Outlander 1x15

Outlander 1x15

Man kann die Folge Wentworth Prison der Serie Outlander zu brutal finden. Man kann auch der Meinung sein, dass sie sehr konstruiert oder over the top ist. Aber eins kann man garantiert nicht sagen: Sie sei emotionslos und langweilig.

Captain Jack Randall in „Outlander“ / (c) Starz
Captain Jack Randall in „Outlander“ / (c) Starz

Im Leben einer Reviewerin gibt es immer wieder Folgen, über die leicht zu schreiben ist. Dann gibt es Folgen, mit denen man sich schwerer tut. Und dann gibt es Episoden wie Wentworth Prison aus der Serie Outlander, vor denen man steht und nicht so richtig weiß, wie man was schreiben soll, weil sie einen staunend zurücklassen.

Also halte ich es mit dem ehrwürdigen Wall Street Journal, das zu dieser „Outlander“-Folge schrieb:„So grab a whisky - or two, or three, or just the whole damn bottle - and let's begin.

Der Randall liegt im Detail

Zwei Dinge kann man wahrlich nicht behaupten, nämlich dass Diana Gabaldon Angst vor graphischen Szenen hat und dass Ronald D. Moore sich scheut diese Details umzusetzen.

Wenn man Outlanderfans vor der Ausstrahlung der Serie gefragt hat, auf was sie sich am meisten freuen, dann kam natürlich zu allererst „die Hochzeitsnacht“. Aber direkt danach wurde gefragt, wie die Gefängnisszene wohl umgesetzt werden würde.

Nun, die Frage ist beantwortet: Moore scheut sich nicht vor der heftigen Darstellung von Brutalität und hat keine Angst, zarte Gemüter zu verschrecken. Sicher, man kann sich fragen, ob man wirklich alles zeigen muss, aber so wechselhaft wie die Verfasserin die filmische Umsetzung auch findet, eines muss man dem Produzenten lassen - er hat sich nie die Butter vom Brot nehmen lassen und ,wenn es wichtig war, gezeigt, was gezeigt werden musste. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Aber nicht nur das macht die Folge so bemerkenswert. Gewalt zeigen kann jeder, der zwei Semester Film studiert hat. Es ist immer die Frage, wie man die Intensität des Gezeigten mit den Emotionen verknüpft, und zwar so sehr, dass eine bekennende „Ich gucke weder Horror- noch Splatterfilme“-Bambi-Chickflick-Guckerin am Schirm bleibt - und das nicht nur, weil sie nachher ein Review schreiben muss. Genau das ist Moore mit „Wentworth Prison“ gelungen.

Sicherlich, einige Dinge sind etwas sehr weit hergeholt und ich gebe zu, dass man sich schon sehr anstrengen muss, um zu glauben, dass man eine wildfremde Frau und einen noch wildfremderen, barbarisch aussehenden Schotten alleine im Büro eines Gefängnisdirektors lässt. Die Tatsache, dass eine Frau alleine unerkannt und nach ihrem Mann rufend durch die Katakomben irrt.... geschenkt. Dass die von Claire (Caitriona Balfe) erwähnte offene Tür mit einem „an open door is nay a plan“ abgetan wird, ohne damit zu arbeiten und Jamie (Sam Heughan) quasi bis zum Auftauchen der Rindviecher seinem Schicksal zu überlassen - bitte. Doch all das sind Kleinigkeiten in einer grandios inszenierten und emotional packenden Folge.

Schlimmer als der Tod

Es ist Exekutionstag in Wentworth und die Gefangenen werden einer nach dem anderen zum Schafott gebracht. Nun werden solche Szenen im Normalfall ja immer mit einer grölenden Menge und selbstherrlich grinsenden Machthabern dargestellt. Nicht so hier, alles ist still, niemand schreit. Die Red Coats sind nicht glücklich, zu tun, was sie zu tun haben. Bis zu dem Zeitpunkt, als Taran MacQuarrie (Douglas Henshall) gehängt wird, kann man die Szene fast als ruhig beschreiben, also das totale Gegenteil von dem, was man erwarten würde.

Doch dann kommt Jack Randall (Tobias Menzies) und rettet Jamie vor dem Strang - gut, retten ist vielleicht ein wenig weit hergeholt, denn wie er später selbst sagt, er kann ihn nicht vor dem Tode bewahren. Er kann es ihm nur angenehmer gestalten, was immer das im Jack'schen Universum auch bedeuten mag. Aber immerhin, er kauft Jamie Zeit. Zeit, die Claire und ihre Mannen brauchen, um Jamie zu finden und zu retten.

Jamie erwartet sein Schicksal in %26bdquo;Outlander%26ldquo;. © Starz
Jamie erwartet sein Schicksal in %26bdquo;Outlander%26ldquo;. © Starz

Doch diese Zeit ist teuer erkauft, denn natürlich widersteht Jamie Randalls „Angebot“ und will sich ihm nicht hingeben, was er mit einer zertrümmerten Hand bezahlt. Ironischerweise leiten seine Schreie jedoch Claire zu seiner Zelle, in der Randall sie bei dem Versuch findet, ihren Mann zu retten. Etwas, was leider nicht gelingt und Jamie in die Position bringt, Randall seinen Körper anzubieten, wenn er seine Frau gehen lässt. Black Jack lässt sich darauf ein, nagelt Jamie im wahrsten Wortsinne darauf fest und schmeißt Claire durch eine Luke im Boden, durch die auch die Exekutierten geschmissen werden, gleich nachdem sie Randall sein Todesdatum genannt hat. Sie rappelt sich auf, lässt die Toten links liegen, sucht Murthagh (Duncan Lacroix) und wird nun einen erneuten Rettungsversuch mit Hilfe von Kühen starten.

