Outlander 1x12

Outlander 1x12

Nach dem hochspannenden Hexenprozess, Claires dramatischer Rettung, ihrer Beichte Jamie gegenüber und vor allem nach ihrer Entscheidung, bei ihm zu bleiben, konnte man erwarten, dass Lallybroch es ein wenig ruhiger angehen lässt. Und das wurde mehr als erfüllt.

Laura Donnelly als Jenny in „Outlander“ / (c) Starz
Laura Donnelly als Jenny in „Outlander“ / (c) Starz

Outlander hat sich mit Lallybroch eine Folge gegönnt, die sich doch sehr an die Buchkenner wendet - sehr opulent in der Umsetzung, spannend in der Besetzung von Jenny, und ansonsten so langweilig wie das Gemächt eines nicht erregten Captain Randall. Anders ausgedrückt: Alle Nicht-Buchkenner sind für diese Folge entschuldigt und dürfen die Zeit nutzen, sich was Interessantes anzuschauen. Ich empfehle iZombie.

I am the laird

Jamie (Sam Heughan) und Claire (Caitriona Balfe) machen sich also nach Claires Entscheidung, in der Vergangenheit zu bleiben (eine Entscheidung, die ich in ihrer Stelle spätestens in dieser Folge bereut hätte, so wie er sich aufführt), auf nach Lallybroch, Jamies Heim. Schon bevor sie durch das Tor gehen, kommen die Flashbacks, die uns in der Episode „Lallybroch“ immer und immer wieder verfolgen werden. Zeitweise war ich versucht, eine kleine Wanne unter den Fernseher zu stellen, so oft wurden die diversen Auspeitschungsszenen wiederholt. Man könnte meinen, nicht nur Jack Randall (Tobias Menzies) hätte seine tiefe Befriedigung daran, den armen Jamie auszupeitschen, sondern auch Ronald Moore.

Diese Flashbacks halten Jamie dann auch davon ab, sich wie ein ordentlicher Mensch zu benehmen und erst einmal anzukommen. Aber nein, nichts, aber auch gar nichts ist recht - und schon gar nichts, was seine Schwester Jenny (Laura Donnelly) macht. Man muss sich das mal vorstellen: Die Frau hat vier Jahre lang das Gut und seine Menschen zusammen mit ihrem verkrüppelten Mann Ian (Steven Cree) verwaltet und zusammengehalten, ihren Vater begraben, nicht gewusst, wo ihr Bruder abgeblieben ist, nebenher ein Kind bekommen und ist jetzt mit einem weiteren hochschwanger. Anstatt also froh zu sein, dass alles noch steht und anscheinend gut läuft, benimmt sich Jamie wie die Axt im Walde, betrinkt sich, fragt nicht, wie es bisher läuft und weiß vor allem alles besser.

Und er wundert sich, dass Jenny sich so gar nicht mit seinen Allüren anfreunden kann. Ihren Frust lässt sie nicht nur an ihm, sondern auch an Claire aus, die ausnahmsweise mal nichts dafür kann. Noch nicht mal dafür, dass sie sich unziemlich verhält, ohne es zu wissen. Was alles ja ganz interessant sein könnte, aber es zieht sich endlos dahin. Anstatt sich einmal hinzusetzen, sich die Zeit zu nehmen und Dinge auf den Tisch zu bringen, streiten sich Jenny und Jamie die gesamte Zeit - was schon deshalb seltsam erscheint, da sie sonst ja beide durchaus vernunftbegabte Wesen sind. Zumal sie ja zusammen gesessen haben - da wäre das eine oder andere Gespräch, das sich nicht um Randall dreht, eine gute Wahl gewesen.

In diesem Disput macht Jenny übrigens die weitaus bessere Figur, sie spielt wesentlich überzeugender und eindringlicher. Kaum, dass Geillis als starke Frauenfigur raus ist, kommt Jenny als würdige Nachfolgerin rein. Das macht es vielleicht nur noch deutlicher, dass Jamie anscheinend nur noch eine begrenzte Anzahl von Gesichtsausdrücken besitzt. Viel mehr als brüllend, leidend oder die Kiefer aufeinanderpressend scheint gerade nicht drin zu sein. Es hilft nicht, dass das Drehbuch ihn graduell immer unsympathischer schreibt. Das ist schon deswegen schade, weil er das nicht wirklich verdient hat.

