Grey's Anatomy 13x15

© evin McKidd in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Nach einwöchiger Pause ist Grey's Anatomy mit der Episode Civil War wieder mitten im Geschehen zurück auf den Bildschirmen. Der Konflikt um das neue Ausbildungsprogramm und die damit einhergehenden Kämpfe um Loyalität stehen weiterhin im Vordergrund - und führen zu immer größeren Brüchen zwischen den Beteiligten.
So wird das momentane Epizentrum der Auseinandersetzungen in Gestalt von Jackson (Jesse Williams) genauer in den Blick genommen. Dass sein vehementer, man möchte fast sagen verbissener Einsatz für Webber (James Pickens, Jr.) und gegen seine Mutter Catherine (Debbie Allen) kaum mehr etwas mit dem eigentlichen Gegenstand des Konflikts - das Ausbildungsprogramm von Eliza Minnick (Marika Dominczyk) - zu tun hat, sondern seinen Ursprung in der Beziehung zu seiner Mutter findet, wird in Civil War besonders deutlich. Worin diese offensichtlich elementare Verletzung für Jackson besteht, bleibt dabei unklarer, als bisher angenommen.
An anderer Stelle, und mehr am Rande des Geschehens, werden sowohl Amelia (Caterina Scorsone), als auch Meredith (Ellen Pompeo) mit ihren jeweiligen Beziehungskonflikten konfrontiert. Während jene zwischen Amelia und Owen (Kevin McKidd) längst überfällig erscheint, kommt die Konfrontation zwischen Riggs (Martin Henderson) und Meredith etwas unvermittelt daher. Gleichwohl ist sie willkommen - sofern wir hoffen dürfen, dass sich in den jeweiligen Konstellationen endlich etwas bewegen wird.
Don't let her
Jacksons Verhalten, das sich von Beginn an durch eine erbitterte Gegnerschaft gegen die Ersetzung von Webber durch Minnick auszeichnete, ließ an keiner Stelle Zweifel aufkommen, dass sein Einsatz vor allem von der komplizierten Beziehung zu seiner Mutter herrührt. Dass dieser Konflikt zunächst vorhersehbar und wenig doppelbödig erschien - insbesondere deshalb, weil er an anderen Stellen bereits mehrfach ausgetragen wurde - kann nach der Episode Civil War nicht mehr so einfach gesagt werden.
Zwar werden uns die üblichen Situation vor Augen geführt: Jacksons Missfallen an der dominanten und mitunter herrischen Art seiner Mutter überträgt sich sowohl auf die Geschehnisse im OP, als auch auf seine Exfrau und Mutter seiner Tochter, April (Sarah Drew). Wo Ben (Jason George) nur noch entnervt mit den Augen rollen kann, später aber im OP auf seine Kosten kommt, weil Webber sich offenbar gegenüber Minnicks Methoden öffnet, überrascht die heftige Verbitterung seitens Jackson aber dennoch. So stehen Maggie (Kelly McCreary), Meredith und Arizona zwar nach wie vor hinter Webber - sind aus unterschiedlichen Gründen und dankenswerter Weise aber wieder mehr Unterstützer, als Mobbingclique.
Interessanter als der absehbare Umstand, dass Webber schließlich der beginnenden Romanze zwischen Arizona und Minnick gewahr wird, ist der riesige Bruch, der sich zwischen Jackson, seiner Mutter und April auftut. Die gefallenen Sätze zwischen Erstgenannnten lassen sogar wilde Spekulationen aufkommen - ist Jackson vielleicht gar nicht das leibliche Kind von Catherine? Wahrscheinlicher ist es wohl anzunehmen, dass Jacksons oft vergebliches Bemühen, sich gegen die Dominanz seiner Mutter zu wehren, einen neuen Tiefpuntkt erreicht hat, der sich nur allzu leicht auf andere nahestehende Personen in seinem Leben überträgt. Dass er April momentan großes Unrecht tut, indem er ihr mangelnde Loyalität, Manipulierbarkeit und sonstige Todsünden vorwirft, offenbart bis zu diesem Punkt keine neue Deutung. Der Rückfall in unverarbeitete Mutterkonflikte, seine Eifersucht auf Aprils Erfolge und die Unfähigkeit, diese Dinge zu reflektierten, werfen kein sehr gutes Licht auf Jackson. So scheint es am Ende der Episode fast unpassend, dass Webbber gegenüber Catherine betont, dass er keinen Keil zwischen die beiden treiben wollte - Jackson ist am momentanen Zustand mindestens genauso beteiligt, wie Webber, Catherine und Bailey.
