Grey's Anatomy 9x13

Grey's Anatomy 9x13

Die neue Episode von Grey's Anatomy plätschert vor sich hin, ohne dass es zu den üblichen emotionalen Extremen kommt. Zwischen diversen Situationen, die entweder vorhersehbar oder belanglos sind, gibt es allerdings auch Lichtblicke.

Ellen Pompeo hat momentan in ihrer Rolle der Meredith Grey allen Grund zur Freude in „Grey's Anatomy“. / (c) ABC
Ellen Pompeo hat momentan in ihrer Rolle der Meredith Grey allen Grund zur Freude in „Grey's Anatomy“. / (c) ABC

Patientin des Schreckens

Obwohl die Ärzte aus dem Seattle-Grace-Universum weiterhin unter der krankenhäuslichen Sparpolitik samt der Gallionsfigur Dr. Alana Cahill (Constance Zimmer) zu leiden haben, beginnt die Episode Bad Blood äußerst verspielt. Das „böse Blut“, das der Folgentitel von Grey's Anatomy verspricht, findet sich in den ersten Minuten höchstens zwischen Arizona (Jessica Capshaw) und Callie (Sara Ramirez) wieder, die ihre erzieherischen Differenzen überwinden müssen. Egal, ob es darum geht, die kleine Tochter in die Strumpfhose oder die pubertierende Patientin aus dem Bett zu bekommen - die beiden Ehefrauen verfolgen unterschiedliche Strategien.

Die besagte Patientin terrorisiert ihr Umfeld durch ihren Verdruss. Das ist so weit auch verständlich, weil der Lebenstraum der ambitionierten Sportlerin durch einen Hüftbruch zum Scheitern verurteilt wurde. Doch leider wirkt das Mädchen in ihrem bitteren Zorn nicht authentisch genug. Ihr abgeklärter Zynismus passt nicht zu dem zarten Alter von 13 Jahren, egal wie viel ihre Mutter arbeiten geht. Deswegen gehen die zeitintensiven Bemühungen, die Gymnastin wieder „in Gang zu bringen“, eher auf die Nerven, als dass sie berühren könnten. Einzig die Tatsache, dass in Arizonas energischem - und schließlich auch von Erfolg gekröntem - Eingreifen eine gewisse Selbstreflektion darüber mitschwingt, wie sie sich nach der Amputation ihrer Beines verhalten hatte, macht diesen Erzählstrang sehenswert.

Rettungsplan 1

Der Krankenhauschef Dr. Hunt (Kevin McKidd) sieht sich derweil mit ganz andern Herausforderungen konfrontiert: Es gilt, die Buchhalterin Cahill von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Notaufnahme des Krankenhaus aufrechtzuerhalten. Dabei kommt Owen ein Patient zu Hilfe, der sich mit einer Motorsäge die Nase abgetrennt und schwere innere Verletzungen zugezogen hatte. Durch die unmittelbare Konfrontation von Alana mit einem Schwerverletzten appelliert Hunt an die Ärztin in Cahill und nicht an die Kosteneffizienzoptimiererin.

Der Funke, der wohl in jedem inaktiven Chirurgen vor sich hin schwelt, wird dank des nasenlosen Opfers wieder entfacht. Während Cahill mit dem Skalpell hantiert, sieht man sie zum ersten Mal als sympathisches Wesen voller Passion vor sich. Owen erkennt als Menschenkenner sofort, dass sich Cahill nach Wertschätzung sehnt. Auch wenn seine Strategie, die Kollegin an der grenzenlosen Dankbarkeit der Angehörigen teilhaben zu lassen, wenig subtil vonstattengeht, resultiert sie immerhin in einer innigen Umarmung für Cahill.

