Grey's Anatomy 13x13

© innick und Arizona in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Phase zwei des Ausbildungsprogramms von Dr. Eliza Minnick (Marika Dominczyk) steht an und das bedeutet: Soloflug. Die Auserwählten der Stunde sind Ben (Jason George) und - wenig überraschend - Steph (Jerrika Hinton), die auf unterschiedliche Weise mit den Auswirkungen des Konflikts zwischen Bailey (Chandra Wilson), Webber (James Pickens, Jr.), Minnick und dem Rest der Oberärzt/-innen zu kämpfen haben.
Bislang konnte dieser Handlungsstrang nur sehr bedingt überzeugen. Weil sich die Episode It Only Gets Much Worse ihren Protagonist/-innen aber mit neuer Perspektive nähert und die sich gegenseitig „bekämpfenden“ Positionen vielschichtiger beleuchtet werden, könnte sich dieser Eindruck bald auch langfristig ändern. So überzeugt insbesondere die Inszenierung der bröckelnden Fassade einer rundum perfekt erscheinenden Reformerin. Minnicks Figur wird also endlich ansatzweise die nötige Tiefe gewährt, die über den Hinweis auf einen möglichen love interest für Arizona (Jessica Capshaw) hinausreicht.
Sicherlich kann bis hierher nur von einem Anfang gesprochen werden, aber immerhin bemühen sich die Autor/-innen, die bislang rein instrumentelle Funktion ihrer Einführung als „Störfaktor“ mit mehr Inhalt zu füllen. Die Entwicklungen lassen zudem die Hoffnung aufkommen, dass der Konflikt bald ein versöhnliches Ende finden könnte...
Mitten in all dem Chaos muss sich April (Sarah Drew) durch ihren ersten Tag als Ersatz für Meredith (Ellen Pompeo) kämpfen. Bedingt begeisterte Patientinnen scheinen noch ihr geringstes Problem zu sein - „Team Webber“ begreift Aprils Entscheidung, Baileys Angebot anzunehmen, schlicht und ergreifend als Hochverrat. Dass diese Sichtweise nicht einfach kommentarlos stehengelassen werden kann und Aprils (sowie Baileys und auch Bens) Situation eine durchaus komplexe Angelegenheit ist, geht in den letzten Szenen dieser Episode gelungen auf.
Phase Two
Mit Minnicks Vorhaben, die zweite Phase ihres Reformprogamms einzuläuten - ausgewählten residents soll der erste Soloflug ermöglicht werden - verschärft sich der zentrale Konflikt erwartungsgemäß erheblich. In Gestalt von Ben und Steph, denen diese Ehre zukommt, erhalten die Ambivalenzen eine schärfere Kontur.
So gelingt Bens erste Solo-OP unter Aufsicht von Webber und Bailey zwar einwandfrei. Weil sich die beiden letztgenannten allerdings dazu entschließen, die längst nicht mehr unterschwellig vorhandene Ebene des Streits ausgerechnet während Bens Eingriff auszutragen, gerät dessen Leistung völlig in den Hintergrund. Bens Standpauke verdeutlicht schließlich indirekt, dass es hier kaum mehr um Sachargumente geht, im Gegenteil. Es ist ein alter Hut, und eigentlich sollte man meinen, dass Bailey und Webber nach Jahren endlich einen Weg gefunden haben, den Wandel in ihrem Verhältnis zwischen Lehrer und Protegé auszubalancieren.
Dass dem nicht so ist, liegt - so groß die Sympathien für Webber auch sein mögen und so sehr einem Baileys Sturheit auch auf die Nerven fallen mag - größtenteils an Webber selbst. Dass dieser sich ausgebootet fühlt, ist zwar eine auf Anhieb nachvollziehbare Reaktion. Die beinahe kindisch-beleidigte Aufmüpfigkeit gegenüber Bailey zeugt jedoch inzwischen vielmehr von verletztem Stolz. Gleichzeitig muss ihm zugestanden werden, dass er für Veränderung durchaus bereit war, Bailey sich jedoch für die radikale Lösung einer bis dato unbekannten Eliza Minnick entschied. Alles nicht so einfach.
