Grey's Anatomy 10x02

Grey's Anatomy 10x02

In der Episode I Want You With Me kann Grey's Anatomy wieder den Taumel zwischen Glückseligkeit und Verzweiflung in Gang setzen, der für die Serie so charakteristisch ist. Obwohl dabei nicht alle Passagen überzeugen, ist der doppelte Staffelauftakt doch gelungen.

April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) finden in „Grey's Anatmy“ allem Anschein nach doch nicht zu einander. / (c) ABC
April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) finden in „Grey's Anatmy“ allem Anschein nach doch nicht zu einander. / (c) ABC

Viele der Fragen, die Seal Our Fate aufgeworfen hat, werden in dem zweiten Teil der Doppelfolge - die den Titel I Want You With Me trägt, - beantwortet. Obwohl sich nicht alles zum Guten wendet, umgibt die Episode doch ein optimistischer Grundton. Leider sind dabei nicht alle Begebenheiten lebensnah, und somit wirklich ergreifend, geraten.

Traurige Gewissheit

Obwohl sich die Chirurgen verbissen mühen, das Leben von Heather Brooks (Tina Majorino) zu retten, verstirbt die Assistenzärztin im OP. Obgleich man sie in der Vergangenheit mitsamt ihren Marotten ins Herz geschlossen hat, entfaltet sich daraufhin nicht die niederschmetternde Wirkung, die man vielleicht erwartet hätte. Dies liegt zum einen darin begründet, dass man gleichzeitig noch um Richard Webber (James Pickens Jr.) bangt, dessen Figur die Serie seit ihren ersten Episoden begleitet und maßgeblich geprägt hatte. Zum anderen wird nach Heathers Tod der Fokus schnell von ihrem Charakter auf den Zusammenhalt unter den anderen Assistenzärzten gelegt.

Heathers Erbe

Stephanie (Jerrika Hinton), Leah (Tessa Ferrer), Jo (Camilla Luddington) und Shane Ross (Gaius Charles) tun sich schwer damit, in ihren Erinnerungen auf Anekdoten zu stoßen, die ein schmeichelhaftes Licht auf ihre Kollegin werfen würden. Grey's Anatomy orientiert sich in diesem Erzählstrang in so weit an der Realität, als dass man Gefühle nicht spontan entwickeln kann, nur weil es vielleicht der Anstand gebieten würde. Besonders auf Seiten von Shane und Leah, die aus verschiedenen Gründen ein negativ geprägtes Verhältnis zu der Toten hatten, macht sich dabei aber gleichzeitig eine gewisse Betroffenheit bemerkbar. Gerade weil die empathischen Regungen nicht überzeichnet dargebracht werden, wirken sie menschlich und plausibel.

Auch wenn man die charakteristisch „merkwürdig witzigen“ Äußerungen von Brooks künftig vermissen wird, hat ihr Tod doch etwas Gutes bewirkt und die verbliebenen Assistenzärzte näher zusammenrücken lassen. Ob es allerdings eine gute Idee ist, sich übermüdet und angetrunken im Kollektiv dem Rettungstrupp aus Feuerwehrmännern anzuschließen, ist eine andere Frage.

Opfer der eigenen Gefühle

Bei Catherine Avery (Debbie Allen) handelt es sich doch um eine erfahrene Chirurgin. Wie kann es sein, dass sie dennoch ihre eigenen Emotionen so wenig unter Kontrolle hat, dass sie damit das Überleben ihres Freundes Richard gefährdet? Wahrlich hat es auch bei Miranda Bailey (Chandra Wilson) in Anbetracht ihres furchtbar schlechten Gewissens zunächst den Anschein, als würde sie nicht mehr objektiv denken können. Wie sich jedoch herausstellt, hat ihr Instinkt sie nicht in die Irre geführt.

Richard lebt

Nachdem Bailey im zweiten chirurgischen Anlauf tatsächlich auf ein Problem in Richards Eingeweiden stößt, verbessert sich sein vormals kritischer Gesundheitszustand so weit, dass er am Ende der Episode die Augen öffnet. Auch wenn man die starken Gefühle mit einbezieht, die Catherine für Webber empfindet, macht sie als schreiende Furie keinen sonderlich sympathischen - und schon gar keinen professionellen Eindruck.

Ja, nein, vielleicht doch...

Die vielen schmachtenden Blicke und die schon fast greifbare Anziehungskraft, die sich zwischen April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) in der vorangegangenen Folge bemerkbar gemacht hatten, münden in ein merkwürdiges Liebes-Chaos. Erst scheint es April einfach nicht über ihr Herz zu bringen, Matthew (Justin Bruening) ausdrücklich abzuservieren, bevor er in seinem Krankenwagen davon rauscht. Doch nachdem sie später eine herbe Standpauke von ihrem Ex Jackson bekommen hat, kehrt April doch wieder zu Matthew zurück. Und gibt ihm überraschenderweise noch einmal das Ja-Wort. Der Appell, den Richard Webbers Stimme in der Episode Seal Our Fate (10x01) aus dem Off kundgetan hatte - dass man aus seinem (Liebes)Leben das Beste herausholen kann, wenn man nur mutig genug ist - scheint dementsprechend nicht zu April durchgedrungen zu sein. Oder liegt die Rezensentin falsch, und das Herz der Chirurgin hat sich doch unumstößlich und für immer gegen Avery entschieden?

