Grey's Anatomy 13x07

Mit Dr. Eliza Minnick (Marika Dominczyk) werden die jüngsten Pläne von Bailey (Chandra Wilson) und Catherine Avery (Debbie Allen) unerwartet plötzlich in die Tat umgesetzt: Als Beobachterin soll sie die Schwachstellen des Ausbildungsprogramms aufdecken und dabei lässt ihr die Chefärztin der Chirurgie freie Hand. Die Anwesenheit der freundlichen, aber sehr beharrlichen Beobachterin versetzt erwartungsgemäß das gesamte Personal in Angst und Schrecken - und Verärgerung.
So hat natürlich allen voran Dr. Webber (James Pickens, Jr.), der die Leitung des Programms seit Jahren auf seine Art und Weise übernimmt, am meisten mit der unterstellten Kritik zu kämpfen. Doch auch die Oberärzte, darunter Meredith (Ellen Pompeo), Arizona (Jessica Capshaw) und Maggie (Kelly McCreary) werden mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert.
Das Tempo und die Schlagfertigkeit der durchsetzungsstarken Minnick überträgt sich gleichwohl auf die Stimmung der Episode Why Try to Change Me Now und verliert dennoch nicht an Leichtigkeit und humorvollen Momenten. So ist der Fortgang dieses neuen Handlungsstrangs zwar weitestgehend absehbar - Bailey wird eine mehr als unbequeme Entscheidung treffen müssen - der frische Wind, den Minnick in die alten Strukturen des Kranenhauses bringt, birgt dennoch Potential. So könnte beispielsweise auch endlich Jo (Camilla Luddington), die zwar auch in dieser Episode wieder einmal sträflich vernachlässigt wird, von der Reservebank als Sidekick von Steph (Jerrika Hinton) beziehungsweise Alex (Justin Chambers) entlassen werden.
Derweil gelingt es Owen (Kevin McKidd) und Amelia (Caterina Scorsone) nicht, ihre Eheprobleme in den Griff zu bekommen - zum Leidwesen von Steph, die diverse Momente des Streits unfreiwillig ertragen muss. Spätestens der große Knall am Ende dieser Episode lässt keinen Zweifel mehr daran, dass Owens Lebensthema, im positiven wie im negativen Sinne, das der Familiengründung ist. Trotz der sich anbahnenden, ernsthaften Krise scheint aber auch hier noch nicht das letzte Wort gesprochen zu sein.
An anderer Stelle lockert Aprils (Sarah Drew) etwas unbeholfener Einstieg in das Datingleben die angespannte Stimmung der Episode erheblich auf - wenngleich diese Szenen beim Anblick des einsamen, Nacho-essenden Jackson (Jesse Williams einen bittersüßen Nachgeschmack erhalten.
Sometimes we need a little push
Dr. Eliza Minnick hat es: Sie ist intelligent, talentiert, freundlich und verfügt gleichzeitig über eine charmante Durchsetzungsfähigkeit - oder in ihren eigenen Worten ausgedrückt: „I am the authority.“ Kein Wunder also, dass es weder den Oberärzten und -ärztinnen noch dem derzeitigen Leiter des Ausbildungsprogramms sonderlich wohl bekommt, dass ihnen während der OPs auf die Finger geschaut wird. Wer dagegen profitiert, ist klar. So können die Assistenzärzte ihr Glück kaum fassen, endlich einmal aus der passiven Rolle des Zuschauenden heraustreten zu dürfen. Die Bedenken, um es vorsichtig zu formulieren, die die Oberärzte ob der neuen Strategie hegen, sind auf den ersten Blick verständlich - schließlich geht es buchstäblich um Leben und Tod.
Dass Minnick mit ihrem Konzept allerdings goldrichtig liegt, beweisen bereits die kleinen Momente des Erfolges, die sich in den OP-Sälen ereignen. So wächst nicht nur Andrew (Giacomo Gianniotti) über sich hinaus, auch Leah (Tessa Ferrer) und Steph können dazulernen. Während letztgenannte einen Push in Richtung Selbstvertrauen nur bedingt nötig hat, da sie Amelia bereits bei zahlreichen komplizierten Eingriffen assistieren durfte, gewinnen ihre Kolleg-/innen umso mehr. Dass übermäßige Sorge - sowohl berechtigterweise um das Wohl der Patient-/innen, als auch um die Auszubildenden selbst - auch zu Stagnation führen kann, ist im Grunde eine simple, aber in ihren Konsequenzen wirkungsvolle Einsicht.