Die Darstellung dieser Ambivalenz gelingt besonders in den Szenen um Stephs Solo-OP. Unvorhersehbare Komplikationen führen zum Tod des neunjährigen Jungen - Steph ist fassungslos und auch Minnick und Arizona vermögen es nicht, den jungen Patienten zu retten. Neben Jerrika Hintons überzeugender darstellerischer Leistung zählt in diesem Zusammenhang vor allem der wortlose, aber fundamentale Bruch in Minnicks gesamter bisheriger Erscheinung zu den besten Momenten von It Only Gets Much Worse. Die ehrliche und unverstellte Annäherung zwischen Arizona und Minnick auf bloß menschlicher Ebene - eben ohne oberflächlich flirtende Pose - eröffnet willkommene Handlungsspielräume.
Darüber hinaus erscheint so etwas wie die Hoffnung auf einen versöhnlichen Ausgang des Konflikts. Steph wendet sich in ihrer Erschütterung an Webber, der ihr den emotionalen Halt und die Bestärkung gibt, zu der Minnick Steph im entscheidenden Moment nicht bringen kann - nicht aus generellem Unvermögen, sondern aus einem Mangel an Erfahrung. Ob die Beteiligten bald endlich auf den sprichwörtlichen Trichter kommen, dass eine Kombination der Kompetenzen der beiden Ausbilder/-innen nur von Vorteil wäre, dass Webber und Minnick ein gutes Team bilden würden, hängt letzten Endes vor allem von Bailey ab.
Traitor!
Derweil wird April, die aufgrund Merediths Suspendierung ihren ersten Tag als Chefin der Allgemeinchirurgie stemmt, zur Projektionsfläche der angestauten Aggressionen der Konfliktparteien. Vor allem Maggie neigt zur Maßlosigkeit. Doch auch Jackson ruht sich einmal mehr allzu bequem auf seinem ungelösten Konflikt mit seiner Mutter Catherine (Debbie Allen aus - die Leidtragende ist April, der Opportunismus und Hochverrat von allen Seiten vorgeworfen wird.
Dass sich der aus Loyalitätsgründen gebildete „Putschversuch“ der Öberärzt/-innen schleichend zur Mobbingclique entwickelt, dass Owen einmal mehr mit seinem Soldatenethos nerven darf, all das wirft ein mehr als fragwürdiges Licht auf „Team Webber“.
Dass Ben in einer kurzen Szene am Ende der Episode gewissermaßen als Korrektiv auftritt (wenn auch aus anderer Perspektive) und dass sich Catherine und April auf einer gänzlich neuen Ebene näherkommen, kann als notwendiges und gelungen inszeniertes Gegengewicht zur oben beschriebenen Entwicklung betrachtet werden.
Fazit
Die Episode It Only Gets Much Worse überzeugt insbesondere durch den Versuch, Eliza Minnicks Figur und dem zentralen Konflikt um die Hoheit des Ausbildungsprogrammes eine vielschichtigere Perspektive zu verleihen. Neben Jerrika Hintons darstellerischer Leistung fällt insbesondere die unverstellte Annäherung zwischen Arizona und Minnick positiv auf.
An anderer Stelle macht sich dagegen Irritation breit. Die Maßlosigkeit und Aggression, mit der vor allem Maggie und Jackson auf April losgehen, verleiht auch der anderen Seite des Streits eine Ambivalenz, die zuvor vergeblich gesucht wurde. Im Zuge dessen kommt die Hoffnung auf eine versöhnliche Wendung dieses Handlungsstrangs auf.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „It Only Gets Much Worse“ (3x13):
Verfasser: Hannah Klein am Samstag, 18. Februar 2017Grey's Anatomy 13x13 Trailer
(Grey's Anatomy 13x13)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x13
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