Westworld 2x03

Westworld 2x03

Bereits in der dritten Episode der zweiten Staffel von Westworld kommt es zum großen Spektakel. Jedoch kann das nicht davon ablenken, wie leer sich die Serie bisweilen anfühlt. Ein paar starke Charaktermomente weist Virtù e Fortuna glücklicherweise trotzdem auf.

Maeve (Thandie Newton) und Hector (Rodrigo Santoro) befinden sich auf der Flucht. (c) HBO
Maeve (Thandie Newton) und Hector (Rodrigo Santoro) befinden sich auf der Flucht. (c) HBO
© aeve (Thandie Newton) und Hector (Rodrigo Santoro) befinden sich auf der Flucht. (c) HBO

Zum ersten Mal bekommen wir in der Westworld-Episode Virtù e Fortuna einen Einblick in einen anderen Freizeitpark des Delos-Konzerns. Im zweiten Cold Open der zweiten Staffel lernen wir Grace (Katja Herbers) kennen, die sich in einer dem englischen Kolanialimperium in Indien entlehnten Welt mit einem weiteren Gast vergnügt - aber erst, nachdem sich beide auf Menschlichkeit getestet haben. Allzu lange wird dieser Spaß für sie jedoch nicht währen, bald darauf tobt auch hier der Aufstand.

Let them come

Von einem Tiger getrieben flüchtet Grace über die Grenzen dieses Parks hinaus, was wohl üblicherweise von einer Lichtschranke verhindert werden soll, die aber abgeschaltet zu sein scheint. Ein Sprung in die Tiefe rettet ihr das Leben und tötet ihren Verfolger, wodurch wir eine Erklärung für das Auftauchen des Tigers in der Auftaktepisode erhalten. Ein wenig überraschend ist es schon, dass die einzelnen Parks solcherart miteinander verbunden sind, dass man ganz einfach von einem in den nächsten wandern beziehungsweise schwimmen kann... Endgültige Rettung bedeutet das für Grace jedoch nicht.

Am Westworld-Ufer angelangt, stellt sich ihr bereits die nächste Bedrohung in den Weg - Ureinwohner-hosts, die selten einen freudigen Gesichtsausdruck auftragen. Die Figur Grace wurde indes nicht nur eingeführt, um uns eine neue Welt zu zeigen. Sie verfolgt außerdem eine eigene Agenda, von der wir bislang nicht mehr kennen als eine prägnante Zeichnung, die sie in ihrem Notizbuch angefertigt hat. Ebenjene Zeichnung, eine Art Logo, ist später noch einmal in einer Szene zu sehen, in der sich Bernard (Jeffrey Wright) um Peter Abernathy (Louis Herthum) kümmert.

Hinter letztgenanntem sind in dieser Episode mehrere Parteien her, was noch einmal die Frage aufwirft, warum es keinen besseren Weg für Charlotte Hale (Tessa Thompson) gegeben hat, Informationen aus dem Park zu schmuggeln. Der Handlungsbogen rund um sie und Bernard teilt sich erneut auf zwei Zeitebenen auf, wovon eine ziemlich überflüssig erscheint. Zunächst ist Bernard im zeitlich späteren Erzählstrang mit Strand (Gustaf Skarsgard) und Maling (Betty Gabriel) unterwegs, wobei sie abermals auf Charlotte treffen, die sich darüber wundert, wie Bernard trotz seiner Ausfälle überleben konnte.

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Währenddessen präsentieren die Drehbuchautoren Roberto Patino und Ron Fitzgerald eine Rückblende in die Zeit unmittelbar nach der „Journey Into Night“, als Hale und Bernard noch zusammen unterwegs waren. Sie suchen Abernathy, bringen ihn dank einer Umprogrammierung von Rebus (Steven Ogg) kurzzeitig in ihre Gewalt, um ihn gleich darauf wieder an die Confederados zu verlieren. Außer der Trennung von Hale und Bernard hat dieser Handlungsbogen keinen Mehrwert. So kommt leicht das Gefühl auf, dass hier auf Biegen und Brechen eine zusätzliche Zeitebene eingebaut werden sollte.

My father, my home

Dolores (Evan Rachel Wood) setzt derweil ihre Rekrutierungsbemühungen fort. Dank der nicht ganz freiwilligen Unterstützung von Major Craddock (Jonathan Tucker) gelingt ihr dabei ein großer Einstellungscoup. Fortan kann sie auf die Kampfkraft der in Fort Forlorn Hope stationierten Confederados zählen. Und die wird sie brauchen, weiß sie doch, dass sich eine kleine Armee mit automatischen Waffen auf ihren Fersen befindet. Aber auch dafür hat sie bereits einen Plan, der im letzten Drittel der Episode spektakuläre audiovisuelle Gestalt annimmt.

