Grey's Anatomy 11x08

Grey's Anatomy 11x08

Im Mid-Season-Finale von Grey's Anatomy ist der Streit um die Behandlung einer Patientin Auslöser für die bislang heftigste Auseinandersetzung zwischen Meredith und Derek. Derweil macht Stephanie eine beunruhigende Beobachtung auf den Ultraschallbildern von Aprils Baby.

Bild aus der Episode „Risk“ der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Bild aus der Episode „Risk“ der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Schon in der vorangegangenen Episode Can We Start Again; Please? nahm die emotionale Spannung deutlich zu, vor allem in Bezug auf die Situation zwischen Derek (Patrick Dempsey) und Meredith (Ellen Pompeo). So werden die Zuschauer auch in diesem Winterfinale mit einem Cliffhanger zurückgelassen, der naturgemäß einige Fragen aufwirft. Ausgelöst durch einen Streit um die richtige Vorgehensweise bei einem komplizierten Patientenfall wird der brüchige Ehefrieden von Meredith und Derek erneut auf die Probe gestellt.

Zu allem Überfluss taucht der Fluchtweg dann auch noch in Gestalt des Special Assistant des Präsidenten auf: Deborah Curzon (Kimberly Hébert Gregory) will Derek erneut von der Brain Map Initiative und einem Umzug nach Washington, D.C. überzeugen. Während Arizona (Jessica Capshaw) ohne Dr. Hermans (Geena Davis) Wissen deren Tumorscans anfordert, entdeckt Stephanie (Jerrika Hinton) auf den Ultraschallbildern von Aprils (Sarah Drew) und Jacksons (Jesse Williams) Baby Beunruhigendes. Callie (Sara Ramirez) und Owen (Kevin McKidd) befinden sich wiederum mitten in dem Veteranenprogramm. Leider bewegen sich die Szenen um die beiden Veteranen auch dieses Mal hart an der Grenze zum Pathos und Kitsch.

I'm gonna screw as many Grahams as I can

Wie bereits im vorangegangenen Review bemerkt wurde, ist es erfreulich, dass sich die Rolle von Geena Davis als Dr. Herman zunehmend entfaltet. So auch in dieser Episode, in der Arizona nachdrücklich versucht, mehr über den aktuellen Gesundheitszustand ihrer Mentorin zu erfahren und schließlich heimlich ihre Scans anfordert. Um es kurz zu machen: Natürlich ist der Tumor riesig und auf den ersten Blick absolut inoperabel - und natürlich findet Amelia (Caterina Scorsone) gegen Ende der Episode nach genauer Untersuchung der Scans doch noch eine Möglichkeit, Dr. Herman eventuell zu retten. So weit, so absehbar.

Weitaus interessanter waren dagegen die amüsant-makaberen Szenen um eine (vermeintlich) sterbende Frau, die ihre letzten Monate in jeder Hinsicht auskosten will und ihren Schützling Arizona dabei unbeabsichtigt in die eine oder andere peinliche Situation bringt. Neben exzessiven Gelüsten nach Bananeneis um acht Uhr morgens geht Dr. Herman auch ihren sexuellen Bedürfnissen nach - Arizona erwischt sie und Graham (Nicholas D'Agosto) im Bereitschaftsraum.

Zunächst hält Arizona Dr. Hermans Verhalten für Symptome des Tumors. In einem mehr oder weniger persönlichen Gespräch wird sie eines Besseren belehrt: „What you saw was not a symptom of a tumor. It was a symptom of dying soon.“ („Was Sie gesehen haben, war nicht das Symptom eines Tumors. Es war ein Symptom meines bevorstehenden Todes.“)

Dr. Herman frönt ihren gelüsten in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo;. © ABC
Dr. Herman frönt ihren gelüsten in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo;. © ABC

Callie, Owen und das Veteranenprogramm

Inhaltlich ist in Bezug auf den Handlungsstrang um das Veteranenprogramm eigentlich nichts sonderlich erwähnenswert: Die Handlung hebt sich in dieser Episode kaum von der vorigen ab. Callie und Owen geraten wieder einmal aneinander, weil sie die falsche Entscheidung in Bezug auf einen der Veteranen trifft. Die besten Freunde Rick (Titus Makin Jr.) und Jordan (Michael Roark) trainieren mit dem von Callie entwickelten „Robot Leg“. Es kommt zu einem Unfall, da Callie die Situation falsch eingeschätzt hat. Was folgt, sind obligatorische Schuldgefühle, ein kurzes Zerwürfnis mit Owen, darauffolgende Selbstzweifel, ein Aufmuntern durch Arizona und schließlich das Erfolgserlebnis mit Rick, der es am Ende der Episode ohne Hilfe schafft, mit der Prothese zu laufen.

Erwähnenswert im negativen Sinne ist leider die abermals deutlich zu patriotisch-kitschig aufgezogene Szenerie um den treuen besten Freund von Jordan. In einem Gespräch mit Callie erzählt er ihr von der gegenseitigen Unterstützung während und nach dem Einsatz im Krieg. Vermutlich war die Intention der Autoren eine andere, doch (subjektiv) stellte sich bei der tränenreich vorgetragenen Ausführung über Rückhalt und Ansporn keine überwältigende Ergriffenheit ein.

