Masters of Sex 1x05

Die Episode Catherine der Serie Masters of Sex zieht die Zuschauer von Beginn an in ihren Bann. Zunächst dominiert dabei die Leichtigkeit und man kann sich an dem hervorragenden Zusammenspiel von Lizzy Caplan und Michael Sheen als Virginia Johnson und William Masters ergötzen. Doch dann schlägt die fünfte Folge der ersten Staffel sehr viel bedrückendere Töne an. So manifestiert sich ein Wechselbad der Gefühle, an dem es kaum etwas zu kritisieren gibt.
Von Bienen, die keine Blüten kennen
Es tun sich neue Abgründe des Wissens in Bezug auf die Aufklärung auf, als es Masters bei seiner Arbeit als Gynäkologe mit streng religiösen Christen zu tun bekommt. „Wie lie together every night“, berichten die Eheleute und sind erstaunt darüber, dass sich bislang keine Schwangerschaft eingestellt hat. Zum Glück haben sie sich endlich an William gewendet, der sich zu diesem Zeitpunkt noch einer ungewohnten Fröhlichkeit erfreut. „God created heaven and earth, but he's not an obstetrician“, postuliert er, bevor er ihnen die Bienchen und Blümchen näherbringt.
Chemie entsteht
Die Studie schreitet beträchtlich voran und so haben Masters und Johnson die verschiedenen Erregungszustände bei der Masturbation mittlerweile hinreichend entschlüsselt. Nun ist es an der Zeit, sich neuerlich der Erforschung von miteinander schlafenden Paaren zuzuwenden. Masters scheint durch die Erfolge beflügelt. Seinem lockeren Verhalten und seinen humorvollen Anwandlungen ist es zu verdanken, dass es zum ersten Mal vorstellbar wird, dass Virginia sich von diesem Mann angezogen fühlen könnte. Als Virginia ihren Kollegen gerade über das Mysterium der zwischenmenschlichen Chemie belehrt und von dem sprichwörtlich überspringenden „Funken“ die Rede ist, wird sehr schön anhand Mikroexpressionen der beiden angedeutet, dass es auch hier ein gewisses Knistern gibt.
Pärchenphase
Auch an anderer Stelle geht es erfreulich zu. Die angestammten Versuchspersonen Jane Martin (Heléne Yorke) und Dr. Austin Langham (Teddy Sears) zeigen sich euphorisch darüber, dass die Pärchenphase wieder aufgenommen wird. Doch als es sich Langham - bespickt mit Elektroden und voller Vorfreude - auf dem Bett bequem macht, wird er mit einer Fremden konfrontiert. Die Erektion, die sich daraufhin nicht einstellen will, kehrt auch später im Zusammenspiel mit Jane partout nicht zurück.

Jane und Austin
Zum einen bestätigt sich hier zunächst Virginias These, dass die gegenseitige Anziehung beim Sex eine entscheidende Rolle spielt. Zum anderen wird auf sehr gekonnte Weise das Problem der erektilen Dysfunktion thematisiert („Why won't my dick work! Fuck!“). Teddy Sears kann als Dr. Langham während der gesamten Episode durch sein facettenreiches Spiel begeistern. Auch der Charakter der emanzipierten Jane wächst einem immer weiter ans Herz. Dabei ist besonders auch ihre Interaktion mit dem - in Bezug auf das weibliche Geschlecht allzu begriffsstutzigen - Dr. Ethan Haas (Nicholas D'Agosto) amüsant: „You deflowered the provost's daughter?!?“
Ethans neue Freundin
Die Tatsache, dass Ethan tatsächlich Barton Scullys (Beau Bridges) Tochter Vivian (Rose McIver) entjungfert hat, bringt den aufstrebenden Arzt in Bredouille. Zwar hatte das Mädchen zunächst ausdrücklich ihr Interesse an einer recht offenen Beziehung geäußert. Später, als sie Dr. Haas ihre Liebe versichert, macht das Ganze jedoch einen weniger zwanglosen Eindruck.
Diesen Eindruck scheint auch Ethan bekommen zu haben, der Vivian später in seinem Gespräch mit Virginia als seine Freundin bezeichnet. Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass er sich nur aus dem Grund mit dem kleinen Henry (Cole Sand) beschäftigen möchte, um seine Chancen bei dessen Mutter zu verbessern. Gleichzeitig hat der Gynäkologe aber sicherlich auch seine medizinische Karriere im Hinterkopf und macht gegenüber der am Boden zerstörten Virginia zudem einen sehr aufrichtigen Eindruck.
Dramen überall
Virginia muss nicht nur einen sehr zeitintensiven Beruf mit ihren mütterlichen Pflichten in Einklang bringen, sondern dabei gleichzeitig noch den Sündenbock spielen. Sie nimmt den Undank ihrer Kinder in Kauf, um ihnen die Enttäuschung über die wahre Natur ihres Vaters George (Mather Zickel) zu ersparen. Das Drama, das Johnsons Privatleben überschattet, berührt die Zuschauer nicht zuletzt dank Lizzy Caplans darstellerischer Expertise auf intensive Weise.
Der tiefste emotionale Abgrund tut sich jedoch in dem Erzählstrang um Libby (Caitlin FitzGerald), William und ihr ungeborenes Baby auf, dessen Name Catherine sich auch im Episodentitel manifestiert. Als Libby ihr Kind verliert, ist dies aufgrund der detaillierten und zeitintensiven Abbildung sehr, sehr bedrückend. Fast noch schlimmer rührt einen jedoch ihr emotionales Schicksal: Nun, da sie des Kindes beraubt wurde, muss sie innerhalb ihrer Ehe im Grunde genommen vollkommen isoliert existieren. Libby versucht alles, um eine größere Nähe zu William herzustellen, doch er entzieht sich seiner Frau nicht nur psychisch, sondern auch physisch.

