Grey's Anatomy 13x16

© pril und Jackson in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Figurenzentrierte Episoden bedeuten bei Grey's Anatomy in der Regel, dass wir Zuschauer uns auf intensive Charakter- und Handlungsfortschritte einstellen dürfen, auf einen dramaturgisch besonders gelungenen Aufbau und meist auch auf Tränen - ob nun vor oder auf den Bildschirmen.
Ganz besonders gilt dies für Episoden, die sich April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) widmen. Wir erinnern uns an die erschütternden, aber brillant gespielten Episoden um die komplizierte Schwangerschaft und Samuels Tod, an die Hals-über-Kopf-Hochzeit, an das Ende der Ehe der beiden Chirurgen. Gleichzeitig kommen wir nicht umhin festzustellen, dass in besagten Handlungssträngen vor allem April beziehungsweise Sarah Drew im Vordergrund stand und darstellerisch glänzen durfte - für viele dürfte sie, ob man ihre Figur nun mag oder nicht, zurecht zu den besten Schauspieler/-innen des Casts zählen.
Ein interessanter Schwerpunktwechsel wird also in der aktuellen Episode Who Is He (And What Is He To You)? vollzogen. Überhaupt scheint es, wenn die Erinnerung nicht täuscht, eine Premiere zu sein: Jacksons gegenwärtige Verfasstheit, seine Entwicklung und seine Vergangenheit stehen erstmals im Zentrum des Geschehens.
Die Autor/-innen wählen hierfür den Schauplatz des Avery Medical Centre in Montana; der Ort, an dem Jackson aufwuchs und die traditionsreiche Avery-Familie einen ihrer Standorte eröffnete. Die Intuition der vorangehenden Rezension scheint dahingehend in die richtige Richtung verwiesen zu haben: Jacksons innere Aufgewühltheit, sein irritierendes und verbissenes Verhalten findet seinen Ausgangspunkt in den familiären Wurzeln. Jackson trifft auf seinen Vater Robert Avery, der die Familie früh verließ; nicht zuletzt, weil er die Bürde des großen Namens nicht mehr tragen wollte. Wem diese Aussage bekannt vorkommt, liegt goldrichtig - über die freudige Entdeckung von Gemeinsamkeiten kann im Fall des komplizierten Verhältnisses zwischen Jackson und seinem Vater aber nicht die Rede sein.
You're not my father
Nicht nur aus Grey's Anatomy, auch aus zahlreichen anderen Filmen und Serien dürfte man die groben Umrisse der Szenen erahnen, die sich um das Zusammentreffen von erwachsenem Kind und Elternteil nach jahrelanger Kontaktstille entfalten. Im Fall von Grey's Anatomy konnten wir gleich drei Protagonist/-innen bei diesen meist schweren Momenten begleiten: Merediths (Ellen Pompeo), Alex' (Justin Chambers) und zuletzt Maggies (Kelly McCreary) schwierige Aufeinandertreffen mit ihren Vätern.
Auch im Fall von Jackson hielt man sich an das bekannte Schema - unsicheres, zögerliches Warten vor dem Ort des potentiellen Geschehens, ein missglücktes Gespräch, und folglich große Wut und Traurigkeit. Von den klischeebeladenen Bildern einmal abgesehen stört in dem Plot aber vor allem eines: die fehlende Vorgeschichte. So wird nicht klar, seit wann und weshalb Jackson überhaupt auf die Suche nach seinem Vater ging und inwiefern diese große Belastung in Zusammenhang mit seiner Mutter Catherine (Debbie Allen) und dem aktuellen Konflikt im Krankenhaus steht. Der etwas unvermittelte Überfall raubt den ansonsten darstellerisch wie inhaltlich sehr gelungenen Szenen ein wenig die verdiente Intensität. Dennoch, und das ist in Hinblick darauf von doppelter Bedeutung, schafft es Jesse Williams mit minimalen Spiel und wirklich erschütternd verletzten Blicken, ein hohes Maß an emotionaler Spannung zu erreichen. Wie unerträglich der lockere Plauderton seines Vaters für ihn sein muss, seine vollkommene Zufriedenheit, die für Jackson impliziert, dass er den Sohn nie vermisst hat, all das lässt sich in diesen Szenen im Diner an den Augen und an der Mimik des Darstellers ablesen.
Gelungen ist außerdem der Subtext, der in den kurzen Gesprächen zwischen Vater und Sohn mitschwingt. Die Frage „Are you happy?“ von Robert, der sich klar und deutlich gegen den großen Namen und das Chirurgendasein entschied, kann Jackson nicht ohne weiteres mit Ja beantworten. Ob zu seinem Glück die etwas untergehende Wiedervereinigung mit April fehlt, ob es die Versöhnung mit Mutter Catherine ist oder bestenfalls beides, kann zwar nicht eindeutig gesagt werden, liegt aber nahe - zumal uns die Episode mit einem (vorläufigen) Happy End am Flughafen verabschiedet.
Thank You
Auch wenn sich diese Episode anders anfühlt, haben wir es im Fall von Who Is He (And What Is He To You)? natürlich nicht mit einem abgeschlossenen Film zu tun, sondern mit fortlaufender Handlung. Was die zukünftige Entwicklung angeht, darf zumindest an zwei Stellen Hoffnung aufkommen. Zum einen die bereits erwähnte und längst überfällige Annäherung zwischen April und Jackson, die sicherlich noch nicht all ihre Kämpfe ausgetragen, sich aber zumindest wieder ihrer gegenseitigen Liebe vergewissert haben. Zum anderen geht die bewegende Versöhnung zwischen Jackson und Catherine zwar ohne viele Worte, aber dafür mit großer Erleichterung einher - schließlich könnte sich dies endlich auch positiv auf den anstrengenden Konflikt im Grey Sloan Memorial auswirken.
Die Kehrseite dieser positiven Aussichten wäre in Bezug auf Jacksons Figur als solche zu suchen: Bliebe es bei dem kurzen Cameo des Vaters und des Happy Ends am Flughafen, würde man Jackson nicht gerecht werden. Gerade in Zusammenhang mit der Patientengeschichte (die im übrigen durch nicht weniger hervorragend gespielte Szenen seitens der Nebendarstellerinnen auffiel) zeigte sich, dass Jackson nicht immer der Ruhepol ist und sein kann, der er für April und im Krankenhaus ist.
Fazit
Die figurenzentrierte Episode Who Is He (And What Is He To You)? widmet sich Jackson und seiner gegenwärtigen, wie auch vergangenen Verfassung. Wo Jesse Williams darstellerisch in hohem Maße überzeugen kann, mangelt es dem Plot an anderer Stelle leider an Kontext, der das große Thema der Episode rahmen und darauf hinführen würde. So bleibt unklar, seit wann und warum Jackson plötzlich auf die Suche nach seinem Vater ging, was ihn dazu antrieb und inwiefern er deshalb so auffällig stark mit Catherine in Konflikt trat in den vorangehenden Episoden.
Die Nähe, die sich sowohl zwischen April und Jackson, als auch zwischen letztgenanntem und seiner Mutter am Ende der Episode wieder einstellt, ist nur begrüßenswert. Vor allem in Bezug auf April und Jackson bleiben die Autor/-innen hoffentlich dran - nicht zuletzt deshalb, weil die Handlungsstränge um die beiden Figuren häufig zu den stärksten der Stafffel zählen.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Till I Hear It From You“ (3x17):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 17. März 2017Grey's Anatomy 13x16 Trailer
(Grey's Anatomy 13x16)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x16
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