Grey's Anatomy 11x11

Grey's Anatomy 11x11

In All I Could Do Was Cry fließen nicht nur unaufhaltsam die Tränen. Es werden außerdem große, (religionskritische) Fragen aufgeworfen. Angesichts der Testergebnisse droht April, ihr Vertrauen in Gott zu verlieren. Um Glauben geht es gewissermaßen auch bei Amelia.

Owen und Amelia in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Owen und Amelia in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Wer glaubte, Sarah Drew hätte sich schon in den vorangegangenen Episoden selbst übertroffen, wird in All I Could Do Was Cry eines Besseren belehrt. So gelingt es ihr nicht nur, Aprils herzzerreißende Verzweiflung angesichts der Tatsache, dass ihr Kind nicht überleben wird, zu vermitteln - ihr mitreißender schauspielerischer Ausdruck rettet sogar die eine oder andere allzu pathetisch aufgeladene Szene.

An dramatischen Momenten wird in dieser Episode nämlich nicht gespart, im Gegenteil. Doch auch, wenn Grey's Anatomy selbstverständlich von aufwühlenden bis katastrophalen Handlungssträngen lebt - manchmal ist weniger dann doch mehr. Neben den tragischen Entwicklungen zwischen April und Jackson (Jesse Williams) wird der Zuschauer mit zwei weiteren Patientengeschichten konfrontiert, denen es an emotional-nervenaufreibendem Gehalt ebenso wenig mangelt.

Darunter leiden unglücklicherweise die Handlungsbögen um die restlichen Ärzte, so dass diese eher in den Hintergrund gedrängt werden. Sowohl das Wiedersehen zwischen Richard Webber (James Pickens Jr.) und Catherine Avery (Debbie Allen) als auch die zarten Bande, die zwischen Maggie und Meredith geknüpft werden, hätten mehr Raum und Aufmerksamkeit verdient.

We are sorry for your loss

Es kommt, wie es kommen musste: Zu Beginn von „All I Could Do Was Cry“ überbringt Dr. Herman (Geena Davis) April und Jackson die traurigen Testergebnisse. Da ihr Baby an Typ 2 der unheilbaren Krankheit leidet, hat es keine Chance auf ein Überleben. April wird nun unter anderem von Catherine Avery, die zur Unterstützung nach Seattle fliegt, nahegelegt, die Geburt vorzeitig einzuleiten - um die letzten Stunden mit ihrem Sohn im Arm zu verbringen.

Im Folgenden müssen die Zuschauer nun April bei ihren inneren Kämpfen begleiten, die sie mit sich austrägt. Im Grunde steht dabei eine der bekanntesten religionskritischen Fragen im Zentrum: die Theodizee. Als überzeugte und tiefgläubige Christin stellt sich also auch April die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes und der Rechtfertigung des Leides, das sie und Jackson erfahren müssen. Aus dem Off wird zudem stellenweise Aprils Reflexion über das eigene Arztdasein - und somit als Überbringer schlechter Nachrichten - eingespielt. „We are sorry for your loss“: Durch diese eher leere Phrase gewinnen die Ärzte Distanz zu dem Leid ihrer Patienten.

Doch jetzt ist April selbst die Patientin und scheint sogar ihren größten Halt, den Glauben an Gott, zu verlieren. Zunächst versucht sie jedoch, die Realität zu verdrängen, indem sie Jackson gegenüber die Hoffnung auf ein Wunder äußert. Als sie erkennt, dass ihr Kind zweifellos sterben wird, gerät ihr gesamtes Weltbild ins Wanken.

An dieser Stelle kann interessanterweise bemerkt werden, dass hier, im Gegensatz zur vorangegangen Episode, nicht völlig neutral erzählt wird. April findet wieder zu ihrem Glauben und selbst Jackson, der nicht an Gott, sondern an die Medizin glaubt, zieht es in die Krankenhauskapelle. Dieser Umstand wäre nicht weiter bemerkenswert, würde es an späterer Stelle nicht so dargestellt werden, als dass Jacksons Stoßgebete (er bittet Gott, dass April wieder zu ihm findet) Wirkung gezeigt hätten. „Dank“ einer verzweifelten jungen Frau, der April Trost spendet und der sie versichert, dass sie ihre Trauer überleben und überwinden wird, findet sie auch selbst zu ihrer Stärke zurück.

Sicher, die beiden müssen genug ertragen - und auch die Szene, in der das Baby in Aprils Armen stirbt, dürfte so manchen Zuschauer zu Tränen gerührt haben. Dennoch stört es ein wenig, dass hier Aprils Glaube und Religion an sich nur scheinbar zur Diskussion gestellt werden. Es wäre sicherlich nicht uninteressant gewesen, würde April tatsächlich in eine Art „Glaubenskrise“ fallen.

April und Jackson in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
April und Jackson in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC

Keep looking for light in the darkest places

Gegenargumente für das zuvor Kritisierte könnten allerdings die Szenen um Amelia (Caterina Scorsone) liefern. Denn auch bei ihr geht es gewissermaßen um Glauben, Hoffnung und Vertrauen - allerdings weitaus weniger religiös motiviert als bei April. Angesichts der höchst komplizierten, schier unmöglichen Operation, die ihr mit Dr. Herman bevorsteht, arbeitet sie nahezu verbissen an der Verbesserung ihrer Fähigkeiten. Ein blinder Patient mit einem Hirntumor stellt sich dabei als annähernd ähnlich hoffnungsloser Fall heraus.