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Der kleine Captain Randall kann heute nicht

Erstaunlich hingegen, dass Tobias Menzies die kurzen Auftritte, die er hat, wieder mal zu echten Highlights macht. Die Rückblickszene, in der er mit Jenny alleine ist, ist die stärkste in Lallybroch - nicht nur, weil der kleine Captain mit seinen zwei Freunden sehr deutlich mehr als einmal im Bild war, was nicht nur unter Fans für helle Aufregung sorgte. Sondern auch, weil er den wirklich frustrierten Mann glaubhaft rüberbrachte, der leider keinen hoch bekommt und seinem Sadismus dann anderweitig freien Lauf lässt. Beiden, Menzies und Donnelly, ist es zu verdanken, dass diese Folge nicht in der totalen Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Dann ist da noch der Moment, in dem Randall Fraser anbietet, freiwillig mit ihm Sex zu haben. Menzies macht da mehr mit seinen Augen als andere mit ihrem ganzen Körper - um mal im Bild zu bleiben -, während Heughan wild mit den Augen rollt wie ein Pferd mit Kolik. Drastischer könnte der Unterschied nun nicht sein. Natürlich lehnt Fraser ab, und so ist Randall doppelt frustriert - bei der Schwester kann er nicht, bei Jamie darf er nicht. Er kann einem fast leidtun. Immerhin wissen wir jetzt, dass Randall nicht nur ein pathologischer Sadist ist, er ist ein bisexueller pathologischer Sadist. Gut zu wissen.

Und sonst noch?

Gut, irgendwann wuseln sich die Geschwister durch ihre Schwierigkeiten dann doch durch. Sie brauchen dafür knapp eine Stunde, was in ein paar Minuten hätte erledigt werden können. Ein kleiner Junge wurde von seinem brutalen Vater gerettet, und erinnert man sich an das Wechselbalg, dann liegt die Vermutung nahe, dass auch das ein Nachspiel haben wird. Eine Mühle mahlt wieder, englische Soldaten ziehen ab, Jenny sieht Jamies Narben und Claire benimmt sich ordentlich.

Ach ja, und bitte notieren: Immer wenn Claire lächelt und meint, jetzt wird alles gut, wird es nur noch viel schlimmer. Warum sonst sollte irgendjemand Jamie die Pistole an den Kopf halten. Wieder einmal.

Fazit

Eine der schwächsten Folgen bisher. Sie war langatmig, sie hatte viel zu viele Rückblicke und alles wirkte runtergespult, weil man ja noch Lallybroch reinbringen musste, da einem sonst die Buchsnobs aufs Dach gestiegen wären.

Auf der Haben-Seite steht neben schon angesprochenen Leistungen von Menzies und Donnelly noch die gute Besetzung von Ian - er ist genau der Gegenpol, den Jenny braucht. Außerdem, das muss man neidlos anerkennen, ist die Gestaltung von Lallybroch sowie dessen Interieur ganz traumhaft. Diana Gabaldon selbst soll ja gesagt haben, dass sie die Location liebt, so wie sie aufgebaut wurde. Und wirklich, es war, als stünde man selbst vor dem Kamin - die Stimmung wurde so eingefangen, wie ich es selten auf der Leinwand, geschweige denn im Fernsehen gesehen habe. Aus diesen Gründen, aus alter Verbundenheit zur Serie und in der Hoffnung, dass The Watch besser wird, sind es nicht weniger als drei Sterne geworden.

Promo zur Episode 1x13 der Serie „Outlander“
Verfasser: Sabine Stevenson am Dienstag, 28. April 2015

Outlander 1x12 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 12
(Outlander 1x12)
Titel der Episode im Original
Lallybroch
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 25. April 2015 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 6. Mai 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 6. Mai 2020
Regisseur
Mike Barker

Schauspieler in der Episode Outlander 1x12

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