Westworld 1x03

Westworld 1x03

Während ein weiterer defekter Host Betriebsstörungen in Westworld verursacht, erhält der leidgeprüfte Teddy endlich eine neue Storyline. Dr. Ford gewährt indes Einblicke in die mysteriöse Geschichte des Vergnügungsparks.

Teddy (James Marsden) erhält endlich eine neue Bestimmung. / (c) HBO
Teddy (James Marsden) erhält endlich eine neue Bestimmung. / (c) HBO

Die Westworld-Episode The Stray wirft wie ihre Vorgänger zahlreiche Fragen zur Funktionalität oder Dysfunktionalität der androiden Hosts auf. Gleichzeitig geben die Serienschöpfer Jonathan Nolan und Lisa Joy einige vage Antworten, die wiederum zu neuen Fragen führen. Während das Mysterium also weiterhin Gestalt annimmt, kann sich der tausendfach ermordete Teddy (James Marsden) über eine neue Storyline und Hintergrundgeschichte freuen, wenngleich die kaum weniger tragisch ist als seine alte. Die Parkangestellten Elsie (Shannon Woodward) und Stubbs (Luke Hemsworth) müssen derweil einen ausgebüxten Host aufspüren und Bernard (Jeffrey Wright) wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Some hands weren't meant to pull the trigger

Aus Mitleid, Langeweile oder Vorsicht verpasst Dr. Ford (Anthony Hopkins) dem Revolverhelden Teddy, der tagein, tagaus dafür herhalten muss, erschossen zu werden, endlich eine Art Lebenssinn. Zwar war in Teddys Code stets ein gewisses Schuldgefühl einprogrammiert, das ihn unter Kontrolle halten sollte, doch nun darf er auch verstehen, wieso er sich fühlt, wie er sich fühlt. Zumindest spendiert Ford ihm eine mögliche Wahrheit, die nun auf Teddys Festplatte festgeschrieben steht. Dieser zufolge lassen sich all seine Taten auf die traumatische Begegnung mit einem Mann namens Wyatt (Sorin Brouwers) zurückführen. Wyatt war früher angeblich sein Sergeant und Freund, bis er zu einer teuflischen Bestie wurde, die Teddy um alles auf der Welt zur Strecke bringen will.

So ergibt sich nicht nur ein spannendes Abenteuer für eine waghalsige Parkbesucherin, die sich gemeinsam mit Teddy auf die Jagd begibt und auch sonst allen Verlockungen des Parks verfallen ist, die man eher dem männlichen Geschlecht zuschreiben würde, sondern für Teddy auch eine Ablenkung von Dolores (Evan Rachel Wood). Diese setzt ihre Evolution nämlich ungebrochen fort, stellt sich Fragen, die sie sich nicht stellen dürfte und verfolgt Ziele, die „Westworld“ ins Chaos stürzen könnten.

Doch bevor Dolores eigenhändig die große Revolution der Roboter anzettelt, auf die momentan alles hinausläuft, will sie lieber flüchten. Sie bittet Teddy, mitzukommen und sie in ein von ihm selbst beschriebenes Paradies zu führen. Teddys Versprechen enden jedoch immer mit der Phrase „Eines Tages“, was Dolores zusehends missfällt. Anders als sie hinterfragt er noch nicht die Natur seiner Realität und so bleibt ihr nichts übrig, als auf ihn zu warten oder ihm den Rücken zu kehren. Dass ihr zweiteres nicht so einfach möglich sein dürfte, wird anhand ihrer sorgenvollen Mine ob Teddys ungewissen Lebensstatus gegen Ende der Episode deutlich. Mit ihrem wachsenden Bewusstsein gehen eben auch tiefgreifende Gefühle einher - vielleicht sogar das wahrer Liebe.

