Westworld 2x04

© lsie (Shannon Woodward) is back! (c) HBO
Als sich die Drehbuchautoren Gina Atwater und Jonathan Nolan sowie die Regisseurin Lisa Joy einen Namen für die Westworld-Episode The Riddle of the Sphinx überlegt haben, dürften sie sich ordentlich ins Fäustchen gelacht haben. Schließlich ist ausgerechnet die Folge, die das Rätsel schon im Namen trägt, eine der wenigen, die gleich mehrere Antworten bereithält. Und das mitten in der zweiten Staffel. Vielleicht haben sich die Serienmacher die Kritik an der ersten doch zu Herzen genommen.
People aren't meant to live forever
Diese neue Direktheit ist höchst willkommen, wenn auch in Zukunft dann gerne wieder mit Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton). Ihre Abwesenheit wird immerhin durch die Rückkehr einer lange verloren geglaubten Figur und die Enthüllung der Identität einer neuen abgefedert. Im Mittelpunkt steht indes ein weiterer Charakter, der erst in der zweiten Staffel eingeführt wurde: James Delos (Peter Mullan). Er ist in einer Art Vorhölle für Klonandroide gefangen, in der nach dem Rezept für ewiges Leben geforscht wird.
Das ist denn auch der eigentliche Grund für die Existenz von Westworld und aller anderen Parks. Der junge William (Jimmi Simpson) hat das Potential von Fords Technologie erkannt und will daraus nun größtmögliches Kapital schlagen. Als erster Proband steht sein Schwiegervater Jim bereit, der - wie alle Größenwahnsinnigen - vom ewigen Leben träumt. Seine physische Erscheinung lässt sich da bereits prima kopieren, allerdings hakt es noch an der Entwicklung des Bewusstseins. Klon-Jim erreicht immer wieder das „cognitive plateau“, von wo aus es nicht mehr weitergeht - 149-mal muss er eingeäschert werden, weil sich sein Verstand zurückentwickelt.
Nachdem er zweimal vom jungen William besucht und mit der gleichen Unterhaltung traktiert wurde, versucht es der gealterte William (Ed Harris) auch noch mal mit ihm. Dessen Wandlung vom hoffnungsvollen, idealistischen Jüngling zum zynischen alten Sack hat jedoch Spuren hinterlassen. Nach dem Selbstmord seiner Ehefrau und dem Drogentod seines Freundes Logan glaubt er, dass der Allgemeinheit am besten gedient ist, wenn manche Männer einfach sterben. Ob er damit auch sich selbst meint, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht ersichtlich...
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Immerhin gelingt es der Serie damit endlich, nach anderthalb Staffeln, aus William mehr zu machen als nur den eindimensionalen Bösewicht. Wie seine Überlegungen bezüglich des ewigen Lebens aber zu seiner sklavischen Verehrung des vermuteten Ford'schen Spiels passen, ist mir immer noch nicht ganz klar. Was sucht er in Westworld, was er sonst nirgendwo finden kann? Wie diese Episode zeigt, weiß er ja bestens Bescheid über die innere Funktionsweise des Parks. Welches Geheimnis vermutet er also hinter Fords vermeintlicher Verschwörung? Gibt es diese überhaupt?
You live only as long as the last person who remembers you
Am Ende der Episode trifft er überraschenderweise auf seine Tochter Grace (Katja Herbers). Was sie in Raj- beziehungsweise Westworld wollte, wussten wir bislang nicht. Nun haben wir immerhin einen Anhaltspunkt, was - für eine Puzzleserie wie diese - beinahe einen Rekord bedeuten könnte: Nur eine Episode nach der Einführung einer neuen Figur wurden bereits erste Fakten geschaffen. Wow. Dank ihrer kurzzeitigen Gefangenschaft mit Stubbs (Liam Hemsworth) wissen wir nun auch, dass sie sich bereits sehr lange im Park aufhält und auch nicht so schnell vorhat, diesen zu verlassen - ganz der Papa also.
Alle Freunde dramaturgischer Klarheit dürften überdies verzückt darüber sein, dass die beiden Handlungsbögen der Episode am Ende auch noch zusammengeführt werden. Außerdem konnte hier ein lautes Jubeln des Elsie-Fanclubs vernommen werden, als sie von Bernard (Jeffrey Wright) entdeckt wurde. Dass sie aber am Ende bei ihm bleibt, obwohl er sie gefangen gehalten hatte, statt wie geplant das Festland zu kontaktieren, ist wieder einer dieser schwer verdaulichen Westworld-Winkelzüge. Das sind narrative Abkürzungen, die den Sehspaß deutlich trüben.
Elsie (Shannon Woodward) muss wohl noch einmal von Bernard hintergangen werden, um endlich auf den Trichter zu kommen, dem ferngesteuerten Ford-Bot nicht vertrauen zu können. Sie hilft ihm bei der Rekonvaleszenz, bekommt aber sonst nicht viel aus ihm heraus - im Gegensatz zu uns Zuschauern, die wir erfahren, dass Bernard und die von ihm gesteuerten, gesichtslosen Androiden für das Massaker in Section 12 verantwortlich sind. Hier stellt sich abermals die Frage, wie weit in die Zukunft Fords Manipulationen reichen. Spannender wäre es aus meiner Sicht jedenfalls gewesen, hätte dessen Einflussnahme mit seinem Tod geendet.
Wie so oft bildet Williams Suche nach Erlösung den schwächsten Teil der Episode. Die Auseinandersetzung mit Major Craddock (Jonathan Tucker) ist weder aus intellektueller noch aus inszenatorischer Sicht besonders interessant. Von Lawrences Tochter bekommt er indes einen weiteren kryptischen Hinweis, der momentan noch nicht viel bedeutet. In solchen Momenten bin ich ganz bei Elsie: „Fuck Ford and his game. Fuck these assholes and their project.“
Trailer zu Episode 2x05: „Akane No Mai“
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Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 14. Mai 2018Westworld 2x04 Trailer
(Westworld 2x04)
Schauspieler in der Episode Westworld 2x04
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