Grey's Anatomy 9x15

Es ist finster in Seattle, als Hard Bargain beginnt. Blitze zucken über den Himmel, während sich die Kamera an das Haus von Meredith (Ellen Pompeo) und Derek (Patrick Dempsey) heranpirscht. Im Inneren tagt eine Runde von Verschwörern, während draußen der Donner grollt. Die Absturzopfer diskutieren Callies Vorschlag vom Ende der vorangegangenen Episode The Face of Change (9x14): Warum kaufen sie nicht einfach das Seattle Grace?
Die Verschwörer
Schnell kommt es im Hause Shepherd-Grey zu einer hitzigen Debatte, bei der wir am Rande erfahren, dass die Millionen von Mark (Eric Dane) und Lexie (Chyler Leigh) an die kleine Sophia und an Thatcher Grey (Jeff Perry) gegangen sind.
Besonders Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) geraten aneinander. Callie kämpft wie eine Löwin dafür, das Geld aus der Klage in das Seattle Grace zu reinvestieren. Die Chirurgin legt dabei ein derartig beeindruckendes Maß an Passion an den Tag, dass man für einen Moment vergisst, wie irrsinnig und konstruiert die ganze Geschichte im Grunde genommen ist. Arizona möchte das Geld lieber für den Fall zurücklegen, dass etwas Furchtbares und Unvorhergesehenes passieren sollte - eine Furcht, die in der Welt der Shonda Rhimes nicht allzu unbegründet erscheint.
Owens hoffnungsloser Kampf
Hatte ich geschrieben „alle“ Absturzopfer? Nein! Cristina (Sandra Oh) vergnügt sich lieber mit ihrem Exmann Owen Hunt (Kevin McKidd). Doch auch hier sind die unbeschwerten Stunden gezählt: Alana Cahill (Constance Zimmer) und der Chefarzt sind praktisch rund um die Uhr damit beschäftigt, die Übernahme des Krankenhauses durch die Investoren von Pegasus Horizons unter Dach und Fach zu bringen. Gerade, dass die Harmonie zwischen Owen und Cristina momentan so tief geht wie selten zuvor, macht es so schwer, das doppelte Spiel der Verschwörer mit anzusehen.
Weil Owen an gewisse Verträge gebunden ist, dürfen ihm seine Kollegen nichts von ihren Übernahmeplänen für das Seattle Grace berichten. Mit der bedrohlichen Aussicht auf eine Gefängnisstrafe für Owen wird die Geheimniskrämerei zwar von Shonda Rhimes gerechtfertigt, dennoch ist es nicht glaubhaft, dass Cristina ihrem Geliebten nicht zumindest einen kleinen Hinweis darauf gibt, dass noch nicht alles verloren ist. Doch dem Dramaeffekt kommt es natürlich zugute, dass Dr. Hunt sich mit dem vermeintlichen Verrat durch seine engsten Freunde - und insbesondere durch Cristina - konfrontiert sieht.
Und der Plan geht auf: Während Owens Welt trotz seines verbissenen Kampfes in Scherben zerfällt, blutet einem fast das Herz. Immerhin hat er eine verblüffend feinfühlige Alana Cahill auf seiner Seite, die durch die eindrucksvolle schauspielerische Leistung von Zimmer zu einer immer facettenreicheren Figur heranwächst. Da ist es schon fast wieder schade, dass ihre Tage im Seattle Grace wohl bald gezählt sein könnten...
Auch Derek hat es in dieser Episode von Grey's Anatomy nicht leicht. Weil sich der Chirurg in dem The new Face of Seattle-Contest sowohl gegen Jackson Avery (Jesse Williams) als auch gegen Alex Karev (Justin Chambers) durchgesetzt hatte, wird er nun mit einer wahren Überpräsenz seiner selbst konfrontiert. Glücklicherweise kann er auf die loyalen Dienste von Shane Ross (Gaius Charles) zurückgreifen, der Derek assistiert, indem er die McDreamy-Poster in einer kindischen Art und Weise unbrauchbar macht.
Patient 1
Tiefgang gibt es unterdessen in den Patientengeschichten: Ein sexuelles Intermezzo von zwei Kollegen hat zu einer Schwangerschaft geführt. Die frischgebackenen Eltern können sich zwar nicht ausstehen, sind aber beide am Wohle des Neugeborenen interessiert, dem so kurz nach der Geburt bereits eine Operation bevorsteht.
