Gotham 2x10

Gotham 2x10

Mit The Son of Gotham schafft es die Prequel-Serie Gotham zwar, die Spannung etwas anzuheben, tappt dabei aber leider in so manche narrative Klischees. Dafür dürfen wir ein bisschen über den Mörder der Waynes spekulieren.

Im Gegensatz zu den letzten Episoden von Gotham kann die heutige Episode mit dem doppeldeutigen Titel The Son of Gotham zwar durchaus an Spannung zulegen, serviert uns gleichzeitig aber erneut narrative Klischees. Dafür bekommen wir im Zuge des am besten inszenierten Handlungsteils ein kleines Rätselspiel um den potentiellen Wayne-Mörder serviert.

Religious Mumbo Jumbo

Die bereits in den letzten Folgen aufgezeigten Anhänger des Ordens von St. Dumas greifen in der heutigen Episode weiter um sich und werden schließlich auch zum Ziel der Untersuchungen des GCPD. Denn nicht nur Jims (Ben McKenzie) und Bullocks (Donal Logue) Fährte folgt den geheimnisvollen Kapuzenträgern. Auch der Fall um den anfänglich geopferten Gauner bringt die beiden genau da hin, wo sie hin wollen.

Dabei wird uns der Orden als christlich-okkulte Variante religiöser Selbstaufopferungsanhänger präsentiert, die sich, fernab jeglichen Schmerzempfindens, dem Spektrum physischer Folterungen entziehen. Wie sehr also die Anhänger von St. Dumas als Spiegelbild muslimischer Terroristen herhalten sollen, bleibt zunächst einmal dahingestellt. Parallelen zwischen Inszenierung und den für Mönche zum Teil ungewöhnlichen Kleidern sind dennoch nicht von der Hand zu weisen.

Der Orden von St. Dumas greift weiter um sich.
Der Orden von St. Dumas greift weiter um sich. - © FOX

Dafür bekommen wir zu Beginn der Episode eine großzügige Beisetzung der in der letzten Folge verunglückten Officer Parks (Ashlei Sharpe Chestnut) zu sehen. Das ist zwar der emotionalen Untermalung von Jims Motivation in der heutigen Episode dienlich, wirkt jedoch im Vergleich zu vorherigen Todesfällen in Gotham äußerst übertrieben. Vor allem im Kontrast zu dem Tod Sarah Essens (Zabryna Guevara) frage ich mich, warum wir in dort keine Trauerzeremonie sahen.

Juristical Mumbo Jumbo

Der ganze Plot mündet schließlich in den Gerichtsfall um Theo Galavan (James Frain), der überraschenderweise durch die Falschaussage von Major James (Richard Kind) freigesprochen wird. Mag dessen Beschuldigung Oswald Cobblepots (Robin Lord Taylor) sogar charakterlich Sinn machen, ich wage dennoch zu bezweifeln, dass der Fall dermaßen schnell ad acta gelegt würde ohne eine zusätzliche Aussage Cobblepots oder einer Untersuchung des psychischen Zustands von Major James.

Doch Gotham ist halt „Gotham“ und setzt nach dem Freispruch des Oberbösewichts direkt mit dessen Rachetätigkeiten ein, die nicht nur eine äußerst amüsante Attacke Jims gegen Galavan miteinbeziehen, sondern vor allem die Folter des ambitionierten Gerechtigkeitsjägers. Allerdings stößt mir dieses „Finale“ zwischen Galavan und Gordon in der heutigen Episode am sauersten auf.

Tritt in narrative Fettnäpfchen: Galavan (James Frain).
Tritt in narrative Fettnäpfchen: Galavan (James Frain). - © FOX

Während sich Oswald zum Beispiel zu recht über Nygmas (Cory Michael Smith) Anfängerfehler, ein wichtiges Tatindiz zu behalten, aufregt, soll unser „Big Bad“ tatsächlich nach dem 1x1 der Schurkenfehler agieren? Nicht nur, dass er seine geheime Identität und somit die Verbindung zu dem Orden von St. Dumas und deren Taten preisgibt. Warum in aller Welt lässt er Gordon auch noch kurz frei und schließlich sogar unbeobachtet hinrichten?