Ein Schlussstrich?

Callie (Sara Ramirez) zieht aus Arizonas (Jessica Capshaw) Untreue eine drastische Konsequenz. Rückblickend betrachtet, wirkt es so, als hätte sie den Entschluss, sich - zumindest vorerst - von Arizona fernzuhalten, bereits in der vorangegangenen Episode gefasst. In dem Moment, in dem sie gegenüber Meredith feststellte, schon viel zu lange nicht mehr „in ihrer Unterwäsche getanzt“ zu haben, hat sie sich augenscheinlich für eine neue Strategie entschieden, um zu ihrer früheren Lebensfreude zurück zu finden.

Arizonas tränenüberströmtes Gesicht, als sie Callie um ein bisschen Zeit mit ihrer gemeinsamen Tochter bittet, ist wirklich herzzerreißend. Wenn man jedoch bedenkt, welche Qualen Callie in der Zeit nach Arizonas Beinamputation so tapfer über sich ergehen ließ, ist jedoch auch Callies harte und unwirsche Reaktion nachvollziehbar. Doch obwohl es momentan mehr als düster für Calzona aussieht, sollte man die Hoffnung für eine neuerliche Annäherung der beiden noch nicht aufgeben. Die Rezensentin hofft inständig, dass Arizona so lange um ihre Ehefrau kämpfen und sie mit Aufmerksamkeiten überschütten wird, bis Callie wieder einmal vor Freude (und in ihrer Unterwäsche) ins Tanzen verfällt...

Humor bannt den Schrecken

So verwerflich und grausam Arizonas Untreue auch gewesen sein mag - sie beschert die Zuschauer in einem kleinen, angenehmen Nebeneffekt mit einer Callie, die in ihrem Selbstmitleid und ihrem Trotz eine sehr unterhaltsame Figur abgibt. Auch an anderer Stelle resultiert Drama in humorvollen Lichtblicken. Sowohl Stephanies Einlage als Cheerleaderin als auch die Bemühungen von Cristina und Owen, den bestmöglichen „Abschlusssex“ zu generieren, enden zwar in Traurigkeit. Doch immerhin statten einen ihre Albernheiten mit den Reserven an Frohsinn aus, die man braucht, um auch die Schattenseiten ertragen zu können - denn sowohl Heathers verzweifelte Mutter als auch Cristinas bittere Tränen über die Unmöglichkeit ihrer Beziehung zu Owen, scheinen hartnäckige allergische Reaktionen in der Augengegend hervorzurufen.

Fazit

Im Vergleich zu Seal Our Fate kann I Want You With Me einige Gewissheiten mit sich bringen. Während der Tod von Heather und die Tatsache, dass Calzona eine Trennung zu drohen scheint, eher traurig stimmen, gibt es im Verlauf der gesamten Episode aber immer wieder auch die Gelegenheit, sich über mehr oder weniger subtile, erquickliche Details zu freuen.

Zudem muss besonders die Schauspielerin Sandra Oh lobend erwähnt werden, die einen in ihrer Rolle der Cristina ebenso zum Lachen, wie zum Weinen bringen kann. Dass Richard Webber überlebt, stellt für viele Zuschauer sicherlich eine Erleichterung dar und bewahrt zudem Bailey („Sr.“) davor, neuerlich in einen emotionalen Abgrund zu stürzen. Nun stellt sich aber die berechtigte Frage, was künftig noch mit seinem Charakter geschehen soll. Eine Rückkehr in den OP erscheint in Anbetracht seines Alters und der Strapazen, die sein Körper jüngst durchlitten hat, wohl eher unwahrscheinlich. Zu wünschen wäre ihm sicherlich ein ruhiger Lebensabend an der Seite von Catherine - doch ob Shonda Rhimes ihm dieses Happy End wohl zugestehen wird?

Auf der einen Seite wird das Sehvergnügen dieser Episode von allzu vielen (un)glücklichen Zufällen getrübt. Der Moment, in dem Heathers Mutter auf die Interns stößt oder die Tatsache, dass sich zwei Feuerwehrleute ausgerechnet inmitten der Ehewirren von April das Jawort geben müssen, sind nur zwei Beispiele für allzu konstruiert wirkende Passagen. Auf der anderen Seite kann I Want You With Me aber auch mit grafisch hochwertig und innovativ inszenierten Operationen aufwarten und beeindruckt durch die sehr treffsicher gewählte musikalische Untermalung. Zwischen Glück und Unglück kommt so wieder die charakteristische Atmosphäre auf, der die Serie Grey's Anatomy ihre nunmehr zehnte Staffel verdankt.

Hier geht es zum Review des ersten Teils des Staffelauftakts von Grey's.

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 27. September 2013
Episode
Staffel 10, Episode 2
(Grey's Anatomy 10x02)
Deutscher Titel der Episode
Steh zu mir!
Titel der Episode im Original
I Want You With Me
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 26. September 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 12. Februar 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 27. Januar 2014
Autor
Debora Cahn
Regisseur
Chandra Wilson

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x02

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