Westworld 2x05

© olores (Evan Rachel Wood) trifft eine weitreichende Entscheidung. (c) HBO
Das Erzähltempo in der zweiten Staffel von Westworld bleibt hoch. Nachdem wir bereits einen kleineren Einblick in einen weiteren Park der Milliardärenattraktion bekommen haben, stellt uns die Episode Eine neue Stimme nun in größerem Detail die Shogunworld vor. Weil wir mit den Augen von Maeve (Thandie Newton) und Konsorten in diese Welt eintauchen, fällt es leichter, eine emotionale Verbindung zum Plot aufzubauen, was in Rajworld noch nicht der Fall war, weil wir die Protagonistin noch nicht kannten.
Mutterliebe verbindet
Drehbuchautor Dan Dietz und Regisseur Craig Zobel bedienen sich hierfür eines einfachen Tricks. Sie lassen die Geschichten in Shogunworld einfach so ablaufen wie in Westworld. Nicht nur sieht die Stadt, in die Maeve, Hector (Rodrigo Santoro) und Armistice (Ingrid Bolso Berdal) entführt werden, genauso aus wie Sweetwater, nur mit japanischem Touch, die dort stattfindenden Handlungsbögen gleichen denjenigen im Wilden Westen auch aufs Haar. Lee Sizemore (Simon Quarterman) kann da nur entschuldigend mit den Schultern zucken.
Allerdings gibt es eine Wendung, die Maeve so nicht hätte vorhersehen können, und die ihrer eigenen Vorgeschichte doch sehr ähnlich ist. Ihre Entsprechung in Shogun-Stadt ist die Geisha Akane (Rinko Kikuchi), die sich einst einem ausgehungerten Straßenmädchen angenommen und es zu ihrer besten Tänzerin ausgebildet hat. Ebenjene Sakura (Kiki Sukezane) möchte der Shogun, der die Stadt mittels Armee und Ninjas terrorisiert, nun in seinen Harem aufnehmen. Das gilt es zu verhindern, wobei Maeve eine äußerst nützliche neue Fähigkeit entdeckt - sie kann manche Roboter nun sogar geräuschlos steuern.
Das kommt dem inszenatorisch blendend umgesetzten Klimax der Episode zugute, als der Shogun sein Wort bricht, Sakura kurzerhand ermordet, wenig später aber seinerseits von der rachsüchtigen Akane ermordet wird. Eigentlich müssten sie und Maeve nun den Shogun-Kämpfern ausgeliefert sein, aber Letztgenannte setzt rechtzeitig ihre neue Spezialfähigkeit ein. Wird sie dadurch nun zum unbesiegbaren Super-Androiden? Die Regeln ihrer Manipulationskunst sind noch nicht ersichtlich genug, um darüber ein Urteil zu fällen. Trotzdem besteht die Gefahr, dass damit dramaturgischer Quatsch getrieben wird.

Etwas weniger spektakulär, dafür aber ähnlich überraschend geht es im zweiten großen Handlungsbogen der Episode zu. Nachdem ihr Vater vom Delos-Eingreiftrupp entführt wurde, setzt Dolores (Evan Rachel Wood) nun alles daran, ihn wiederzufinden. Dafür hält sie offensichtlich eine kurzzeitige Rückkehr nach Sweetwater für zielführend, da sich dort ein Zug befindet, der für schnelleres Vorankommen unabdingbar ist. Wo es genau hingeht, erfährt sie von einem gefangengenommenen Delos-Mann, der Angela (Talulah Riley) glücklicherweise in die Arme gefallen ist.
Größer denken
Das Spannende an diesem Erzählstrang ist aber nicht die Suche nach einem neuen Fortbewegungsmittel, sondern die weitreichende Entscheidung, die Dolores bezüglich ihres treusten Begleiters trifft. Der arme Teddy (James Marsden) versteht leider überhaupt nicht, auf wen oder was sie anspielt, als sie die Parabel von der befallenen Rinderherde erzählt. Sie hat nämlich leider ihn als Schwachstelle in ihrem unbarmherzigen Aufstandsplan ausgemacht, was er in dieser Episode abermals bestätigt, als er sie darum ersucht, es sich doch noch einmal zu überlegen mit dem Haus im Grünen.
Die omnipräsente beauty, von der er ohne Unterlass schwärmt, hat für Dolores aber keine Bedeutung mehr - sie weiß, dass das Gerede davon nur leere Worthülsen waren, um sie an ihrem Platz zu halten. Nachdem Teddy bereits vor zwei Episoden offenbart hat, dass er nicht dafür gemacht ist, ein kaltblütiger Mörder für den höheren Zweck zu werden, reicht es Dolores nun endgültig, als er erneut beginnt, von seinem schmalzigen Kleinbürgertraum zu fabulieren. Eine gemeinsame Nacht später lässt sie ihn festnehmen und kündigt an, ihn opfern zu wollen. Ob das allerdings wirklich geschieht, erfahren wir noch nicht.
Mit Akane No Mai liefert Westworld einen weiteren visuellen Leckerbissen. In dieser Hinsicht gibt es derzeit keine Serie, die höheren Maßstäben entspricht. Die Spiegelung der Welten in West- und Shogunworld kann jedoch auch kritisch betrachtet werden, Sizemores lapidarer Meta-Kommentar befreit die Serie davon nicht. In diesem Falle funktioniert es gut, weil Maeve in Akane eine so charismatische Mitstreiterin gefunden hat. Bleibt abzuwarten, ob dies nur ein einmaliger Ausflug war, oder ihre Kräfte fortan gebündelt werden. Wünschenswert wäre sicherlich Letzteres.
Trailer zu Episode 2x06: „Phase Space“
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 21. Mai 2018Westworld 2x05 Trailer
(Westworld 2x05)
Schauspieler in der Episode Westworld 2x05
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