Grey's Anatomy 11x07

Can We Start Again; Please? schließt fast unmittelbar an die vorangegangene Episode an; die Ereignisse setzen einen Tag nach dem verpatzten Dinner für Maggie (Kelly McCreary) und Dr. Webber (James Pickens, Jr.) ein. Arizona (Jessica Capshaw) steht somit noch immer vor der Entscheidung, ob sie das Angebot ihrer todkranken Oberärztin Dr. Herman (Geena Davis) annimmt, oder dem Vorstand von der Situation berichtet. Während diese sich einer Bestrahlungstherapie unterziehen muss, kämpft Arizona ohne Hilfe um das Leben einer schwangeren Patientin.
Auch die Zeichen für die neu aufgeflammte Leidenschaft zwischen Derek (Patrick Dempsey) und Meredith (Ellen Pompeo) scheinen nicht gut zu stehen: Durch die Angehörige zweier Patienten erfährt das gesamte Krankenhaus von Amelias (Caterina Scorsone) Vergangenheit als Drogenabhängige. Dereks Verhalten in Bezug auf seine Schwester verletzt dabei Amelia tief, und auch Meredith scheint ihren Mann nicht mehr zu verstehen.
I thought I get away from it...
Auch in dieser Episode spielt die zentrale Patientengeschichte eine Nebenrolle, da sie lediglich als Ausgangspunkt für die Offenbarung von Amelias Vergangenheit dient. Die Geschichte um das alte Ehepaar, das wegen eines Brandes in ihrer Wohnung aus dem Fenster springen musste, konnte trotzdem in einigen kurzen Szenen berühren.
Als die Tochter der beiden jedoch im Krankenhaus erfährt, dass Amelia die behandelnde Ärztin ist, kommt es zur Aufdeckung von Amelias Vergangenheit. Zufälligerweise kennt Sarah (Jessica Gardner) Amelia aus der Selbsthilfegruppe für Drogenabhängige und verlangt daraufhin lautstark (und fast hysterisch) nach einer anderen Ärztin. Wie die Zuschauer des Grey's Anatomy-Spin-Offs Private Practice wissen dürften, wurde nämlich auch Amelia nicht von zahlreichen dramatischen Erlebnissen verschont. Dank Sarah weiß nun das gesamte Krankenhaus um ihr schlimmstes Erlebnis: Ihr damaliger Verlobter starb neben ihr nach gemeinsamen Drogenkonsum an einer Überdosis.
Schon in den Szenen, in denen Amelia sichtlich gequält und schockiert den Spießrutenlauf durch das Krankenhaus über sich ergehen lassen muss, leidet man förmlich mit ihr mit. Dies ist vor allem und nicht zuletzt Caterina Scorsones ausdrucksstarken schauspielerischen Leistung zu verdanken, und auch die nachfolgenden Szenen zwischen ihr und Derek beziehungsweise Patrick Dempsey können sicherlich als die stärksten der Episode betrachtet werden.
Am Tiefpunkt
Der Bogen von Amelias Vergangenheit zu Dereks gegenwärtigem Verhalten wurde in dieser Episode erfreulich gut geschlagen. Inhaltlich wichtig, stilistisch jedoch leider ein wenig over the top waren dabei die Rückblenden zu den traumatischen Kindheitserlebnissen von Derek und Amelia. Beide wurden Zeuge des Raubüberfalls auf den gemeinsamen Vater; eine Wunde, die bei beiden tiefe Spuren und bei Derek ein starkes Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Schwester hinterlassen hat. Doch Derek befindet sich momentan offenbar in einer Art Lebenskrise, die dazu führt, dass er völlig das Gefühl für sich und seine Mitmenschen verloren hat.

