Grey's Anatomy 11x10

Grey's Anatomy 11x10

In The Bed's Too Big without You gelingt der Wechsel zwischen emotional mitreißenden und amüsanten Momenten auf bemerkenswerte Weise. Neben der spannenden Patientengeschichte überzeugt Sarah Drews Schauspiel weiterhin, ebenso wie der Handlungsstrang um Dr. Herman, Arizona und Amelia.

Der 3D-Drucker kommt in „Grey's Anatomy“ zum Einsatz. / (c) ABC / Foto: Ron Tom
Der 3D-Drucker kommt in „Grey's Anatomy“ zum Einsatz. / (c) ABC / Foto: Ron Tom

Während die vorangegangene Episode vor allem Merediths (Ellen Pompeo) und Dereks Ehekrise in das Zentrum der Aufmerksamkeit stellte, wird sie in The Bed's Too Big Without You nun geschickt mit all den anderen Dramen und Handlungssträngen verwoben. So wird die ohnehin schon aufwühlende Situation von April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) zusätzlich durch einen Sidekick (in Form von Aprils tiefgläubiger Mutter, hier wieder großartig nervtötend: Connie Ray) verkompliziert.

Ob es in dieser Hinsicht Grund zur Hoffnung gibt, entscheiden die Testergebnisse, die Arizona (Jessica Capshaw) und Dr. Herman (Geena Davis) auswerten. „The big gun“, also Dr. Herman, hat ihrerseits jedoch bekannterweise ebenso lebensbedrohliche Probleme. Während dieser Handlungsbogen in den vorangegangen Episoden eher durch Vorhersehbarkeit denn durch Spannung oder emotionale Tiefe glänzte, gelingt es mit Amelia (Caterina Scorsone), einen Ausgleich zu finden.

Ein wahnsinnig schnell wachsender Tumor bietet hingegen Meredith die Chance, ihre Fähigkeiten als brillante Chirurgin unter Beweis zu stellen. Die Patientengeschichte, in der es zwar vielmehr um die zu behandelnde Krankheit als um die Patientin geht, überzeugt darüber hinaus aber auch endlich einmal wieder durch den Spannungsaufbau vor und während der Operation. Die stimmige Harmonie zwischen Meredith, Bailey (Chandra Wilson) und Maggie (Kelly McCreary) tut da ihr Übriges. Als einziger Wermutstropfen dürften wohl die Szenen mit Callie (Sara Ramirez) und Owen (Kevin McKidd) betrachtet werden. Selbst die durchaus vorhandene Harmonie zwischen den beiden kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Entwicklung der Figuren momentan im Stillstand befindet.

This is between April and her god

Vermutlich ist es vor allem Sarah Drews eindringlicher und mitreißender Darstellung zu verdanken: Während anfangs eher genervtes Unverständnis ob der erneuten April-Jackson-Krise vorherrschte, gelingt es zunehmend, dem Handlungsstrang die nötige emotionale Tiefe zu verleihen. So schafft es Drew auf bemerkenswerte Weise, der Vielschichtigkeit ihrer Figur Ausdruck zu verleihen. Aprils Zerbrechlichkeit bei gleichzeitiger Willensstärke fließt auch in dieser Episode ineinander über.

Ist es Typ 2 oder Typ 3? Ist ersteres der Fall, wird sich die (vermutlich) maximale Chance auf Leben auf etwa 18 Monate beschränken. Ist es Typ 3, könnten weitere Operationen dem Kind mehr Zeit verschaffen. Während Arizona die notwendige Untersuchung zur Beantwortung dieser Frage vornimmt, stellt sich für April und Jackson allerdings eine Frage, die für viele Paare wohl eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden würde. April will das Kind, egal was die Testergebnisse aussagen, auf die Welt bringen - und weigert sich vehement, mit Jackson über die „Was wäre, wenn... (es Typ 2 ist)“-Möglichkeit zu sprechen. Für ihn käme ein Abbruch der Schwangerschaft infrage; er argumentiert mit dem Leiden, das dem Kind erspart bliebe.

Aprils Optimismus enttarnt sich jedoch relativ schnell als Schutzschild gegen die eigene Angst vor dem Unvorstellbaren. Als dann aber auch noch ihre tiefgläubige Mutter auftaucht, um mit April Trost und Hoffnung in der Kirche zu finden, eskaliert die Situation kurz darauf vollends. Die Unvereinbarkeit zwischen Jacksons Glauben an die Medizin und Mrs. Kepners (und ein wenig ausgeglichener: Aprils) Glauben an Gott führt zu einem handfesten Streit. Aprils herzzerbrechend-verzweifeltes „Can you both please just shut up?“ („Könnt ihr beide bitte einfach den Mund halten?“) zeigt dann schließlich, wie sehr sie wirklich hin- und hergerissen ist. Maximaler Spannungsaufbau in Form eines Cliffhangers par excellence dann am Ende der Episode: Die beiden warten bangend mit Arizona auf the big gun aka Dr. Herman, die die Testergebnisse des gemeinsamen Kindes bereithält.

Neben der auch in diesen Szenen exzellenten schauspielerischen Leistung ist außerdem erwähnenswert, dass hier wieder einmal ethische Fragen aufgeworfen werden, bei denen jedoch nicht eindeutig Stellung bezogen wird. Vielmehr gelingt es, für beide „Parteien“ Verständnis aufzubringen; selbst aus einem nichtreligiösen Blickwinkel heraus. Dies gilt allerdings mehr der Gefühls- und Überzeugungswelt von April als der ihrer Mutter. Die religiöse Ansichten von Mrs. Kepner erscheinen dann doch eher eine Spur zu befremdlich, wohingegen es in Bezug auf Aprils Charakter und Weltsicht nachvollziehbar bleibt, dass sie Halt in ihrem Glauben sucht.

