Masters of Sex 1x08

Masters of Sex 1x08

Auch in der Episode Love and Marriage kommt es bei Masters of Sex wieder zu vielen wichtigen Entwicklungen. An allen Ecken und Enden floriert ein Lügengespinst, wobei die Männer in der Serie dabei fast ausschließlich einen schwachen Eindruck hinterlassen.

William Masters (Michael Sheen) und Virginia Johnson (Lizzy Caplan) führen ihre intimen Selbststudien in „Masters of Sex“ fort. / (c) Showtime
William Masters (Michael Sheen) und Virginia Johnson (Lizzy Caplan) führen ihre intimen Selbststudien in „Masters of Sex“ fort. / (c) Showtime

Mit Love and Marriage ist nun auch die achte Episode von Masters of Sex ausgestrahlt worden. Doch statt vier Folgen vor dem ersten Staffelfinale Ermüdungserscheinungen an den Tag zu legen, kann die Serie weiterhin in allen Erzählsträngen begeistern. Besonders das Drama, das sich zwischen den Eheleuten Barton (Beau Bridges) und Margaret Scully (Allison Janney) entspinnt, ist sehr packend inszeniert und steuert wieder zahlreiche Höhepunkte zu dieser Episode bei. Doch auch an anderen Stellen können große Zuschauergefühle heraufbeschworen werden, während sich die Charaktere in einem Gespinst aus Lügen und Selbstverleumdung verheddern.

Eine harte, starke Frau

Es ist nicht leicht, Dr. Lillian DePaul (Julianne Nicholson) ins Herz zu schließen. Zwar gesteht sie gegenüber William Masters (Michael Sheen) ein, dass es sich bei Virginia Johnson (Lizzy Caplan) um eine ihrer besten Schülerinnen handelt. Somit wird der strebsamen Studentin endlich etwas Anerkennung für ihre Mühen zuteil - auch, wenn Virginia selbst davon nichts mitbekommt. Auf der anderen Seite gibt Lillian sich Virginia gegenüber so hart, dass ihr Verhalten fast schon einen karikaturhaften Eindruck macht.

Über die Gründe für ihre ablehnende Haltung kann man hier nur spekulieren: Ist sie gegenüber Frauen generell eher feindselig gestimmt? Denkt sie, dass Virginia durch ihr Aussehen und ihre warmherzige Art Privilegien „erschleicht“, die sich Lillian durch ein langjähriges Studium erst erarbeiten musste? Es hat den Anschein, als würde die Ärztin persönlich sicherstellen wollen, dass keine Geschlechtsgenossin ihren eigenen Aufstieg dadurch schmälert, indem sie sich durch ihre Weiblichkeit einen Vorteil verschafft.

Gewissheit gibt es hingegen an anderer Stelle. In einer gänzlich unerwarteten Wendung stellt sich heraus, dass es sich bei DePaul selbst um eine Krebspatientin im Endstadium handelt. Ihr drängendes „I have six months“ in Bezug auf ihr Krebsfrüherkennungsprojekt erscheint nun in einem anderen, sehr viel bedrückenderen Licht.

Unterdrückung aus dem Hinterhalt

Masters büßt erneut eine Reihe von Sympathiepunkten ein, indem er sich gegenüber seiner Forschungsassistentin hinterhältig und manipulativ verhält. Vordergründig unterstützt er Virginia auf verständnisvolle Weise bei ihren akademischen Ambitionen und räumt ihr Zeit zum Lernen ein. Hinter ihrem Rücken stellt er jedoch im Gespräch mit Lillian DePaul sicher, dass Virginias Kurse auf keinen Fall seiner Studie in den Weg kommen werden. DePaul entlarvt Masters' scheinheilig formuliertes Anliegen schnell und pointiert als Versuch, Virginia kleinzuhalten, damit sie auch weiterhin auf ihn angewiesen ist.

Gleichzeitig scheint die Chemie zwischen den beiden Forschenden ein neues, immer intensiver zutage tretendes Level erreicht zu haben. Zumindest lässt sich dies aus den Blicken schließen, die sich die beiden im Rausch der Pionierarbeit am Ende der Episode zuwerfen.

