Grey's Anatomy 16x12

Grey's Anatomy 16x12

Die Episode The Last Supper der US-Serie Grey's Anatomy konzentriert sich lediglich auf zwei Handlungen. Dabei geht es sowohl um ein Dinner, das eklatante Ausmaße annimmt, als auch um einen Krankenhausbesuch. Beide haben dramatische und folgenreiche Auswirkungen.

Szenenbild zu der Grey's Anatomy-Episode The Last Supper / (c) ABC
Szenenbild zu der Grey's Anatomy-Episode The Last Supper / (c) ABC
© zenenbild zu der Grey's Anatomy-Episode The Last Supper / (c) ABC

In der Grey's Anatomy-Episode The Last Supper geben Catherine (Debbie Allen) und Richard (James Pickens Jr.) anlässlich ihres Hochzeitstages ein Dinner, das von einer angespannten Stimmung geprägt ist. In der Zwischenzeit besuchen Levi (Jake Borelli) und Kim (Alex Landi) Levis Onkel, der im Sterben liegt und über den eine überraschende Info zutage tritt.

Your plus one brought a plus one

Grey's Anatomy“ nimmt es sich immer wieder mal heraus, auch den Nebendarstellern Screentime zu geben und ihnen eine ganze Episode zu widmen, da diese während der „normalen“ Episoden nicht so sehr im Rampenlicht stehen. Auf diese Weise kommen auch unwichtigere Figuren wie die Assistenzärzte auf ihre Kosten und ihnen wird mehr Fülle verliehen.

In der aktuellen Episode werden Levi und sein Freund Nico in den Fokus der Erzählung gerückt. Die beiden werden normalerweise eher nebensächlich behandelt. Doch es wird sich auch Zeit für eine ganze Personengruppe genommen, die schon lange einen großen Teil der Serie ausmacht, aber manchmal im Trubel des Grey Sloan Memorial untergeht: die Webber-Avery-Familie. Hier wird sich nun mal voll und ganz einem Story-Arc gewidmet, der schon lange etabliert wurde. Bei einem Dinner laufen alle Fäden zusammen und bringen das Fass zum Überlaufen.

I killed him with my gayness

Levi besucht zusammen mit seinem Freund seinen im Sterben liegenden Onkel, der für ihn ein großes Vorbild darstellt. Just in dem Moment, als er diesem stolz Kim vorstellt, verstirbt dieser und Levi muss mit diesem plötzlichen Tod eines geliebten Menschen umgehen. Mitten in dieser Trauer wird ihm offenbart, dass sein Vorbild, so wie er, homosexuell war.

Er ist also nicht an seinem Tod schuld. Außerdem wird ihm durch das Leben seines Onkels vor Augen geführt, wie es ihm ergehen könnte - ein Leben im Dunkeln zu führen; von niemandem (als schwule Person) gesehen und geliebt zu werden. Seine Orientierung nicht öffentlich ausleben zu können. Diese Erkenntnis löst bei ihm schließlich den Wunsch aus, von seinem bisherigen Zuhause auszuziehen.

So schön es für Levi ist, ein älteres Vorbild gehabt und dabei herausgefunden zu haben, dass dieser ebenfalls schwul war, so 08/15 ist diese Geschichte leider. Solche Geschichten haben wir schon tausendfach im Fernsehen gesehen: Ein schwuler Mann findet heraus, dass sein Vorbild auch schwul ist, das dies jedoch nie ausleben konnte, das letztlich bereut, stirbt und ihm so vor Augen führt, wie er nicht leben sollte. „Grey's Anatomy“ ist (hier) leider also - wieder mal - nicht besonders originell.

Hier wurde uns eine 08/15-Homosexuellen-Geschichte geliefert, die - wie es mir erscheint - nur als Mittel zum Zweck diente, um Episodenzeit mit einem Handlungsstrang des Paares rund um Levi und Kim zu füllen und dabei aber nicht mit etwas Kreativerem als dieser Selbstfindung um die Ecke kommen konnte. An dieser Stelle machen zu Haufen genutzte Sätze wie „It takes one to know one“ dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i des 08/15-Drehbuchs aus.

Für mich ist aber das Anknüpfen an Levis jüdischer Herkunft und Kultur einigermaßen gelungen. In seinem Handlungsstrang wird nicht nur seiner Sexualität, sondern auch seinem Glauben nachgegangen. Hier lernen wir eine Seite von ihm kennen, die wir nicht allzu oft zu Gesicht bekommen: seine jüdische Identität. Zusammen mit dem Lebenspartner seines Onkels vollzieht er eine ehrenvolle Zeremonie des Judentums - die Waschung.