Maybe I could print a Derek

Anlass zum Lob bietet neben der April-Jackson-Storyline auch die um die Tumorpatientin beziehungsweise um Meredith, Bailey und Maggie. Abgesehen davon, dass es erfreulich war, sowohl Maggie als auch Bailey noch einmal in anderen Zusammenhängen zu sehen, gelang es den Autoren endlich wieder, dem medizinischen Inhalt Gewicht, Relevanz und Spannung zu verleihen. Anders als in sämtlichen Episoden zuvor, handelt es sich bei der Geschichte um den schnell wachsenden Tumor nicht nur um Füllerszenen, die lediglich zur Illustration der persönlichen Probleme der Ärzte dienen. Gleichzeitig kann er aber als Metapher für die sich breitmachende Einsamkeit in Merediths (und auch Maggies, Owens und Amelias) Leben betrachtet werden - Dereks Fortgang nach D.C. hinterlässt eine große Lücke in ihrem Leben.

Bild aus der Episode %26bdquo;The Bed%26#039;s Too Big without You%26ldquo; der Serie %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC / Foto: Ron Tom
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Die Entfernung des Tumors jedenfalls gestaltet sich als höchst kompliziert, da sich die Ärztinnen aufgrund der unzureichenden Scans kein exaktes Bild davon machen können. Doch - tadaaa! Endlich kommt der 3D-Drucker zum Einsatz, der Meredith in ihrer Forschung bis dahin nur wenig weiterbrachte. Neben den Zeitrafferszenen, dem amüsanten Geplänkel zwischen Steph (Jerrika Hinton) und Jo (Camilla Luddington) wurde auch die OP an sich gelungen inszeniert. Mehr davon!

In den zehn Stunden, in denen sie mit Maggie, Bailey und zeitweise Amelia auf das Tumormodell wartet, ergibt sich ein ungewohnt offenes Gespräch (und eine ebenso ungewohnt lange Szene) zwischen den Ärztinnen. Trotz des „ernsten“ Themas - zusammengefasst: Einsamkeit - amüsieren alle vier mit selbstironischen Kommentaren zu ihren jeweiligen Befindlichkeiten. Neben Merediths „Maybe I could print a Derek. Just for sleeping.“ („Vielleicht könnte ich einen Derek drucken. Nur zum Einschlafen.“) sammelte vor allem Maggie mit ihrer Geschichte Sympathiepunkte. Dabei erinnert sie unweigerlich an die dark twisted Meredith von früher und das merkt diese dann auch selbst: Als die beiden am Ende per FaceTime telefonieren und Meredith statt eines ausgedruckten Dereks den ausgedruckten Tumor neben sich liegen hat (auch eine Metapher?), scheint die Chemie zwischen den Halbschwestern durchaus zu stimmen.

Well, you certainly are confident. Or delusional.

Etwas mehr am Rande nimmt der Handlungsstrang um Dr. Herman, Arizona und Amelia seinen Lauf. Dennoch scheint es auch in diesem Zusammenhang Lichtblicke zu geben. Allein der Anblick einer Amelia, die in Konfrontation mit den knallharten und zynischen Kommentaren von Dr. Herman sprachlos erscheint, amüsiert sehr. Einmal in das potentielle Rettungsboot eingestiegen, erwartet Arizonas Mentorin von jeder Beteiligten absolute Höchstleistung.

So erhält Arizona eine Art Crashkurs in medizinischen Sonderfällen und Amelia wird aufgezeigt, was auf dem Spiel steht: „These are the ones that I could safe, if I had time. You should just think of them as babys who will die, if it turns out that you're full of crap and can't take off my tumor.“ („Das sind diejenigen, die ich retten könnte, wenn ich mehr Zeit hätte. Betrachte sie als die Babys, die sterben werden, falls sich herausstellt, dass du unfähig bist und meinen Tumor nicht entfernen kannst.“) Rückhalt und Ermutigung erhält sie dann aber später von Dr. Webber (James Pickens Jr.), so dass sich Amelia weiter in die Arbeit stürzt.

Fazit

The Bed's Too Big Without You überzeugt über weite Strecken durch emotional packende sowie amüsante Momente und Handlungsstränge. Dabei können selbst die als bislang eher negativ bewerteten Entwicklungen an Tiefe und Relevanz gewinnen; so zum Beispiel der Bogen um Dr. Herman, Arizona und Amelia.

Besonders schön zu sehen war allerdings eine Patientengeschichte, die nicht ausschließlich zur Untermalung persönlicher Dramen diente. Stattdessen wurden die Gespräche der Ärztinnen über Einsamkeit und das „Sich-verlassen-Fühlen“ subtiler eingebaut, ohne in direkt offensichtlicher Beziehung zu der Operation/der Patientengeschichte zu stehen.

Nach wie vor großartig und mitreißend spielte Sarah Drew als April. Der Cliffhanger am Ende der Episode tat sein Übriges, um die Spannung auf die kommende Episode zu erhöhen.

Promo zur Episode „All I Could Do Was Cry“ (11x11) der US-Serie „Grey's Anatomy“:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 6. Februar 2015

Grey's Anatomy 11x10 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 10
(Grey's Anatomy 11x10)
Deutscher Titel der Episode
Der letzte Einsiedler
Titel der Episode im Original
The Bed's Too Big Without You
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. Februar 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 17. Juni 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 23. März 2015
Autor
Tia Napolitano
Regisseur
Chandra Wilson

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x10

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