Grey's Anatomy 11x06

Grey's Anatomy 11x06

In Don't Let's Start steht nach einigen figurenzentrierten Episoden wieder die gesamte Handlung im Mittelpunkt. Derek versucht, die chaotischen Familienverhältnisse zu ordnen und lädt Maggie und Dr. Webber zum Dinner ein. Derweil erhalten April und Jackson Besuch von Aprils Mutter.

Mutter Kepner ist in „Grey's Anatomy“ zu Besuch. / (c) ABC / Foto: Eric McCandless
Mutter Kepner ist in „Grey's Anatomy“ zu Besuch. / (c) ABC / Foto: Eric McCandless

Nachdem sich bislang mehrere Episoden der elften Staffel einzelnen Figuren widmeten, zuletzt Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) (Bend and Break), nimmt die Handlung nun wieder an mehreren Stellen ihren Lauf. Nach der Trennung steckt Arizona ihre gesamte Energie in das Forschungsstipendium bei Dr. Herman (Geena Davis), die ihr trotz ehrgeizigen Bemühens das Leben schwer macht.

Zwischen Derek (Patrick Dempsey) und Meredith (Ellen Pompeo) scheint sich derweil die Stimmung verbessert zu haben, so dass Derek eine Art Familienvereinigung plant und sowohl Maggie (Kelly McCreary) als auch Dr. Webber (James Pickens, Jr.) zum Dinner einlädt.

Gleich zwei Ärzte bekommen durch ihre Patienten mal wieder den Spiegel vorgehalten: Bailey (Chandra Wilson) beginnt, sich Gedanken um ihre eigene Gesundheit zu machen und Owen (Kevin McKidd) wird mal wieder mit seiner Vergangenheit im Irak konfrontiert. Die Szenen um Owen drohen in Don't Let's Start leider völlig in patriotisches Pathos abzudriften. Daher wird die Aufmerksamkeit hoffentlich weiterhin mehr auf April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) gelenkt. Die beiden erhalten nämlich Besuch von Aprils Mutter (Connie Ray), die die werdenden Eltern unterstützen will.

You are my genetic history

Die Übergabe von Ellis' Tagebuch zurück an Meredith nimmt Derek zum Anlass, eine Art „Familienvereinigungsdinner“ vorzuschlagen: „That's what people do.“ („Das macht man so.“) Als Derek dann ohne Merediths Wissen später auch noch Dr. Webber einlädt, scheint es zunächst so, als würde ein neuer Ehestreit anstehen, da Derek seine verpasste Washington-Chance als Druckmittel benutzt. Merediths wütender Kommentar wirkt in diesen Szenen schon fast selbstironisch: „You're gonna play that card? Of course you are, because you're playing this card until the end of freaking time!“ („Du spielst schon wieder diese Karte aus? Natürlich tust du das, weil du diese Karte bis ans Ende der Zeit ausspielen wirst!“)

Nicht nur Meredith scheint langsam, aber sicher genug von diesem Thema zu haben, auch für die Zuschauer drohen die Machtspiele zwischen dem einstigen Traumpaar in die Belanglosigkeit abzurutschen. Dereks einfühlsames Einlenken (er wünscht sich für Meredith eine große, vereinte Familie) kann Meredith besänftigen, so dass glücklicherweise auch einige harmonische Szenen zwischen den beiden zu sehen sind.