She would put anything in her mouth

Über Wochen konnten wir verfolgen, wie sich die Lage zwischen Catherine und Richard immer weiter verschlechtert. In der aktuellen Episode sehen wir, wie diese auf einem neuen Tiefpunkt ankommt. Um das Drama perfekt zu machen, wird dieses ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag zur Schau gestellt.

Aber von Anfang: Catherine und Richard geben zur Feier des Tages - ihres Hochzeitstages, den sie wohl eher weniger zurzeit als Anlass zum Feiern betrachten würden - ein Dinner. Neben dem Ex-Paar Maggie (Kelly McCreary) und Jackson (Jesse Williams) tauchen noch zwei weitere - ungebetene - Gäste auf: Jacksons neue Freundin und ihr Arbeitskollege, der mal Maggie um ein Date geben hatte.

Zu allem Überfluss bekommen wir es hier also mit fast einer Handvoll (Ex-)Paarkonstellationen zu tun, die für eine mehr als angemessene Menge sexuelle (An-)Spannung bei einem Dinner sorgen. Hier knistert die Luft nur so vor elektrischer Aufladung und wir spüren förmlich, wie die Szene kurz vor der Explosion steht. Dabei haben alle genügend feurige Sprüche und Geschichten als Zündstoff im Argen, um die Lage noch weiter anzuheizen. Und es wird wieder die Kontroverse um Maggies und Jacksons Beziehung ausgepackt und ebenso der Fakt, wie schnell Jackson über ebendiese Beziehung hinweggekommen ist...

ABC
ABC - © ABC

Abgesehen davon ist das Thema des Abends aber natürlich die Ehe von Webber und Catherine, die hier nun ironischerweise lobgepriesen wird. Dadurch wird sowohl uns als auch dem Paar auf äußerst schmerzvolle Weise vor Augen geführt, wie es zwischen ihnen mal war und wie es nun zwischen ihnen läuft. Dadurch wird allen Beteiligten nur noch viel deutlicher, wie schlecht es eigentlich um sie steht.

Letzten Endes kommt es so, wie es kommen muss: Der Abend endet in einem völligen Desaster. Alle Beteiligten sind niedergeschmettert. Während für Maggie überraschend ein Job als Kardio-Chief in „The Morgue“ herausspringt, geht es für Catherine und Richard nicht so gut aus: Sie trennen sich - und das mit einem Streit, bei dem sie Worte in den Mund nehmen und Taten begehen, die sie noch bereuen werden: Die Auseinandersetzung der beiden schaukelt sich dermaßen hinauf, bis Webber seine Nochfrau schließlich als Kontrollfreak bezeichnet. Daraufhin beweist sie ihm (unbewusst), dass sie eben genau das ist, indem sie das Pac North kaufen möchte, um die Kontrolle (über sein Leben) zu behalten - wenn ihr das schon nicht mit ihrer Ehe gelingt.

Fazit

The Last Supper liefert uns zwei Geschichten, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Bei beiden Storys geht es zwar um eine Freimachung - einmal um eine Flucht aus einer Ehe in Form einer Trennung und ein anderes Mal um die Flucht von einem Zuhause in Form eines Auszuges. Während das Dinner eher unbehaglich mit anzusehen ist, dabei aber auch eine gewisse Tragikomik in sich birgt, gestaltet sich Levis Story-Arc eher ruhig und gefühlvoll. Das Dinner kann als intensives und überladenes Kammerspiel zusammengefasst werden und Levis Geschichte ist leider eher 08/15.

Beide Geschichten enden folgenreich - die eine mehr, die andere weniger. Insbesondere das leidenschaftliche Ende von Webbers und Catherines Ehe wird noch Auswirkungen haben - persönliche, aber auch berufliche, die ebenso Einfluss auf andere Figuren haben wird. Levis Auszug hingegen stellt lediglich eine persönliche Unabhängigkeitswerdung dar.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten „Grey's Anatomy“-Episode (16x13):

Verfasser: Maike Karr am Freitag, 7. Februar 2020

Grey's Anatomy 16x12 Trailer

Episode
Staffel 16, Episode 12
(Grey's Anatomy 16x12)
Deutscher Titel der Episode
Das letzte Abendmahl
Titel der Episode im Original
The Last Supper
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. Februar 2020 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 16. September 2020
Autor
Jason Ganzel
Regisseur
Nicole Cummins

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 16x12

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