Als Jordan dann davon erzählt, dass Rick ihn immer mit einem Plastikfootball bewarf, wenn er aufgeben wollte, wünschte man sich doch insgeheim, jemand würde die Autoren mal mit einem Football bewerfen und dem ganzen Veteranendrama ein Ende bereiten. An dieser Stelle soll jedoch noch einmal einschränkend festgehalten werden, dass es hier nicht darum geht, traumatisierte und (kriegs-)verletzte Menschen zu verhöhnen. Die Kritik knüpft viel eher an einen unreflektierten Kriegs- und Heldenpathos an, der nur schwer zu ertragen ist.

He's very dreamy, but he's not the sun

Die Flashbacks von Meredith gegen Ende der Episode dürften wohl einigen Zuschauern Gänsehautschauer bereitet haben. Derek geht - ist das das Ende der Ehe von Meredith und Derek? Doch zurück auf Anfang. Wie sich bereits zu Beginn der elften Staffel andeutete, scheint das Hauptproblem des Paares das Ego des jeweils anderen zu sein. Während Derek sich und seine Fähigkeiten oftmals plakativ über die seiner Frau stellte, strafte Meredith ihren Mann mit passiv-aggressivem Abwehrverhalten. Zuletzt schien es wieder ein wenig bergauf zu gehen, doch spätestens seit Dereks Eingeständnis in der vorangegangenen Episode wurde deutlich, dass mehr bei den beiden im Argen liegt als ein oberflächlicher Kampf zweier Egozentriker.

So fungiert die Patientengeschichte auch an dieser Stelle wieder einmal als Projektion auf die private Ehekrise. Es geht also wieder einmal darum, wer Recht hat, wessen Einschätzung in der Vorgehensweise mehr Gewicht hat und wer somit der bessere/wichtigere Arzt (beziehungsweise Ärztin) ist. Meredith setzt sich mit Maggie (Kelly McCreary) durch und allem Anschein nach glückt die Operation vorerst. Doch natürlich geht es beiden um etwas anderes: Dereks verpasste Chance in Washington und sein und Merediths Verhalten in Bezug auf diese Entscheidung.

Da kommt die plötzlich auftauchende Assistentin des Präsidenten natürlich gerade rechtzeitig. Trotz freundlichen Drängens lehnt er ab - doch als der Streit zwischen ihm und Meredith am Ende der Episode eskaliert und er ihr von dem abermaligen Angebot erzählt, kommt es zur Wendung. Derek ruft Deborah aus dem Affekt heraus vor den Augen Merediths an und akzeptiert das Angebot. Er geht und zurück bleibt eine sichtlich schockierte Meredith.

Type II

Eigentlich ebenso dramatisch gestalten sich die Entwicklungen um Aprils und Jacksons Baby. Bei einem Ultraschall entdeckt Stephanie etwas Ungewöhnliches und konsultiert daraufhin Arizona und Dr. Herman. Wie sich herausstellt, leidet das Baby, das „wie Buddha“ mit verschränkten Beinen im Mutterleib liegt, an der (umgangssprachlichen) Glasknochenkrankheit. Im Falle von April sei das Ungeborene laut Dr. Herman kaum überlebensfähig. Bis zu diesem Zeitpunkt wissen weder Jackson noch April von den traurigen Neuigkeiten, doch später, als Stephanie erneut mit Dr. Herman spricht, hört Jackson zufällig Teile des Gesprächs.

Sicherlich folgt diese Entwicklung der Logik und Dramaturgie der Serie, daran besteht kein Zweifel. Doch bei all den Ehekrisen, Scheidungen und sonstigen problematischen Beziehungen wäre es doch auch angenehm und erfreulich gewesen, wenigstens April und Jackson als halbwegs glückliches Paar zu sehen.

Fazit

Im Winterfinale der elften Staffel von Grey's Anatomy steht die Ehe von Meredith und Derek endgültig auf der Kippe. Nach einem heftigen Streit nimmt Derek schließlich das Angebot aus D.C. an und lässt Meredith allein zurück. Arizona folgt ihrem Hilfebedürfnis als Ärztin und fordert heimlich die Scans von Dr. Hermans Hirntumor an. Nach genauer Untersuchung teilt ihr Amelia mit, dass es möglicherweise Chancen für Dr. Herman geben könnte. Dagegen steht das Leben von April und Jacksons ungeborenem Kind auf dem Spiel: Stephanie erkennt mithilfe von Arizona und Dr. Herman eine wahrscheinlich tödliche Krankheit auf den Ultraschallbildern.

Während der Cliffhanger und die ungewisse Aussicht auf die Ehe von Derek und Meredith zweifelsohne für (emotionale) Spannung sorgen, sind auch die anderen Entwicklungen um April und Dr. Herman größtenteils positiv zu bewerten. Die Diagnose des Kindes ist natürlich traurig - doch da bei „Grey's Anatomy“ gefühlt alles möglich ist, scheint es nicht ausgeschlossen, dass das Baby irgendwie gerettet werden kann.

Neben der vorhersehbaren Wendung in Bezug auf Dr. Herman enttäuscht aber vor allem das wiederholte Aufgreifen der pathetischen Veteranengeschichte. Leider gelingt es den Autoren bislang nicht, eine etwas differenzierte - und folglich ehrlichere - Emotionalität in den Handlungsstrang einfließen zu lassen. So bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Teil der Staffel weitestgehend auf dieses Thema verzichtet.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 21. November 2014

Grey's Anatomy 11x08 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 8
(Grey's Anatomy 11x08)
Deutscher Titel der Episode
Risiko
Titel der Episode im Original
Risk
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 20. November 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 10. Juni 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 9. März 2015
Autor
William Harper
Regisseur
Rob Corn

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x08

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