammt zu sein. Doch selbst die Tatsache, dass Webber nun zwischenzeitlich durch einen Schlauch ernährt werden muss, rechtfertigt nicht seinen abrupten Sinneswandel, was dieser Folge von Grey's Anatomy einen weiteren gewichtigen Makel einbringt.
Fazit
Es gibt auch Beispiele in dieser Folge von Grey's Anatomy, bei denen die Charakterentwicklung geglückt ist. Shane Ross (Gaius Charles) hat den Tod von Heather sichtlich noch nicht verarbeitet. Doch er scheint seine Schuldgefühle in Form eines neuen Tatendranges zu kanalisieren: „I did what had to be done.“ Während sich seine Figur in Everybody's Crying Mercy plausibel weiter entwickelt, wird Ex-Chief Webber von Shonda Rhimes abgestraft. Nicht nur macht seine Kehrtwende seit der letzten Folge keinen rechten Sinn. Zusätzlich kosten Richard seine harten Worte gegenüber Meredith einige Sympathiepunkte. Wie ein Sündenbock muss Webber dafür herhalten, doch noch ein bisschen mehr Dramatik in diese unspektakuläre Episode zu bringen - und das hat sein Charakter nicht verdient.
Die Paarbeziehungen scheinen zu stagnieren, und die Rezensentin hätte sich im Umgang mit Heathers Tod doch ein bisschen feinfühligere Worte gewünscht als Jos „Heather would understand. She'd want me to get laid.“ Während die Patientengeschichten derzeit einen allzu konstruierten Eindruck hinterlassen, gibt es kaum Entwicklungen, denen man mit roten Wangen entgegen fiebern würde. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie Grey's Anatomy auch in ihrer zehnten Staffel noch einmal zu alter Stärke zurückfinden wird.
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 4. Oktober 2013(Grey's Anatomy 10x03)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x03
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