Masters of Sex 1x09

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Finale der ersten Staffel von Masters of Sex. Doch wie bereits in der Episode der letzten Woche (Love and Marriage) baut „Masters of Sex“ keinesfalls ab, sondern packt sogar noch eine Schippe drauf. Involuntary stellt sich als weitere fantastische Episode der neuen Showtime-Serie heraus, die vor allem durch ihre starken Charaktere und der Dynamik zwischen ihnen punkten kann. An Involuntary gibt es nicht sehr viel auszusetzen, die kleinen Makel werden durch tolle Szenen der einzelnen Darsteller mit Leichtigkeit überschattet.
Das Beeindruckendste an „Involuntary“ ist wohl, dass gleich fünf Charaktere der Serie tiefgreifende Handlungsstränge zugewiesen bekommen, welche wiederum größtenteils miteinander verbunden werden. Bis auf eine kleine Ausnahme ist jede Geschichte dieser fünf Charaktere in Involuntary hervorragend konzipiert und superb erzählt. Dabei wird das gesamte Spektrum möglicher Emotionen bedient, was den Zuschauer nicht nur zum Schmunzeln, sondern vor allem auch zum Nachdenken und Reflektieren bringt. Und vielleicht kullern bei dem einen oder anderen sogar ein paar Tränen.
Eine ganz besondere Beziehung
Virginia (Lizzy Caplan) und Bill (Michael Sheen) arbeiten weiter an ihrer Studie, für welche sie immer noch regelmäßig miteinander Sex haben, um Daten aus erster Hand sammeln zu können. Dabei treten die ersten „Abnutzungserscheinungen“ ein, sei es die durch Virginias zu lange Fingernägel zerkratzte Schulter von Bill oder ein paar Blutergüsse an Virginias Hüfte. In einer clever inszenierten Anfangssequenz - in der zwischen dem eigentlichen Gespräch zwischen Bill und Virginia und dem vorangegangenen Liebesakt der beiden immer wieder hin und her gewechselt wird - bekommen wir abermals einen Einblick in die sich stetig verbessernde Arbeitsbeziehung zwischen den beiden. Dabei entsteht der Eindruck, das vor allem Virginia mehr und mehr Spaß an ihrer Arbeit bekommt. Auch der eher kühle William Masters taut immer mehr auf, doch dem Zuschauer stellt sich natürlich die Frage, wo das Ganze enden soll. Immerhin betrügt Bill seine Ehefrau Libby, auch wenn es „nur“ für seine Studie ist. Entwickeln er und Virginia langsam Gefühle füreinander, die nicht nur für die Studie, sondern für derer beiden Privatleben zum Problem werden könnten?
Libby (Caitlin FitzGerald) hat derweil mit den ersten Nebenerscheinungen ihrer Schwangerschaft zu kämpfen, doch sie entscheidet sich nach wie vor dafür, ihrem Gatten nichts davon zu erzählen. Sie wirkt etwas angeschlagen, die gegenwärtige Situation scheint sie definitiv zu belasten. Deutlich wird dies in einem Gespräch mit ihrer Schwiegermutter (Ann Dowd). Nach ein paar eindeutigen Bemerkungen stellt diese fest, dass Libby schwanger ist und besteht darauf, dass Libby es Bill so schnell wie möglich mitteilt. Das sieht Libby zwar ähnlich, jedoch möchte sie noch den richtigen Zeitpunkt abwarten. Aber man erkennt auch, dass Libby durch eine schwere Zeit geht und sich nach einer Familie und ihrem Ehemann sehnt. So bittet sie Bills Mutter Estabrooks darum, dass auch sie an der Beziehung zu ihrem Sohn arbeiten soll, was diese ihrer Schwiegertochter auch sofort verspricht.