Dazu zählen auch die Sexszenen in der Dusche, dank derer die geladenen Gäste vor verschlossenen Türen stehen. Auch bei dieser Konfrontation kommt es zwischen Maggie und ihrem leiblichen Vater Dr. Webber noch immer nicht zur Versöhnung. Leider war dies ebenso absehbar wie unoriginell. Maggie, ganz ihre Halbschwester Meredith, lehnt Dr. Webber nämlich konsequent als Vaterfigur ab: „You're just a man who slept with a woman and made it possible for me to be born. (...) You are my genetic history.“ („Du bist nur ein Mann, der mit einer Frau geschlafen hat und es damit ermöglichte, dass ich geboren wurde. Du bist meine genetische Vergangenheit.“)

Später nimmt Maggie zwar Dr. Webbers Entschuldigung an - dafür, dass er ihr nicht gleich zu Beginn die Wahrheit sagte - trotzdem lässt sie ihren „Erzeuger“ stehen. Bisher ist schwer absehbar, inwiefern diesem Handlungsstrang noch ein interessanter Einschlag gegeben werden kann. Bei aller Sympathie für die Figur von Maggie beschleicht einen nach elf Staffeln Grey's Anatomy doch immer mehr das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben.

Patientin Bailey und Patient Owen

Viele Zuschauer kritisierten schon in der vergangenen Staffel zu Recht, dass die Patientengeschichten oftmals nur als Spiegel der persönlichen Entwicklungen der Ärzte fungierten. So auch in Don't Let's Start, wo sowohl Bailey als auch Owen die Probleme der Patienten auf sich selbst projizieren. In Baileys Fall äußert sich das relativ unspannend in Form eines Tumorpatienten, der zunächst nur wegen Sodbrennen eingeliefert wurde.

Jeremys ungesunder Lebensstil lässt die leicht übergewichtige Ärztin über ihr eigenes Verhalten reflektieren, so dass sie in einem Anflug von Motivation anfängt, zu joggen. Diese Szenen sind zugegebenermaßen dann aber doch recht amüsant gelungen. Gleich zu Beginn ihrer Laufrunde trifft sie auf die gut trainierte Maggie. Doch auch der Anblick ihrer deutlich fitteren Kollegin hält den Oprah-Fan nicht von ihrem Vorhaben ab - auch, wenn sie dafür später an ihrem Mann Ben (Jason George) vorbei humpeln muss.

Bild aus der Episode %26bdquo;Don%26#039;t Let%26#039;s Start%26ldquo; aus der US-Serie %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC / Foto: Eric McCandless
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Fast umgekehrt verhält es sich in Bezug auf Owen und seine Patientin Melissa. Wie sich herausstellt, diente sie für die U.S. Army im Irak - Owen ist selbstverständlich wieder Feuer und Flamme. Zudem erinnert das Schicksal der schlimm zugerichteten Melissa Jo (Camilla Luddington) an ihre eigene Vergangenheit - denn so wie sie musste Jo einst in ihrem Auto leben und viele Widrigkeiten ertragen.

Wo Owens patriotisches, teils melodramatisch aufgezogenes Veteranentrauma schon an anderer Stelle bis zum geht nicht mehr ausgereizt wurde, bringt eine Szene zwischen ihm und Melissa in dieser Episode das Fass zum Überlaufen. Leider wird Owens mitfühlende Art, mit Patienten umzugehen, nämlich immer wieder eng verknüpft mit seinen Erfahrungen im Irak - und wird somit gleichzeitig unterlegt mit (unreflektierten) Salven auf die Ehre, für sein Vaterland zu kämpfen und zu sterben. Als er Melissa dann ermutigen will, ihre Rechte als Veteranin in Anspruch zu nehmen, trieft die Szene, in der Melissa mit glänzenden Augen ein „Yes, Sir“ haucht, nur so vor Kitsch. Leider der absolute Tiefpunkt der Episode.

Ein Leben endet, ein anderes beginnt

Dass April von Jackson schwanger ist, hatte man über die vergangenen Episoden schon beinahe vergessen - dieser Entwicklung wird aber dank des Besuchs von Aprils Mutter noch einmal mehr Aufmerksamkeit beigemessen. Schon, als ihre Schwestern April einen Besuch abstatteten, wurde klar, in welch unterschiedlichen Welten die Kepners leben. Auch an dieser Stelle schließen sich mit veränderter Besetzung Erinnerungen an bereits Gesehenes, in diesem Fall an George, an, dessen Brüder und Eltern ebenso wenig von seinem Arztsein verstanden.

