Outlander 1x16

Outlander 1x16

Wer schon die letzte Folge von Outlander schwer ertragen hat, für den stellt To Ransom a Man's Soul eine echte Herausforderung dar. Denn mit Andeutungen gibt sich Ronald Moore auch in der letzten Folge der ersten Staffel nicht zufrieden.

Szenenbild aus der Episode „To Ransom A Man's Soul“ / (c) Starz
Szenenbild aus der Episode „To Ransom A Man's Soul“ / (c) Starz

Mein Ruf als Chick-Flick-Girl in diesem Haushalt ist stark gefährdet, seitdem Outlander als Serie läuft. Konnte ich ehemals noch Serien mit dem Hinweis ablehnen, dass meine zarte Seele eine solche explizite Darstellung von Gewalt nicht packt, so fragt mich die Kontrollgruppe nun regelmäßig, warum genau noch mal ich mich weigere Game of Thrones zu gucken. To Ransom A Man's Soul hatte es, was Gewalt und Intensität angeht, sehr in sich. Das war zwar nach Wentworth Prison durchaus zu erahnen, es dann aber wirklich zu sehen, ist schon etwas anderes.

Murtagh, Angus, Rupert und 19 Kühe

Outlander lebte ja gerade am Anfang von Rückblenden, sei es nun, um die Kriegserfahrungen von Claire (Caitriona Balfe) zu verdeutlichen oder von ihrem früheren Leben zu erzählen. Von daher ist es nur konsequent, dass die Serie in der Finalepisode darauf zurückgreift. Selbst wenn man kein Freund dieses Stilmittels ist und meint, dass es eine sehr uncharmante und plumpe Art der Erzählung sei, so war hier doch die richtige Entscheidung. Denn dass, was zwischen Jamie (Sam Heughan) und Randall (Tobias Menzies) geschieht ist zu intensiv, zu hart um es in einem durchzuziehen. Die "Pausen" in denen er sich in der Rekonvaleszenz befindet, sind dringend notwendig. Wäre die gesamte Gefängnisszene in einem durchgespielt worden - es wäre zu viel auf ein Mal gewesen und hätte wahlweise abgestumpft oder ausschalten lassen.

Jamie wird mal wieder kurz vor knapp gerettet, gerade als er selbst Randall daran erinnert, dass dieser ihm einen schnellen Tod schuldet. Nun kann man Black Jack für ein sadistisches und krankes Arschloch halten (und damit auch Recht haben), aber eines ist er nicht - wortbrüchig. Er hat immer zu seinem Wort gestanden und gedenkt es auch jetzt zu tun, als ihn einige schottische Hochlandrinder davon abhalten. Seine Schuld ist es also nicht, dass Murtagh (Duncan Lacroix), Angus (Stephen Walters) und Rupert (Grant O'Rourke) Jamie lebend aus dem Gefängnis holen, während die Rinder auf Randall rumtrampeln und die Rotröcke wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend rennen.

He broke me, Claire

Doch wirklich gerettet ist er damit nicht. Natürlich, er ist in relativer Sicherheit, er wird medizinisch versorgt und sein Heilungsprozess könnte beginnen. Doch die deutsche Regisseurin Anna Foerster, auf deren Kappe übrigen auch The Wedding geht, hat verstanden, was eine Vergewaltigung mit einem Menschen macht. Es ist nicht zwingend überstanden, nur weil man überlebt hat und so will auch Jamie einfach nur eines - sterben. Er meint mit sich und dem was passiert ist nicht weiter leben zu können - etwas, was Claire nicht verstehen kann, denn Jamie ist an einem sehr dunklen Ort, an dem sie noch niemals war. So ist es Murtagh, der ihr mit den sehr eindringlichen Worten „He's been tortured, raped, isn't that reason enough?“ klarmacht, um was es hier eigentlich geht. Nämlich darum, ob Jamie nun ein Opfer oder ein Überlebender wird, ob und wie er weiterleben wird. Übrigens wurde seit langer Zeit mal wieder das Gälische als Mittel eingesetzt, dem Zuschauer zwar Szenen zu zeigen, ihn aber über die eigentlichen Inhalte im Dunkel zu lassen - so wie Claire zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, wie es wirklich um Jamie steht. Wir erinnern uns an die allerersten Folgen, als dies ständig geschah.

Doch nicht nur die Folgen der Vergewaltigung werden sehr eindrücklich geschildert. Noch etwas ist außergewöhnlich und offensichtlich - bisher gab und gibt es selbst in sehr plastisch dargestellten Serien den Irrglauben, dass Vergewaltigungen immer an Frauen begangen werden. Dass dies nicht so ist, haben Menzies und Heughan sehr deutlich und vor allem sehr eindrucksvoll in How to Ransom a Man's Soul gezeigt. Eine reine, brutale Vergewaltigung in relativer Nahaufnahme zu zeigen ist eine Sache. Eine andere ist es, wie Randall Jamie dazu bringt, mehr oder minder freiwillig mitzumachen. Wie er es schafft, Frasers Geist, seinen Willen so zu infiltrieren, dass dieser sich ihm hingibt. Wie er ihm zum Schluss einredet, dass Claire ihn natürlich so nicht mehr lieben kann und ihm damit auch noch seinen allerletzten Lebenswillen nimmt. Die beiden männlichen Hauptcharaktere sind in dieser Szene gar nicht überzubewerten - die Intensität, die Zerrissenheit - authentischer hätte sie nicht transportiert werden können. Chapeau, Tobias Menzies und Sam Heughan - mit dieser Folge habt ihr Euch zu Emmy-Anwärtern gemacht.

