Outlander 3x12

Outlander 3x12

Outlander entfernt sich von Episode zu Episode immer mehr von seiner Buchvorlage - dass das nicht zwingend etwas Schlechtes sein muss, zeigt das hier besprochene Beispiel The Bakra, die vorletzte Folge der dritten Staffel.

Claire und Jamie in „Outlander“ (c) Starz
Claire und Jamie in „Outlander“ (c) Starz
© laire und Jamie in „Outlander“ (c) Starz

So gut sich Claire (Caitriona Balfe) auch im 18. Jahrhundert wieder eingefunden hat, es gibt immer wieder Dinge, die sie als barbarisch empfindet und mit denen sie schlicht nicht klarkommt. Sklaverei gehört dazu. Nachdem die Artemis endlich in Kingston angelegt hat, inspiziert sie mit Jamie (Sam Heughan) den hiesigen Sklavenmarkt, um irgendwelche Anzeichen von Ian zu finden.

Wie man zu einem Sklaven kommt

Doch Claires sensible Seele ist nicht darauf vorbereitet, was sie hier erwartet. Sicher, theoretisch weiß sie, wie es auf einem Sklavenmarkt zugegangen ist, doch es wirklich zu sehen, zu riechen und zu fühlen, ist etwas ganz anderes. Wahrscheinlich gab es in ihrer Zeit in den 1950er oder 60er Jahren nichts, was sie darauf vorbereiten konnte. So gehören die Sequenzen auf dem Sklavenmarkt mit zu den eindringlichsten der Folge The Bakra - Menschen, die in Käfigen gehalten und feil geboten werden. Die wie Vieh ein Brandzeichen bekommen, damit man weiß, wem sie gehören. Dies alles kumuliert, als sie in die fast noch harmlose Versteigerung von Temeraire (Thapelo Sebogodi) hineinplatzt und die Veranstaltung zu sprengen droht. Jamie kann Schlimmeres verhindern, muss ihn aber in ihrem Namen kaufen. Schon allein, damit er sicher ist.

Ganz ohne Vorteil ist der Kauf für Jamie allerdings auch nicht, hat er in dem Sklaven sozusagen einen Kundschafter unter den Sklaven und erhöht damit die Chancen, Ian zu finden. Im Gegenzug versprechen sie, Temeraire freizulassen, sobald es sicher für ihn ist. Aber dieser Kauf hat noch eine andere Funktion im großen Kosmischen der Serie: Es zeigt, dass Claire und Jamie immer noch die gleichen ethischen Grundwerte haben - etwas, worauf sich aufbauen lässt. Das Gespräch im Schlafzimmer (ohne Sex) hatte Tiefe und Verständnis, etwas, woran man in Edinburgh und Lallybroch zweifeln konnte. Also keine Probleme mehr an der Front.

Der Gouverneur gibt sich die Ehre

So waren die Blicke, die sie sich auf dem Gouverneur-Ball zuwarfen auch mehr als vielsagend und man hatte ja gehofft, etwas von dieser Intimität ein wenig später mitzubekommen. Doch dieser Wunsch wird noch lange nicht erfüllt werden. Dafür stellt sich raus, dass der neue Gouverneur von Jamaika Lord John Grey (David Berry) ist. Der Gesichtsausdruck von John und Jamie war unbezahlbar, als sie sich erkannten. Gleich nach Claires Pingpong-Bewegung zwischen den beiden und ihrem offensichtlichen Gefühl, dass sie gerade etwas über ist, bis hin zur Realisation, dass Jamie diesem Manne ein Schmuckstück „schenkte“. Die Szenen mit Lord Grey gehören zu den Schmuckstücken der letzten Folgen, wenngleich es immer noch schade ist, dass dies das erste Treffen von Claire und ihm ist, weil hier Serie und Buch ganz erheblich voneinander abweichen. Man darf nicht dran denken, wie viel besser es hätte noch mal sein können, wenn es schon ein Band der Freundschaft zwischen den beiden gegeben hätte. Es fühlt sich an, als würde eine komplette Beziehungsebene fehlen. Aber gut, die Drehbuchschreiber haben sich anders entschieden...

Sklavenhandel in „Outlander“
Sklavenhandel in „Outlander“ - © Starz

Wenn man bedenkt, dass Jamie ja am Ende der Folge eben nicht in Claires Armen weilt, werden wir mit Sicherheit noch mehr von einer Zusammenarbeit von Lord John Grey und Claire sehen. Etwas, auf das wir uns mit Sicherheit sehr freuen dürfen, wenn es zwischen den beiden so weitergeht, wie es angefangen hat. Aber so weit sind wir noch nicht...