Natürlich nur, damit unser Held sich einerseits mit seiner alten Hassliebe Cobblepot verbünden darf und andererseits endlich an die Informationen kommt, die seine ganze bisherige Recherche überflüssig macht. Es tut mir leid, dass ich immer wieder darauf hinweisen muss, was die Vorhersehbarkeit der Serie angeht. Nicht die Unsterblichkeit Gordons ruiniert diesen Plot, sondern vor allem die halbherzige Inszenierung nach Schema F der Bösewichtsschreibung.

Emotional Mumbo Jumbo

Dafür überzeugt mich die Handlung um Bruce (David Mazouz), Selina (Camren Bicondova) und Silver St. Cloud (Natalie Alyn Lind) nach der letzten Kritik umso mehr. Nicht nur, dass Bruce endlich einmal den bisher bereits angedeuteten Mörder an seinen Eltern genauer ins Visier nimmt, vor allem die durchaus spannende Durchführung seiner inszenierten Geiselnahme gestaltet diesen Strang spannend.

Komischerweise lässt sich dabei die Frage stellen, ob der pubertäre Bruce bereits jetzt bessere Pläne als Oberbösewicht und Bürgermeister Galavan durchziehen kann - doch das nur am Rande. Von größerer Bedeutung scheint mir der undeutliche Name zu sein, den Silver unter der Folter des irgendwie an Ra's al Ghul erinnernden Kidnappers (Tommy Flanagan aus Sons of Anarchy) von sich gibt.

Zwar wird nicht ganz klar, ob es sich bei dem Namen „M. Malone“ tatsächlich um den Täter Morden handeln soll. Jedoch läutet dieser Name bereits einen bekannten Namen bei allen „Batman“-Fans ein. So nutzt Bruce in den Comics des Öfteren den Namen „Matches Malone“, um sich in krimineller Montur als Maulwurf durch die Gothamer Unterwelt zu buddeln. Dass es sich bei dem nicht ganz deutlichen Namen um den als „Everywhere Man“ bekannten John Marlowe handeln könnte, schließe ich zunächst einmal aus.

Könnte Silvers (Natalie Alyn Lind) Name ein Hinweis auf Bruces (David Mazouz) neues Alter Ego sein?
Könnte Silvers (Natalie Alyn Lind) Name ein Hinweis auf Bruces (David Mazouz) neues Alter Ego sein? - © FOX

Jedoch bekommen wir durch diesen Namen zumindest angedeutet, dass sich Bruce vielleicht bald auf erste Schritte eines Alter Egos begeben könnte, das ihm in der Bekämpfung von Missetaten hilft. Sogar die finale emotionale Szene zwischen Selina und Bruce schafft es irgendwie, mir emotionale Nähe zu dem romantischen Beinahe-Paar beizubringen. Zwar bleibt die Bathöhle mit dem Batcomputer immer noch unberührt, doch diese Woche geht der beste Erzählstrang ganz klar an Bruce.

Fazit

Es wird sehr deutlich, dass Gotham das Halbstaffelfinale der nächsten Woche mit dem großen Kampf Pinguin vs. Galavan vs. Gordon füllen möchte. Jedoch stößt mir der Weg dahin etwas sauer auf. Zu zufällig scheinen mir die angeblichen Meisterpläne des Oberbösewichts Galavan, zu durchschaubar die Auflösung und Stolpersteine. Wenn der adoleszente Bruce bereits besser durchgeführte Pläne zusammen mit Selina auf die Beine stellen kann, dann sägt das doch schon sehr an der Authentizität des schurkischen Genies.

Bereit für Rache: Oswald, der Pinguin (Robin Lord Taylor).
Bereit für Rache: Oswald, der Pinguin (Robin Lord Taylor). - © FOX

Darüber hinaus werden mal wieder sehr viele sehr große Timingzufälle in der Polizeiarbeit Gordons und Bullocks präsentiert, die nicht nur die zueinander passenden Fälle verfolgen, sondern auch immer zu der Zeit am Tatort auftauchen, wenn die Bösewichte gerade dabei sind, ihre Taten zu vollziehen. Sicherlich gehört das zu einem Kernelement der comichaften Umsetzung von Gotham. Anhand des Bruce-Plots sehen wir jedoch was an Kalkül noch drin wäre.

Trailer zur kommenden Episode von „Gotham“:
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 24. November 2015

Gotham 2x10 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 10
(Gotham 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Der Sohn Gothams
Titel der Episode im Original
Rise of the Villains: The Son of Gotham
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 23. November 2015 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 1. September 2016
Autor
John Stephens
Regisseur
Rob Bailey

Schauspieler in der Episode Gotham 2x10

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