Rettungsplan 2

Zur gleichen Zeit verfolgen auch Derek (Patrick Dempsey) und April (Sarah Drew) einen Plan, um die Notaufnahme zu retten. Dabei wählen sie jedoch einen weniger emotionsbezogenen Weg als ihr Kollege Owen. Statt mit attraktiven Rettungssannitätern zu flirten, streift April Kepner durch das Krankenhaus, um in anderen Abteilungen Geld aufzutreiben. Doch leider teilen die Kollegen nicht Aprils Leidenschaft für Statistiken, weswegen ihre Bemühungen im Sande verlaufen. Derek stellt sich da schon geschickter an. Was einen humorvollen Touch in die Handlung bringen sollte, führt eher zu einem unangenehmen Bauchgefühl: Scheinbar kennt die Entscheidungsgewalt der Oberärzte keine Grenzen. Wenn es darum geht, Gelder umzuverteilen, scheinen sie niemandem dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Es ist zwar amüsant, wie Derek mit einem Kollegen um Parkplätze feilscht. Doch ist es wirklich wünschenswert, dass man gewichtige und folgenreiche Entwicklungen durch Bestechung anregen kann?

Beschlossene Sache

Am Ende erweisen sich sowohl die sensiblen Appelle von Owen als auch die Bettelgänge von Derek und Cristina als fruchtlos: Das Krankenhaus kämpft überhaupt nicht um sein Überleben. Der Verkauf der medizinischen Institution ist bereits beschlossene Sache und alle Neuerungen sind lediglich Schönheitsoperationen, um das Seattle Grace für einen potentiellen Käufer möglichst profitabel erscheinen zu lassen.

Am Serienhorizont zeichnet sich hier eine Entwicklung ab, die aufgrund ihrer Vorhersehbarkeit für eine Gänsehaut der unangenehmen Art sorgt. Denn: Welche Menschen kennen wir im Umfeld des Seattle Grace, die über das Kapital verfügen, um einem - wahrscheinlich patientenverachtenden - Käufer einen Strich durch die Kaufrechnung zu machen?

The Leistenbruch Games

Der unter anderem aus der Serie Weeds bekannte Schauspieler Andy Milder taucht in Seattle als Fachmann für Leistenbrüche auf. Während er Miranda Bailey (Chandra Wilson), Richard Webber (James Pickens Jr.) und Meredith mit seiner standardisierten Prozedur quält, kommt es zu einem unterhaltsamen Wettstreit zwischen den beiden Chirurginnen.

Hinter Baileys gefälligem Ehrgeiz verbirgt sich in Wirklichkeit die Angst vor einer Kündigung. Weil Miranda ihren Beruf als Berufung versteht, schreckt sie auch nicht vor einer kampfeslüsternden Referenz an den Film „The Hunger Games“ zurück. Im Allgemeinen ist der Erzählstrang jedoch unnötig langatmig und dient in erster Linie dazu, „unsere“ Ärzte als diejenigen zu profilieren, denen eher der Patient am Herzen liegt als eine Operation in Rekordzeit.

Bereits in der vorangegangenen Episode Walking On A Dream (9x12) hatte sich angedeutet, dass Richard Webber schwere Zeiten bevorstehen würden. Als er Probleme bei der gewünschten Leisten-OP an den Tag legt, wird diese Befürchtung bestärkt. Ist es wirklich so, dass die Vorteile von Richards Methode überwiegen - oder kann sich der in die Jahre gekommene Chirurg nicht mehr ohne Weiteres auf neue Operationstechniken einstellen?

Cristina vs. Big Brother

Um die Effizienz der Arbeitsabläufe im Krankenhaus zu verbessern, wurden in vielen Behandlungsräumen Kameras installiert. Doch ein gewisser Dr. Bob Robinson (Cullen Douglas), der die Angestellten des Seattle Grace von nun an im Auge behält, beschränkt sich nicht auf passive Beobachtung - vielmehr traktiert er die Chirurgen durch spezifische Anweisungen. Der „Big-Brother-Effekt“ erhält wirklich nur dadurch ein wenig Relevanz, als dass er es Cristina ermöglicht, der Kamera einige Unverschämtheiten entgegenzuschmettern.

