Grey's Anatomy 9x14

In der Episode The Face of Change wird den Zuschauern erläutert, dass es sich bei dem Seattle Grace um ein Unternehmen handelt, das profitabler werden muss, um von der Investorengruppe Pegasus Horizons übernommen zu werden. Doch die Ärzte können nicht tatenlos zusehen, wie ihr Zuhause in eine unpersönliche Fabrik verwandelt wird, in der Leistenbrüche am Fließband repariert werden.
The Face of Seattle
Alex Karev (Justin Chambers) wird von einer manisch vor sich hin knipsenden Frau namens Amrita (Nazanin Boniadi) verfolgt. Er ist einer der möglichen Kandidaten, um das Krankenhaus als Brand Ambassador zu repräsentieren. Karev fühlt sich im Angesicht der Kamera aber sichtlich unwohl und will zudem in erster Linie seine Patienten beschützen, auch wenn seine Handgriffe am Baby mit den fehlplatzierten Organen einen etwas groben Eindruck machen. Karevs Kollege Jackson Avery (Jesse Williams) legt hingegen eine selbstgefälligere Haltung an den Tag und badet genüsslich in der Flut der Aufmerksamkeiten.
Den wahren Wettstreit um die öffentlichkeitswirksame Position „Face of Seattle“ führen jedoch die Assistenzärztinnen Jo Wilson (Camilla Luddington) und Stephanie Edwards (Jerrika Hinton). Sie nutzen jede Gelegenheit, um die Vorzüge ihres jeweiligen Kandidaten anzupreisen, bis dann doch etwas Wichtigeres dazwischenkommt - und am Ende überzeug ja ohnehin das Lächeln von McDreamy...
Knipsender Störfaktor
Man war noch dazu bereit, Amrita die permanente Misshandlung ihres Fotoapparates zu vergeben und sie somit als belangloses Anhängsel zu akzeptieren. Doch als sie dann sogar ihre Spiegelreflex zückt, als Alex von einem wütenden Vater attackiert wird, hat das so wenig Sinn wie ein Foto ohne Licht. Eine Prügelszene dürfte schließlich kaum für den Werbeprospekt infrage kommen. Oder braucht Amrita etwa Beweisfotos, um ihre Einschätzung der Eignung des Arztes belegen zu können?

Sexchange
Weit weniger als Amritas Charakter stört die Patientengeschichte dieser Folge von Grey's Anatomy. Ein junger Mann, der bedauerlicherweise als Frau geboren wurde, möchte mit einer OP ein Stück näher an sein wahres Ich herankommen. Dabei wird Brian (Rachel Brosnahan) von seiner Freundin Jess (Matt Pascua) unterstützt, die wiederum als Mann geboren wurde. Das Ganze ist zwar nicht frei von Kitsch, aber schauspielerisch leisten alle Beteiligten gute Arbeit. Es ist außerdem stimmig, dass es für das Paar keine tränenreiche Versöhnung mit dem operationskritischen Vater (Brett Rickaby) von Brian gibt. Der überforderte Mann sucht das Weite, bevor sein Sohn aus der Narkose erwacht. Zuvor drückt er aber Jess noch etwas Geld in die Hand. Die Geste ist als sein erster Schritt zurück in das Leben von Brian zu verstehen und verleiht dem Handlungsstrang noch etwas mehr Tiefgang.
Rebellion mit Skalpell
Wenn die Notfälle nicht mehr ins Seattle Grace kommen, kommt April Kepner (Sarah Drew) eben zu ihnen. An der Seite des Rettungssanitäters Matthew (Justin Bruening), den die Chirurgin bereits in der Episode Walking on a Dream kennengelernt hatte, stößt sie auf einen Jungen, der das Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht geworden ist. Weil die nächste Notaufnahme zu weit weg ist, um das Überleben des Kindes zu sichern, tun sich Jackson, Cristina (Sandra Oh), Alex, Meredith (Ellen Pompeo) - samt ihrer interns - und Derek (Patrick Dempsey) zusammen, um im Seattle Grace das Leben des Jungen zu retten. Bei der Maßnahme widersetzen sich die medizinischen Verschwörer einer direkten Weisung von Owen Hunt (Kevin McKidd), der schuldbewusst alles tut, um Alana Cahill (Constance Zimmer) zufriedenzustellen.
Bei der improvisierten Neueröffnung der Traumaabteilung müssen die Chirurgen schnell feststellen, dass sie ohne die Hilfe der Krankenschwestern und einen gut gerüsteten Operationssaal ziemlich dumm dastehen.
Zu allem Überfluss machen sich auch noch Cahill und ihre Entourage auf den Weg in die frühere Notaufnahme, in der Meredith und Co gerade verbotenerweise um das Leben des Jungen kämpfen. Im Zuge der Neustrukturierung des Krankenhauses soll in den Räumlichkeiten eine höchst lukrative Spezialabtelung zur Kurierung von Leistenbrüchen eingerichtet werden. Doch irgendwie können die Verschwörer dann doch rechtzeitig verschwinden und der junge Patient wird gerettet.
Aus dem Wust der beteiligten Ärzte stechen zwei der interns hervor. Während einem von Jo besonders ihre Durchsetzungsfähigkeit gegenüber Meredith und ihre verblüffend gut ausgeprägten Mathekenntnisse in Erinnerung bleiben, tut sich Heather Brooks (Tina Majorino) weiterhin als menschliche Merkwürdigkeit hervor. Es fehlt ihr vielleicht an Feingefühl, wenn es um das Auftreten in einem sozialem Umfeld geht. Aber einen Mangel an Hilfsbereitschaft und Enthusiasmus (Tür!) kann man der ungelenken Nachwuchschirurgin bei besten Willen nicht attestieren.