Neben den rührenden Momenten, in denen sich die Streithähne im Angesicht des Nachwuchses selbst zusammenreißen, bietet ihre Storyline Alex und Jo Wilson (Camilla Luddington) die Gelegenheit, sich indirekt über die Beziehung zwischen zwei Kollegen auszutauschen. Dabei erwärmt sich Alex mehr und mehr für eine Liebesbeziehung mit Jo, was sogar in grotesken Sätzen wie „It was like fate. They had to be together“ resultiert. Um den beiden die obligatorischen Steine in den Weg zu legen, lässt Shonda Rhimes einen attraktiven Arzt auf der Bildfläche erscheinen, der Alex den Posten als Jos primärer love interest umgehend abspenstig macht.
Patient 2
Der Schauspieler Noah Harpster sorgt in seinem Gastauftritt als Ike Morris - seines Zeichens der Vater eines krebskranken Kindes - durch seine kurze, aber durch und durch gefühlsbetonte Performance für feuchte Wangen. Er ist so unglaublich dankbar für Baileys Vorschlag einer neuartigen Behandlungsmethode, dass man Owen seine gefühllose Absage wirklich übelnimmt. In seiner streng rationalen Art symbolisiert er an dieser Stelle die Prioritätensetzung, die zusammen mit Pegasus im Seattle Grace Einzug halten würde: Kosteneffizienz siegt über Empathie und Innovation.
Doch Owens rotes Licht für die teure, aber potentiell lebensrettende Maßnahme führt letztendlich erst dazu, dass die Verschwörer überhaupt aktiv werden können. So wird die bislang skeptische Arizona durch die verzweifelte Miranda Bailey - bei deren Verkörperung Chandra Wilson wie so oft ganze Arbeit leistet - davon überzeugt, dass Pegasus für ihr Krankenhaus keine Option sein darf.
AAArgh, APRIL!
Zu dem behaglichen Gluckern von abgesaugtem Fett machen Jackson und auch April (Sarah Drew) eine sehr gute Figur. In ihrer Freundschaft sind die beiden Charaktere weit reizvoller, so dass man sich stetig weiter für die neue April erwärmt. Doch dann besinnt sich Kepner wieder auf ihre nervtötenden Wurzeln und verschweigt dem Rettungssanitäter Matthew (Justin Bruening) ihr zwischenzeitliches Sexabenteuer mit Jackson. Aber warum nur? Steht in der Bibel nicht etwas davon, dass man Unwahrheiten vermeiden sollte?
Matthew - der sich den Sex ebenfalls bis nach der Hochzeit aufsparen will - hatte sich doch bereits auf April eingelassen, bevor sie ihm von den eigenen Enthaltsamkeitsambitionen berichtet hatte. Er hätte ihr den einen Sexualpartner also mit Sicherheit problemlos durchgehen lassen. Ganz davon abgesehen, dass es schon ein verfluchter Zufall ist, dass sich zwei Keuschlinge überhaupt auf diese Art begegnen, werden Aprils Bemühungen - zumindest in der Vorstellung ihres Partners wieder zur Jungfrau zu werden - sicherlich noch langwierige Komplikationen nach sich ziehen.
Das Ende
Cristina war - zur großen Überraschung von Meredith - genau wie Arizona zunächst gegen den Kauf des Krankenhauses. In der mangelnden Einigkeit der beiden besten Freundinnen schwingt die Tatsache mit, dass sich die persons in den Wirren der Vergangenheit ein Stück weit voneinander entfernt haben. Doch am Ende ändert auch Yang ihre Meinung. Um die Übernahme durch Pegasus zu verhindern, reicht sie zusammen mit den übrigen Verschwörern ihre Kündigung ein. Das Seattle Grace verliert dadurch deutlich an Reiz für die Investoren. Armer, unwissender, verletzter Owen, der dadurch vom Dauerregen in die Traufe gerät.
Fazit
Bei der Rezensentin handelt es sich um eine entschiedene Gegnerin der „Verklagen wir doch einfach unser eigenes Krankenhaus“-Storyline. Dafür konnte sie auch diese Episode nicht entschädigen. Es ist aber durchaus erquicklich, die Arztserie innerhalb der Verschwörerszenen im Stil eines Heist-Movies zu sehen. Diese Art der Inszenierung unterscheidet sich nicht nur wegen des Wetters deutlich von der üblichen Machart von Grey's Anatomy und wird durch Merediths spitzbübischen Raubzug veredelt. Doch nicht zuletzt aufgrund der gewöhnungsbedürftigen musikalischen Untermalung wollen wir hoffen, dass die Momente der Geheimoperationen von Arizona, Callie, Cristina, Derek und Meredith (samt entzückendem Babybauch!) bald vorbei sein werden. Es wird nämlich Zeit, dass Owen von seinen Leiden erlöst wird...
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 15. Februar 2013(Grey's Anatomy 9x15)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x15
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