Westworld 2x02

Westworld 2x02

Auf den gelungenen Auftakt der zweiten Staffel von Westworld folgt mit Reunion eine ebenso gelungene Episode. Darin bekommen wir neue Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Androiden und des Parks sowie einen überraschenden Gastauftritt.

Coolness in Person I: Maeve (Thandie Newton) (c) HBO
Coolness in Person I: Maeve (Thandie Newton) (c) HBO
© oolness in Person I: Maeve (Thandie Newton) (c) HBO

Zum ersten Mal startet in Reunion eine Episode von Westworld mit Cold Open. Dieses beschert uns eine weitere Zeitebene, was den Zählerstand in dieser Folge auf insgesamt vier schraubt. Dolores (Evan Rachel Wood) betritt darin dank Arnold (Jeffrey Wright) erstmals die echte Welt. Die vielen Lichter der Großstadt hält sie für abgestürzte Sterne, wie so oft ist sie von der Schönheit ihrer Umgebung überwältigt: „Have you ever seen anything so full of splendor?“ Allerdings wurde sie nicht nur dorthin gebracht, um den Glanz zu bewundern.

Dead isn't what it used to be

Der junge Robert Ford (gesprochen von Anthony Hopkins, wie es sich anhört) will sie vor potentiellen Investoren vorführen, wird jedoch von Arnold daran gehindert, weil der glaubt, dass Dolores noch nicht bereit dafür sei. Später werden wir trotzdem Zeuge eines solchen Investorentreffens, allerdings ohne Dolores. In dieser Zeitlinie waren der junge William (Jimmi Simpson) und Logan Delos (Ben Barnes) noch gar nicht im Park, sondern müssen erst von Angela (Talulah Riley) und Akecheta (Zahn McClarnon) von der Argos-Initiative von einem Besuch überzeugt werden.

Das gelingt mit einer beeindruckenden Präsentation, die William zwar nicht miterlebt, Logan aber vollends von den Socken haut. Schon da zeigt er jedoch kaum für mehr Interesse als die sexuellen Optionen, die sich aus diesen lebensechten Androiden ergeben. Mich hat in dieser Szene vor allem überrascht, dass Logan so wenig Ahnung davon hat, wie weit die Argos-Arbeiten fortgeschritten sind. In einer Welt wie unserer, in der über jeden kleinen Fortschritt detailliert berichtet wird, sollte eine solch revolutionäre Errungenschaft nicht lange verborgen bleiben - vor allem vor einem Investor, dessen Geschäftsgrundlage auf Informationen basiert.

Wie wir wissen, lassen sich Logan und William nach ihrem Parkbesuch auf den Kauf ein, allerdings ist nur noch William wirklich davon überzeugt. Er überredet seinen Schwiegervater James (Peter Mullan) dazu, das Rieseninvestment zu tätigen, weil er ihm glaubhaft versichern kann, dank des Parks an die Informationen gelangen zu können, die im digitalen Zeitalter wertvoller sind als Gold: wie Menschen nämlich in ihrem Innersten wirklich ticken. Weil sie sich in Westworld an keine Regeln zu halten haben und Gott spielen können, werde das offenbart.

Coolness in Person II: Dolores (Evan Rachel Wood) und Teddy (James Marsden)
Coolness in Person II: Dolores (Evan Rachel Wood) und Teddy (James Marsden) - © HBO

Logan allerdings erkennt früh das Aufstandspotential, das in den Androiden schlummert und sich nun ja auch Bahn bricht. Auf der Ruhestandsparty seines Vaters trifft er im Drogenrausch auf Dolores, die sich nun in seinem, vor allem aber in Williams Besitz befindet. Letztgenannter zeigt schließlich sein wahres, grausames Ich, als er Dolores in einem Westworld-Labor davon berichtet, was er wirklich von ihr hält: „You didn't make me interested in you. You made me interested in me. Turns out you're not even a thing, you're a reflection.

Bound for glory

Selbst für einen Maschinenmenschen sind das brutale Zeilen. Offenbar hat William aber aus diesem vergangenen Fehlverhalten gelernt, denn er will nun, mindestens 30 Jahre später, den gesamten Park zerstören. Dazu muss er zum „Valley Beyond“ im Westen des Parks reisen, einem Ort, den er selbst als seinen größten Fehler bezeichnet. Der Weg dorthin führt durch Pariah, wo sich William eine kleine Armee zusammenstellen will, damit er die Confederados nicht alleine mit seinem Sidekick Lawrence (Clifton Collins Jr.) bekämpfen muss.