Ethan und Vivian
Bevor wir uns dem weiteren Verlauf der Episode widmen, machen wir einen kurzen Abstecher zum vielleicht schwächsten Handlungsstrang von Involuntary. Schwach hört sich vielleicht ein wenig streng an und ist natürlich relativ zu verstehen, doch die fortgehende Beziehung zwischen Dr. Ethan Haas (Nicholas D'Agosto) und Vivian Scully (Rose McIver) fällt im Vergleich zu den anderen plot lines ein bisschen ab. Zwar bringt einem die naive Vivian immer wieder zum Schmunzeln, doch dem Zuschauer geht es dabei ähnlich wie Ethan, der immer mehr Zweifel an der bevorstehenden Vermählungen mit ihr hat. Zu Beginn der Episode ist Ethan sogar bereit, dem katholischen Glauben beizutreten, damit er und Vivian eine kirchliche Trauung feiern können. Im Laufe der Episode wirkt er jedoch immer gestresster und unsicherer. Diese Unsicherheit gipfelt schließlich auch darin, dass er Vivian mitteilt, sie doch nicht heiraten zu wollen.
Als turning point hinsichtlich dieser Entscheidung mag wohl ein Gespräch mit einem älteren Patienten gelten, den Ethan, der nach einem Vorfall auf dem Parkplatz des Krankenhauses einen Zusammenbruch erleidet, in der Notaufnahme kennenlernt. Seine gescheiterte Beziehung zu Virginia nagt immer noch schwer an Ethan und der ältere Herr im Krankenbett macht ihm auf sinnbildlicher Weise deutlich, dass sich Ethan nicht einfach treiben lassen kann. Wenn er Bedenken hat, muss er auch einmal drastische Entscheidungen treffen, so wie zum Beispiel die Auflösung der Verlobung zwischen ihm und Vivian.
Vivian mag auf den ersten Blick die perfekte Wahl für Ethan gewesen sein, doch sie ist nicht das, nach dem er auf der Suche ist. In einer sehr emotionalen und vonseiten Vivians fast schon herzzerreißenden Szene teilt Ethan ihr seine Entscheidung mit. Sowohl Nicholas D'Agosto als auch Rose McIver können insbesondere in dieser Szene vollends überzeugen, inhaltlich gibt es an diesem Handlungsstrang nicht viel auszusetzen. Was jedoch einen leicht faden Beigeschmack hinterlässt, ist die Einordnung dieser kurzzeitigen Liaison in die Gesamthandlung von „Masters of Sex“. Irgendwie war es von Anfang an klar, dass Ethan und Vivian wohl eher nicht ihr gemeinsames Glück finden werden. Es ist nicht so, dass dieser Handlungsstrang komplett umsonst gewesen wäre, aber man hatte eventuell doch ein wenig mehr erwartet.
Estabrooks in Aktion
Zurück im Krankenhaus versucht Virginia, die aufgeweckte Jane (Heléne Yorke) von einer neuen Versuchsreihe zu überzeugen, bei der Janes kompletter Körper gefilmt werden soll. Im Mittelpunkt der Beobachtungen steht die Dokumentation etwaiger Muskelzuckungen und -reaktionen beim Akt der Selbstbefriedigung. Jane sichert ihre Teilnahme zu und Involuntary ergibt sich in seinen eher amüsanten Teil. Janes Direktheit sorgt immer wieder für Lacher, aber auch der schüchterne Kameramann Lester (Kevin Christie) kann mit einigen amüsanten Szenen aufwarten. Er ist nämlich zwar ein Fachmann auf seinem Gebiet und vergleicht sich prompt mit Alfred Hitchcock, wirkt angesichts des Inhalts seiner Aufnahmen jedoch eher überfordert.
