Masters of Sex 1x06

Im Gegensatz zu der Vorgängerepisode Catherine geht es in Brave New World eher etwas beschaulicher zu. Während besonders der Handlungsstrang um Libby (Caitlin FitzGerald) dabei gewisse Längen aufweist, wird man in dieser Folge besonders durch Allison Janney in ihrer Rolle der Margaret Scully in den Bann gezogen. Zudem gibt es einen Cliffhanger, der alles verändern könnte.
Libbys Aufbegehren
Libby hat nicht nur vor kurzem ihr Kind verloren. Zusätzlich muss sie sich noch in einer Ehe zurechtfinden, die für sie selbst auf einem romantischen Urlaubstrip nach Miami einer unterkühlten Isolationshaft gleichkommt. Anstatt zu erkennen, dass seine Frau in der schweren Zeit nach der Fehlgeburt auf einen investierten Partner angewiesen ist, bleibt er weiter auf Distanz. Seine Gedanken sind derartig penetrant bei der Sexualforschung, dass es selbst die unglaublich geduldige Libby nicht länger tolerieren kann. In ihrem ersten wirklichen Aufbegehren gegen Williams mangelnde Zugänglichkeit schickt sie ihren Ehemann alleine nach Hause zurück.
Eine Ehe vor dem Aus?
Es braucht wohl kaum einen Sigmund Freud, um aus Libbys Erzählungen über ihren verstorbenen Mann die richtigen Schlüsse zu ziehen. Um die Ehe der Masters scheint es alles andere als gut bestimmt zu sein. Zwischenfälle wie Libbys peinlicher Versprecher, als sie sich angetrunken in ihren realitätsverdrängenden Lügen verheddert, oder der Moment, in dem der aufdringliche Zimmernachbar (Barry Bostwick) ihr zu nahe kommt, schüren zwar kurzzeitig die Spannung. Insgesamt verblasst dieser Erzählstrang aber neben dem, was sich derweil in Missouri abspielt.
Spaß und Freud
Neben einem Vortrag von einer Tochter Sigmund Freuds wird die Arbeit des Psychoanalytikers im Episodenverlauf noch öfter thematisiert. Amüsant ist dabei eine therapeutische Sitzung von Austin Langham (Teddy Sears) geraten, der durch die Worte seines freudianischen Therapeuten spektakulär überfordert wird.
Außerdem ist die Zusammenarbeit zwischen Virginia (Lizzy Caplan) und Jane Martin (Heléne Yorke) von einem erquicklichen Humor geprägt, in dem sich wieder einmal der Geist der Emanzipation widerspiegelt. Es gilt zu widerlegen, dass der vaginale Orgasmus, der ein Mann seiner Frau bescheren kann, der Art von Klimax überlegen ist, die Frauen auch ohne das Zutun eines Penis erreichen können. Als die beiden diese These mit der Hilfe von Messinstrumenten im Experiment hinterfragen, ist nicht nur Jane von den Ergebnissen überrascht: „My clitoris beat my vagina?“
Masters lässt sich im Lichte dieser Erkenntnisse dazu durchringen, die Studie in Bezug auf die verschiedenen weiblichen Orgasmen auszudehnen. Wieder einmal leisten er und Johnson dabei Pionierarbeit.