Zuvor versuchen die Drehbuchautoren und Regisseur Richard J. Lewis, einige bewegende Charaktermomente zu schaffen, was bei mir nicht besonders gut funktioniert. Ins Fort sind nämlich auch Peter und Bernard gebracht worden. Vater und Tochter Abernathy erkennen sich, allerdings stellt sich bald heraus, dass Peter durch seine Umprogrammierung einen bleibenden Schaden davongetragen hat, den selbst Bernard nicht so einfach beheben kann. Immerhin gelingt es dem Arnold-Klon während des Angriffs der Delos-Soldaten, die in Peter abgespeicherte Datei zu entschlüsseln.

Allerdings kann auch er nicht verhindern, dass Charlotte und Konsorten bekommen, was sie gesucht haben. Für Dolores bedeutet das zusätzliche Motivation im Kampf gegen ihre Unterdrücker. Das Ziel ihres Aufstands formuliert sie gegenüber Bernard: „To dominate this world.“ Er will sie daraufhin folgendermaßen bremsen: „It's just a speck of dust sitting on a much, much bigger world.“ Aber wie wir in der letzten Episode gesehen haben, kennt Dolores bereits die Welt außerhalb von Westworld - und ist davon ganz offensichtlich überhaupt nicht eingeschüchtert.

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Für die interessanteste Entwicklung in dieser Episode sorgt überraschenderweise Teddy (James Marsden). Nach dem Angriff auf das Fort, das von Dolores und Co verteidigt werden kann, weigert er sich, ihren Exekutionsbefehl auszuführen und Craddock zu ermorden. Dies ist eine signifikante Abkehr von seiner Programmierung, hatte er einst doch nicht mit der Wimper gezuckt, ehe er Dolores' aka Wyatts Schießbefehl ausführte und die Bevölkerung von Escalante beinahe eigenhändig auslöschte. Nun hat Robo-Teddy offensichtlich dazugelernt und ist charakterlich so weit gewachsen, dass er eine moralische Entscheidung treffen kann.

It's a slaughterhouse in there

Das missfällt Dolores sichtlich, was eine spannende Figurenzeichnung einläuten könnte. Weniger Raum für solch komplexe Gefühle lässt derzeit der Handlungsbogen rund um Maeve (Thandie Newton). Hier schraubt das Kreativteam den Pulp-Faktor bis zum Anschlag nach oben. Das hat zunächst ziemlich witzige Auswirkungen, da Lee Sizemore (Simon Quarterman) abermals den punching bag für Maeve und Hector (Rodrigo Santoro) abgeben darf - und das auch noch im neuen, wenig stylischen Sancho-Panza-Look. LOL.

Eine erste Bedrohung stellt sich ihnen in Form mehrerer Ureinwohner in den Weg, die sich von Maeve nicht kontrollieren lassen. Außerdem scheint Hector kurzzeitig das Schießen verlernt zu haben, was bedeutet, dass sie sich in einen Delos-Aufzug flüchten müssen. Dort lässt Sizemore einen Blick in seine geschundene Seele zu, der offenbart, dass er den Verlust über seine Isabella in seinen Westworld-Geschichten verarbeitet hat. Allzu viel Zeit bleibt allerdings nicht für persönliche Plauderei, denn um die Ecke kündigt ein Schusswechsel bereits weiteres Unheil an. Dieses erreicht unsere Truppe in aufregender, feuriger Form: Armistice (Ingrid Bolso Berdal) is back!

Dieser Auftritt ist für Patino und Fitzgerald aber immer noch nicht genug des Spektakels. Im „Klondike Narrative“, wohin die Maeve-Gruppe schließlich geflüchtet ist, wird sie ganz am Ende noch von einem Samurai-Kämpfer angegriffen. Diese und viele andere Szenen in Virtù e Fortuna verdeutlichen, wie wichtig den Westworld-Machern ihre aufsehenerregenden Elemente sind. Sie scheinen speziell für das Social-Media-Zeitalter konzipiert worden zu sein: Schaut her, hier gibt es Tiger! Feuerwerfer! Samurai! Das alles ist nett anzusehen, entwickelt aber wenig emotionale Wucht. Schade.

Trailer zu Episode 2x03, „The Riddle of the Sphinx“:

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 7. Mai 2018

Westworld 2x03 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 3
(Westworld 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Das Fort der verlorenen Hoffnung
Titel der Episode im Original
Virtù e Fortuna
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 6. Mai 2018 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 7. Mai 2018
Autoren
Roberto Patino, Ron Fitzgerald
Regisseur
Richard J. Lewis

Schauspieler in der Episode Westworld 2x03

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