Der komödiantische Höhepunkt der Episode ereignet sich dann, als Estabrooks ihrem Sohn einen Besuch auf seiner Arbeit abstattet. Diese hatte bereits vorher in einem Gespräch mit Bill versucht, an der Mutter-Sohn-Beziehung zwischen den beiden zu arbeiten. Zwar wünscht man sich, dass Bill seiner Mutter endlich mal ein wenig entgegenkommen würde, doch die vergangenen Verfehlungen seiner Mutter scheinen in den Augen Bills zu schwerwiegend gewesen zu sein. Dennoch klärt er seine Mutter auf deren Nachfrage auf, an welcher Studie er gerade arbeitet und denkt, dass er sie mit dem pikanten Thema der Sexualforschung abgewimmelt hätte. Doch Estabrooks entscheidet sich sogleich dazu, sich selbst ein Bild von der Arbeit ihres Sohnes zu machen. Bills Mutter hätte der eine oder andere seit ihrem ersten Auftritt in „Masters of Sex“ vielleicht als einen eher nervigen Charakter erwartet. Aber im Gegenteil dazu bringt Estabrooks mit ihrer Art ein bisschen Schwung in den Laden und avanciert dank einigen kessen Sprüchen („Everyone's done it, except the Virgin Mary.“) und guten Dialogzeilen zum heimlichen Star der Episode.
Bei einer gemeinsamen Essenspause mit Bill, Virginia, Jane, Lester und Estabrooks werden dann unsere Lachmuskeln auf die Probe gestellt. Estabrooks stellt sich als äußerst offen und direkt heraus, was Virginia einiges an Respekt abfordert. Bill wirkt jedoch ein wenig genervt, als dass er sich darüber freut, dass seine Mutter Interesse an seiner Arbeit zeigt. Er schlägt dann im Ton eine andere Richtung ein, als Virginia auf ihr Bewertungsschreiben eingeht, das von Bill verfasst wurde. Darin wird deutlich, dass Bill eine ganze Menge von Virginia hält, es klingt sogar fast so, als wäre sie ihm auch emotional sehr wichtig geworden. Das registriert natürlich auch Bills Mutter Estabrooks, die in einem späteren und sehr deutlichen Gespräch darauf hinweist, dass seine Beziehung zu Virginia seine Ehe gefährden könnte. Er soll nicht denselben Fehler wie sein Vater begehen, der nie für seine Familie da gewesen sei. Glücklicherweise hört Bill auf seine Mutter und in einem klärenden Gespräch zwischen ihm und Libby erfährt er schließlich, dass sie schwanger ist. Mehr noch als das, Libby appelliert in einer sehr emotionalen Szene an Bill, dass er sich mehr um sie und seine Familie kümmern soll. Für ihn gibt es derzeit nur seine Arbeit, sonst nichts, und das verletzt Libby sehr. Ihre bewegende Ansprache wird niemand so schnell vergessen können, insbesondere Bill nicht.
Virginia
Neben der unklaren Beziehung zu Bill hat Virginia darüber hinaus nach allerlei anderen Stress um die Ohren. Wie bereits in der Episoden der letzten Woche (Love and Marriage), passt sie nirgendwo richtig rein, nicht bei den Sekretärinnen und auch nicht bei den Medizinstudenten. Sie möchte nicht wie Dr. Lillian DePaul (Julianne Nicholson) enden, für welche Virginia zwar viel Respekt empfindet, die sich jedoch allen verschließt und nur für ihre Arbeit lebt. Nur an der „Masters-Front“ hat sie aktuell ein durchweg positives Gefühl, welches wiederum bestärkt wird, als sich Bill in einem Laden, wo die beiden Janes Aufnahmen entwickeln lassen wollen, schützend vor sie stellt.
Nur eine Angestellte
Die Studie geht somit immer weiter voran, die Arbeitsbeziehung zwischen ihr und Bill floriert, doch dann folgt der erste Rückschlag: Jane macht, nachdem sie die Aufnahmen gesehen hat, die sie beim Masturbieren zeigen, einen Rückzieher. Also bietet sich Virginia selbst für die Studie an, besteht aber darauf, dass während der Aufnahmen einzig Bill im Raum anwesend ist. Es folgt eine sehr kurze, aber auch sehr intime Szene zwischen den beiden, die abermals verdeutlicht, auf welch fortgeschrittenem Level sich ihre (Arbeits-)Beziehung zueinander befindet.
