Masters of Sex 2x07

Als ich realisierte, dass die neue Masters of Sex-Episode, Asterion, dazu genutzt werden wĂŒrde, einen gröĂeren Zeitsprung zu machen, atmete ich erleichtert auf. Dies bedeutet nĂ€mlich, dass wir uns höchstwahrscheinlich nicht mehr lĂ€nger mit der aus heiterem Himmel zur Semirassistin berufenen Libby (Caitlin Fitzgerald) auseinandersetzen und dass wir dem Ehepaar Moretti nicht mehr bei seinen wenig interessanten Streitigkeiten zusehen mĂŒssen.
That is one world and this is the other
War dies der Plan von Anfang an? Oder hat Serienschöpferin Michelle Ashford wĂ€hrend des Drehbuchschreibens irgendwann gemerkt, dass die Jahre nach Bill Masters' (Michael Sheen) erster Entlassung kaum interessantes Material zu bieten hatten? Wir können darĂŒber derzeit nur spekulieren - jedenfalls war es die richtige Entscheidung, hat die neue Episode doch viel mehr Schwung als die letzte. Im Kern konzentriert sie sich wieder auf die allzeit schwierige Beziehung zwischen Masters und Johnson (Lizzy Caplan), die dank der beiden Hauptdarsteller und der starken Dialogarbeit immer noch das Interessanteste an der ganzen Serie ist.
Die Episode deckt einen Zeitraum von drei Jahren ab, in denen Masters eine eigene Praxis aufbaut, Betty (nun wieder DiMello: Annaleigh Ashford) als SekretĂ€rin und spĂ€ter als Managerin anstellt, Libby ein weiteres Kind schenkt, sich mit seiner Mutter aussöhnt, und - das einzige, was sich nicht Ă€ndert - mit Virginia streitet. Die Auseinandersetzungen der beiden werden von Masters mit gröĂtmöglicher Boshaftigkeit gefĂŒhrt. Er beschuldigt Ginny, keine gute Mutter zu sein, macht sie vor ihren neuen Freunden lĂ€cherlich, versprĂŒht sein sĂŒĂes Gift auf ihrem Geist und Körper, als er eine Entschuldigung von ihr einfordert, die er zunĂ€chst als seine Entschuldigung an sie tarnt.

Nicht nur im Umgang mit Virginia erweist sich Bill als gefĂŒhlloses Arschloch - und trotzdem kehrt sie immer wieder zu ihm zurĂŒck, kann nicht von ihm lassen. Jede neue und alte Beziehung wird an ihm gemessen, von manchen ehemaligen Partnern vergisst sie gar die Namen oder andere persönliche Details, die sie eigentlich wissen mĂŒsste. Am Ende kommen sie wieder zusammen, ohne ihre zwischenmenschlichen Probleme grundlegend gelöst zu haben. Sie treffen sich wieder in dem Hotel, wo ihre AffĂ€re - die ja eigentlich gar keine AffĂ€re war - einst begann. Der Ort ist ihnen so wichtig, dass Bill gar einen Deal mit dem vom Pagen zum Nachtmanager beförderten Elliot (Alex Wyse) aushandelt, um sich die teuren Spesen leisten zu können.
You go home to someone every night
Asterion behandelt aber nicht nur die zentrale Beziehung zwischen Masters und Johnson, sie widmet sich auch den anderen Frauenfiguren im Leben des Protagonisten. Libby fordert fĂŒr ein Leben in stĂ€ndiger Einsamkeit mit einem Ehemann, der sie nicht liebt, ein zweites Kind. Masters mahnt die hohen emotionalen Anforderungen an, die eine erneute Fruchtbarkeitsbehandlung bei Libby nach sich ziehen wĂŒrde, weiĂ aber gleichzeitig, dass er irgendeinen Preis zahlen muss, um das Bild von der vermeintlich heilen Familie aufrechtzuerhalten.
Dabei stellt sich die Frage, wieso Masters ĂŒberhaupt noch bei Libby bleibt. AuĂer einer warmen Mahlzeit am Abend bietet ihm diese Beziehung keinerlei Annehmlichkeiten - die beiden schlafen nicht mal mehr miteinander, wie eine niedergeschlagene Libby ihrer vermeintlichen Freundin Virginia erzĂ€hlt. Bill geht stattdessen zu Prostituierten, die nach mehreren Fellatioversuchen aber entnervt aufgeben, weil er keine Erektion bekommt (im Ăbrigen waren die Prostituierten am Ende der 50er Jahre richtig ehrliche Edeldamen - sie wollten Bills Geld nicht annehmen, weil er ja keine echte Leistung empfangen hatte).

Libby stellt eine weitere Forderung, die sie Bill aber ungleich eleganter unterjubelt. Weil sie selbst ohne Mutter aufwachsen musste, will sie Bills Mutter Essie (Ann Dowd) wieder in sein Leben zurĂŒckholen. Als sie von den finanziellen Schwierigkeiten der Praxis erfĂ€hrt, wĂ€hnt sie den richtigen Zeitpunkt gekommen, um Bill zu offenbaren, dass sie seit lĂ€ngerer Zeit wieder Kontakt zu Essie aufgebaut hat. Die taucht eines Abends bei Bill vor der Praxis auf und bietet ihm finanzielle UnterstĂŒtzung an. Er lehnt zunĂ€chst vehement ab. Als er jedoch herausfindet, dass sich Essie, Libby und Betty verschworen haben, um seiner Praxis auf die Beine zu helfen, gibt er seinen Widerstand auf.
It is nice to be back
Es ist noch lange nicht alles gut im verwirrenden Frauenuniversum von Bill Masters, im Gegenteil: Mit der Wiederaufnahme der Studie (und der nun immer deutlicher werdenden AffĂ€re) mit Virginia dĂŒrften die Eheprobleme gröĂer werden - auch oder gerade, weil Libby Virginia stĂ€rker in ihr Eheleben einbinden will, sie sogar zu einem gemeinsamen Urlaub einlĂ€dt. Masters of Sex hat nach einem kleinen Umweg ĂŒber Blackbird nun wieder Kurs auf spannendes, charaktergetriebenes Drama genommen. Im Zentrum stehen weiterhin Bill und Virginia, deren Beziehung kaum je interessanter dargestellt wurde als in dieser Episode.
Um sie herum schwirrt ein Satellitenfeld aus mehr oder weniger gelungenen comic relief-Figuren wie Austin Langham (Teddy Sears), den ambitionierten Filmer Lester (Kevin Christy), die neugierige Barbara (Betsy Brandt, die nun hoffentlich eine gröĂere Rolle bekommt) und die talentierte GeschĂ€ftsfrau Betty. Bleiben die EinsĂ€tze dieser Charaktere ausgewogen, ergibt sich eine gelungene Mischung aus dĂŒsterer Dramaturgie und leichten Auflockerungsmomenten. DafĂŒr haben wir die Serie schon immer geliebt und dafĂŒr werden wir sie auch in Zukunft lieben.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 27. August 2014(Masters of Sex 2x07)
Schauspieler in der Episode Masters of Sex 2x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?