Mrs. Kepner besucht ihre Tochter allerdings nicht ungebeten, sondern, wie sich später herausstellt, auf Anruf von Jackson. Der fürchtet, zu wenig über das Elternsein zu wissen und sucht Hilfe bei seiner Schwiegermutter. Dank der harmonischen Stimmung zwischen dem Paar ist das ewige Hin und Her vergangener Episoden und Staffeln schon fast wieder verziehen.

An anderer Stelle muss sich Arizona mit ihrer „Mutterfigur“ auseinandersetzen. Nach der Trennung von Callie (die in dieser Episode nur kurz erwähnt wird) steckt Arizona ihre gesamte Energie und Motivation in das Forschungsstipendium bei Dr. Herman. Doch trotz aller Mühen und hervorragender Vorbereitung auf eine komplizierte OP an einem ungeborenen Kind lässt Dr. Herman kein gutes Haar an ihrem Schützling. Von der aufgeladenen Stimmung wird auch Alex (Justin Chambers) Zeuge, der seine ehemalige Lehrerin Arizona im OP unterstützt. Er ermutigt sie dann auch, Dr. Herman auf die Situation anzusprechen (sie kritisierte Arizona scharf, weil diese nicht den Wortlaut ihrer Notizen bei der OP anwenden konnte).

So kommt es dann zur Konfrontation und damit zur überraschenden Wende: Dr. Herman leidet unter einem inoperablen Hirntumor und hat nur noch sechs Monate zu leben. Damit begründet sie dann auch ihre peniblen, strikten Lehrmethoden: In ihrer verbleibenden Lebenszeit will sie Arizona so viel wie nur möglich auf dem bisher kaum erforschten Gebiet der Embryonenoperation beibringen. Sichtlich geschockt steht Arizona nun vor der Entscheidung, die Chance anzunehmen oder dem Vorstand von der Situation zu berichten.

Fazit

In Don't Let's Start werden wieder mehrere Handlungsstränge thematisiert. Eine geplante Familienvereinigung zwischen Meredith, Maggie und Dr. Webber scheitert, die Situation um Arizonas Forschungsstipendium erhält eine überraschende Wendung und die werdenden Eltern April und Jackson bekommen Besuch von Aprils Mutter.

Leider enttäuschen in dieser Episode gleich mehrere Entwicklungen. So ist es immer noch fraglich, inwiefern der Handlungsbogen um Maggie und Dr. Webber eine interessante, spannende Komponente erhalten soll. Bislang stellt sich noch immer das Gefühl ein, das alles schon einmal gesehen zu haben - zuletzt bei Meredith und Dr. Webber, die ihrerseits lange damit kämpfte, Richard als Teil ihrer Familie zu akzeptieren. Weiterhin stört vor allem das mittlerweile breitgetretene Thema des patriotischen Veteranen um Owen. Es scheint, als sei die Existenz seiner Figur unabdingbar an diese Thematik geknüpft - die Szenen mit ihm und Melissa stellten dabei den pathetisch-negativen Höhepunkt der Episode dar.

In Ansätzen spannend und positiv zu erwähnen bleibt die überraschende Entwicklung zwischen Dr. Herman und Arizona sowie das neuerdings harmonische, glückliche Paar Jackson und April. In beiden Fällen scheint es im Vergleich zu den anderen Handlungssträngen mehr Spielraum für Neues zu geben.

Grey's Anatomy: Promo zur Episode „Could We Start Again, Please?“ (11x07):

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 7. November 2014

Grey's Anatomy 11x06 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 6
(Grey's Anatomy 11x06)
Deutscher Titel der Episode
Familienzusammenführung
Titel der Episode im Original
Don't Let's Start
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. November 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 3. Juni 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 23. Februar 2015
Autor
Austin Guzman
Regisseur
Rob J. Greenlea

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x06

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