Doch wie Ethan zuvor trifft auch Bill eine Entscheidung. Mit einer eindeutigen Geste gibt er Virginia zu verstehen, dass sie nur Arbeitskollegen sind. Weit mehr noch als nur das: Virginia ist eine Testperson wie jede andere auch, die sich für die Studie bereitstellt. Bill zieht eine Grenze und bricht die emotionale Beziehung zu Virginia ab, was auch an ihm nicht spurlos vorbeigeht. Doch Virginia trifft es am härtesten. Weinend sitzt sie in ihrem Auto, was deutlich zeigt, dass die Beziehung zu Bill für sie mehr als nur ein professionelles Arbeitsverhältnis war.
In einem vielsagenden voice-over von Virginia, in dem wir das von ihr verfasste Bewertungsschreiben über sie selbst zu hören bekommen, hebt sie noch einmal hervor, dass sie dazu neigt, leidenschaftlich verbunden mit den Dingen zu sein, die sie beschäftigen. Ihre Empfehlung an sich selbst ist, sich emotional mehr von diesen Dingen zu lösen, auch deswegen, um weitere Enttäuschungen zu vermeiden. Bill schaut sich derweil niedergeschlagen die Aufnahmen von Virginia an. Auch er hat seine Maxime des professionellen Arbeitens vernachlässigt und dadurch nicht nur Virginia, sondern auch Libby und sich selbst emotionalen Schaden zugefügt.
Fazit
Wie bereits zu Beginn des Reviews erwähnt, ist Involuntary ohne Frage eine sehr gute Episode von Masters of Sex. Fast alle relevanten Charaktere werden im Verlauf der Episode vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt, die sich für die fortlaufende Handlung der Serie als sehr bedeutend herausstellen könnten. Wir müssen zwar auf Margaret (Allison Janney) und Barton Scully (Beau Bridges) verzichten, was sich aber als nicht weiter schlimm herausstellt. Beide hatten bereits letzte Woche in Love and Marriage ihre großen Auftritte. Die Handlung um Ethan und Vivian wirkt ein wenig deplatziert und es gibt einiges an Input, das uns die Serienmacher zumuten. Doch das ist alles Meckern auf hohem Niveau. Die Darstellerriege kann durch die Bank hinweg überzeugen, nicht nur in den oft sehr witzigen und charmanten Momenten, sondern vor allem auch in den emotionalen und ergreifenden Szenen, von denen es in dieser Episode einige gibt.
Die Produzenten treffen (fast immer) die richtigen Entscheidungen, was der Serie unglaublich guttut. So ergibt sich zum Beispiel aus der kurzen Szene zwischen Virginia und Ethan am Ende der Episode glücklicherweise kein spontaner Liebesakt. Die Figuren sind integer und Woche für Woche finden immer wieder interessante Charakterentwicklungen statt.
Darüber hinaus ist „Masters of Sex“ nach wie vor großartig gefilmt, die Kombination von Bildern und Hintergrundmusik trifft jedes Mal ins Schwarze. Bestes Beispiel dafür ist die finale Aufnahme, in der Bill sich das Material von Virginia anschaut. Ein Bild, das mehr als tausend Worte sagt. Die außerordentlich gelungene Mischung aus mitreißendem Drama und leichtem Humor machen Involuntary zu einer sehr guten Episode, der nicht viel fehlt, um als eine der bisher besten Folgen der ersten Staffel von „Masters of Sex“ durchzugehen.
Trailer zu „Masters of Sex“ (1x10):
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Mittwoch, 27. November 2013Masters of Sex 1x09 Trailer
(Masters of Sex 1x09)
Schauspieler in der Episode Masters of Sex 1x09
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