Masters vs. DePaul
Im Handlungsverlauf hätte man denken können, dass sich Virginia und Dr. Lillian DePaul (Julianne Nicholson) langsam etwas näherkommen. Im Endeffekt zeigt sich DePaul mit der engagierten Virginia jedoch nicht solidarisch, sondern weist William praktisch an, seine Sekretärin auf ihren Platz zu verweisen. Sicherlich haben die Schwierigkeiten, mit denen sich DePaul während ihres medizinischen Aufstiegs in einer Männerwelt konfrontiert sah, einen großen Teil zu ihrer Härte und ihrem Konkurrenzdenken beigetragen. Dennoch lassen ihre Nörgeleien sie reichlich missgünstig erscheinen. Dies tut der interessanten Wirkung ihres Charakters jedoch keinen Abbruch. Dieser erspürt zudem problemlos Masters' Begierde für seine Assistentin.
Wieder einmal kommt daraufhin an unerwarteter Stelle Williams gute Seite zum Vorschein. Er verteidigt Virginia so nicht nur vor DePaul, sondern befördert sie zudem zu seiner Forschungsassistentin.
Intime Forschung
Es ist schwer zu sagen, was Johnson in dem Moment durch den Kopf geht, in dem sie sich vor ihrem Chef den BH auszieht. In gewisser Weise scheint hier auch die Dankbarkeit gegenüber Masters eine Rolle zu spielen, der ihre aufopferungsvolle Arbeit endlich ein Stück weit honoriert. Aber Virginia müsste sich doch mittlerweile darüber bewusst sein, dass sich ihr Vorgesetzter zu ihr hingezogen fühlt. Schließlich ist sie selbst nicht auf den Kopf gefallen und wurde bereits - nicht nur durch Betty - auf Masters Gefühlswallungen hingewiesen. Obwohl das Verhältnis zwischen den beiden Forschenden in letzter Zeit etwas wärmer geworden ist, macht es in jedem Fall kaum den Eindruck, dass Johnson ihren Vorgesetzten in dem Maße begehrt, wie es umgekehrt der Fall ist.
Wie groß Williams Verlangen ist, blitzt in fast jeder Szene hervor, in der er mit seiner Sekretärin interagiert. Und während Virginia durchaus dazu in der Lage ist, Sex und Emotionen voneinander zu trennen („We're scientists. Let's see.“), hat die Rezensentin große Zweifel daran, dass dies auch William gelingen wird. Als Masters' Hand auf Virginias Busen eine sehr viel intimere Zusammenarbeit einleitet, scheinen künftige Konflikte vorprogrammiert. Hier fällt auch die Tatsache ins Gewicht, dass die Beziehung zwischen Masters und Libby zur gleichen Zeit einen neuen Tiefpunkt erreicht hat...
Sex als Pflichtübung
Auch abseits der zentralen Charaktere kommt es zu denkwürdigen Entwicklungen. An der Homosexualität von Barton Scully (Beau Bridges) hatten im Grunde genommen bereits vor dieser Episode keine Zweifel mehr bestanden. Nun erhalten die Zuschauer jedoch nicht nur Gewissheit, sondern bekommen gleichzeitig einen Einblick in die Konsequenzen, die Bartons sexuelle Präferenz für sein Eheleben mit sich bringt.

Margaret Scully (Allison Janney) muss in ihrer Ehe auf Sex fast komplett verzichten. Neben dieser Hülle einer Beziehung kommt einem selbst die Ehe der Masters wie ein Quell der sexuellen Experimentierfreude vor.
Orgasmus über Umwege
Von einer Freundin (sehr überzeugend porträtiert von Ann Cusack) wird Margaret auf Masters' Sex-Studie aufmerksam gemacht. Dabei beschreibt Cusacks Charakter ihre damit einhergehende sexuelle Erweckung auf eindringliche Weise mithilfe einer Schuhmetapher.
Doch außer einer tiefen Demütigung, die durch Allison Janney äußerst mitreißend gespielt wird, trägt Margarets darauffolgendes Interview mit Masters und Johnson keine Früchte: Weil Margaret noch nie einen Orgasmus erleben durfte, ist sie als Studienobjekt nicht geeignet.
Ein unwahrscheinliches Paar
Am Ende erlangt die leidgeprüfte Margaret dann aber doch die überfällige Erfüllung. Zweifelsohne wirkt die Tatsache, dass sie ausgerechnet am Höhepunkt ihrer sexuellen Frustration auf Austin Langham (Teddy Sears) trifft, reichlich konstruiert. Zudem vollzieht sich die Annäherung zwischen Bartons Ehefrau und Austin, der gerade zufällig ebenfalls eine sexuelle Krise durchläuft, unverhältnismäßig schnell. Doch da man Margaret zu diesem Zeitpunkt einen Orgasmus kaum länger vorenthalten möchte, und der Verbindung der beiden zudem jede Menge dramaturgisches Potential innewohnt, ist es einfacher, über diese Unzulänglichkeiten hinwegzusehen.
Fazit
Die Episode Brave New World kann in puncto Intensität nicht ganz mit Catherine mithalten. Dennoch kommt es fraglos zu entscheidenden Entwicklungen, die die Handlung der Serie noch maßgeblich beeinflussen werden.
Während sich die Kluft zwischen Libby und William als schier unüberwindlich abzeichnet, manifestieren sich an gleich zwei Stellen neue Brandherde. Zum einen könnte die Kulisse, die Bartons Ehe darstellt, durch eine sexuell erweckte Margaret ins Wanken geraten. Außerdem scheint es unmöglich, dass Virginia und Masters als Versuchspersonen miteinander schlafen, ohne dass dies gravierende Probleme für beide von ihnen nach sich ziehen würde.
Insgesamt hätte sich die Rezensentin in dieser Episode von Masters of Sex zwar über etwas mehr Wärme gefreut. So sind Szenen wie die, in der Masters als Buchdieb entlarvt wird, nicht nur amüsant. Derlei Sequenzen tragen zudem grundlegend dazu bei, dass man sich stärker für seinen Charakter erwärmen kann.
Zur gleichen Zeit stimmen die neuen Forschungsgebiete - wie Sex im Alter und Orgasmen, die ohne eine Stimulation der Genitalien auftreten - jedoch ähnlich optimistisch, wie die sich abzeichnenden Eskalationen.
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 4. November 2013(Masters of Sex 1x06)
Schauspieler in der Episode Masters of Sex 1x06
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