Masters Trauma
Im Verlauf von Catherine wird William Masters eindrucksvoll die eigene Machtlosigkeit vor Augen geführt. Während er sich in seinen medizischen Fähigkeiten zu Beginn selbst Gott überlegen wähnt, hält er sich am Ende verantwortlich für den Tod seiner Tochter. Dabei verschließt er sich chronisch gegenüber seiner Ehefrau und seine Mutter Estabrooks (Ann Dowd) verbirgt ihre gesamte Gefühlswelt ohnehin hinter einem Schleier der Verdrängung. Nur gegenüber seiner Assistentin kann sich William öffnen - und das auch nur äußerst widerwillig. Heraus kommt dabei eine unglaublich ergreifende Szene. Zu sehen ist ein von seinen Emotionen völlig überforderter Mann, der so zwanghaft um Kontrolle bemüht ist, dass er fast daran zugrundegeht.
Fazit
Das, was Masters of Sex seinen Zuschauern in dieser Episode bietet, ist ganz großes Kino. Die auch grafisch schockierende Fehlgeburt von Libby führt sicherlich so manchen Zuschauer an die Grenzen des Ertragbaren. Auch der erste Sex zwischen Ethan und Vivian kann dank einer schonungslosen Darstellungsweise fast schon physische Schmerzen heraufbeschwören.
Zudem wird in Catherine auch in Szenen, die eigentlich einen fröhlichen Eindruck machen, ein tieftrauriger Subtext deutlich. Während Barton auf höchst romantische Weise die Beziehung zu seiner langjährigen Ehefrau Margaret glorifiziert, denkt man zur gleichen Zeit an die Seelenqualen, die mit dieser Existenz „im Schatten“ für den homosexuellen Mann verbunden sein müssen. Scullys ergreifende Worte „I guess there's enough sorrow to go around for us all“ können in dieser Episode auf fast alle Charaktere zutreffen: Auf den enttäuschten Henry, seine Mutter oder Ethan, der sich mit einem Leben ohne seine große Liebe abgefunden zu haben scheint. Auch die einsame Libby und der von Seelenqualen gepeinigte William bilden keine Ausnahmen.
Großartige Zitate wie Estabrooks „If God wasn't invented for a time like this, why invent him at all?“ und die durchweg großartigen Schauspielleistungen ziehen die Zuschauer unausweichlich in ihren Bann.
Obwohl man sie nach den ganzen Tragödien fast zu vergessen droht, hatte diese Folge von Masters of Sex zudem eine Vielzahl von schönen Sequenzen - wie die Umstandsmodenschau - und ausgesprochen lustigen Momenten zu bieten.
Es wird spannend, zu sehen, ob sich die Ehe von Libby und William noch einmal von diesem herben Schlag erholen wird. Gleichzeitig manifestieren sich jedoch auch auf der Seite von Williams Kindheit und der Schlafwandlerei düstere Geheimnisse, nach deren Offenbarung man lechzt. Das Resultat: eine fantastische Episode einer bislang überaus überzeugenden Serienneuheit.
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 30. Oktober 2013(Masters of Sex 1x05)
Schauspieler in der Episode Masters of Sex 1x05
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