Zurecht ist Amelia dann auch mehr als wütend und enttäuscht über Dereks Verhalten. Er unterlässt es, Amelia bei Owen (Kevin McKidd) zu verteidigen, sodass sich der Chefarzt gezwungen sieht, ein Vorstandstreffen einzuberufen (um zu klären, ob Amelia weiterhin Chefin der Hirnchirurgie bleiben sollte). Dort schockiert Derek vor allem Meredith - der kurze Ehefrieden dürfte somit wieder beendet sein. Denn Amelia lag mit ihrer Einschätzung richtig: „And more importantly, I should've protected her. I didn't. And I didn't because I wanted the job. I wanted my old job back.“ („Und vor allem hätte ich sie beschützen müssen. Das habe ich nicht. Ich habe es nicht getan, weil ich den Job wollte. Ich wollte meinen alten Job wieder haben.) Zwar beweist Dereks Eingeständnis Größe, doch gleichzeitig wird ihm damit bewusst, dass er nicht mehr er selbst zu sein scheint. In den letzten Szenen der Episode öffnet er sich dann auch unter Tränen vor Amelia. „I don't know who I am anymore. I tried to make the right choices for Meredith, the kids, you. And I'm...angry all the time. I'm miserable and I don't know what to do with it. All i do is hurt people.“ („Ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Ich habe versucht, die richtigen Entscheidungen zu treffen, für Meredith, die Kinder, für dich. Und... ich bin wütend, die ganze Zeit. Ich bin unglücklich und ich weiß nicht, was ich tun soll. Alles, was ich tue, ist den Leuten wehzutun.“)
Abgesehen davon, dass einem anhand von Dempseys Gesicht plötzlich auffällt, dass der Mann (und die Serie) mittlerweile sichtlich gealtert ist, war diese Szene die wohl mit Abstand emotionalste der Episode. Amelias knallharte Reaktion („We call it the bottom-rock.“/ „Das nennt man Tiefpunkt.“) setzt dem ganzen nur noch das sprichwörtliche Sahnehäubchen auf. Egal, wie man Dereks Verhalten, seine Krise und deren Gründe bewerten mag - dank seiner Offenbarung darf man auf interessantere Entwicklungen hoffen, als bisher gedacht.
I'm getting a migrane. You're not helping.
Für Arizona spitzt sich die Situation mit Dr. Herman weiterhin zu: Während die todkranke Ärztin unauffindbar ist, muss Arizona eine ihrer schwangeren Patientinnen operieren. Völlig außer sich vor Wut hinterlässt sie Dr. Herman mehrere Nachrichten; kurz vor der OP dann samt der Entscheidung, dem Vorstand von der Situation zu berichten. Als sie das Baby schließlich retten kann, die Mutter allerdings verstirbt, will sie ihrem Ärger zunächst Luft machen. Selbst als Dr. Herman dem Vater und Ehemann einfühlsam mitteilt, dass Arizona alles getan habe, was nur möglich war, und dass die von Dr. Hermann geplante OP zum Tod beider geführt hätte, ist Arizona noch nicht zu besänftigen. Doch als Dr. Herman für einen Moment ihre strenge, distanzierte Haltung ablegt und Arizona erstmals so etwas wie Wertschätzung und Vertrauen in ihre Fähigkeiten spüren lässt, entscheidet sich Arizona um. Die anfänglichen Zweifel in Bezug auf den Handlungsstrang um Arizona und Dr. Herman konnten insofern ein wenig aufgelöst werden, als dass erstmals ersichtlich wird, welches Potenzial der Gaststar Geena Davis mit sich bringt. Die Interaktion zwischen ihr und Jessica Capshaw funktioniert bislang durchaus gut; trotzdem wäre eine Erweiterung auf andere Charaktere wünschenswert.
Fazit
In Can We Start Again; Please? stehen vor allem die Auswirkungen des gelüfteten Geheimnisses um Amelias Vergangenheit im Mittelpunkt des Geschehens. Dabei gelingt es, einen Bogen zur Ehekrise von Meredith und Derek zu schlagen. Die scheint allem Anschein nach nämlich eng verknüpft zu sein mit Dereks persönlicher Krise, wie er gegenüber Amelia zugibt. Daher darf an dieser Stelle zur Abwechslung auch noch einmal Lob ausgesprochen werden: Sowohl für die inhaltliche Verknüpfung und den interessanten Ausblick, den eine McDreamy-Krise bietet, als auch für die schauspielerische Leistung von Caterina Scorsone und Patrick Dempsey.
Weiterhin wird auch endlich in Bezug auf den Handlungsstrang um Arizona und Dr. Herman ersichtlich, wo dort die Potenziale zu finden sind. Die beiden Schauspielerinnen scheinen gut zu harmonieren, außerdem wird in dieser Episode ein breiteres Spektrum an Ausdruck von Geena Davis gezeigt - bislang beschränkte man sich auf die distanzierte, wortkarge Seite der Rolle. Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn auch weitere Charaktere der Serie mit ihr interagieren würden.
Grey's Anatomy: Promo zur Episode 11x08: Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 14. November 2014Grey's Anatomy 11x07 Trailer
(Grey's Anatomy 11x07)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x07
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