Allerdings wird er von Ford aus dem Grabe daran gehindert. In Pariah treffen Lawrence und William auf El Lazo, überraschenderweise gespielt von Giancarlo Esposito. Statt sich jedoch William anzuschließen, animiert der Großkriminelle, der in einer anderen Zeitlinie einst von Lawrence verkörpert wurde, seine Männer dazu, sich zu erschießen, und richtet sich mit Williams Waffe schließlich selbst: „This game was meant for you, William. But you must play it alone.“ Und zum Schluss wieder das große Schlagwort dieser Staffel: „I'll see you in the Valley Beyond.

Dorthin ist auch Dolores mit ihrer Entourage unterwegs, sie erinnert sich an den Ort, weil William sie schon einmal dort hingebracht hatte, als er im Entstehen begriffen war. Jedoch sucht auch sie zunächst nach Unterstützung, da ihr ein Parkangestellter verrät, dass sie mit einer Gegenwehr von mehreren hundert Soldaten zu rechnen hat. Warum eigentlich nur so wenige? Müssten nicht sämtliche Staaten der Erde ihre Feuerkraft vereinen, um den Aufstand der Maschinen im Keim zu ersticken? Fündig wird Dolores jedenfalls bei einer Gruppe Confederados, die von Major Craddock (Jonathan Tucker) angeführt wird.

Coolness in Person III: Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton)
Coolness in Person III: Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton) - © HBO

Ihn zu überzeugen, ist kein leichtes Unterfangen, wird von Dolores aber mit maximaler Chuzpe angegangen. Natürlich lässt sich ein abgebrühter Soldat wie Craddock von einer Frau erst mal überhaupt nichts sagen, aber wenn diese dann ihre göttlichen Fähigkeiten demonstriert, ihn ermordet und sofort wieder reanimiert, lässt er sich doch umstimmen: „We toiled in god's service long enough, so I killed him.“ Wood spielt diese Szenen mit Bravour, die eiskalte Dolores sorgt einmal mehr für große Gänsehautmomente.

A place hidden from god

Weniger prickelnd läuft das erste Zusammentreffen mit Maeve (Thandie Newton) ab, seitdem beide ihre eigenen Robo-Aufstände begonnen haben. Das Schauspiel ist zwar oberste Güte, aber es fällt schwer nachzuvollziehen, warum sofort eine solch eisige Stimmung zwischen ihnen herrscht. Sie hatten in der Vergangenheit nur wenige Interaktionen, in denen es meist nur um Oberflächliches ging. Wieso legen sie sich nun also sofort miteinander an? Eigentlich müsste es doch möglich sein, ihre beiden Ziele - Maeves Tochter finden und den Park zerstören - zu vereinen.

Wie sie letztgenanntes Ziel umsetzen will, verrät Dolores am Ende der Episode gegenüber Teddy (James Marsden). Das berüchtigte „Valley Beyond“ ist nämlich nicht nur ein Ort, sondern auch eine Waffe. Diese wolle Dolores finden und einsetzen. Teddy muss dafür nicht mehr überredet werden, denn er findet hier zum ersten Mal heraus, wo er herkommt und was mit ihm in der Vergangenheit angestellt wurde. Von ihm haben wir am Ende der letzten Episode ja - leider - schon erfahren, dass er durch Bernards Überflutungsaktion sterben wird.

Der dramaturgische Mehrwert dieser Vorblende erschließt sich mir nicht, nimmt er Teddys Handlungsbogen doch eine gehörige Portion Spannung. Neben diesem und den anderen erwähnten Kritikpunkten befindet sich Westworld aber auch in Reunion auf einem guten Weg. Obwohl abermals zusätzliche Zeitebenen eingeführt wurden und bisweilen immer noch zu labyrinthisch palavert wird, erfreut sich die zweite Staffel einer Stringenz, die die erste zu oft vermissen ließ.

Trailer zu Episode 2x03 der US-Serie „Westworld“, „Virtù e Fortuna“:

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 30. April 2018

Westworld 2x02 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 2
(Westworld 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Der Weg nach Glory
Titel der Episode im Original
Reunion
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. April 2018 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 30. April 2018
Autoren
Carly Wray, Jonathan Nolan
Regisseur
Vincenzo Natali

Schauspieler in der Episode Westworld 2x02

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