Grey's Anatomy 11x13

Grey's Anatomy 11x13

Die Grey's Anatomy-Episode Staring at the End widmet sich der bevorstehenden Operation an Dr. Herman. Während Amelia der interessierten Ärztebelegschaft einen Vortrag über die Feinheiten des Eingriffs hält, erhält Arizona letzte Einweisungen von ihrer todkranken Mentorin.

Szenenfoto aus der „Grey's Anatomy“-Episode „Staring at the End“ / (c) ABC
Szenenfoto aus der „Grey's Anatomy“-Episode „Staring at the End“ / (c) ABC

Bereits in der vorangegangenen Episode The Great Pretender intensivierte sich sowohl das berufliche als auch das freundschaftliche Verhältnis zwischen Nicole Herman (Geena Davis) und Arizona (Jessica Capshaw). Sicherlich konnte diese Kombination auch bei den Zuschauern Sympathiepunkte sammeln. An die emotionale Intensität, die der Handlungsstrang um April und Jackson hervorrief, reichte sie bislang jedoch nicht heran. Umso bemerkenswerter ist es daher, dass es den Autoren in gerade einmal zwei Episoden gelingt, dieses Potenzial (annähernd) auszuschöpfen.

Mit Staring at the End wird die Spannung auf die bevorstehende Operation maßgeblich erhöht, darüber hinaus sind abermals traurig-komische, in einen durchaus sympathischen Sarkasmus abdriftende Szenen zwischen Dr. Herman und Arizona zu sehen. Ähnlich mitreißend gestaltet sich die Rahmenhandlung der Episode in Form eines Vortrags von Amelia, in der sie die Ärzte des Krankenhauses über die Feinheiten und Schwierigkeiten der Operation informiert. In diesem Zusammenhang erfreuen gleichermaßen die Einblicke in die medizinischen Fakten wie in Amelias (Caterina Scorsone) Gefühlsleben.

...put something interesting up there, like porn.

Harte Schale, (halbwegs) weicher Kern: Dieses Prinzip trifft auch auf Dr. Nicole Herman zu. Bereits in der letzten Episode amüsierte sie mit ihren zynischen Kommentaren. Trotzdem wurde in den Zwischentönen, in den kurzen Momenten der Ernsthaftigkeit zwischen ihr und Arizona, erkennbar, dass ihre scheinbar gleichgültige Haltung vor allem als Schutzschild vor ihrer eigenen Angst dient. So auch in Staring at the End: Als Arizona sie zur Bestrahlung begleitet, scherzt sie über die Dekoration an der Decke, die zur Ablenkung der Patienten dienen soll: „The least they could do is put something interesting up there like porn...“ („Wenigstens könnten sie da oben etwas Interessantes anbringen, zum Beispiel Pornos...“) Als man ihr die Schutzmaske für die Behandlung aufsetzt, greift sie jedoch in Panik nach Arizonas Hand.

An späterer Stelle wird abermals deutlich, worin Nicole Hermans Angst vor allem besteht: Es ist nicht notwendigerweise der Tod; vielmehr fürchtet sie den Kontrollverlust. Dazu zählt auch die Bestrahlung, der sie sich unterziehen muss. Als der Haarverlust einsetzt, verweigert sie konsequent die weitere Behandlung und bringt damit sowohl Amelia als auch Arizona an die Grenzen ihrer Geduld. Für beide ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie sich den unterstützenden und notwendigen Behandlungen entzieht.

Gleichzeitig kanalisiert die todkranke Chirurgin ihre Angst, indem sie Arizona bis aufs Äußerste fordert und fördert. Die Fälle, die sie sich bis zur großen Operation vorgenommen haben, werden in Staring at the End nach und nach abgearbeitet, bis sie schließlich an den (auch dramaturgisch höchsten) Punkt gelangen, an dem Dr. Herman Arizona ausnahmslos lobt - und Letztere aufgrund der Umstände eine schwierige Operation alleine bestreiten muss.

Entgegen Amelias Prognosen (von sechs bis acht Wochen) ist nämlich der Zeitpunkt bereits gekommen: Nicole bemerkt Veränderungen an ihrer Sehfähigkeit. Es ist also an der Zeit, zu operieren - oder, wie Dr. Herman sagt: „time to go“.

To the tumor, we are the cancer

Sowohl Fans des medizinischen Inputs der Serie als auch Fans der Figur von Amelia durften sich in Staring at the End freuen: Die gesamte Episode wird gerahmt und unterbrochen durch den schon fast theatralischen Vortrag der Hirnchirurgin über die einzigartige Operation. Untermalt von spannungsaufbauender Musik gelingt es dabei, selbst Laien auf dem Gebiet der Humanmedizin (die einen Großteil des Publikums dieser Serie ausmachen dürften) eine gewisse Faszination abzugewinnen. Auf mitreißende und ungewöhnliche Art und Weise bringt sie dem zunächst halbvollen Saal die Komplexität des Unterfangens näher.

Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang wohl vor allem ihr Blick auf den Tumor selbst: Sie fordert die anwesenden Ärzte auf, ihn als Fötus zu betrachten, als das Leben selbst, als ein organisches Wesen, für das das umliegende Gehirn der Krebs ist - nicht umgekehrt. Durch diese Sichtweise gelingt es ihr, den Tumor in seiner vollen Komplexität zu verstehen und letztlich (theoretisch) zu entfernen. Vielleicht ist es allein diesem selbstbewusst und mitreißend inszenierten (und mit wenigen medizinischen Fachbegriffen ausgestatteten) Vortrag zu verdanken - für einen kurzen Moment wunderte zumindest ich mich über die Genialität der Natur.

Daher ist es umso trauriger zu sehen, wie sehr Amelia schließlich an sich selbst zweifelt. Fast will man sie packen und schütteln und sie daran erinnern, dass sie bisher alles alleine geleistet hat - doch dem riesigen Schatten, den ihr Bruder vermeintlich auf sie wirft, scheint sie nicht entkommen zu können.

I'm the wrong Dr. Shepherd

Amelia steht unter unvorstellbar großem Druck. Sieben verschiedene Eingriffe in 18 Stunden, keine Garantie auf Erfolg, nicht einmal annähernd - kein Wunder, dass bei ihr die eine oder andere Sicherung durchbrennt. Ihre Versagensangst lässt sie dann sogar an Steph (Jerrika Hinton) aus, die allerdings überraschend selbstbewusst und direkt kontert: „Get it together, Dr. Shepherd.“ („Sammeln Sie sich, Dr. Shepherd.“)

Amelias Selbstzweifel werden allerdings nicht „nur“ durch die hohe Belastung und den Erfolgsdruck bezüglich der OP generiert. Vielmehr gelingt es ihr nicht, an sich selbst als talentierte Chirurgin zu glauben, die es schafft, aus dem Schatten ihres Bruders Derek hervorzutreten. Ihr beinahe herzzerbrechender Monolog im Beisein von Owen (Kevin McKidd) lässt daher Derek noch weniger vermissen als ohnehin schon. Schließlich hat er neben seinem (verdienten) Erfolg durchaus bewusst dazu beigetragen, dass Amelia nun selbst glaubt, sie könne ihm niemals das Wasser reichen: „I will discover that I'm not just the other Dr. Shepherd. I'm the wrong Dr. Shepherd.“ („Ich werde feststellen, dass ich nicht nur die andere Dr. Shepherd bin. Ich bin die falsche Dr. Shepherd.“) Angesichts der Tatsache, dass auch Meredith (Ellen Pompeo) unter den Auswirkungen des großen Egos ihres Mannes leidet, dürfen die Autoren der Serie den Guten gerne noch ein Weilchen dem Projekt des Präsidenten überlassen.

Den Höhepunkt der Spannung beschreibt schließlich der Moment, indem Amelia halb um Fassung ringend, halb in Schock vor den Scans von Dr. Herman steht. Der Zeitpunkt der Operation ist gekommen, und während sich Arizona von Nicole verabschiedet, hat diese wohl schon die Hoffnung aufgegeben. So steht nicht nur ein Leben auf dem Spiel, sondern auch das zerbrechliche Selbstbewusstsein und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten von Amelia Shepherd.

Fazit

Im Zentrum der Episode Staring at the End stehen nahezu ausschließlich die Wochen vor der großen Operation an Dr. Herman. Dabei werden einerseits nähere Einblicke in den Charakter der todkranken Chirurgin gewährt, andererseits bildet Amelias Vortrag über den Eingriff die Rahmenhandlung.

In beiden Fällen gelingt es, die Spannung auf die lebensnotwendige Operation kontinuierlich zu erhöhen. Durch das sich weiter intensivierende Verhältnis zwischen Arizona und Nicole wird ein möglicher (wenn nicht gar wahrscheinlicher) Abschied der Figur erschwert - so wird man nicht zuletzt ihren zynischen Humor vermissen. Arizona glückt es dabei, sich entschieden weiter zu entwickeln, sodass sogar ihre Mentorin nur noch Lob für sie übrig hat.

Ebenso positiv zu bewerten waren die Einblicke in den „medizinischen“ Teil der Operation. Der mitreißend inszenierte Vortrag von Amelia dürfte viele dafür entschädigt haben, dass eines in dieser Staffel oftmals fehlte: tatsächlich interessante und relevante Fälle, die für sich stehen. Darüber hinaus bleibt zu hoffen, dass es Amelia gelingt, ihre Selbstzweifel abzulegen.

Videovorschaut auf die Episode The Distance:

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 27. Februar 2015

Grey's Anatomy 11x13 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 13
(Grey's Anatomy 11x13)
Deutscher Titel der Episode
Das Ende vor Augen
Titel der Episode im Original
Staring at the End
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 26. Februar 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 12. September 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 24. August 2015
Autor
Stacy McKee
Regisseur
Mark Jackson

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x13

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