Masters of Sex 2x08

Zu Beginn der neuen Episode von Masters of Sex trifft sich Bill (Michael Sheen) mit jemandem, der als ehemaliger Kommilitone in die Geschichte eingefĂŒhrt wird. Frank (Christian Borle) sucht Masters auf, um sich wegen vermuteter Fruchtbarkeitsprobleme behandeln zu lassen. Schnell wird klar, dass die beiden eine gemeinsame, emotionale Vergangenheit haben und sie nicht einfach nur ehemalige StudiengefĂ€hrten sind.
I don't know where I fit in with it all
Das Drehbuch von âMoSâ-Neuling Steven Levenson und die Regie des Serienroutiniers Michael Apted geben sich alle MĂŒhe, das Geheimnis bis zum Ende unter Verschluss zu halten. Sie legen mehr als einmal eine falsche FĂ€hrte, indem sie eine mögliche Liebesbeziehung der beiden andeuten. Doch spĂ€testens, als Frank trotz aller Abwehrversuche darauf besteht, dass Bill ihn und seine Ehefrau Pauline (Marin Ireland) behandelt, seine Hand nimmt, und sagt „I've spent most of my life pretending that you don't exist“, ist eindeutig, dass die beiden BrĂŒder sind. Frank bestĂ€tigt das kurze Zeit spĂ€ter selbst: „I want my brother back.“
Die EinfĂŒhrung des Bruders ist dem âMoSâ-Kreativteam nicht besonders elegant gelungen. Ăberhaupt ist die gesamte Episode von wenig SubtilitĂ€t gekennzeichnet. SĂ€mtliche ZusammenhĂ€nge, Charakterentwicklungen und Handlungsbögen werden uns allzu offensichtlich eingetrichtert. Das lĂ€sst sich allein schon am sehr eindeutigen Episodentitel erkennen: Mirror, Mirror.
Ja, Frank ist Bills genetisches Spiegelbild und Libby (Caitlin Fitzgerald) und Virginia (Lizzy Caplan) sind Spiegelbilder - die eine die echte Ehefrau, die andere die âArbeitsehefrauâ. Das Spiegelgleichnis wird von Apted sogar in einer Parallelmontage zwischen Barbara (Betsy Brandt) und Lester (Kevin Christy) aufgenommen, die gegenĂŒber Virginia respektive Bill ihr gebrochenes Herz ausschĂŒtten. Lester durchlebt dabei gleich mehrere Traumata: Sein Vater ist erst kĂŒrzlich gestorben. Und er ist impotent. So wenig elegant wie das Drehbuch ist auch die Szene, in der Lester seine dĂŒrftige Grabrede vor Masters und Johnson vortrĂ€gt, wĂ€hrend ein Studienpaar im Hintergrund Sex hat. Das soll wohl witzig sein, ist aber eigentlich nur tollpatschig.

Lester funktioniert zwar gröĂtenteils als comic relief, sein Charakter hĂ€tte aber ein wenig mehr Respekt verdient, als sich an seiner Trauer zu laben. Viel gelungener ist da schon der Einsatz von Betty (Annaleigh Ashford), der ehemaligen Prostituierten, die sich zur resoluten Managerin gewandelt hat. Ihre Szenen mit Virginia gehören zum Besten, was die Serie bisher in Sachen komödiantischer Einlagen hervorgebracht hat. Ich könnte mir eine ganze Episode ansehen, in der Betty ihren beiden Vorgesetzten erklĂ€rt, wie sie MĂ€nner frĂŒher auf Trab gebracht hat.
This study of yours is political poison
Das Beste daran sind Virginias verschmitzte Blicke und ihr breites Grinsen, wenn die aufgeklĂ€rte, selbstbewusste und wenig zurĂŒckhaltende Betty von ihren Abenteuern erzĂ€hlt. Auch als Team funktionieren die beiden perfekt. Sie bilden als sexuell befreite Frauen einen starken Gegenpol zum verklemmten Bill Masters. Der verharrt weiterhin in seiner wenig sympathischen Rolle, kann von dieser weder in Interaktion mit seinem Bruder noch beim Umgang mit Libby und Virginia ausbrechen.
Einen kurzen positiven Moment gesteht ihm Autor Levenson jedoch zu. Als Libby fĂŒr ihre hervorragenden NetworkingfĂ€higkeiten gelobt wird, scheint er genuin stolz auf sie zu sein. Er schenkt ihr ein kurzes, ehrliches LĂ€cheln, wie wir es bisher kaum je von ihm gesehen haben. Sowohl Caplan in Virginias Bewunderung fĂŒr Betty als auch Sheen in Masters' Stolz auf seine Ehefrau spielen diese kleinen Charaktermomente grandios lebhaft.
Wenngleich die gesamte Episode nicht durch SubtilitĂ€t glĂ€nzt, ist ein ErzĂ€hlstrang unzureichend ausgearbeitet. Zu Beginn versucht Virginia, ihren Studienpartner davon zu ĂŒberzeugen, dass Studienobjekte mit sexuellen Dysfunktionen nicht nur in die Studie aufgenommen werden sollten, sondern dass sie auch individuell behandelt werden mĂŒssten. Masters lehnt das erst strikt ab und will sich auf die rein empirische Datensammlung konzentrieren. Von einem Moment auf den nĂ€chsten scheint er jedoch von Virginias Ansatz ĂŒberzeugt, als er nĂ€mlich Lester vor die Kamera bittet und ihn zu möglichen Traumata befragt, die seine Impotenz ausgelöst haben könnten. Die Geschichte macht hier einen Sprung, ohne zu erklĂ€ren, wie es bei Bill Masters zum Umdenken gekommen ist.