Stephanie (Jerrika Hinton), die Amelia assistiert, unterstellt ihrer Mentorin bei der Operation dann später, an dem Patienten lediglich zu „üben“ - nicht wissend, dass Amelia ihr anhand des Falles eine Art Lektion erteilen will, was sie dann aber später nachholt: „And if you can't do it, if you aren't willing to keep looking for light in the darkest of places without stopping, even when it seems impossible, you will never succeed.“ („Und wenn du das nicht kannst, wenn du nicht den Willen hast, selbst an den dunkelsten Orten nach Licht zu suchen ohne aufzugeben, sogar dann, wenn es unmöglich erscheint, wirst du es auch niemals schaffen.“)

Die Operation gelingt, der Patient kann wieder sehen - somit gelingt es Amelia erstmals, sich als ebenso brillante, willensstarke und mutige Chirurgin wie ihr Bruder Derek zu beweisen (den man übrigens auch in dieser Episode nicht sonderlich vermisst).

Als Amelia gemeinsam mit Owen am Ende der Episode in der Krankenhauskapelle sitzt und ihm von ihrem ebenfalls verstorbenen Baby erzählt, könnte man allerdings wiederum annehmen, dass auch sie ihren Halt in der Religion findet. Dennoch wird ihre Motivation etwas vielschichtiger dargestellt. Sie scheint vor allem aus ihren eigenen Lebens- und Leidenserfahrungen die innere Kraft geschöpft zu haben, die ihr Handeln bestimmt. Für alle Fans der Figur gab es darüber hinaus aber noch einen Grund zur Freude: Owen (Kevin McKidd) und Amelia kommen sich deutlich näher.

Sex Emergency

Am Rande dieser emotionalen Momente spielen sich aber auch etwas leicht verdaulichere Szenen ab. Das Wiedersehen zwischen Richard Webber und Catherine Avery, die sich seit ihrer Fastverlobung nicht mehr gesehen haben, beginnt zwar erwartungsgemäß unterkühlt - endet aber mit der Versöhnung der beiden. Zur Erinnerung: Dr. Webber, enttäuscht über das Verhalten von Catherine bei der Auswahl des Siegers des Harper-Avery-Awards, brach den Kontakt zuletzt vollends ab.

Konnte Catherine in Bezug auf April noch durch Einfühlsamkeit Sympathiepunkte sammeln, so nervt ihr eingeschnapptes Verhalten gegenüber Richard allerdings doch sehr - zumal sie die letzte ist, die dazu einen Grund hätte. Am Ende der Episode jedenfalls versöhnen sich die beiden wieder, da Jacksons Mutter bei Richard Halt sucht, um den Tod ihres Enkelkindes zu verarbeiten.

Ein wenig amüsanter, wenn auch belangloser, gestaltet sich Merediths (Ellen Pompeo) Suche nach einer Vertretung sowie einem Babysitter für das Wochenende. Nach einem peinlich-lustigen Wortwechsel zwischen Dr. Webber und Meredith (sie erzählt ihm, es gehe um einen „Sexnotfall“ in D.C.) findet sich in Maggie jedoch anscheinend die perfekte Babysitterin - die kochen und backen kann und Kinder über alles liebt. Schade, dass man bisher - abgesehen von dem Dr.-Webber-Maggie-Drama - wenig von der neuen Figur zu sehen bekommen hat. Gerade in der Interaktion mit Meredith, aber auch sonst, wirkt sie alles andere als uninteressant.

Fazit

Im Zentrum der Handlung von All I Could Do Was Cry stehen die traurigen Entwicklungen um Jacksons und Aprils Baby. Dabei werden vor allem in Bezug auf April ansatzweise religionskritische Fragen aufgeworfen, allen voran die nach der Gerechtigkeit (und damit der Existenz) Gottes im Angesicht von unerträglichem Leid. Sarah Drews hervorragende schauspielerische Leistung tröstet zumindest ein wenig über die eine oder andere allzu pathetische Szene hinweg sowie über den Umstand, dass hier Religion oder Glaube nur scheinbar zur Diskussion gestellt werden.

Mit anderer Schwerpunktsetzung geht es auch bei Amelia um Glauben und Vertrauen. Ihre Entwicklung zur risikobereiten, mutigen und entschlossenen Chirurgin hätte gerne noch mehr Platz eingeräumt werden können. So hätte durchaus auf die zweite Patientengeschichte verzichtet werden dürfen - beispielsweise zugunsten der sich anbahnenden Gefühle zwischen Amelia und Owen.

Aufgelockert wird die Episode durch den einen oder anderen amüsanten Wortwechsel, zum Beispiel zwischen Dr. Webber und Meredith. Insgesamt erscheinen die einzelnen Handlungsstränge jedoch zu weitläufig für eine Episode, so dass auch die Szenen um Maggie und Meredith mehr in den Hintergrund geraten als notwendig.

Promo zur Episode „The Great Pretender“ (11x12) der US-Serie „Grey's Anatomy“:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 13. Februar 2015

Grey's Anatomy 11x11 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 11
(Grey's Anatomy 11x11)
Deutscher Titel der Episode
Höllenqualen
Titel der Episode im Original
All I Could Do Was Cry
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 12. Februar 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 17. Juni 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 30. März 2015
Autor
Elizabeth Klaviter
Regisseur
Ron Underwood

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x11

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