Neubeginne
Wohl die angenehmste Änderung, die The Face of Change mit sich bringt, ist die Tatsache, dass sowohl Avery als auch Kepner nun endgültig bei neuen Partnern angekommen sind, die viel besser zu ihnen passen. Endlich hat April einen charmanten Gentleman an ihrer Seite, der ihr romantisches Bedürfnis befriedigen kann. Die Verbindung von Jackson und Steph ist so undramatisch wie leichtfüßig und auch bei Alex und Jo rückt die absehbare und wohl unvermeidliche Zusammenführung näher. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, wenn sie jetzt schon von Shonda Rhimes mit zuckerverschmierten Mündern in einen Vorratsraum geschrieben werden?
Road Trip und die entscheidende Frage
Dr. Richard Webber (James Pickens Jr.) und Callie Torres (Sara Ramirez) machen sich unterdessen auf, um ein anderes Krankenhaus zu begutachten, das bereits jetzt ein Teil des Unternehmens Pegasus ist. Als Calliope und Julio Plantain machen die beiden eine furchtbar drollige Figur, während sie einen Eindruck der „Your health is our happiness“-Verhältnisse bekommen, die bald auch im Seattle Grace Einzug halten könnten. Im Portland General ist man höflich und im Besitz der feschen digitalisierten Patientenakten, doch in der minutiös durchgeplanten Behandlungsroutine bleiben sowohl die Patienten als auch innovative Praktiken auf der Strecke.
Was sich bereits seit geraumer Zeit abgezeichnet hatte, wird nun zur Realität in Grey's Anatomy: Callie ist so unzufrieden mit dem, was sie in dem anderen Krankenhaus erleben musste, dass sie nun die schwerreichen Absturzopfer mit einer neuen Idee konfrontiert: Warum kaufen sich Arizona, Derek und die anderen ihr Krankenhaus nicht einfach zurück?
Fazit
Die Episode The Face of Change hat allerlei unterhaltsame Aspekte aufzuweisen. Den altbekannten Pärchen aus Grey's Anatomy geht es gut und es liegt romantische Spannung in der Luft. Der Alleingang von Callie und Richard funktioniert vor allem darum so gut, weil die Chemie zwischen den Schauspielern Pickens Jr. und Ramirez zu stimmen scheint.
Der Handlungsstrang um die Neustrukturierung des Krankenhauses wirkt leider gezwungen dramatisch und kann bis hin zum unvermeidlichen Cliffhanger nichts Positives mit sich bringen.
Glücklicherweise können die negativen Aspekte nicht alles Positive überlagern, womit sich diese Episode im qualitativen Mittelfeld der neunten Staffel der Ärzteserie einpendelt.
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 8. Februar 2013(Grey's Anatomy 9x14)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x14
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