Grey's Anatomy 11x04

Wo es den bisherigen Episoden der elften Staffel von Grey's Anatomy an emotionaler Spannung fehlte, entschädigt Only Mama Knows mit einer ordentlichen Portion an berührenden Momenten und Szenen. Trotz anfänglicher Skepsis in Bezug auf die Gestaltung (die fortlaufende Handlung wurde zugunsten einer Menge an Flashbacks größtenteils unterbrochen) konnte die vierte Episode überzeugen. Außerdem kommt „Only Mama Knows“ komplett ohne diverse Popsongs aus, was zunächst ungewohnt erscheint. An deren Stelle tritt eine dezent platzierte, aber stimmungsvolle musikalische Untermalung, die die Szenen an sich in den Vordergrund stellt - funktioniert gut, mehr davon!
The carrousel never stops turning
Ellen Pompeos schauspielerische Qualitäten werden des Öfteren als eher durchschnittlich bewertet. In „Only Mama Knows“ zeigt sich allerdings wieder einmal, dass es vor allem die Szenen um ihre Mutter und mit ihrer Mutter sind, in denen sie es schafft, Gefühl zu vermitteln. Sicherlich trägt ihr jüngeres Ich (gespielt von Sally Pressman) einen großen Teil zum beschriebenen Eindruck bei. Die Szenen, in denen die fünfjährige Meredith den Selbstmordversuch ihrer Mutter beobachten muss, sind nahezu herzzerreißend. Doch auch gleich zu Beginn und im gesamten Verlauf der Episode berühren die Szenen, in denen sich die erwachsene Meredith ihren Erinnerungen und denen ihrer Mutter (Kate Burton) stellt.
In der Videoaufnahme, die sich Meredith zu Beginn der Episode ansieht, erzählt Ellis Grey vor Publikum von ihrem Werdegang als Chirurgin. Sie spricht über die Schwierigkeiten, als weibliche Ärztin ernst genommen zu werden, über die für damalige Verhältnisse provokante Entscheidung, die „Grey-Methode“ (wie der Name schon sagt) nach ihr selbst zu benennen und in Ansätzen auch über Dr. Webber (James Pickens Jr.) - mit dem sie ein Kind hat. Merediths Erinnerungen an ihre Mutter überschneiden sich allerdings nur teilweise mit denen an eine erfolgreiche Harper-Avery-Award-Trägerin.
Nach und nach und mithilfe des Tagebuchs ihrer Mutter erinnert sie sich an das Frühjahr 1983 - das Jahr, in dem Richard Webber ihre Mutter verließ und in dem Ellis nach einem Selbstmordversuch Maggie zur Welt brachte. Zunächst wird sie allerdings von Derek (Patrick Dempsey) unterbrochen - es folgt ein weiterer Streit zwischen dem Ehepaar.
You just sound like your mother
Nicht nur im Film ist dieser Satz oftmals die Initialzündung für einen ausufernden Streit zwischen Paaren. Doch die Verletzung, die Derek seiner Frau mit diesem Satz zufügt, bringt eine andere Dimension mit sich: Meredith musste eigentlich bis zum Tod ihrer Mutter unter ihrer oftmals kalten, strengen Art und ihren hohen Erwartungen leiden. Auch, wenn Meredith durchaus berechtigt wütend auf Derek ist - ihr stures Verhalten fällt langsam, aber sicher auf die Nerven. Derek steht ihr diesbezüglich mit seiner egozentrischen Haltung in nichts nach („I'm waiting for you to shine!“/ „Ich warte darauf, dass du glänzt!“), doch glücklicherweise setzt die Ehekrise an späterer Stelle für einen Moment aus und auch in anderen Szenen können sowohl Derek als auch Meredith wieder ein paar Sympathiepunkte sammeln.
Maggie kündigt
Miranda Bailey (Chandra Wilson), offenbar beflügelt und leicht überambitioniert durch ihren neuen Platz im Vorstand, will Maggie (Kelly McCreary) davon überzeugen, ihre Kündigung zurückzuziehen. Die hat nämlich vorerst genug von dem Familiendrama an ihrem neuen Arbeitsplatz und lässt sich anfänglich nicht mal auf Amelias (Caterina Scorsone) Protest ein. Dereks Schwester geht dann glücklicherweise subtiler vor und forciert die Konfrontation zwischen Maggie und Derek im OP. Dabei amüsieren außerdem ihre Seitenhiebe auf Derek, mit dem sie sich in der vorangegangenen Episode heftig gestritten hatte. Sie scheint allerdings zu ahnen, dass er, wenn er von der Verwandtschaft zwischen Maggie und Meredith wüsste, Maggie dazu bewegen könnte, zu bleiben.
Allem Anschein nach liegt sie mit ihrer Einschätzung richtig, doch dazu später mehr. Zunächst winken die Autoren nämlich mithilfe zweier zusammenhängender Handlungsstränge mit dem Zaunpfahl. Maggie verhindert im OP die Lähmung eines Patienten; Meredith rettet mithilfe eines Eingriffs, den ihre Mutter einst durchführte, das Leben eines kleinen Mädchens. Die Halbschwestern erhalten daraufhin jeweils Applaus im OP - so soll erneut auf die Parallelen und Gemeinsamkeiten der Grey-Schwestern hingewiesen werden. Bislang gelingt das zwar nur bedingt, das Ende der Episode schürt allerdings die Hoffnung auf mehr.
