Outlander 2x01

In der zweiten Staffel von Outlander wird bekanntlich Diana Gabaldons „Dragonfly in Amber“ (deutscher Titel „Die geliehene Zeit“) verfilmt. Wer die Fünf Gründe für Outlander gelesen hat, wird meine Meinung zu dem Buch kennen - ich halte es für das schwächste der Serie. Es ist oft langatmig, hat zu viel mit politischen Intrigen zu tun und epische Beschreibungen der verschiedenen Schlachtszenen. Ich habe aber auch gesagt, dass es für eine filmische Umsetzung genau das Richtige sein könnte.
Ich liebe es, wenn ich recht habe.
Vorweg eine Warnung: Genug Taschentücher bereithalten. Ich war schon in Minute 20 bei der halben Packung angelangt. Denn von Anfang an ist klar: Die Geschichte geht nicht gut aus, Cullodon passiert und die Schotten verlieren. Es ist ein wenig wie im Film „Titanic“: Man weiß, wie es ausgeht, aber trotzdem will man sehen, wie es dazu kommt. Außerdem hat man dieses Fünkchen Hoffnung, dass doch noch alles gut wird.

Back in time - again
Wir begegnen Claire (Caitriona Balfe) wieder am Craigh na Dhun - jenem Ort, der sie in die Vergangenheit katapultierte und sie jetzt anscheinend wieder zurückbrachte. Tatsache, sie ist wieder zurück, bricht auf der Straße zusammen und wird in ein Krankenhaus gebracht, wo Frank sie findet und sie erst mal in das Haus des Reverend bringt. Hier öffnet sich Claire nicht nur Mrs. Graham (Tracey Wilkinson), sondern auch Frank (Tobias Menzies).
Nachdem Claire auch gefühlsmäßig realisiert, dass sie jetzt wieder in der Zukunft ist, trifft sie die Entscheidung, dass sie weiterleben will. Und Frank macht es ihr den Umständen entsprechend einfach. Er glaubt ihre Geschichte, und nach einem spontanen Gefühlsausbruch, nimmt er nicht nur sie, sondern auch ihr Kind an. Zusammen machen sie sich auf zu einem Neuanfang in Boston. Soweit die Fakten.
Aber ach, die Umsetzung ... Tobias Menzies war schon in der ersten Staffel glaubwürdig und vor allem extrem wandelbar. Eine Fähigkeit, die er in Through a Glass, Darkly weiterhin voll ausspielt. Als Frank geht er durch ein Wechselbad der Gefühle und man nimmt ihm jedes einzelne davon voll ab. Perfekt darauf abgestimmt das Drehbuch, dass ihn fast wie sein Alter Ego Randall gewalttätig gegenüber Claire werden lässt - nur dass er sich im Gegensatz zu seinem Vorfahren eben wieder fängt.
Anfangs ein wenig out of place fand ich die Reaktionen von Claire, dieses emotionale Zusammenbrechen auf der einen Seite und der eiskalten Schulter Frank gegenüber auf der anderen. Doch je weiter dieser Strang ging, desto mehr sah man ihre Not, sich ihm gegenüber und seinen eventuellen Reaktionen, wenn er die volle Wahrheit erfährt, zu schützen. Desto mehr sah man sie sich öffnen, bis hin zur Landung in New York, wo sie bereit ist, ein neues Leben zu beginnen. Wieder mal. Im Gegensatz zum Anfang der ersten Staffel von Outlander nahm man ihr diese Verwandlung auch sofort ab. Chapeau, das war herzzerreißend.
Vive la France
Gewohnt schön und eindrucksvoll der Schnitt zwischen den beiden Zeiten. Auch wenn noch nicht so viel Zeit im Frankreich des 18. Jahrhunderts verbracht wird, so reicht es doch, Jamies (Sam Heughan) Cousin Jared (Robert Cavanah) davon zu überzeugen, ihnen alle wichtigen Leute vorzustellen - auch wenn das Paar ihnen eine Lüge nach der anderen auftischt und dabei genau das tut, was beide noch bei Dougal verurteilt haben. Sie zeigen ihm Jamies vernarbten Rücken. Denn sie haben sich vorgenommen, irgendwie die Schlacht von Culloden zu verhindern. Doch dazu brauchen sie Details. Alles was Claire hat, ist das Wissen, dass die Jakobiten besiegt werden. So fangen die beiden an, ihr Lügennetz zu spinnen. Zwar hat man noch nicht sehr viel mehr gesehen, doch darf man gewiss sein, dass sie damit am französischen Hof zu dieser Zeit in sehr guter Gesellschaft sein werden.

Doch Claire wäre nicht Claire, wenn sie sich nicht gleich den ersten Feind machen würde: den Comte Saint Germain (Stanley Weber). Sie sorgt dafür, dass die beiden Fälle von Pocken auf seinem Schiff nicht unentdeckt bleiben und damit Schiff und Ladung dem Verbrennen preisgegeben werden, um eine Epidemie zu verhindern. Was Saint Germain natürlich nicht ohne das Ausstoßen wilder Drohungen hinnimmt.
Der Plot in Frankreich nimmt also Fahrt auf und man darf gespannt sein, wer mit wem wann welche Lüge spinnt und wer darauf reinfällt.
Fazit
Wie erhofft, schafft es Ron Moore jetzt schon, die teilweise leicht langatmige Erzählung zu straffen und ihr noch mehr Emotion und Stimmung einzuhauchen, als das Buch es eh schon hergibt. Dieses Mal scheint er zumindest in der Zeitlinie der 1940er Jahre kleine, aber wichtige Details zu verändern und das tut der Serie extrem gut. Denn wurde Frank im Buch als Claire nicht wirklich glaubend und teilweise auch kaltherzig dargestellt, so versucht er jetzt alles in seiner Macht Stehende, diese Beziehung funktionieren zu lassen.
Das Frankreich des 18. Jahrhunderts verspricht jetzt schon spannend zu werden. Es wird Spaß machen zu sehen, wie sehr die beiden sich von den schottischen Landeiern in raffinierte und gewiefte Intriganten verwandeln werden.
Verfasser: Sabine Stevenson am Sonntag, 10. April 2016Outlander 2x01 Trailer
(Outlander 2x01)
Schauspieler in der Episode Outlander 2x01
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