Legends of Tomorrow 1x09

Legends of Tomorrow 1x09

Mit der Episode Left Behind präsentieren die Legends of Tomorrow-Macher die wahrscheinlich beste Folge der bisherigen Serie. Endlich sind nämlich einmal Konsequenzen für die Handlungen der Truppe zu spüren.

Szenenbild aus der „Legends of Tomorrow“-Episode „Left Behind“ / (c) The CW
Szenenbild aus der „Legends of Tomorrow“-Episode „Left Behind“ / (c) The CW

Die Legends of Tomorrow-Episode Left Behind beginnt direkt im Anschluss an den Vorgänger, bei dem Ray (Brandon Routh), Kendra (Ciara Renee) und Sara (Caity Lotz) im Jahr 1958 stranden, weil die Waverider nach dem Angriff von Chronos überraschend abhebt und durch die Zeit springt.

Wir sehen nun mehr Details, wie es dazu kam, denn Chronos verfügt über fortschrittliche Time-Master-Technologie und kann deswegen Bord-AI Gideon hörig machen, so dass Captain Rip Hunter (Arthur Darvill) nichts mehr zu melden hat.

Demnach gelingt es auch nicht, Chronos aufzuhalten, denn Jax (Franz Drameh) und Professor Stein (Victor Garber) trauen sich zunächst nicht, zu Firestorm zu werden, weil das das Schiff zerstören könnte, tun es dann aber doch, um zu Hunter vorzudringen. Dabei stellen sie fest, dass Chronos bereits verschwunden ist und Snart (Wentworth Miller) mitgenommen hat.

Vergessen?

Ray und die Damen warten einige Zeit auf die Rückkehr ihrer Gefährten, wobei immer wieder in ansteigenden Zehnerintervallen ein Update erfolgt. Aus zehn Minuten, werden zehn Stunden oder Wochen und schließlich zwei ganze Jahre, die vergehen, ohne dass das Trio etwas von den anderen Zeitreisenden hört. Die drei bilden eine spontane Dreier-WG, in der Ray versucht, mithilfe des Atomanzugs einen Zeitsender zu bauen, mit dem man sie ausfindig machen könnte, doch der erweist sich des Öfteren als nicht funktionsfähig. Deswegen verkleinert sich die WG auch, als Sara die Hoffnung aufgibt und noch im Jahr 1958 nach Nanda Parbat verschwindet.

Ray und Kendra bleiben beisammen und richten sich ein Ersatzleben ein. Sie als Bibliothekarin, er als Dozent an der Uni, an der er auch dem Vater von Bill Gates etwas zu schrumpfbaren Atomen beibringt. Bisher habe ich mich oft darüber beschwert, dass ich den Autoren Ray und Kendra als Paar nicht abnehme. Diese Episode ändert das und zwar mit einem probaten Mittel, nämlich durch das Stranden in einer fremden Zeit. Das macht die Beziehung sehr viel glaubhafter und legt die Messlatte für die Fallhöhe noch etwas weiter nach oben. Das Band zwischen den beiden ist viel enger und als es dann zur Reunion mit dem Rest kommt, merkt man auch gewisse Spannungen, sowohl zwischen den beiden, die unterschiedlich schnell wieder ins alte Leben finden, als auch mit dem Rest des Teams. Genau solche Konflikte interessieren mich.

Szenenbild aus der %26bdquo;Legends of Tomorrow%26ldquo;-Episode %26bdquo;Left Behind%26ldquo; © The CW
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Natürlich funktioniert Rays Sender genau zu ihrem zweijährigen Jahrestag, als er ihn gemeinsam mit ihr zerstören und sich mit dem gestrandeten Schicksal abfinden will. Ebenfalls brisant: Ray wollte ihr mit einem Ring einen Antrag machen, den er dann - und das auch mehrfach in der Episode - wieder versteckt.

Sorry we're late

Das Picknick bleibt also zurück, genauso wie die angesammelten Habseligkeiten des Pärchens und der Atom-Suit, den Ray aufgrund seiner Fehlfunktion und seiner Basteltätigkeit wegen nicht nutzen kann, aber natürlich holen muss. Kendra ist wenig sentimental, was den zurückgelassenen Besitz angeht. Man könnte meinen „been there, done that“ - hunderte Male in anderen Leben, während der alte Romantiker Ray das gar nicht kann. Sie ist, sobald sie an Bord der Waverider sind, sofort wieder in der bequemen Jeans, er bleibt in der nostalgischen Kluft. Die Frage, die sich sicherlich auch die Zuschauer stellen: Warum reist man nicht einfach nach 1958 zurück? Weil zu viel bereits verändert wurde und passiert ist. Die Konsequenzen könnten katastrophal sein, so vorsichtig sie auch waren. Doch Ray sehnt sich nach dem Job, der Verantwortung und dem Bewerten der midterms.

Wer ist Chronos?