Soweit die nackte Fakten - aber ach, die Umsetzung... Wäre es nicht so grausam, man könnte glatt ins Schwärmen geraten. Dabei sind es neben den großen offensichtlichen Szenen, die kleinen Dinge, die die Folge so bewundernswert machen. Randall beispielsweise hatte in der Vergangenheit immer eine eher schmuddelige Uniform an - hier ist sie im Gegensatz zu dem sehr abgewrackten Jamie sehr sauber.

Wie man der beste Bösewicht wird

Überhaupt Randall: Spätestens seit dieser Folge ist Black Jack Randall jetzt in den Top 5 der gewissenlosesten, aber auch brillantesten Bösewichte der Film- und Seriengeschichte. Facettenreich, zerrissen, getrieben, genial, sadistisch und von Grund auf böse - das sind nur einige Attribute, die versuchen, diesen Charakter zu beschreiben. Wenn es irgendeine Figur in der ganzen Serie gibt, die zu 100 Prozent richtig besetzt ist und zur vollkommenen Glaubwürdigkeit ausfüllt ist, dann ist es die von Tobias Menzies. Von seinem Erscheinen im Gefängnishof, als er gerade noch Jamie vor dem Strick quasi für sich „retten“ konnte, war das hier seine Folge. Jack Randall, dem seine Seele in diesem Moment quasi ins Gesicht geschrieben stand. Dessen Stimme und Mimik mit dem Verbrennen des Briefes des Duke of Sandringham Jamies letzte Hoffnung zerstörte. Sein Mund, der sich leicht öffnet, als er Jamie das erste Mal das Hemd hochheben will. Seine Wut, als er dessen Hand zertrümmert, die Genugtuung als er sie später an den Tisch festnagelt. Der Moment, in dem er die Hand des so gut wie bewusstlosen Jamie dazu benutzen will, sich zu befriedigen - was sogar den nicht nur emotional retardierten Marley (Richard Ashton) anwidert. All das war so gut gespielt, dass man Schwierigkeiten haben wird, ihn wieder als Frank wahrzunehmen, sollte der jemals wieder auftauchen.

Allerdings muss man auch sagen, dass er in Jamie einen guten Partner gefunden hat, der zwar lange nicht so viel redet wie er, doch mit seiner Mimik und Körpersprache alles ausdrückt, was auszudrücken ist - Sam Heughan kann ja, wenn man ihn nur lässt. In Wentworth Prison zeigt er alles, wofür Jamie steht: Ehre, Selbstachtung, Stolz und der unbedingte Wille, all das zu schützen, was er liebt. Selbst als das schlimmste Vorstellbare von ihm verlangt wird. Da er im Gegensatz zu Randall sehr wenig sagt, achtet man wesentlich mehr auf seine Körpersprache und die schafft es, dass man fast genauer als mit Worten erkennt, was in dem Mann vorgeht. Gleichzeitig verkörpert er aber eben nicht den unverwundbaren Helden, der vielleicht maximal ein unterdrücktes Stöhnen rauslässt, nein, er wird ohnmächtig, schreit vor Schmerzen und vor Zorn oder erstarrt zum Schluss, wenn nichts mehr möglich ist, und lässt leeren Blickes eine Träne fallen. Menzies und Heughan haben hier ihren absoluten Höhepunkt gemeinsam. Um im Bild zu bleiben.

Wobei es in Outlander ja immer noch eine Dritte im Bunde gibt, Claire, die, aus Randalls Sicht, immer zum unpassenden Zeitpunkt auftaucht „You truly have a gift for showing up at the most unexpected times“. Für mich war Claire, mal wieder, die Schwächste. Sicherlich, die Szene, in der sie Randall die Stunde seines Todes offenbart, die war schon sehr genial gemacht und eines der Highlights der eh schon großartigen Folge. Natürlich, sie hat sich sehr im Griff gehabt, als sie auf all die Toten gefallen ist. Auch ihr heroischer Versuch, Randall von Jamie wegzureißen, nachdem sie relativ kaltschnäuzig Marleys Annäherungsversuche hat über sich ergehen lassen, waren gut gespielt. Aber warum, warum nur musste sie dann weibchenhaft rumheulen? Tat das not? Das war so out of character, zumal sie ja kurz danach wieder die Frau (mit sehr klaren und nicht verweinten Augen) war, die Randall mit seinem Todesdatum Angst und Bange gemacht hat. Diese eine Sequenz aber tat so gar nichts für Claire und ihren Charakter, bleibt aber durch ihre Penetranz im Gedächtnis. Schade.

Fazit

Trotz des kleinen Wermutstropfens war die Wentworth Prison, ich wiederhole mich, grandios. Aus meiner Sicht bisher das Beste und Emotionalste, was Outlander hervorgebracht hat. Die gezeigten Gewaltszenen waren harter Tobak, aber sie wurden nicht nur der Gewalt wegen gezeigt. Ob Moore im Finale weiterhin bei Gabaldon bleibt und die nahende Vergewaltigung nicht zeigt oder sich doch dazu hinreißen lässt, bleibt abzuwarten. So oder so wird es für das Staffelende schwer werden, „Wentworth Prison“ zu toppen.

Promovideo zum Staffelfinale der Serie „Outlander“
Verfasser: Sabine Stevenson am Dienstag, 19. Mai 2015

Outlander 1x15 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 15
(Outlander 1x15)
Deutscher Titel der Episode
Im Kerker
Titel der Episode im Original
Wentworth Prison
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 16. Mai 2015 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 19. Mai 2015
Regisseur
Anna Foerster

Schauspieler in der Episode Outlander 1x15

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