The witch is back

Einstweilen stellt sich Mrs. Abernathy aka Geillis (Lotte Verbeek) ein. Die ehemalige Mitangeklagte von Claire aus der ersten Staffel hat dank ihrer Schwangerschaft überlebt, ist Dougal bis Cullodon treu geblieben und hat dann einen Plantagenbesitzer geheiratet, der mittlerweile leider, leider verstorben ist. Niemand, der recht bei Verstand ist, wird nicht den einen oder anderen Gedanken darauf verwenden, ob den armen Mann nicht das gleiche Schicksal ereilt hat wie Ehemann Nummer eins. Außerdem ist uns natürlich nicht entgangen, dass sie anscheinend die Vorfahrin oder doch Namensgeberin von Claires Kumpel aus der Zukunft ist. Aber das nur am Rande.

Die gute Geillis besitzt nicht nur eine Plantage und ist anscheinend stinkreich. Sie badet auch in Ziegenblut, der Haut wegen, versteht sich immer noch auf Zaubertränke und hält sich eine Wahrsagerin sowie etliche Sklaven. Unter anderem auch Ian, der von ihren Männern gekidnappt wurde und dank eines ihrer Zaubertränke nicht nur das Bett mit ihr teilt, sondern auch das Geheimnis, dass die drei Edelsteine, auf deren Suche sie ist, Jamie gehören. Ach ja und außerdem hat sie immer noch nicht von dem Plan abgelassen, in Schottland wieder einen schottischen König auf den Thron zu setzen, wozu sie wiederum die Prophezeiung der Hellseherin braucht, die wiederum alle drei Edelsteine benötigt, von denen aber nur zwei in Geillis Besitz sind.

Bad im Ziegenblut in „Outlander“
Bad im Ziegenblut in „Outlander“ - © Starz

Das alles weiß Claire nicht, als sie Geillis auf dem Gouverneur-Ball trifft und ihr alles glaubt, was die ihr auftischt. Eine der wenigen Schwachstellen der Folge, wie ich finde. Claire, come on, Du weißt, dass diese Frau alles um sich herum manipuliert! Und doch ist sie komplett erstaunt, als sie durch Temeraire erfährt, dass Ian eben genau dort auf ihrer Plantage ist... Damit hat der Sklave seinen Teil der Verabredung erfüllt und entscheidet sich, auf der Insel in einer kleinen Kolonie entlaufener Sklaven zu leben. Kaum ist er entwischt, taucht aus dem Busch Captain Leonard (Charlie Hiett) auf und verhaftet, wie angekündigt, Jamie.

Ok, das hatten wir alles schon mal und ganz ehrlich: Es reicht irgendwie langsam, dass ständig einer von beiden gekidnappt oder gefangen genommen wird. Wenn man ein Trinkspiel zu dem Thema beim Serienbingen von Outlander machen würde - man wäre ziemlich betrunken...

Und sonst noch?

Besagte Hellseherin ist Margaret Campell (Alison Pargeter), die verwirrte Dame, die uns schon in Edinburgh über den Weg gelaufen war. Nicht nur, dass sie uns mit der kryptischen Aussage eines 200 Jahre alten Babys zurücklässt (nachdem Geillis wenigstens für ein paar Momente alle Steine beisammen hatte). Nein, zwischen ihr und Mr. Willoughby (Gary Young) scheinen sich zarte Bande zu entwickeln. Wir werden sehen, wo das noch hinführt. Und auch, wann Geillis herausfindet, wer dieses sehr alte Baby wohl sein mag...

Claire und Jamie in „Outlander“
Claire und Jamie in „Outlander“ - © Starz

Der Name „Bakra“ kommt übrigens aus dem Jamaikanischen und bedeutet, sehr frei übersetzt, so etwas wie Sklavenhalter. Man darf sich jetzt seine eigenen Gedanken machen, ob mit dem Titel Geillis oder Claire gemeint ist... Oder gar beide.

Fazit

Eine schöne Folge, voller interessanter Wendungen, spannend gemacht und optisch seit langer Zeit einmal wieder opulent. Eigentlich so, wie wir „Outlander“ lieben. Dazu ein witziges Drehbuch und gute Dialoge - bitte mehr davon!

Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 4. Dezember 2017

Outlander 3x12 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 12
(Outlander 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Die Bakra
Titel der Episode im Original
The Bakra
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 3. Dezember 2017 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 4. Dezember 2017
Regisseur
Charlotte Brändström

Schauspieler in der Episode Outlander 3x12

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