Stellt sich noch die Frage, warum Chronos nur Snart und nicht Hunter mitgenommen hat. Doch das „Previously on...“ der Episode gibt schon recht schnell einen Hinweis darauf, dass unter der Maske ein alter Bekannter stecken muss. Tatsächlich ist es Mick Rory (Dominic Purcell), der nach seinem Ausraster natürlich nicht von Snart auf Eis gelegt, sondern nur ausgeknockt wurde, stets mit der Absicht, ihn irgendwann wiederzuholen. Allerdings hat er dabei fast seinen Verstand verloren, musste sich von Ratten ernähren und allein durchschlagen. Doch die Time Masters sind Snart zuvorgekommen, haben Heat Wave zum Vanishing Point (Comicanspielung de luxe) gebracht, wo die Zeit nicht in normalen Bahnen verläuft und ihn zum Kopfgeldjäger umpolt, der auf Vergeltung sinnt.

Diese droht er auch prompt an, als er sich Snarts Schwester Lisa (Peyton List) als Provokation ausguckt und damit droht, sie immer und immer wieder vor Colds Augen umzubringen. Freundschaft Fehlanzeige. Doch zunächst will er sich um seinen primären Auftrag, also die Legends kümmern, das nutzt Snart, um an seinen Freeze Ray zu kommen und ist dabei gewillt, Extremitäten aufs Spiel zu setzen.

League of Assassins

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Sara ist derweil zurück zu ihren kriegerischen Anfängen gegangen und zwar zu Ra's al Ghul (Matt Nable), der seine League of Assassins im Jahr 1960 trainiert, wobei ihm auch seine Tochter Talia al Ghul zuschaut. Es mag ein netter Fanservice sein, al Ghuls bekanntere Tochter aus den Comics einzuführen, allerdings wäre diese dann heute 56 Jahre alt. Schnell erklärt werden kann das natürlich mit der Lazarus Grube, die sie jung halten würde. Außerdem haben wir die erwachsene Talia im Arrow-Verse noch gar nicht gesehen. Lebt sie überhaupt noch? Nyssa scheint zu diesem Zeitpunkt ja auch noch lange nicht geboren zu sein und wer ist eigentlich Mrs. al Ghul? Fragen über Fragen...

Das Team um Hunter beschließt jedenfalls, dass es an der Zeit ist, Sara da rauszuholen und überrascht sie im Schlaf, so dass er rasch ein Messer an der Kehle hat - und anders, als er sich das vorgestellt hat, kooperiert sie keineswegs mit ihm, sondern schlägt Alarm. Jax, Kendra, Stein und Ray werden also zusammen mit Hunter ins Gefängnis gesteckt, wo die Exekution auf sie wartet. Sara meint es wirklich ernst, denn sie lässt Jax und Stein trennen und knüpft Ray seinen Anzug ab - wirklich schlau.

Trial by Combat!

Szenenbild aus der %26bdquo;Legends of Tomorrow%26ldquo;-Episode %26bdquo;Left Behind%26ldquo; © The CW
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In der Gefangenschaft sprechen Ray und Kendra über ihre Zeit zu zweit, die Ray misst und die Kendra schnell abgeschrieben hat. Dabei kommt zur Sprache, dass Saras Verhalten eine Konsequenz des langen Aufenthalts in einer fremden Zeit sein kann, was sich auch bei Kendra bemerkbar gemacht hat, die ihre Kräfte nicht genutzt hat. Statt auf ihre Hinrichtung zu warten, will Hunter eine andere Tradition der League of Assassins ausrufen: den Trial by Combat. Hunter will gegen al Ghul selbst antreten, doch die Regeln besagen, dass man sich den Krieger aussuchen kann und so wird bald Sara aufgestellt.

Nun braucht die Gegenseite noch einen Champion. Da Hunter es nicht machen will, meldet sich Ray natürlich an, doch er wählt im Endeffekt Kendra, von der er sich verspricht, dass sie wegen ihres gemeinsamen Traumas zu ihr durchdringen kann. Siehe da, es klappt und just, als Chronos die Party crasht, wendet sich das Blatt und die Legends versuchen, Ra's al Ghul den Ernst der Lage - immerhin steht der Fortbestand der League auf dem Spiel - zu erklären. Der demon's head ist der Meinung, dass Hunter die Suppe selbst auslöffeln muss und befreit ihn.

Sara selbst will Chronos an den Kragen, doch kurz bevor die Gruppe ihn killen kann, taucht Snart mit vorerst einer Hand weniger sowie den Infos auf, wer wirklich hinter der Maske steckt.

Wie war das mit Eingriffen in die Zeit?

Der Jahrhunderte alte al Ghul sieht dem Treiben gelassen zu und versteht, dass es sich bei den Legends um Zeitreisende handelt und dass Sara, deren Fähigkeiten er bewundert, bereits seine Ausbildung genossen hat. Darum entlässt er sie auch aus der Liga und ermöglicht ihr die Rückkehr in ihr altes Leben. Doch Sara kann sich einen schwerwiegenden Eingriff in das Raum-Zeit-Kontinuum nicht verkneifen. Sie erzählt ihm von Nyssa, schlägt quasi den Namen vor und dass sie doch bitte 2008 zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein solle. Dieser Eingriff hat schon „Back to the Future“ oder Futurama-Ausmaße!