Elsie (Shannon Woodward) sucht nach dem herumirrenden Streuner. © HBO
Elsie (Shannon Woodward) sucht nach dem herumirrenden Streuner. © HBO

Hätte auch Teddy einen Funken von Bewusstsein, so würde er erkennen, dass er sich lieber für die Flucht mit Dolores statt für die Jagd seiner Nemesis hätte entscheiden sollen. Denn wie üblich endet sein Tag in einem qualvollen Tod. Wyatts gruselige Gesellen kesseln ihn in den Bergen ein und schlachten ihn auf brutalste Weise ab. Ohnehin ist es die wohl gewalttätigste Episode, die Westworld bislang präsentierte. Dazu kann man stehen wie man will, solange die Serie diese Elemente jedoch verwendet, um die aufgebaute Spannung angemessen gipfeln zu lassen, haben sie eine legitime Funktion. Zur Spannung zuträglich ist auch die Tatsache, dass man bei neuen Figuren, etwa bei Teddys Begleiterin Marti (Bojana Novakovic), auf Anhieb niemals weiß, ob sie Mensch oder Maschine sind.

Stuck in a loop

Dolores ist bekanntlich nicht der einzige Host, der außer Kontrolle geraten ist. Anders als sie genießen die anderen allerdings nicht den persönlichen Schutz Bernards. So ist es Elsie, die den Amokläufer Walter (Timothy Lee DePriest) untersucht, der im Saloon wild um sich schoss und dabei seine Milch hinunterstürzte. Mit scharfem Auge erkennt Elsie in dem Chaos ein Muster, nämlich dass Walter nur die Hosts getötet hat, die ihm in früheren Storylines, an die er sich gar nicht erinnern dürfte, geschadet haben. War es also Rache? Sind Roboter zu Rache fähig?

Ihr Vorgesetzter Bernard hat zwar auch keine Antworten, verspricht ihr aber, der Sache nachzugehen. Und so kann sich Elsie gemeinsam mit dem Ranger Stubbs um ein anderes Problem kümmern, um einen Ausreißer. Bei diesem handelt es sich um einen Holzhacker, der aus seiner Lagerfeuerszene geflohen ist und seine Cohosts damit in eine unendliche Wiederholungsschleife geworfen hat. Wieso er gegangen ist und wohin er will, wissen Elsie und Stubbs nicht. Besonders schockiert und damit vorsichtig scheinen sie aber auch nicht zu sein. Die langweilige Suche versüßen sich die beiden mit kleinen Flirts und Zankereien.

Als sie den Gesuchten entdecken, eingequetscht in einer Felsspalte, wird ihnen ihre Unachtsamkeit beinahe zum Verhängnis. Denn als Stubbs dem bärtigen Roboter gerade den Kopf absägen will, erwacht dieser unerwartet aus dem Schlafmodus. Er schafft es, Stubbs zu überwältigen und widmet sich nun Elsie. Mit einem Steinbrocken in den Händen wie einer der Affen in Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ steht der primitive Roboter bedrohlich über ihr. Er könnte sie töten, erschlägt aber stattdessen sich selbst. War es also Selbstmord? Sind Roboter zu Selbstmord fähig? Und was bedeuten die mysteriösen Schnitzereien des Streuners? Fragen über Fragen...

Dear, Dear! How queer everything is to-day!

Bei all den Fragen ist zumindest eines gewiss: Nur Dr. Ford kennt ihre Antworten. Und so sucht Bernard, Fords Lieblingsschüler, den alten Mann auf, um ein paar dieser Antworten zu erhalten. Tatsächlich lässt sich der Schöpfer des Parks darauf ein und gibt Bernard schließlich eine lehrreiche Geschichtsstunde über seine „Westworld“.

Dr. Ford (Anthony Hopkins) weiht Bernard (Jeffrey Wright) in die Geschichte des Parks ein. © HBO
Dr. Ford (Anthony Hopkins) weiht Bernard (Jeffrey Wright) in die Geschichte des Parks ein. © HBO

Ford erzählt ihm von seinem früheren Partner, einem mysteriösen Mann namens Arnold. Bei diesem handelt es sich um ein weiteres wichtiges Puzzleteil in der Frage, was mit den defekten Hosts nicht stimmt. Denn fast jeder von ihnen nannte Arnolds Namen oder schien sogar mit ihm zu sprechen. Die Verbindung zwischen Arnold und den Hosts liegt dabei wohl in der Überresten ihrer alten Codes, speziell in denen, die Fords inzwischen verstorbener Partner einst geschrieben hat.

