Grey's Anatomy 13x09

Grey's Anatomy 13x09

Das Herbstseason-Finale steht wie zu Erwarten im Zeichen von Alex' bevorstehendem Prozess. Dass ausschlaggebende Informationen, vor allem seitens Jo, plötzlich vergleichsweise leicht von den Lippen gehen, kann verschmerzt werden. Derweil droht auch der Beziehung von Owen und Amelia ein jähes Ende.

Bailey und Webber in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Bailey und Webber in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Nach der isolierten Innenschau ausgewählter Protagonist-/innen in der vorangehenden Episode The Room Where It Happens holt uns das Midseason-Finale You Haven't Done Nothin' wieder in bitterster Realität ab. Alex' (Justin Chambers) Prozess steht quasi unmittelbar bevor, und während er sich schon die kommenden Jahre im Gefängnis ausmalt, versucht Meredith (Ellen Pompeo) ihr Bestes, um seinen kämpferischen Geist zu mobilisieren - mit mäßigem Erfolg, wie sich bald herausstellen wird.

Wie so oft entwickeln sich die zentralen Handlungsstränge dieses Winterfinales im Rahmen einer dramatischen Katastrophe. Der Einsturz eines Gebäudekomplexes fordert nicht nur zahlreiche Verletzte und einige Tote, darunter ein zwölfjähriges Mädchen, sondern wäre allem Anschein nach verhinderbar gewesen. Der schuldbewusste Vermieter, der auf eine Sanierung aufgrund von finanziellem Eigennutz verzichtete, wird in diesem Zusammenhang beinahe Opfer eines Racheaktes, den die Sicherheitskräfte und Chirurg-/innen jedoch in letzter Minute zu verhindern wissen. Leider kann dieser Handlungsstrang die in ihm durchaus angelegte Intensität kaum entfalten, da sämtliche Konflikte der bisherigen 13. Staffel größeren Raum einfordern.

Camilla Luddington in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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So steht nicht nur Alex', und mit seiner die Zukunft von Jo (Camilla Luddington) zur Disposition. Mit dem verfrühten Start von Eliza Minnick (Marika Dominczyk) versäumt es Bailey (Chandra Wilson) außerdem, Webber (James Pickens, Jr.) über die großen Veränderungen in Kenntnis zu setzen. Maggies (Kelly McCreary) rührender Einsatz für ihren Vater lenkt den Handlungsstrang in diesem Zusammenhang in eine nicht unbedingt originelle, aber dennoch weniger vorhersehbare Richtung - zumindest bisher. Denn auch, wenn eine erste Konfrontation zwischen Bailey und Webber mit dieser Episode bereits stattfand, wird es wohl nicht die letzte gewesen sein; dafür spricht die umfassende Mobilisierung der gesamten Oberärzt-/innen durch den Vorstand. Wer es nicht schon in vorangehender Episode erahnte, erhält in „You Haven't Done Nothin'“ außerdem den sprichwörtlichen Wink mit dem Zaunpfahl: Eliza Minnick ist nun offiziell neuer love interest für Arizona (Jessica Capshaw).

Goodbye, Mer

Die Aufzüge des Grey Sloan Memorials dürften wohl mit Abstand die interessantesten, traurigsten und ergreifendsten Geschichten des Grey's-Universums zu erzählen haben. In der Szene um Jo und Alex werden diese um eine weitere bereichert, als sich Jo endlich dazu durchringen kann, Alex von ihrem gewalttätigen Ehemann und ihrer Angst vor Verfolgung durch ihn zu erzählen. Um dem Verdacht, dass dieses Gespräch aus dramaturgischen Gründen notwendigerweise bis zu einem Cliffhanger-tauglichen Moment hinausgezögert wurde, vorzubeugen, liefert Jo - beziehungsweise die Autor-/innen - zunächst nachvollziehbare Gründe. Dennoch bleibt es weitestgehend unplausibel, dass Jo in Antizipation einer womöglich aggressiven Reaktion von Seiten Alex auf den Ehemann davon absah, die Wahrheit zu sagen. Zum Einen hätte Jo ihm nicht zwangsläufig ihren richtigen, geschweige denn den Namen des Ehemannes nennen müssen. Zum anderen ist Alex zwar durchaus impulsiv, aber sicherlich nicht dumm - auch, wenn die jüngsten Ereignisse um Andrew (Giacomo Gianniotti) dagegen sprechen mögen.