Ich bin versucht, zu sagen, dass diese eine Episode al Ghul besser in Szene gesetzt hat als der Großteil der dritten Staffel von Arrow. Der Ehrenkodex ergibt gefühlt mehr Sinn und auch sonst ist das ein netter Auftritt des demon's head.

Heat Wave wird derweil wieder mitgenommen und in eine Zelle gesperrt. Snart rechtfertigt sich mit semantischen Details, denn er habe nie bestätigt, dass er ihn getötet habe. Nun ist der Plan, obwohl Chronos damals das Kind von Kendra und Carter getötet hat, ihm eine zweite Chance zu geben, denn auch das ist ein Thema dieser Episode. Jeder kann sich ändern, egal wie aussichtslos es scheint. Bis auf ausgerechnet Snart stimmen dem alle zu. Captain Cold sorgt sich aber wohl nun um das Wohl seiner Schwester und kennt Heat Wave von allen am besten. Auf seine Hand muss Snart nicht verzichten, denn durch die DNA-Proben, die Hunter irgendwann mal genommen hat, können auch abgetrennte Gliedmaßen per Zukunftstechnologie erneuert werden.

Kendra und Ray vertragen sich ebenfalls wieder, denn zwar sind ihr die Besitztümer aus der gemeinsamen Zeit egal, aber Ray als Person und Partner noch lange nicht. Sie freut sich darüber, dass sie zum ersten Mal in ihren vielen Leben selbst entscheiden kann, wen sie liebt und es nicht das Schicksal tut. Aus der Sichtweise ist es wirklich ein schlauer Schachzug gewesen, Carter so früh aus dem Verkehr zu ziehen. Dennoch hätte ich fast damit gerechnet, dass das nun genau der Zeitpunkt ist, um sich irgendeinen Grund aus dem Finger zu saugen, ihn nun auch wieder auf der Bildfläche erscheinen zu lassen. Doch fürs Erste sind die beiden ein Paar mit allem drum und dran, nur eben ohne den Ring, den Ray weiter versteckt, bis der richtige Zeitpunkt kommt.

2147

Nachdem alles geklärt ist, kann die gefährlich Primärmission rund um Vandal Savage fortgeführt werden. Es ist gesichert, dass er in der Zukunft des Jahres 2147 auffindbar ist, nur handelt es sich dabei um einen Zeitpunkt, bei dem er absolut dominant ist und der Angriff tödlich erscheint. Natürlich beschließt das Team, es trotzdem zu versuchen. Das ist mehr als töricht, aber dramaturgisch natürlich verlockend. Nur: Warum sollte es dem Team gelingen, ihn auf dem Höhepunkt seiner Macht zu schlagen, wenn es nicht mal möglich ist, ihn überraschend in der Vergangenheit ein für alle Mal zu zerstören? Trotzdem ist das Mantra nun: „Stop him there or die trying“.

Fazit

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Left Behind ist für mich relativ eindeutig die bisher beste Episode von Legends of Tomorrow und das ganz ohne hyperspektakuläre Kampfszenen, sondern einfach, weil mir die dramatische Charakterarbeit ausgesprochen gut gefällt. Habe ich Kendra und Ray vorher oft kritisiert, haben die Autoren nun genau das richtige Mittel gefunden, um ihre Beziehung echter, glaubwürdiger und stärker zu machen.

Ähnliches gilt für Snart und Rory, wobei hier durch die Rückschau klar war, dass Rory zurückkommen würde. Dennoch ist der Konflikt der beiden ehemaligen Weggefährten sauber konstruiert und präsentiert und fußt auf einer starken emotionalen Grundlage.

Auch Saras Rückkehr zur League of Assassins und ihr schneller Sinneswandel werden, so gut es eben in einer Episode geht, ergründet und mir zumindest glaubhaft vermittelt. Seit Beginn der Serie war für mich klar, dass es Sara und Rory sind, die irgendwann der Gruppe einmal den Rücken kehren könnten und die Schreiber haben das in einer starken Folge umgesetzt. Nun bin ich gespannt auf die nächsten Episoden. Knapp an der Höchstwertung also vorbei, weil ich mir diese einfach noch offenhalten möchte für eine (nahezu) perfekte Folge, die da noch kommen kann.

Trailer zur nächsten Episode, Progeny (1x10), der US-Serie Legends of Tomorrow:

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 1. April 2016

Legends of Tomorrow 1x09 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 9
(Legends of Tomorrow 1x09)
Deutscher Titel der Episode
Gestrandet
Titel der Episode im Original
Left Behind
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 31. März 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 18. Oktober 2016
Autoren
Beth Schwartz, Grainne Godfree
Regisseur
John F. Showalter

Schauspieler in der Episode Legends of Tomorrow 1x09

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