Für Arnold sei es stets das Wichtigste gewesen, die Hosts so lebensecht wie möglich zu schaffen. Er wollte sie nicht nur als bloßes Mobiliar in einem billigen Vergnügungspark, sondern er sah in ihnen die Möglichkeit, echtes Leben zu erzeugen. Sein oberstes Ziel und letztendlich auch Grund seines Scheiterns war die Installation eines Bewusstseins, eines wie Dolores und Co es mittlerweile zu entwickeln scheinen. Bewusstsein sei für ihn das Verständnis der inneren Gedanken gewesen und die Erkenntnis, diese selbst kreiert zu haben. Primitive Lebewesen würden ihre Gedanken bloß als Stimmen ihrer Götter vernehmen, eine Fehlinterpretation, denen offenbar auch seine Geschöpfe zum Opfer fielen.

Genauso mysteriös wie Arnolds Arbeit ist sein Verschwinden. Ford deutet einen Selbstmord an. Doch bei der Art und Weise seiner Schilderungen entsteht unweigerlich der Verdacht, dass mehr dahinter stecken könnte. Sogar ein Mord seitens Ford erscheint nicht unwahrscheinlich. Er und der „Westworld“-Vorstand waren von Arnolds Visionen offensichtlich nicht begeistert. Vielleicht lebt Arnold aber auch in anderer Form noch weiter, etwa als Virus, als lobotomierter Klavierspieler oder gar als der Man in Black (Ed Harris)? Wie gesagt, jede Szene wirft unendlich viele Fragen auf, was den besonderen Reiz der Serie ausmacht.

Auch Bernard scheint seinem Meister nicht vollends zu glauben, was ihn zu einer Entscheidung führt, die sich im Rückblick irgendwann als fataler Moment der Geschichte herausstellen könnte. Er verzichtet nämlich auf eine Formatierung Dolores', bei der er längst besorgniserregende Auffälligkeiten wahrgenommen hat. Er will nun beobachten, wie sie sich weiterentwickelt. Er scheint fasziniert von den Ideen Arnolds und will sie damit schützen. Ob dies für seine Sicherheit und die aller Menschen eine kluge Entscheidung ist, bleibt zu bezweifeln - immerhin hat Dolores, getrieben durch ihre grausamen Erinnerungen, inzwischen gelernt, zu töten. Doch Bernards Urteilsvermögen ist wegen der plagenden Erinnerung an den Tod seines Sohnes Charlie derzeit ohnehin nicht intakt. Auf die Frage seiner Exfrau Lauren (Gina Torres), ob er seinen Schmerz wie die Androiden lieber vergessen wollen würde, antwortet er aber entschlossen mit Nein.

Wenngleich sich die Episode The Stray weniger wie ein zusätzlicher Pilot anfühlt als Chestnut in der Vorwoche, nutzt Westworld noch immer den Großteil seiner Zeit zur Etablierung des komplexen Serienuniversums. Das verhindert zwar, dass die Handlung an Tempo gewinnt, könnte sich später allerdings ähnlich wie bei Game of Thrones gewaltig auszahlen. Bis es soweit ist, können Nolan und Joy auf ihre Fähigkeit vertrauen, uns Zuschauer mit interessanten Ideen, beeindruckender Bildsprache und vielversprechenden Charakteren bei Laune zu halten.

Trailer zu Episode 1x04: 'Dissonance Theory'

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 17. Oktober 2016

Westworld 1x03 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 3
(Westworld 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Der Streuner
Titel der Episode im Original
The Stray
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. Oktober 2016 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 9. Februar 2017
Autoren
Daniel T. Thomsen, Lisa Joy
Regisseur
Neil Marshall

Schauspieler in der Episode Westworld 1x03

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