Virginia macht sich derweil nichts aus Bills ablehnender Haltung und beschlieĂt, ihrer âPatientinâ Barbara auf eigene Faust zu helfen. Weil es utopisch ist, rechtzeitig eine psychologische Ausbildung zu durchlaufen, eignet sie sich einfach Barbaras Geschichte an und gibt diese bei einem Psychologen als ihre eigene aus - in der Hoffnung, Barbara auf diesem Wege helfen zu können (da ist es wieder, das Spiegelmotiv).
Libby Masters, true Christian saint if there ever was one
Dieses gewagte Experiment wird fĂŒr Virginia (und alle ĂŒbrigen Beteiligten) keinesfalls glimpflich ausgehen. Und, um an dieser Stelle auch einmal selbst das Spiegelgleichnis einzusetzen: Ganz so, wie sich Virginia mit diesem Ansinnen in eine Sackgasse manövriert, hat sich die Serie mit dem Handlungsbogen von Libby Masters in eine Sackgasse manövriert. Nach dem Zeitsprung in der letzten Episode konnte man eigentlich davon ausgehen, dass Libbys RassismuserzĂ€hlstrang Geschichte ist. Doch in Mirror, Mirror taucht plötzlich Robert (Jocko Sims), der Bruder von Libbys ehemaliger HaushĂ€lterin Coral, wieder auf.
In einem stark konstruierten Handlungsbogen sieht er Libby dabei, wie sie Zeugin einer rassistisch motivierten Straftat wird. Danach taucht er an ihrer HaustĂŒr auf und bittet sie darum, gegen die StraftĂ€ter auszusagen. Am Ende der Episode, nachdem Libby beim gruseligen „Veiled Prophet Ball“ (der im Ăbrigen heute noch praktiziert wird) einen Erweckungsmoment hatte, beschlieĂt sie, auf Roberts Forderung einzugehen. So positiv diese Charakterentwicklung fĂŒr Libby auch ist, so gerne hĂ€tte ich nach der letzten Episode einen Strich unter diesen Handlungsstrang gemacht und einfach vergessen, was darin alles passierte.
Manche HandlungsstrĂ€nge dieser zweiten Staffel von Masters of Sex scheinen merkwĂŒrdig unverbunden zum eigentlichen Sujet der Serie. Bestes Beispiel: Austin Langham (Teddy Sears) als Vertreter fĂŒr Cal-o-Metrics. Ăber die gesamte Staffel fĂ€llt es den Autoren schon schwer, ihm einen ordentlichen ErzĂ€hlbogen auf den Leib zu schneidern. Umso schöner ist es, dass sie fĂŒr Betsy Brandt (Breaking Bad) passende Verwendung gefunden haben. Trotzdem wĂŒrde die Serie momentan davon profitieren, wenn einige Handlungsbögen aufgegeben und die frei gewordene Zeit anderweitig eingesetzt wĂŒrde. Weniger Robert, mehr Betty, „that's all“.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 2. September 2014Masters of Sex 2x08 Trailer
(Masters of Sex 2x08)
Schauspieler in der Episode Masters of Sex 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?