Grey's Anatomy 11x05

Schon in der zehnten Staffel von Grey's Anatomy wurde so mancher Handlungsstrang einiger Figuren zum nervigen, gefühlt endlosen Dauerthema. Neben dem ewigen Auf und Ab zwischen April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) strapazierte auch die problembehaftete Ehe von „Calzona“ die Nerven so mancher Zuschauer.
Dem beliebten Paar (und den Zuschauern) gönnten die Autoren um Shonda Rhimes bislang nur wenige, lang anhaltende Glücksmomente. Zuletzt trieb die Unvereinbarkeit von Job und Kinderwunsch sowie ein abermals tieferliegendes Problem einen Keil zwischen Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw). Die Episode Bend and Break widmet sich nun ganz der Ehe und den Schwierigkeiten der beiden. Dabei gelingt es größtenteils, an die serientypische Emotionalität anzuknüpfen. Das Ende der Episode dürfte den einen oder anderen Zuschauer außerdem überrascht haben.
This feels like a joke - or a reality show...
Von außen betrachtet (als ungeübter „Grey's Anatomy“-Zuschauer) wirkt die Menge an Schicksalsschlägen, die „Calzona“ bislang ertragen mussten, absurd: Da wäre Callies Seitensprung mit Marc (RIP), aus dem ein Kind entstand, ein Flugzeugabsturz, bei dem Arizona ein Bein verlor (welches ihr Callie amputierte), ein Autounfall, der Callie fast das Leben kostete, sowie Arizonas Seitensprung, der Callie tief verletzte - fast machen die beiden Derek (Patrick Dempsey) und Meredith (Ellen Pompeo) mit der Fülle an Katastrophen Konkurrenz (aber nur fast).
Innerhalb des Grey's Universums ergibt all das aber natürlich (meistens) Sinn - die Zuschauer sind zumindest daran gewöhnt. Die neuste potentielle Gefahr für das Traumpaar Nummer zwei entstand durch Callies Kinderwunsch. Nach anfänglicher Euphorie wurde allerdings klar, dass Arizona offenbar mehr Energie in ihr Forschungsstipendium bei Dr. Herman (Geena Davis) stecken wollte. Diese Unvereinbarkeit stellt den Ausgangspunkt für die Entscheidung dar, eine Paartherapie zu beginnen.
I think we should take a break
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Paartherapeutin Dr. Dawson (Rose Abdoo) empfiehlt den beiden eine Beziehungspause. Nach zunächst lautstarkem Protest lässt sich Callie dann doch auf den Vorschlag ein. Arizona hingegen war von Beginn an für die Idee. 30 Tage lang sollen die beiden zwar in einem Haus leben (wegen Sophia, der gemeinsamen Tochter), jedoch weder miteinander sprechen noch irgendeine Form von Intimität teilen.
Während der gemeinsamen Sitzungen wird indessen klar, wo die Probleme der beiden liegen: Arizona fühlt sich bevormundet („You make all the choices!“ / „Du triffst alle Entscheidungen!“). Callie hingegen hat das Gefühl, immer nur zu geben und zu investieren, ohne dass Arizona ihren Teil dazu beiträgt. Angesichts der aufgefrischten Erinnerung, was bei den beiden alles so los ist (und war), fragt man sich, weshalb es nicht schon früher zu einer Therapie gekommen ist...

Wie zu erwarten war, fällt es allen voran Callie anfangs schwer, sich an die „no communication, no intimacy“ - Regelung zu halten. Arizona verzweifelt eher an anderer Stelle: Sie versucht immer noch, Dr. Herman zu beeindrucken, die sich als strenge und anspruchsvolle Chefin/Lehrerin entpuppt. An späterer Stelle versagt sie dann auch noch im OP und setzt ihr Stipendium aufs Spiel - so ganz kann sie noch immer nicht von der Pädiatrieabteilung lassen. Das führt unter anderem zu einem Konflikt mit Alex (Justin Chambers), der ihre Position eigentlich übernehmen sollte. Auch Callie hat im Rahmen des Veteranenprojekts mit einigen schwierigen Fällen zu kämpfen. Außerdem leidet eine Patientin nach einer Armoperation an unerträglichen Schmerzen, so dass sich Callie verantwortlich fühlt für den Selbstmordversuch der jungen Frau.
V-V-Vagina!