Ethan (Nicholas D%26#039;Agosto) lässt sich nicht von Austins (Teddy Sears) Warnungen abschrecken. © Showtime
Ethan (Nicholas D%26#039;Agosto) lässt sich nicht von Austins (Teddy Sears) Warnungen abschrecken. © Showtime

Sackgasse Ehe

Wie bereits in der vorangegangenen Episode All Together Now (1x08) gibt es aufseiten der Eheleute Scully keinen Gewinner.

Margaret (Allison Janney) muss eine weitere herbe Enttäuschung verkraften, als ihr Liebhaber Austin Langham (Teddy Sears) schließlich die Nase voll von ihr hat. Zwar besitzt sie genügend Menschenkenntnis, um seine Intentionen zu erkennen und in dieser Situation ihre Würde zu wahren („This was never anything more than a casual fling anyway, was it?“). Auf der anderen Seite verraten ihre Augen, dass sie sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht, als dass er ihre Frage verneint. Absolute Klarheit bringt hier die Reisetasche, die Margaret in einem Akt stummer Verzweiflung in einen Mülleimer wirft. Nun, da sie mit Austin nicht länger über einen attraktiven „Puffer“ verfügt, um sich über ihre sexlose Ehe hinwegzutrösten, treibt ihre Frustration sie zu dem drastischen Entschluss, sich von Barton scheiden zu lassen.

Das Tabu der Homosexualität

An dieser Stelle ist es auffällig, dass Margaret als intelligente und einfühlsame Frau in ihrem Liebhaber zwar lesen kann wie in einem Buch. In Bezug auf die sexuelle Orientierung ihres Mannes ist sie gleichzeitig jedoch so unglaublich blind. Statt aus Bartons heimlichem Treffen mit Dale (Finn Wittrock) und seinem augenscheinlichen Desinteresse an ihrem Körper die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist Margaret eher bereit, dessen Prostituiertenlüge zu glauben. Darin zeigt sich wiederum, wie sehr die Homosexualität in den späten 1950er Jahren noch verteufelt worden und aus dem Wahrnehmungshorizont der Menschen entrückt war.

Das Leid eines schwulen Mannes wird neben Barton, der nicht einmal mehr vor potentiell gesundheitsgefährdenden Methoden zurückschreckt, um sich zu „kurieren“, besonders auch von dessen Prostituiertem Dale nach außen getragen. Die Art und Weise, wie der junge Mann in einer ergreifenden Szene seinem - durch die Gegebenheiten seiner Zeit gespeisten - Selbsthass Ausdruck verleiht, ist sehr authentisch und berührend geraten.

Der chronische Betrüger

Austins Frau Elise (Elizabeth Bogush) scheint sich mit den notorischen Fremdgängen ihres Ehemannes längst abgefunden zu haben. Die Geschenke, die er ihr und ihren Kindern scheinbar aus einer großzügigen Laune heraus bereitet, kann sie ohne Umschweife als Resultat seines schlechten Gewissens deuten: „Some poor woman is in tears.

Doch während es zunächst den Anschein hat, dass sich Langham nun wieder stärker in seine Ehe einbringen wird, bandelt er ohne Umschweife wieder mit der Verkäuferin aus einem Juweliergeschäft an. Gleichzeitig manifestiert sich sein ungebrochener Sexualtrieb darin, dass er sich wieder für Masters Studie verpflichten lässt - egal, welchen Partner ihm die Wissenschaftler auch vorsetzen mögen.