He made love to me, Claire

Doch nicht nur die beiden haben ihren Höhepunkt in dieser Folge - auch Claire spielt endlich, endlich so, wie ich es mir von Anfang an gewünscht hätte. Glaubhaft in ihrer Rolle, mitreißend in der Darstellung. Da Jamie in seinem posttraumatischen Stress nicht mehr zu ihr kommen kann, geht sie zu ihm und holt ihn da ab, wo er steht bzw. liegt. Diesmal ist es nicht er, der sie vor Randall rettet wie schon zwei Mal zuvor, dieses Mal rettet sie ihn. Zugegeben, ihre Methoden mögen nicht die raffiniertesten sein und auch sah Jamie dereinst im Fensterrahmen sehr viel imposanter aus, aber es wirkt. Die Mauer, hinter der Jamies Seele gefangen ist, bekommt Risse und auch wenn Claire sie (noch) nicht einreißen kann, so dringt sie doch zu ihm vor. Sie, die nicht wirklich bekannt, ist die Romantikerin vor dem Herrn sein, macht ihm die ultimative Liebeserklärung („I will have you in any way I can. Always.“) und versichert Jamie damit, dass er in ihren Augen nicht weniger wert ist als vorher.

Denn jetzt macht erst wirklich Sinn, was Jamie ihr bei der Hochzeit versprochen hat, dass er sie schützen wird mit allem, was er hat, notfalls mit seinem bloßen Körper. Nicht nur Randall, auch Fraser ist ein Mann, der zu seinem Wort steht, denn genau das hat er getan. Etwas, was Claire sehr wohl sieht und was sie genau die richtigen Dinge sagen läßt, um ihn zu retten. Zudem hat sie nicht nur für sich ihren Ehemann zu schützen, sondern auch den Vater ihres ungeborenen Kindes. Das, die Liebe und die Verzweiflung geben ihr die Kraft, langsam aber sicher Jamie zurück ins Leben zu holen, auch wenn es realistisch gesehen erst ein Anfang war.

Doch Claire hat noch eine weitere Kleinigkeit vor - sie will den Aufstand und Culloden gar nicht erst geschehen lassen. In anderen Worten, sie hat vor, das absolute No-Go aller Zeitreisenden zu tun - die Zukunft zu ändern. Und da die zweite Staffel bestellt ist, werden wir herausfinden, wie erfolgreich sie dabei ist.

Was noch zu erwähnen ist

Man könnte meinen, Angus' Kussversuch am Schluss sei ein plumper Versuch gewesen, mit dem Holzhammer noch etwas Humor in die Folge zu bringen. Man kann aber auch meinen, dass es einfach sein Charakter ist, der so durchgezogen wurde. Etwas, was zum Schluss dringend gebraucht wurde.

Pater Anselm als wunderbarer Gegenspieler zu Pater Bain, der in einer Geschichte, die so unwahrscheinlich klingt, ein Wunder Gottes sieht. Wenn ich mir etwas hätte wünschen dürfen, so wären es mehr Szenen mit ihm gewesen.

Der Fakt, dass nicht Claire sondern Murtagh Jamie das Brandzeichen aus dem Leib schneidet, unterstreicht noch einmal, wie sehr er ihn versteht und dass auch er nicht über ihn richtet für das, was geschehen ist. Subtil geht anders, gut ist es allemal.

Fazit

Erste Umfragen in meinem Outlander-begeisterten Umfeld haben ergeben, dass die Fangemeinde How to Ransom a Man's Soul gespalten gegenüber steht. Nicht aufgrund der Gewalt, sondern weil es zu schnell ging, für die Intensität der Geschichte vieles sehr verkürzt dargestellt oder ganz weggelassen wird - der Preis, den man für eine Verfilmung eben zahlt. Und der Preis dafür, dass man sich am Anfang recht lang Zeit gelassen hat, die Charaktere einzuführen. Das ist durchaus ein diskussionswürdiger Punkt - die gesamte Serie betreffend. Als Folge jedoch, die in eine Serie eingebettet ist, ist To Ransom a Man´s Soul hervorragend gelungen. Die Schauspieler waren durch die Bank weg grandios und sehr glaubwürdig, das Setting ist und bleibt ein Traum und die Stimmung wurde so glaubhaft transportiert, dass ich zwischendurch anhalten mußte, weil ich eine kurze Intensitätspause brauchte. Wahrhaft ein furioses Finale für eine sehr wechselvolle erste Staffel.

Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 1. Juni 2015

Outlander 1x16 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 16
(Outlander 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Erlösung
Titel der Episode im Original
To Ransom a Man's Soul
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 30. Mai 2015 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. Juni 2015
Regisseur
Anna Foerster

Schauspieler in der Episode Outlander 1x16

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