Grey's Anatomy 13x14

© amilla Luddington in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Die Hoffnung auf ein nahendes Ende des Zerwürfnisses zwischen Bailey (Chandra Wilson), Minnick (Marika Dominczyk), Webber (James Pickens, Jr.) und den Chirurg-/innen des Krankenhauses wird in Back Where You Belong weder vergrößert noch gedämpft. Vielmehr verlagert sich der Konflikt zunehmend auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Beteiligten und verliert dabei - insbesondere im Fall von April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) den Bezug zur Sache selbst fast gänzlich.
So projiziert Jackson im Grunde den ungelösten Dauerkonflikt mit seiner Mutter Catherine auf April - und tut ihr damit Unrecht, was er hoffentlich bald bemerken wird. Derweil hat auch Arizona (Jessica Capshaw) erkannt, dass Minnick eine gute Lehrerin und liebevolle Person ist, zu der sich darüber hinaus hingezogen fühlt. Der Loyalitätskonflikt, der sich nun auch in dieser Konstellation einstellt, scheint dagegen bei Meredith (Ellen Pompeo) nun ein Ende gefunden zu haben.
An anderer Stelle wird den Patienten des Krankenhauses wieder etwas mehr Aufmerksamkeit gewährt. Alex' (Justin Chambers) Rückkehr und Beteiligung an einem der Fälle gerät dabei leider zur Randnotiz, was jedoch Jo (Camilla Luddington) wiederum zugute kommt - wenn auch im üblichen Rahmen ihrer schwierigen Vergangenheit.
Back Where You Belong
Dass Merediths Loyalität gegenüber Webber zumindest äußerlich an ihre Grenzen stößt, illustrieren uns die ersten Szene der Episode Back Where You Belong: Meredith fürchtet nicht nur, in der von Bailey verordneten Suspendierung an Langeweile zu sterben, sondern sie ist auch noch mit ihrer Schwägerin Amelia (Caterina Scorsone) eingesperrt. Die durchaus humorvollen Szenen rühren, spätestens bei Baileys Besuch, dennoch wieder am Kernpunkt einer Situation, in der sich Meredith nicht zum ersten Mal befindet.
So nachvollziehbar die persönliche Bindung und Verpflichtung gegenüber Webber sein mag, trifft es Bailey ziemlich genau, als sie Meredith klarmacht, dass es einen Unterschied zwischen Loyalität und Sturheit gibt. Dass Webber nach einem kurzen Hinweis seitens Bailey später allem Anschein nach dafür sorgt, dass Meredith nicht weiterhin zuhause festsitzt, kann als erster vernünftiger Schritt in die richtige Richtung gedeutet werden - Meredith wird wieder zurückkehren. Gleichzeitig blieb im Gespräch mit Bailey vor allem eines hängen: Die Chefärztin befindet sich, so verständlich ihre inhaltliche Entscheidung in Bezug auf das Ausbildungsprogramm auch sein mag, nach wie vor in Erklärungsnot. Minnicks Methoden kollidieren zwar durchaus mit Webbers Routine - da allerdings nie versucht wurde, beide miteinander zu vereinen, bleibt Baileys Entscheidung für Minnicks Forderungen das große Fragezeichen der gesamten Angelegenheit.
An anderer Stelle wird auch Arizona auf ihre selbsterwählte Standhaftigkeit geprüft. Bereits in der vorangehenden Episode näherten sich die beiden Chirurginnen auf einer unmittelbaren, puren Ebene der Menschlichkeit - der Konflikt geriet vollständig in den Hintergrund. Arizonas nun mehr schlecht als recht gespielter Groll auf Minnick wird spätestens in der kommenden Episode zur Diskussion stehen - immerhin küssten sich die beiden in Back Where You Belong zum ersten Mal. Ob der Fokus fehlgeleiteter Energien von April infolgedessen dann auf Arizona gelenkt werden wird, darf allerdings bezweifelt werden.
