Grey's Anatomy 13x06

Gerüchte über eine mögliche Rückkehr von Katherine Heigl als Izobel (Izzie) Stevens halten und hielten sich hartnäckig - und gerade aktuell scheint sich kaum ein passenderer Augenblick für diese vielerorts erwünschte Rückkehr anzubieten. Schließlich steht Alex (Justin Chambers) beruflich wie privat vor einem einigermaßen unübersichtlichen Scherbenhaufen, den er immerhin als solchen zu akzeptieren gelernt hat. Izzie Stevens könnte in dieser Hinsicht einiges aufwirbeln - es wäre, gerade für eine voraussichtlich letzte Staffel, ein runder und spannender Bogen.
Leider scheinen sich diese Gerüchte auch in dreizehnte Staffel nicht zu bestätigen, sodass wir uns wohl oder übel mit der deutlich kleineren Variante eines alles aufwirbelnden Sturmes begnügen müssen. Die Rückkehr Leah Murphys Tessa Ferrer kommt eher wie ein laues Lüftchen daher; ihre Rolle war schon vor dem Ausstieg in zehnte Staffel uninteressant und kaum relevant. Abseits der pikanten Affäre zwischen ihr und Arizona (Jessica Capshaw) war in dieser Hinsicht wenig zu holen - die Begeisterung hält sich nun also ebenfalls in Grenzen.
Im Kontext dieser Rückkehr wirft Vorstandschefin Catherine Avery (Debbie Allen) eine unangenehme, aber vielleicht doch berechtigte Frage auf: Weshalb hatten oder haben so viele Chirurg-/innen des Grey Sloan Memorial eine zweite Chance nötig, worin liegt die Ursache begründet? Die Erkundung derselben muss zwangsläufig zum Ursprung ihrer Ausbildung, also zum Lehrprogramm führen. Der nächste große Krach zwischen Webber (James Pickens, Jr.) und Ehefrau Catherine scheint also vorprogrammiert.
Anderorts muss sich auch Alex erneut beweisen und gerät dabei wieder einmal zwischen die Fronten. Die Patientengeschichte um Veronica (Brigid Brannagh) ist dabei bis auf ihr Ende so gelungen erzählt, dass der abrupte Cut doch sehr irritierte. Gleiches gilt in positiver Hinsicht für die Patientengeschichte um die Familie Reeves, die Amelias (Caterina Scorsone) Wunde immer deutlicher zutage treten lässt. Während Scorsone auch in Roar darstellerisch glänzt, bleibt für den Handlungsstrang um Jo (Camilla Luddington) nur Enttäuschung zurück: Selten wurde eine Figur durch „Vernachlässigung“ dermaßen an die Wand geschrieben.
Just death?
In der Warteschlange vor Gericht kommt Alex mit Veronica ins Gespräch, die sich später auf seine Empfehlung im Krankenhaus behandeln lässt. Im Grunde ist klar, dass auch diese Patientengeschichte letztlich nur der inneren Handlung dienlich ist, hintergründig also nicht für sich stehen darf - doch dieser Umstand fällt eigentlich nur dann negativ ins Gewicht, wenn die Erzählung auch auf ihrer Oberfläche nicht einnehmen kann. Das ist in Roar nicht der Fall. Neben Brigid Brannagh als Veronica überzeugt auch die in kürzester Zeit erzeugte Nähe zu den Figuren und ihrer Geschichte, die - vor allem aufgrund des Verzichts auf überbordende Emotionalität - zu berühren weiß. Schließlich sind die Umstände tragisch genug; der Kontrast zur demgegenüber rational-gefühlskalt wirkenden Behandlungsplanung seitens Bailey (Chandra Wilson) führt nur einmal mehr vor Augen, mit welchen emotionalen Belastungen die Chirurg-/innen tagtäglich konfrontiert sind. Vielleicht muss es nicht genau diese Patientengeschichte sein, aber ein Handlungsbogen, der länger als eine halbe Episode trägt, wäre zwischen all den Problemen der Hauptfiguren zweifellos eine willkommene Abwechslung.
