Outlander 1x13

Die Kontrollgruppe neben mir auf der Couch hat es auf den Punkt gebracht: Das Problem sei, dass bis zur letzten Folge das Ziel klar gewesen sei: Claire (Caitriona Balfe) will heim in ihre Zeit und setzt alles daran, zu den Steinen zu kommen. Das sei zum großen Teil gut und spannend gewesen. Dann war sie da, hat sich plötzlich umentschieden und schwupps ist ein Vakuum da, das noch nicht gefüllt wurde. Anders ausgedrückt: Da einem der Plot abhanden gekommen ist, weiß man nicht so richtig, wo es hingehen soll. Das sehen Menschen mit einem anderen... äh... Wissenshintergrund verständlicherweise anders.
Watch out!
Nun, entgegen anders lautender Vermutung hat diese Autorin zwar den Hintergrund, aber kann doch sehr gut nachvollziehen, dass man sich gerade etwas verloren vorkommen kann. Vor allem, wenn plötzlich wieder Leute auftauchen, von denen man bisher noch nichts wirklich gesehen hat - und zumindest einige von uns auch nicht so ganz verstehen, was sie denn nun tun, außer in anderer Leute Häuser einzudringen und unbescholtenen Bürgern eine Pistole an den Kopf zu halten. Der Anführer der Truppe, die sich The Watch nennt, ist Taran MacQuarrie (Douglas Henshall). Jamies (Sam Heughan) Sympathie ihm gegenüber hält sich in engumrissenen Grenzen, zumal er von Jenny (Laura Donnelly) als ihr Cousin Jamie MacTavish vorgestellt wird.
Jenny und Ian (Steven Cree) kennen die Truppe, sie ist so eine Art schottische Mafia, die sich dafür bezahlen lässt, die Bewohner zu beschützen und das auch ziemlich effektiv tut - etwas, was sich mit Jamies Stolz so gar nicht vereinbaren lässt. Was wiederum zum Streit zwischen Jenny und Jamie führt, weil es seiner sensiblen Seele nicht passt, wie die beiden das Gut geführt haben. Außerdem scheinen sie sich nicht wirklich durch die zugegeben etwas rüpelhaften Männer bedroht zu fühlen.
Doch er spielt mit, da auf seinen Kopf immerhin noch ein Preis ausgesetzt ist. Er kann nicht riskieren, dass Taran das herausbekommt. Doch der Mann wäre nicht Chef der Watch geworden, wenn er nicht seinerseits einen guten Kopf auf seinen Schultern haben würde. Er findet sehr schnell heraus, dass etwas nicht stimmt - zum einen liefert sich Jamie mit den Seinigen einen kleinen, aber effektiven Kampf bei dem unser Held als Sieger hervorgeht. Zum anderen taucht Horrocks (Lochlann O'Mearain) auf und verhält sich seltsam. Als dieser dann durch Ians Schwert stirbt und somit naturgemäß nicht wieder auftaucht - man erpresst Highlander nicht ungestraft -, zieht Taran genau die richtigen Schlüsse.
Jamie bleibt somit nichts anderes übrig, als sich zu outen. Es stellt sich heraus, dass Taran eine gar nicht so schlechte Seele ist. Allerdings verlangt er von Jamie, zumindest auf einen Fischzug gegen die Briten mitzukommen, wozu dieser auch nicht unbedingt geprügelt werden muss.
Es ist nicht Tarans Schuld, dass sie in einen Hinterhalt geraten. Horrocks hat anscheinend als letzte schändliche Tat Jamie an die Engländer verraten. Denn wie der entkommende Ian drei Tage später berichtet, hat Jamie überlebt und befindet sich in der Gewalt der Red Coats, und damit in Captain Randalls Fängen, der ihm ja bekanntlich eher unter als ans Leder will.
Nun ist es verständlich, wieso man hier etwas verwirrt sein kann: Kaum ist The Watch aus dem Nichts aufgetaucht und für gar nicht soooooo böse empfunden worden, ist sie auch schon wieder weg. Die armen Teufel werden geopfert, damit man Jamie ordentlich schnappen kann. Man kann es aber auch als einen sehr guten Schachzug sehen, denn wiedermal hat Moore bewiesen, dass er ein verdammt gutes Händchen hat, was die Nebencharaktere angeht. Taran hat sich in diesem doch relativ kurzen Auftritt schon als vielschichtiger und amüsanter erwiesen, als andere Charaktere in drei Folgen. Und auch die Beziehung zwischen Ian und Jamie hat um einiges an Tiefe gewonnen, die in Ians Satz gipfelte: „Well you're going to Hell; I might as well go too. God knows you'll never manage alone.“
It's a girl
Was auch ein Grund dafür sein mag, dass die sich in den Wehen befindliche Jenny ihren Mann mit Jamie mitschickt. Der andere Grund wird sein, dass im 18. Jahrhundert Kinderkriegen Frauensache war, nicht nur in Schottland. Wenn eine Geburt heute schon kein Spaziergang ist, so war es damals eine manchmal auch sehr tödliche Angelegenheit für Mutter und Kind - vor allem dann, wenn das Kind sich nicht, wie in diesem Fall, gedreht hat. Die Hebamme kann nicht, und Claires Fähigkeiten als Kriegslazarett-Schwester sind eher begrenzt. Das Ganze könnte also auch durchaus schlecht ausgehen.