Jehovas Fluch

Interessant wird es unterdessen in einem medizinischen Exkurs, in dem beiläufig die Vorteile ausgeleuchtet werden, die eine florierende Notaufnahme für die Spannung in der Serie Grey's Anatomy mit sich bringt. Ein jugendlicher Skateboarder ist mit einem Auto zusammengeprallt. Er braucht dringend eine Blutkonserve. Doch dann stellt sich heraus, dass es sich bei dem Patienten um einen Zeugen Jehovas handelt: Glaube trifft auf Wissenschaft. Statt dem jungen Mann mit allen Mitteln zu helfen, verfallen Cristina und ihre Assistenzärztin Leah Murphy (Tessa Ferrer) in eine Schreckstarre.

Die Angehörigen lassen sich selbst durch die energische Stellungnahme von Cristina nicht zu der lebensrettenden Bluttransfusion überreden: „We believe that life is a gift from God. And we don't try to sustain it by taking in blood.

Als Leah trotzdem heimlich die rettende Transfusion in die Wege leiten möchte, erinnert sie stark an Izzie Stevens. Diese hatte sich ebenfalls über die medizinischen Richtlinien hinweggesetzt, um ihren geliebten Patienten Denny Duquette zu retten. Doch zu Izzies Zeiten wurden die Räume der Patienten noch nicht von Kameras überwacht. Noch bevor Leah sich gegen die religiösen Bestimmungen hinwegsetzen kann, schreitet „Dr. Überwachungskamera“ ein. Im irrwitzigen Zwiegespräch zwischen dem elektrischen Auge und Cristina Yang zeigt sich dann aber doch, dass sich hinter dem Gerät ein Mensch verbrigt. Noch dazu einer, der Verständnis für den Übereifer einer Assistenzärztin aufbringen kann.

Verdiente Harmonie

Als Meredith sich plötzlich besorgt an ihren mütterlichen Bauch fasst, erwarten die Kenner der Shonda Rhime'schen Grausamkeit gleich das Schlimmste. Umso schöner ist es, als Dr. Bailey ihrer Kollegin eröffnet, dass das ungewohnte Gefühl aus der Bauchgegend ein gutes Zeichen ist. Merediths Baby hat angefangen, zu treten. Der Zuschauer ist über die frohe Kunde fast so entzückt wie die werdende Mutter selbst. Nach den unendlichen Strapazen der Vergangenheit wäre eine Fehlgeburt einfach zu grausam. Doch noch ist das Baby nicht auf der Welt und man sollte Merediths „feindlichen Uterus“ nicht vollends vergessen. Erst einmal bleibt es Derek und seiner Frau aber vergönnt, sich auf niedliche Weise an den Freuden der Mutterschaft zu ergötzen.

Fazit

Miranda Bailey hatte eigentlich eine Menge von „choking“ und „dying“ und „dancing“ und „singing“ angekündigt. Doch irgendwie vergeht diese Episode von Grey's Anatomy ohne nennenswerte Höhepunkte. Es wird zwar gestorben und auch frohlockt. Der Einblick in die Welt der Zeugen Jehovas ist zwar interessant, aber weder der Tod des jungen Sektenmitglieds noch die Patientengeschichte um die Turnerin mit der gebrochenen Hüfte konnten die Rezensentin wirklich berühren.

Der unheilvolle Handlungsstrang eines bankrotten Seattle Grace, der einst aus der Klage der Absturzopfer resultierte, treibt auch jetzt keine vielversprechenden Blüten. Einzig Baileys Kampfgeist, Cristinas souveräne Handhabung jeglicher Herausforderungen und Merediths Glückseligkeit stechen aus der Episode Bad Blood positiv hervor. Vielleicht wird ja die Folge The Face of Change halten, was ihr Titel verspricht. Frische Impulse sind durchaus willkommen!

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 1. Februar 2013
Episode
Staffel 9, Episode 13
(Grey's Anatomy 9x13)
Deutscher Titel der Episode
Böses Blut
Titel der Episode im Original
Bad Blood
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 31. Januar 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 3. April 2013
Autor
Jeannine Renshaw
Regisseur
Steve Robin

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x13

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