Libby (Caitlin FitzGerald) mit ihrem neuen Tanzpartner Walter (Flex Alexander) © Showtime
Libby (Caitlin FitzGerald) mit ihrem neuen Tanzpartner Walter (Flex Alexander) © Showtime

Der ängstliche Pflichterfüller

Ethan Haas (Nicholas D'Agosto) lässt sich von den mahnenden Worten seines Kollegen Austin nicht entmutigen und steuert geradewegs auf seine eigene Ehefalle zu. So hat er sich damit abgefunden, dass er wohl nie wieder in den Genuss der Gefühle kommen wird, die ihm seine Liaison mit Virginia beschert hatte. Stattdessen tröstet er sich mit dem Gedanken an steuerliche Vorteile und durch die Tatsache, dass die Ermangelung einer Ehefrau in den Augen der Gesellschaft einem gravierenden Defizit gleichkommt.

Dinah Shores „Love and Marriage“, das Vivian Scully (Rose McIver) so euphorisch und heiratswillig mitsingt, weckt zumindest in den Ohren der Rezensentin sofort unheilschwangere Assoziationen an Ehehölle aus der Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“. Überhaupt läuft in seiner Beziehung alles recht suboptimal. Während man Vivian echte, tiefere Gefühle für ihren Jugendschwarm nicht absprechen kann, wird Ethan nicht nur echter Zuneigung in seiner Zukunft beraubt, sondern auch eines großen Auftritts. So macht sich seine Zukünftige den Antrag quasi selbst und der teure Ring verkommt zur Nebensache.

Libby

Libby (Caitlin FitzGerald) hat unterdessen in ihrem „Handyman“ Walter (Flex Alexander) einen Tanzpartner gefunden. Zunächst erweckt ihre Beziehung zu dem Afroamerikaner in dieser Zeit, in der die Gleichberechtigung noch nicht einmal auf dem Papier existierte, einen sehr freundschaftlichen Anschein. Später im Krankenhaus kann sie sich jedoch nicht dazu durchringen, ihn als einen Freund zu bezeichnen. Neben der Fortführung dieser Beziehung, die nicht frei von zwischenmenschlicher Anziehung ist, schürt auch Libbys neuerliche Schwangerschaft die Neugierde. Wird Masters an das „Wunder“ glauben, dass es seinen benachteiligten Spermien auf natürlichem Wege gelungen sein sollte, die Eizelle zu befruchten? Neue Konflikte scheinen hier vorprogrammiert zu sein.

Fazit

In der Episode Love and Marriage geht es nicht gerade optimistisch zu. Besonders schwach kommen in den Beziehungswirren dabei die Männer weg. Masters intrigiert aus dem Hintergrund, um Virginia längerfristig an sich und die Studie zu binden, Langham ist eine unheilbare man whore und Haas fügt sich kraftlos in das bequemste Schicksal. Barton auf der anderen Seite wird durch die Vorstellung einer Scheidung zu drastischsten Schritten getrieben.

Überall wird gelogen und die verzweifelte Lage der Schwulen stimmt ebenso pessimistisch wie die Diskriminierung der Afroamerikaner. Auch der persönliche Schicksalsschlag von Dr. DePaul taucht die Episode in finsteres Licht.

Zum Glück gelingt es Jane (Heléne Yorke) wieder einmal, den allgegenwärtigen Trübsinn aufzuheitern. Ihre Reaktion darauf, dass sie mit der Hilfe eines Kameradildos von „innen“ gefilmt werden soll („In highschool I was voted most likely to be in pictures“) kann in puncto Witz dabei wohl nur durch den völlig überforderten Kameraspezialisten Lester Linden (Kevin Christy) übertroffen werden. Es ist tatsächlich höchst amüsant, wie sein aufgeplustertes Selbstvertrauen („stylistically, I am close to Hitchcock“) im Angesicht von Janes Vagina verpufft.

Wieder einmal großartige schauspielerische Leistungen - allen voran von Allison Janney und Beau Bridges - und eine mitreißende Handlung machen auch diese Episode von Masters of Sex zu einem äußerst unterhaltsamen Sehvergnügen.

Trailer zu „Masters of Sex“ (1x09):

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 18. November 2013
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Masters of Sex 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Verliebt, verlobt, verheiratet
Titel der Episode im Original
Love and Marriage
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 17. November 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. Januar 2014
Regisseur
Michael Apted

Schauspieler in der Episode Masters of Sex 1x08

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