So stellt die Aussprache mit Jo sicherlich einen ausschlaggebenden Grund dar, der dazu führt, dass Alex schließlich einen folgenreichen Plan fasst. An dieser Stelle gerät die Erzählung in eine moralische Schieflage, die an späterer Stelle durch Merediths Voicemail noch einmal eine Verschärfung erfährt. So könnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass Alex sich erst jetzt, da er weiß, dass Jo ihn nicht mit Andrew betrügen wollte, „richtig“ schuldig fühlt - und deshalb einerseits vor Gericht ein frühzeitiges Eingeständnis ablegen will, um damit andererseits Jo vor der eidesstattlichen Aussage zu bewahren. Dass dieser Eindruck eigentlich nicht Alex' Charakter entspricht, ist somit vielmehr dem Storytelling, als der Figur zuzuschreiben.

Bis zu diesem Zeitpunkt kann jedenfalls festgehalten werden, dass es kein einfaches Unterfangen darstellt, einem langjährigen Protagonisten und Sympathieträger eine zweifellos brutale Tat auf den Leib zu schreiben. Die vergangenen Episoden tendierten leider eher zur subtilen Relativierung dieses Vorfalls, in dem sich Alex' Figur beinahe zum unterwürfigen Heiligen im Arztkittel aufschwingen musste. Was es zur nachvollziehbaren, annehmbaren Rehabilitierung der Figur gebraucht hätte, wäre eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Tat gewesen. Eingedenk der Tatsache, dass Alex tatsächlich ein im Grunde guter Mensch ist, der allerdings einen schrecklichen Fehler begangen hat - so auch Merediths Appell - kann oder muss darüber vorerst hinweggesehen werden.

James Pickens Jr. in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Don't make this all your fault

Denn sicherlich trifft Meredith an dieser Stelle einen wesentlichen Punkt. Es kostete jahrelange Überzeugungsarbeit und Konfrontationen, bis es Alex gelang, sein Selbstbild - und dementsprechend sein Verhalten - zu korrigieren: Dass er nämlich nicht der nutzlose Versager ist, für den ihn sein Umfeld und er sich selbst lange Zeit gehalten hat. Gleichzeitig bedarf es aufgrund unzähliger Rückschläge und traumatisierender Ereignisse in seinem Leben und dem Anderer immer wieder die Bestätigung dieser Tatsache.

Angesichts solch einschneidender Erfahrungen und Prägungen ein mehr als nachvollziehbarer Umstand, der analog zu Owen und Amelias Verfassung gelesen werden kann. Der Abschiedsbrief, den Owen am Abend in der gemeinsamen Wohnung vorfindet, kommt in dieser Hinsicht wenig überraschend, wenngleich der Schritt an sich doch radikaler ausfällt, als erwartet. Es bleibt schließlich zu hoffen, dass uns der vollständige Brief an dieser Stelle vorenthalten wurde, sodass Owen zumindest über die Hintergründe von Amelias Entschluss in Kenntnis gesetzt wird. Andernfalls droht, so konsequent die Erzählung auch sein mag, ein eher unerfreulicher Rückfall in die Dauerschleife um Owens Kinderwunsch.

Fazit

Das Midseason-Finale hält erwartungsgemäß einige Cliffhanger bereit. Allen voran natürlich die Frage danach, ob sich Alex in letzter Minute noch davon wird abhalten lassen, ein frühzeitiges Schuldeingeständnis abzulegen - wenngleich dies nichts über den nachfolgenden Prozess aussagen wird. In dieser Hinsicht bleibt also einiges offen; nicht zuletzt die Aussichten auf eine Versöhnung mit Jo und die bislang unterschwellige, aber spürbar vorhandene, tendenziell einseitige Stimmung zwischen ihr und Andrew. Während über die Platzierung der Aussprache zwischen Alex und Jo hinweggesehen werden kann, werden durch You Haven't Done Nothin' auch Mängel des Storytellings offenbar. So fehlte es schlicht an einer ausgewogenen Balance zwischen Auseinandersetzung mit der Tat und der notwendigen Rehabilitierung der Figur, was sich nun in moralisch fragwürdiger Art niederschlägt. Ob dieser Bogen noch geschlagen werden kann, bleibt anzuzweifeln.

Jessica Capshaw in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Im Vergleich zu Amelias plötzlichen, radikalem Entschluss, Owen (vorerst) zu verlassen, gehen die Entwicklungen um Webber, Bailey und Minnick zwar ein wenig unter. Nicht zuletzt wegen der aufkommenden Romanze zwischen Letztgenannter und Arizona dürfte uns ihre Figur und dieser Handlungsstrang aber vermutlich bis zum Ende der aktuellen Staffel begleiten. In dieser Hinsicht wäre es wünschenswert, würde der Konflikt zwischen Webber und Bailey nicht auf eine größtmögliche Konfrontation hinauslaufen.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 18. November 2016

Grey's Anatomy 13x09 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 9
(Grey's Anatomy 13x09)
Deutscher Titel der Episode
Untergangsstimmung
Titel der Episode im Original
You Haven't Done Nothin'
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. November 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. April 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 10. April 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 24. April 2017
Autor
Karin Gist
Regisseur
Rob Corn

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x09

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