I'm Not Gonna Sit It Out
Obwohl die Patientengeschichte um eine Nierentransplantion in ihrer Konstruktion schon mehrfach erzählt wurde und ein weiteres Mal vordergründig zur Reflexion der Protagonisten dient, zählt sie zu den gelungeneren Handlungssträngen der Episode. So fällt gerade der übliche Fokus auf die persönliche Involviertheit der Chirurgen positiv auf.
Sicherlich kann der Einfall, Jo erneut einer Patiengeschichte auszusetzen, die ihre schwierige Vergangenheit vergegenwärtigt, als nicht sonderlich einfallsreich bewertet werden. Neben einer darstellerisch soliden Camilla Luddington scheint sich dahingehend jedoch ein Wendepunkt abzuzeichnen, eine Art Katharsis, der ihre Figur endlich aus der Schublade der ewig Leidenden herausholen könnte. Dass Alex' Rückkehr wenig Gewicht erhält, ist in diesem Fall ausschlaggebend. Jo wird mit dem Fall allein fertig und weist den gewalttätigen Ehemann und Vater, der seinem Sohn schließlich auf Drängen Jos anonym eine Niere spendet, in seine Schranken. Alex' Hilfsangebot schlägt sie zuvor mit den Worten “I'm not gonna sit it out“ aus und beweist dadurch die Stärke, sich ihrer Vergangenheit indirekt zu stellen. Die fast wortlose, ergreifende Szene mit Owen am Ende der Episode könnte daher weniger als emotionaler Zusammenbruch, denn als Befreiungsschlag gedeutet werden.
An anderer Stelle verweist die Patientengeschichte um eine verloren geglaubte Tochter, die mit einer fortgeschrittenen Schizophrenie eingeliefert wird, auf Riggs (Martin Henderson) verschwundene Verlobte Megan, Owens Schwester. In diesem Zusammenhang drängt sich unweigerlich die Frage auf, weshalb die Autoren derart viel Zeit für Handlungsstränge (der Konflikt um das Ausbildungsprogramm) aufwenden, die zur eigentlichen Figurenentwicklung kaum beittragen. Riggs Figur gewinnt kaum an Profil, schon wird eine neue Person eingeführt - und auch diese wird vermutlich nach dem Ende des Streits auf eher oberflächliche Weise ihr Dasein fristen.
Offen ist nämlich nicht nur, wie es um Riggs und Meredith steht, wie sich Maggie zu all dem verhalten wird und wie es mit ihrer kranken Mutter weitergeht. Das große Zerwürfnis zwischen Owen und Amelia wurde bisher nur am Rande thematisiert und auch die Unklarheiten zwischen Jo, Andrew und Alex warten auf eine genauere Entfaltung.
Fazit
Die Episode Back Where You Belong umgeht zwar nach wie vor die eigentlich interessanten Konflikte und Entwicklungen, kann aber dennoch ansatzweise durch Handlungsfortschritt und interessante Patiengeschichten überzeugen.
So fällt insbesondere der Fokus auf Jos Figur positiv auf. Die Hoffnung, dass diese Entwicklung weiter verfolgt wird, hält sich angesichts der zahlreichen losen Fäden zwar in Grenzen; sie stellte aber zumindest für den Moment einen Wandel der Figurenkonstellationen in Aussicht. Ob sich Alex' Rückkehr ins Krankenhaus demgegenüber positiv auswirken wird, ist allerdings eine andere Frage.
Merediths Entschluss, die theoretisch aufgehobene Suspendierung letztendlich wahrzunehmen, deutet darüber hinaus auf ein baldiges Ende des Streits um das Ausbildungsprogramm hin - es bleibt zu hoffen, dass nun die wesentlicheren Entwicklungen wieder im Vordergrund stehen dürfen.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Civil War“ (3x15):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 24. Februar 2017Grey's Anatomy 13x14 Trailer
(Grey's Anatomy 13x14)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x14
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