Dessen ist sich auch Jenny bewusst, die ihre Mutter bei der Geburt eines Bruders verloren hat, weswegen sie Claire bittet, Jamie eine kleine Schlange mitzugeben, die sein älterer, ebenfalls verstorbener Bruder für ihn geschnitzt hatte. Auch sonst scheint die Geburt, die sich genauso hinzieht, wie sich Geburten nun mal auch im wahren Leben hinziehen können, durchaus ein Bonding-Erlebnis für die beiden zu sein. Wobei man sich auch besser mit jemandem gut versteht, der bei der Geburt ein Kind im Leib dreht. Jedenfalls scheinen sich die beiden danach wesentlich besser zu verstehen als davor. Das mag daran liegen, dass Claire nicht mehr die Maßstäbe des 20. Jahrhunderts anlegt und Jenny den guten Schluck Whiskey nicht ausredet, weswegen das Kind als ein wahrer Schotte auf die Welt kommt. Entgegen aller Vermutungen ist das Kind ein Mädchen und wird Maggie getauft, aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie ihre Frau stehen und einen Schluck vertragen.
Wobei die bemerkenswerteste Szene wohl die war, als Jenny sich gegen einen Schrank lehnt und sich durch das Licht-Schatten-Spiel ihr schwangerer Körper abzeichnete. Das hatte einfach etwas wahnsinnig Intimes und zeigte die Veränderung des Verhältnisses der beiden sehr gut.
Eine der Schwachstellen war für mich, was danach folgte, nämlich Claires Beichte, dass sie eventuell unfruchtbar sei. Erstens ist es unwahrscheinlich, dass sie eine stark vor sich hin wehende Frau alleine lässt, um ein solch emotionales Gespräch mal eben schnell einzuflechten. Und zweitens war sie zwar schon länger mit Frank verheiratet, doch sie haben sich nicht wirklich oft gesehen. Sie waren fünf Jahre durch den Krieg getrennt - da kann man schon mal nicht schwanger werden, wenn man nicht gerade an die unbefleckte Empfängnis glaubt.
Jetzt ist Jamie aber erst einmal in den Händen der Engländer, und wenn Claire auch nur ansatzweise daran denkt, von ihm ein Kind zu bekommen, dann sollte sie die Pferde satteln und ihn suchen.
Fazit
Ich finde The Watch sehr schwer zu bewerten. So sehr ich die Kontrollgruppe auch verstehe, wenn sie sagt, dass dem Ganzen irgendwie ein wenig die Struktur abhanden gekommen ist - und zugegebenermaßen ist auch die Dynamik etwas in den Hintergrund getreten -, aber langweilig war die Folge jetzt nicht wirklich. Natürlich, sie war eine einzige Vorbereitung auf das, was kommt. Und ja, es gab auch Lücken, aber sie war dann doch interessanter als Lallybroch.
Alleine durch die Charakterentwicklung von Ian, dem Treuen (auch wenn es mir nicht leicht fällt zu glauben, dass er sich mit seinem Holzbein lautlos an Horrocks anschleichen konnte). Aber auch Jamie zeigte endlich mal wieder, dass er durchaus mehrere Seelen in seiner Brust hat - die des hitzigen Mittzwanzigers, der jetzt gar nicht so traurig ist, in ein Scharmützel zu ziehen und das des Mannes, der Verantwortung für Hof und Familie übernehmen will. Wobei es nett wäre, wenn man nicht ständig irgendwelche durchaus interessanten Leute wie Taran einführen würde, nur um sie dann innerhalb von 45 Minuten wieder aus der Serie rausschmeißen. Das hat so etwas Vorhersehbares wie „Du hast eine kleine Sprechrolle? Du stirbst!“
Aber alles in allem war die Episode durchaus eine gute und auch notwendige Vorbereitung auf das, was da kommen mag. Nicht brillant, aber durchaus solide.
Promo zur Episode 1x14 der Serie „Outlander“: Verfasser: Sabine Stevenson am Dienstag, 5. Mai 2015Outlander 1x13 Trailer
(Outlander 1x13)
Schauspieler in der Episode Outlander 1x13
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