This is very strange...
Nachdem Maggie Derek jedenfalls mit dem mysteriösen Hinweis zurückgelassen hat, er solle seine Frau fragen, was denn eigentlich los sei, beschließt er, genau das zu tun - doch Meredith blockt ab. Zum Glück, darf man fast meinen, denn die folgende Szene zwischen Derek und Maggie war mit eine der berührendsten der Episode. Entgegen Maggies Erwartung reagiert Derek nämlich auf die Neuigkeit, dass seine Frau und sie Schwestern sind, sehr warm und herzlich. Als er die erstaunte Maggie lachend umarmt und diese sichtlich gerührt (und verwirrt) wirkt aufgrund der herzlichen Reaktion, dürfte die eine oder andere Träne gekullert sein. Vielleicht sogar ein bisschen mehr - deshalb, weil sich Derek endlich noch einmal von seiner warmherzigen Seite zeigt, was seine Figur bitter nötig hatte. Die Szene rutscht dank Maggies Kommentar dann glücklicherweise auch nicht ins Pathetische ab: „This is very strange...“ („Das hier ist sehr merkwürdig...“). Kurzum: Eine der stärksten Szenen der Episode.

Währenddessen versucht Meredith, auch durch Dr. Webber mehr über das Geburtsjahr ihrer Halbschwester herauszufinden. Die große Liebe ihrer Mutter schweigt zunächst, als sie ihn nach dem Tag am Karussell fragt. Vom schlechten Gewissen geplagt entschließt sich Dr. Webber später dann jedoch dazu, Merediths Erinnerungen zu vervollständigen und somit erschließen sich dann auch dem Zuschauer die Zusammenhänge von damals vollständig. Richard Webber erzählt, dass er Ellis vor allem aus Eifersucht auf ihre Karriereaussichten verlassen hatte. Eigentlich hatten die beiden vor, ihre jeweiligen Partner für den/die andere/n zu verlassen, doch Ellis' Nominierung für den Harper-Avery-Award kam dazwischen. Richard, der nicht sein Leben lang in Ellis' Schatten leben wollte, verlässt die verletzte Frau.
Das Bild komplettiert sich, als Derek und Meredith eine Art „Waffenstillstand“ beschließen. Noch immer erfreut über die Neuigkeiten spricht Derek seine Frau direkt auf Maggie an und erkundigt sich danach, wie sie sich fühlt. Meredith kann sich wieder an alles erinnern: An die Schwangerschaft der Mutter, den Umzug nach Boston, dass Ellis viel weinte, den Selbstmordversuch und die Geburt.
Aussicht auf Versöhnung
Während Dr. Webber die Ermutigung von Bailey benötigte, entschließt sich Meredith ganz aus sich heraus, ihrer Halbschwester und sich eine zweite Chance zu geben. In den letzten Szenen der Episode sehen wir Maggie, wie sie gemeinsam mit Meredith in dem Tagebuch ihrer Mutter blättert. Dr. Webber beobachtet die beiden lächelnd.
Auch Alex (Justin Chambers) scheint sich mit seiner neuen Situation arrangieren zu können: Arizona (Jessica Capshaw), die offenbar vollends von Dr. Herman (Geena Davis) eingespannt wird, überlässt ihm mehr oder weniger die Verantwortung für die Kinderchirurgie. Hoffentlich ist der Handlungsbogen um ihn und Bailey damit vorerst beendet.
Fazit
Abgesehen von ein paar Ausnahmen konnte Only Mama Knows endlich noch einmal an die „Grey's“-typische emotionale Spannung anknüpfen, die den vorangegangenen Episoden fehlte. Obwohl die Handlung zugunsten etlicher Rückblenden mehr oder weniger aussetzte, wurde sie auf anderer Ebene dennoch vorangetrieben. Den Flashbacks in Bezug auf Ellis Grey, den Erinnerungen von Richard Webber und Meredith und den Verknüpfungen der jeweiligen Puzzleteile verdankt die vierte Episode einige berührende Momente. Besonders erfreulich war in diesem Zusammenhang, dass sowohl Derek als auch Meredith die Chance gegeben wurde, bitter nötige Symphatiepunkte zu sammeln. Der Ehestreit droht, den beiden Figuren jeglichen Charme zu rauben - hoffentlich gelingt den Autoren die Kehrtwende. Ein Anfang wurde jedenfalls gemacht.
Eher belanglos und weiterhin unnötig war der Handlungsstrang um Alex und Bailey. Mit Alex' „Beförderung“ wurde diesem hoffentlich ein Ende gesetzt.
Neben den genannten inhaltlichen Aspekten ist dieses Mal auch die Gestaltung der Episode positiv zu erwähnen: In Only Mama Knows wurde gänzlich auf das Einsetzen von Popsongs verzichtet. Zwar ist genau das unter anderem ein Markenzeichen der Serie (viele der Künstler verdanken der Serie außerdem einen Karriereschub), in dieser Episode passte die dezente musikalische Untermalung allerdings gut zur gesamten Inszenierung.
Grey's Anatomy: Promo zur Episode 11x05:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 17. Oktober 2014Grey's Anatomy 11x04 Trailer
(Grey's Anatomy 11x04)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x04
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