I think about you
Auch an anderer Stelle möchte man die Protagonisten am liebsten einmal wachrütteln. Riggs Ansage an Meredith, endlich eine Entscheidung zu treffen, was den Stand der Dinge zwischen ihnen angeht, ist mehr als angebracht, führt aber gleichermaßen vor Augen, dass Merediths Verhalten langsam aber sicher jeder Grundlage entbehrt. Maggie scheint die Zurückweisung von Riggs inzwischen verkraftet zu haben - unangenehm wäre ein solches Gespräch allemal, das ist klar. Sollte Merediths Zögern weiterhin daher rühren, dass sie nach wie vor mit Angst und Schuldgefühlen zu kämpfen hat, weil sie sich auf etwas einlassen würde, dass sie nach Dereks Tod wieder glücklich machen könnte, so bedürfte es einer erneuten Thematisierung in der Handlung - die zuletzt aber weitestgehend ausblieb.
Darüber hinaus findet sich Amelia auf Bitte von Maggie für einen Eingriff wieder im Krankenhaus ein. Das kurze Aufeinandertreffen mit Owen verheißt nichts Gutes, sondern deutet eher darauf hin, dass wir es hier tatsächlich mit einer Neuauflage von Owens Lebensthema zu tun haben: Er will Kinder, sie nicht. Im Wissen, dass Amelia den Lebensentwurf ihres Mannes grundsätzlich teilt, von dem Tod ihres Kindes aber nachhaltig traumatisiert ist, besteht zwar nach wie vor die Aussicht, dass sich dieses Mal alles zum Guten wendet. Der Weg dorthin dürfte uns aber, zumindest was Owen betrifft, gut und gerne erspart bleiben.
Andeutungsweise wird auch das unter der Oberfläche schwelende love triangle zwischen Jo (Camilla Luddington), Alex (Justin Chambers) und Andrew (Giacomo Gianniotti) thematisiert. Zwar reichen diese nicht über schmachtend-leidende Blicke seitens Andrew hinaus, scheinen aber in naher Zukunft wieder aufgegriffen zu werden. Ob und wie aussichtsreich oder vielversprechend diese Verwicklung sein kann, sei erstmal dahingestellt. Bis zu diesem Moment erfreute immerhin eine gut gelaunte Jo, die in Civil War mal nicht damit beschäftigt war, im Schatten ihrer Beziehungen und Traumata zu verweilen.
Fazit
Die Episode Civil War nimmt vor allem Jacksons Motivation im noch immer schwelenden Streit im Krankenhaus in den Blick. Da sich der Handlungsstrang unerwartet zwischen den bekannten Konflikten und überraschenden Momenen einpendelt, kommen Spekulationen auf - steckt hinter Jacksons Ablehnung mehr als die ewig problematische Beziehung zu seiner Mutter? Unabhängig von der Antwort auf diese noch offene Frage wäre es wünschenswert, wenn sich kommende Episoden auch dem Stellvertreter-Streit zwischen ihm und April widmen würden.
In Bezug auf Meredith und Amelia zeichnet sich ebenfalls Handlungsfortschritt ab, der in beiden Fällen hoffentlich weiterhin in Bewegung bleibt - und, insebsondere was Amelia und Owen betrifft, nicht zur zermürbenden Wiederholung von längst Bekanntem führt.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Who Is He (And What Is He To You)?“ (3x16):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 10. März 2017Grey's Anatomy 13x15 Trailer
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Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x15
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