Grey's Anatomy 13x17

© aterina Scorsone und Kevin McKidd in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Nach der figurenzentrierten Episode Who Is He (And What Is He To You), in der wir Jackson (Jesse Williams), seiner Beziehung zu April (Sarah Drew) und der Avery-Familie näher kamen, greift Till I Hear It From You viele der aktuellen Ereignisse und Entwicklungen wieder auf. Die einzelnen Handlungsstränge werden dabei größtenteils gelungen miteinander verwoben und in Beziehung zueinander gesetzt. Gleichzeitig fällt einmal mehr auf, dass die aktuelle dreizehnte Staffel einer angemessenen Verhandlung der zahlreichen losen Fäden nur schwerlich gerecht werden kann.
So böte der Handlungsstrang um Maggies (Kelly McCreary) an Brustkrebs erkrankter Mutter Diane (LaTanya Richardson Jackson) genug dramaturgisches Potential, um eine - oder gar mehrere - ganze Episode(n) weitestgehend zu füllen; er müsste es ob der Dringlichkeit und den potentiellen Konsequenzen für Maggies Figur sogar. Zwar stehen wir diesbezüglich noch am Anfang: Maggie erfährt erst jetzt, da die Mastektomie ihrer Mutter unmittelbar bevorsteht, von ihrer Erkrankung und befindet sich in einem Schockzustand. Bereits die erste Episode, die sich diesem Thema zuwandte, ließ allerdings Potential für dynamische Dialoge, tiefere Charakterentwicklung und Perspektivwechsel zwischen den Protagonistinnen erkennen. Letztgenanntes wird am Ende der Episode Till I Hear It From You zumindest angedeutet: Maggie wendet sich in ihrer Angst an Meredith (Ellen Pompeo), und so könnte auch die Beziehung zwischen den beiden Schwestern ein neues Level an Vertrautheit erreichen.
So gelingt es neben diesem mehr oder weniger im Zentrum der Handlung stehenden Thema, auch die restlichen Entwicklungen gelungen einzubinden. Fixpunkte sind hier die drei Schwestern Meredith, Maggie und Amelia (Caterina Scorsone). Die jeweiligen Krisen oder Entscheidungsmomente finden in kleineren Szenen immer wieder dialogisch zueinander, wenn auch nie konkret ausgesprochen. Dass gerade Meredith und Amelia Meisterinnen der eindeutigen Uneindeutigkeit sind, führt zwar regelmäßig zu entnervtem Augenrollen. Glücklicherweise gelingt es beiden aber meistens, in entscheidenden Momenten unmissverständlich zu werden: Deshalb ist Amelias brutal ehrliche Ansage an Owen (Kevin mcKidd) auch klares Highlight der aktuellen Episode.
You want a dream
Die zwar durchaus rührende Patientengeschichte um ein sehr altes, aber immer noch erstaunlich fittes Chirurgen-Ehepaar dürfte als Rahmen der Konfrontation zwischen Owen und Amelia nicht nur überflüssig, sondern auch zu viel des Guten gewesen sein. Um zu veranschaulichen, wie schwierig es ist, eine lange, glückliche Beziehung oder gar Ehe zu führen, braucht es keinen Blick in die Zukunft in Gestalt eines uralten Chirurgenpaars, sondern endlich eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart und den Problemen, die hier und jetzt vorhanden sind.