In diesem Zusammenhang tut sich Alex nach einigen beängstigenden Auseinandersetzungen mit Bailey also erneut als der ausgezeichnete Chirurg und Arzt hervor, der er ist. Dass uns die Autor-/innen diese Tatsache seit nunmehr zwei, drei Episoden pausenlos vor Augen führen, kann nur bedeuten, dass es alsbald wieder steil bergab gehen wird. Zwar findet Bailey am Ende der Episode gegenüber Catherine zu ihrer Haltung zurück und macht sich für Alex stark. Die letzten Szenen in Merediths Bett, auf dem sich Alex fast wie ein Todgeweihter von seinem jetzigen Leben beinahe friedvoll und glücklich verabschiedet, zeichnen ein düsteres Bild. Dass der eigenen Intuition, was die Entwicklung der Figuren und der Handlungsstränge angeht, nicht definitiv zu trauen ist, belehrten uns zahlreiche Serientode und dergleichen. Zu einem Ausstieg von Justin Chambers wird es hoffentlich aber nicht kommen.
I should be you
Auch die Patientengeschichte um Families Reeves gewinnt in nur einer einzigen Szene nahezu markerschütternde Tiefe. So ist es gerade die offenkundige Alltäglichkeit der Ausgangssituation - ein Autounfall von Vater und Sohn - die am Ende vor Augen führt, wie fragil das Leben und das eigene Sicherheitsgefühl ist. Als der Sohn der Familie schließlich unvorhergesehen an einer Hirnblutung auf Amelias OP-Tisch stirbt, bricht die Mutter des Jungen zusammen - und mit ihr Amelia. Während sich Laura Reeves' (Laurel Garner) „It should be you!“ an den Vater und Ehemann richtete - eine Szene, die für sich genommen schon emotional aufwühlend ist - reißt jedes einzelne Wort Amelias seelische Verwundung ein weiteres Mal auf.
Im Rahmen dieser Review wurde Caterina Scorsones darstellerische Leistung nicht selten gelobt, und auch in Roar muss diese hervorgehoben werden. Mit der - zwar konsequenten - Abgebrühtheit und Ruhe, die Alex Amelia in diesen Szenen entgegenbringt, verpufft die emotionale Schlagkraft des Zusammenbruchs zwar nicht. An Intensität verliert sie allerdings spätestens bei Justin Chambers Dackelblick am Ende der Szene, der zumindest die Rezensentin immer wieder an (den großartigen!) Matt LeBlanc und seine Schauspieltipps erinnert.
Die Familienplanung von Owen (Kevin McKidd), der sich in dieser Episode dankenswerter Weise einigermaßen am sprichwörtlichen Riemen reißt, scheint mit der Offenbarung dieses Traumas derzeit unerfüllbar. Zu einer Aussprache wird es zwangsläufig kommen, doch bleibt in seinem Sinne zu hoffen, dass er dieses Mal besser weiß, wie mit der Situation - vor allem aber mit der Person, die er liebt - umzugehen ist.
Fazit
Die Episode Roar überzeugt vor allem aufgrund ihrer kurzweiligen Patientengeschichten, die, obgleich sie keinen autonomen Raum einnehmen dürfen, in nur wenigen Szenen eine emotionale Schlagkraft entwickeln. In diesem Zusammenhang spannt sich außerdem ein eleganter Bogen zu zukünftigen Handlungssträngen, wie etwa die eher ambivalenten Ausrichtung in Bezug auf Dr. Webber und Dr. Catherine Avery.
Das unheilvolle Sorgenkind ist nach wie vor Alex, dessen Wunsch nach gemeinsamen Waffelsonntagen nur allzu verdächtig an die Glückseligkeit vor Dereks Tod erinnert. Es bleibt zu hoffen, dass ihn die Autor-/innen nicht gegen die jüngst zurückkehrte Leah Murphy austauschen - eine Entscheidung, die sich bisher jeglicher Nachvollziehbarkeit entzieht.
Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Why Try to Change Me Now?“ (13x07):
Verfasser: Hannah Klein am Samstag, 29. Oktober 2016Grey's Anatomy 13x06 Trailer
(Grey's Anatomy 13x06)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?