Grey's Anatomy 11x03

Obwohl die großen, dramatischen Momente in den bisherigen Episoden der elften Staffel ausbleiben, zeichnet sich langsam, aber sicher ab, auf was sich die Zuschauer in den kommenden Folgen einstellen müssen. So nimmt nicht nur die Situation zwischen Maggie (Kelly McCreary), Meredith (Ellen Pompeo) und Dr. Webber (James Pickens, Jr.) eine unerwartete Wendung. Auch zwischen Derek (Patrick Dempsey) und Meredith scheint sich eine ernsthafte Krise anzubahnen, die nicht nur zwischen den beiden grundsätzliche Fragen aufwirft. In Got to be real findet zudem endlich (vorerst) der eher uninteressante Streit zwischen Dr. Bailey (Chandra Wilson) und Alex (Justin Chambers) um den Platz im Vorstand ein Ende.
Dr. Webber is like a second father to me
Gleich zu Beginn von „Got to Be Real“ wird auf amüsante Art und Weise an die innige Freundschaft zwischen Cristina und Meredith erinnert. Alex, der eigentlich anderes im Kopf hat, als seiner neuen Position als Merediths person gerecht zu werden, ergibt sich irgendwann doch seinem Schicksal. Gemeinsam durchsuchen die beiden die persönlichen Akten von Maggie und Ellis Grey und stoßen dabei unerwartet schnell auf den Beweis dafür, dass Maggie tatsächlich Merediths Halbschwester ist.
Wenig später konfrontiert Meredith dann auch ihren second father Richard Webber. Ihre anfängliche Wut auf sein Schweigen bezüglich der Geschichte um Maggie wandelt sich dann doch in Verständnis, als Meredith merkt, wie verletzt Dr. Webber selbst ist: „Your mother stole that chance from me.“ („Deine Mutter hat mir keine Chance gelassen“.) Meredith ermutigt ihn dann sogar, Maggie endlich die Wahrheit zu sagen. Dass diese ihm nicht gleich in die Arme fällt und dass keine glückselige Familienvereinigung gefeiert wird, war natürlich klar.
Doch, dass sich die Positionen nun verschoben haben (entgegen der Prognose im letzten Review), birgt die Möglichkeit, dass sich Maggie und Meredith auch ohne Dr. Webber annähern. Zwar ist bislang noch nicht wirklich erkennbar, inwiefern Meredith daran interessiert sein könnte - doch die Autoren hätten wohl keine neue Halbschwester eingeführt, sollte sie keine Rolle im Leben von Meredith Grey spielen. Diese Entwicklungen werden wohl aber noch auf sich warten lassen, denn zu allem Überfluss steht auch die „perfekte“ Ehe von Derek und Meredith auf wackligen Beinen.
I am the sun!
Schon während des Gesprächs zwischen Alex und der leicht angetrunkenen Meredith wird deutlich, welches Ausmaß der unterschwellige Streit zwischen Derek und Meredith annehmen wird. Die angespannte Stimmung wird allerdings glücklicherweise dadurch aufgelockert, dass auch in diesen Szenen indirekt an Cristina erinnert wird. Ihr schnapsseliger Wutausbruch endet mit den Worten „I am the sun. I'm the sun and he can go suck it!“ Damit bezieht sie sich nicht nur auf Cristinas „letzte Worte“ bei ihrer Verabschiedung - die Aussage darf wohl auch als Kampfansage verstanden werden.
Im Laufe der Episode wird darüber hinaus deutlich, dass neben Meredith auch Amelia (Caterina Scorsone) unter Dereks egozentrischem Verhalten leidet. Die kann und will nämlich nicht nur die „zweite Dr. Shepherd“ sein. Dass ihr Aufbegehren auf Kosten eines Patienten geht, zeugt zwar davon, dass Derek trotz allem der erfahrenere und „bessere“ Arzt ist. Doch vor allem im Streit zwischen ihm und seiner Schwester wird deutlich, dass er sich, genau wie Meredith, übergangen fühlt und darüber hinaus tatsächlich seine Karriere über ihre stellt. Seiner Meinung nach habe er nämlich keine andere Wahl gehabt, als nicht nach D.C. zu gehen: „I feel like she forced me.“ („Es fühlt sich so an, als habe sie mich gezwungen.“)
Die Mauer zwischen ihm und Meredith scheint schon jetzt so undurchdringlich, dass sie ihrem Mann nichts von Maggie erzählt. Als dann schließlich das Vorstandstreffen ansteht und Meredith ansetzt, um ihm zu erzählen, was passiert ist, überfällt er sie mit Vorwürfen: „So wait, I gave up the brain map initiative so you can play hooky and get drunk with your friends?“ („Also habe ich die Initiative (in D.C.) aufgegeben, damit du blaumachen und dich mit deinen Freunden betrinken kannst?“) Der zutiefst enttäuschte und wütende Blick von Meredith spricht daraufhin Bände. Sicherlich kann man für beide Positionen Verständnis aufbringen. Dennoch ist nicht abzustreiten, dass Derek seine eigene Karriere über die seiner Frau (und die seiner Schwester) stellt.