Dass diese Notwendigkeit besteht, sehen Owen und Amelia auf fundamental unterschiedliche Weise ein. Der große Streit im Treppenhaus pointiert daher nicht nur das Zerwürfnis zwischen dem Paar; Amelia öffnet darüber sowohl sich selbst, als auch Owen die Augen. Fast möchte man laut „Endlich, danke!“ Richtung Bildschirm rufen, wenn Amelia Owen zurechtweist: Es entspricht einer viel zu lange von Owen übergangenen Wahrheit, dass er sämtliche Frauen in seinem Leben emotional massiv unter Druck setzte, um einen Traum zu leben, den er für sich selbst nie richtig hinterfragt hat. Warum er Kinder will, warum er eine Familie gründen möchte, was ihm im Leben fehlt, weshalb ihm Amelia als Familie nicht genügt, all diese Fragen kann Owen nur mit einem enttäuschend wie entlarvenden Satz beantworten: „It's normal!“ Freilich ist es ungemein schwer, die Frage, warum Menschen überhaupt Kinder haben wollen, eine Familie gründen möchten, zu beantworten. Dass sich Amelia aber ganz bestimmt nicht mit der Begründung zufrieden geben kann, ein Kind zu bekommen, weil es „normal“ ist, bedarf keiner großen Ausführung.
Denn hinter Owens obsessivem Wunsch steckt womöglich eine innere Leere, die er mit einem Kind ausfüllen möchte - weshalb er auf Amelias Frage hin völlig ins Stolpern gerät, weil er es bis zu diesem Punkt erfolgreich vermieden hat, sich mit sich selbst, dem eigenen Handeln und den inneren Motivationen auseinanderzusetzen. Zu Recht verweist Amelia in diesem Kontext auf Cristina, die die gleichen Konflikte auf ein- und derselben Folie auszutragen hatte. Diesen Umstand hat Amelia erkannt, als sie Owen lautstark klar macht, dass er sie mit seinen Forderungen in die Ecke drängt, ihr zu Unrecht ein Ultimatum setzt, während er doch mindestens genauso “messed up“ ist, wie sie.
Mom-Boobs again?
Bis zu dem Augenblick, in dem Maggie die Wahrheit über den Aufenthalt ihrer Mutter Diane im Krankenhaus erfährt, erheitert der Dialogwitz dieser Episode an vielen Stellen. Seien es Merediths neckende Blicke, Amelias trockene Kommentare oder Alex, der die „Mom-Boobs“ nach Aufforderung begutachtet.
Die Stimmung schlägt schnell um, als sich trotz der aussichtsreichen Befunde im OP herausstellt, dass es Diane weit schlechter geht, als angenommen. Der Anblick der toughen, aber ebenso gefühlvollen Herzchirurgin Maggie, die am Ende dieser Episode versucht, nicht völlig die Fassung zu verlieren, ist daher umso ergreifender. Er zeigt darüber hinaus, wie gut sich ihre Figur inzwischen im Handlungsgefüge der Serie macht, wie interessant und bewegend der Plot mit ihr sein kann. So potentiell traurig sich die Ereignisse auch weiter entwickeln werden, ist dieser Umstand besonders positiv hervorzuheben. Meredith wird mit Sicherheit alles tun, um ihr eine Stütze zu sein. Es bleibt darüber hinaus zu hoffen, dass sie diese Aufgabe nicht erneut zum Anlass nimmt, sich in Bezug auf ihre Entscheidung für Riggs selbst Steine in den Weg zu legen.
Fazit
Die Episode Till I Hear It From You setzt an vielen Stellen Einschnitte. Fast überraschend, aber gerade richtig und längst überfällig kommt die Intensität der Konfrontation zwischen Amelia und Owen daher. Wo Erstgenannte die richtigen Fragen aufwirft, bleibt zu hoffen, dass Owen endlich begreift, an welchen Stellen auch er zu seinen krisenreichen Beziehungen einen Beitrag leistet.
Der erste Schritt in Richtung einer aufrichtigen Beziehung zwischen Meredith und Riggs wird an anderer Stelle hoffentlich nicht wieder durch Meredith selbst sabotiert. Die Hilfe und Unterstützung, die Maggie nun braucht und verdient, steht dazu jedenfalls nicht im Widerspruch.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Be Still, My Soul“ (3x18):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 24. März 2017Grey's Anatomy 13x17 Trailer
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Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x17
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