Im Verhalten von Dr. Webber spiegelt sich der Prozess dieser Einsicht beispielhaft. Dem erwartungsgemäßen Widerstand folgt schließlich die Erkenntnis, dass es auch ihm, dem alteingesessenen Ausbilder und Chirurgen, nur zugutekommen kann, seine Fähigkeiten und Methoden immer wieder zu überprüfen und auf den neusten Stand zu bringen. Dieses Einlenken wäre indes zu harmonisch, um wahr zu sein.
Deshalb muss mit Dr. Minnick schließlich auch eine Einzelkämpferin eingeführt werden, die kein Interesse an einer Teamarbeit mit Dr. Webber zu haben scheint - ein Umstand, den Bailey natürlich in die größtmögliche Bedrängnis zwingt. Ob sie ihren über alles geschätzten Lehrer, Mentor und Wegbegleiter Webber zum Wohl der Assistenzärzte gegen Minnick eintauschen wird, ist dabei letzten Endes irrelevant. Vielmehr wird von Interesse sein, wie sie dieses Problem verhandelt und welche Konsequenzen sich daraus für ihr Verhältnis zu Dr. Webber ergeben werden.
Tinder oder Nachos
Während sich Amelia und Owen gefühlt einander die Köpfe einschlagen, amüsieren Aprils überraschende Ausflüge in das Onlinedatingleben. Mit diesen Szenen wird die Frage nach dem aktuellen Beziehungsstatus von April und Jackson also indirekt mit beantwortet - ein Paar sind sie momentan nicht, doch ein sehnsuchtsvoll-zweifelnder Blick hier, der verloren gegangene Appetit auf Nachos dort und auch an dieser Stelle ist beinahe absehbar, wohin uns dieser Umweg führen wird.
Dennoch sind es unterhaltsame Szenen, die der Episode Why Try to Change Me Now die Spannung nehmen: etwa Aprils Beichte, einen Notruf vorgettäuscht zu haben, um von ihrem grauenvollen - weil ungewohnten - Date zu fliehen, oder Jacksons kumpelhafte Überredungskünste, die April schließlich dazu bewegen, dem Ganzen doch noch eine zweite Chance zu geben.
Sicherlich ist bis zu diesem Punkt unklar, ob Jacksons halbwegs zerknirschte Blicke tatsächlich darauf hindeuten, dass es die beiden erneut mit einer Beziehung versuchen - vieles spricht allerdings dafür. Gleichzeitig wäre es nicht uninteressant, würden die Autor-/innen einmal weniger betretene Pfade beschreiten. Eine Elternschaft, die auf der Basis inniger Freundschaft und ohne romantische Beziehung funktioniert, gibt es in der Grey's Anatomy-Blase nur auf gedachter Linie: Callie lebt schließlich mittlerweile nicht mehr in Seattle.
Fazit
Schneller als erwartet kommt die Veränderung in Gestalt von Dr. Eliza Minnick nach Seattle - und mit ihr eine Reihe an erwartbaren Problemen und zwiespältigen Entscheidungen. Ob sich Bailey am Ende zwischen ihrem Mentor Dr. Webber und der progressiven Minnick wird entscheiden müssen, bleibt bislang noch relativ offen. Eine Konfrontation zwischen ihr und Webber wird dagegen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ausbleiben. Das Potential dieses Handlungsstrangs liegt indes an anderer Stelle. So könnten vernachlässigte Figuren wie Jo, aber auch die wieder zurückgekehrte Leah etwas an Relevanz gewinnen.
Die Konfrontation zwischen Amelia und Owen hinterlässt hingegen vor allem Ratlosigkeit. Gewiss wird sich Amelia irgendwann dazu überwinden können, ihrem Ehemann die Beweggründe ihrer Entscheidung zu erklären und sicherlich bleibt der Plot in Bezug auf Amelia konsequent und nachvollziehbar. Dass diese Entwicklung Owens Figur möglicherweise aber meilenweit zurückwerfen wird, darüber scheinen die Autor-/innen derzeit getrost hinwegzusehen.
Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „The Room Where It Happens“ (13x08):
Verfasser: Hannah Klein am Samstag, 5. November 2016Grey's Anatomy 13x07 Trailer
(Grey's Anatomy 13x07)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x07
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