You want to give me a robot leg, like the terminator?
Merkwürdigerweise sorgt weder das Ehe- noch das Schwesterndrama für die emotionalen Momente in Got to be real. Vielmehr ist es der Handlungsstrang um Callie (Sara Ramirez), Owen (Kevin McKidd) und Arizona (Jessica Capshaw). Owen, der ehemals im Irak stationiert war und lange mit seiner posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen hatte, will gemeinsam mit Callie in einem „Veterans Rehabilitation Center“ anderen ehemaligen Soldaten helfen. Die beiden geraten im Zuge dessen heftig aneinander, da Owens überambitionierter Einsatz dafür sorgt, dass Callie einen Patienten vorerst enttäuschen muss.

Callies Forschungen und Entwicklungen einer robot leg-Prothese stoßen nämlich an ihre Grenzen, da die Beinamputation des Patienten schlecht durchgeführt wurde. Der frustrierte Jackson (Jesse Williams) kann später allerdings helfen - und ermöglicht die Prothese mithilfe einer Operation an den Nervenenden des amputierten Beines.
Als sich Owen später bei Callie für seinen Wutausbruch entschuldigen will, wird deutlich, dass es nicht nur seine patriotische Einstellung ist, die für sein Verhalten verantwortlich ist. Es stellt sich heraus, dass er sehr wohl unter Cristinas Fortgang leidet und nun ein Projekt braucht, in das er seine Energie stecken kann. Callie erkennt an späterer Stelle, dass sie ebenso eine Ablenkung nötig hat. Gerade, als sich Arizona und Callie mit einer potentiellen Leihmutter treffen wollen, kommt es zu einem Streit, in dem klar wird, dass der Zeitpunkt für ein weiteres Kind offensichtlich nicht der beste ist. Owen tröstet später die weinende Callie - vor allem in diesen Szenen war zu beobachten, dass die Chemie sowohl zwischen den jeweiligen Figuren als auch zwischen den Schauspielern stimmt.
Congratulations...
Bailey gewinnt. Ob es letztlich daran lag, dass Alex sich mit Merediths Problemen beschäftigen musste oder ob Dr. Bailey tatsächlich den besseren Vortrag halten konnte - jedenfalls hält sich die Freude für Miranda in Grenzen. Zuletzt changierte ihr Verhalten eher zwischen nervig und kindisch, so dass man ihr den Sieg um den Platz im Vorstand eigentlich weniger gönnt. Hoffentlich ist damit der Handlungsbogen abgeschlossen, denn wirklich ergiebig war er nicht.
Fazit
Abgesehen von dem Handlungsbogen um den Platz im Vorstand des Krankenhauses konnte die Episode Got to be real mit einigen interessanten Entwicklungen überzeugen. Der Situation zwischen Maggie, Meredith und Dr. Webber wurde dankenswerterweise eine Wendung gegönnt, so dass nicht mehr völlig abzusehen ist, in welche Richtung sich das Familiendrama entwickeln wird. Das ist gut so, denn die Vergleiche zu Lexie schweben trotz allem auch weiterhin über dem Handlungsstrang. Außerdem nehmen auch die Eheprobleme von Derek und Meredith an Fahrt auf, wodurch erstmals abzusehen ist, inwiefern Meredith und Derek im Zentrum der elften Staffel von Grey's Anatomy stehen sollen.
Für die emotionalen Momente sorgten überraschenderweise aber vor allem die Befindlichkeiten von Owen und Callie. Owen, der offenbar mehr unter Cristinas Fortgang zu leiden hat als bisher gedacht, findet in Callie eine Freundin (oder zumindest eine gute Kollegin). Die muss nämlich erkennen, dass ihr Kinderwunsch zunächst auf Eis gelegt scheint, da Arizona mehr durch ihr Forschungsstipendium eingespannt wird, als beide erwartet haben. Insgesamt bleibt zwar immer noch Luft nach oben, da bislang die gewisse emotionale Spannung zu fehlen scheint. Die genannten Entwicklungen zwischen Derek und Meredith sowie das Thema Maggie liefern aber zumindest Anknüpfungspunkte.
Trailer zu „Grey's Anatomy“ (11x04):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 10. Oktober 2014(Grey's Anatomy 11x03)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x03
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