Alkohol und zynische Kommentare gehören ebenso zusammen wie Meredith und Tequila. Eigentlich fehlt an dieser Stelle Cristina, doch auch Callie und Meredith geben zusammen ein wunderbar bissig-erheiterndes Bild am Tresen ab. In dieser großartigen Szene spielen die beiden sich die Bälle abwechselnd zu. Meredith lästert über Derek („,Did you cure death today, Meredith?'“ / „,Hast du heute eine Heilung für den Tod gefunden, Meredith?'“), Callie philosophiert über ihr Bisein („I mean, it's calles LGBTQ* for reason, it's a ,B' in there, and it doesn't mean ,badass' - okay, it kind of does, but it also means ,bi'.“/ „Also, es heißt doch nicht umsonst LGBTQ*, da ist ein ,B' drin und das bedeutet nicht ,badass' - okay, irgendwie tut es das schon, aber es bedeutet auch ,Bi'.“).
Höhepunkt ist allerdings das Ende der Szene, als Meredith laut darüber nachdenkt, ob es sein könnte, dass Cristina (Sandra Oh), eine Frau, vielleicht doch die einzige wahre Liebe in ihrem Leben ist. Nachdem die beiden feststellen, dass sich Meredith eher weniger für Cristinas Vagina begeistern konnte, fangen die beiden Betrunkenen an, einen kleinen „Vagina-Song“ zu singen. Besonders Callies oktavenreiche Gesangsinterpretation des Wortes dürfte die Zuschauer erheitert haben. Die erwähnten Szenen stehen zwar für sich und funktionieren erstaunlich gut in veränderter Besetzung. Trotzdem entstehen unweigerlich Erinnerungen an Cristina - es ist einfach nicht das Gleiche, hach...
Some things just can't be fixed
Nach ein paar Regelbrüchen (Arizona und Callie küssen sich, reden miteinander) müssen die beiden wieder bei Tag eins der Beziehungspause anfangen. Nachdem es dann so scheint, als würde die Pause tatsächlich ihren Zweck erfüllen und Besserung in das Verhältnis bringen, kommt, wie so oft, der Umschwung. Da Arizona die Nacht mit Callie verbrachte, hatte sie keine Zeit, für die bevorstehende Gebärmutteroperation zu lernen. Sie versagt und setzt damit ihr Stipendium aufs Spiel. Callie hingegen kann Erfolge verzeichnen: Die junge Frau mit den Armproblemen ist schmerzfrei und die Hüftrekonstruktion glückt ebenfalls.
Bisher wirkte es immer so, als sei Callie diejenige, der mehr an der Beziehung liegt. Irgendwie war es daher absehbar, dass es zu einer Umkehrung kommen wird. Im Abschlussgespräch mit der Therapeutin scheint es zunächst so, als sei Callie von Arizonas Worten zu Tränen gerührt (Arizona beteuert ihre Liebe zu Callie, spricht von der Nähe zueinander und so weiter). Dann jedoch überrascht Callie mit ihrer unter Tränen vorgetragenen Entscheidung: „I finally feel free. And by being free, I can see now that constantly trying to fix us is the thing that has been killing me slowly and I don't want to do it anymore.“ („Ich fühle mich endlich frei. Und dabei erkenne ich jetzt, dass der ständige Versuch, uns zu retten, das ist, was mich nach und nach umbringt - und das will ich nicht mehr.“)
War es das jetzt mit „Calzona“? Auch, wenn man das Ende der Beziehung wirklich traurig finden kann, wirkt es doch so, als sei es das Beste für die beiden. Andererseits scheint es nicht ausgeschlossen, dass sie irgendwann noch einmal zusammenfinden. Gefühlt ist so gut wie alles möglich in dieser Serie.
Fazit
Momentan scheint sich die elfte Staffel von Grey's Anatomy mit figurenzentrierten Episoden nach und nach an den jeweiligen Problemen der Protagonisten abzuarbeiten. So auch in Bend and Break bezüglich der problematischen Ehe von Callie und Arizona. Am Ende bleibt eine „freie“ Callie und das Ende von „Calzona“. Innerhalb des Grey's-Kosmos scheint es, wie bereits geschrieben, das Beste für die beiden zu sein, außerhalb davon vielleicht auch das Beste für die Nerven des Zuschauers. Auch, wenn das Paar sicherlich vielen Zuschauern ans Herz gewachsen war, findet der Handlungsstrang somit ein würdiges Ende, ohne vollends durch Katastrophen ausgereizt zu werden.
Großartige Dialoge, viel Tequila und bissigen Humor kann man vor allem in den Szenen mit Meredith und Callie finden. Auch, wenn damit womöglich die eine oder andere wehmütige Erinnerung an Cristina geweckt wird, funktioniert diese Kombination äußerst gut.
Grey's Anatomy - Promo zur Episode „Don't Let's Start“ (11x06):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 24. Oktober 2014Grey's Anatomy 11x05 Trailer
(Grey's Anatomy 11x05)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x05
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