Death in Paradise 15x02

© BBC/Red Planet Pictures/Philippe Virapin
Die zweite Episode der 15. Staffel von âDeath in Paradiseâ stellt DI Mervin Wilson vor ein klassisches RĂ€tsel. Eine Paartherapeutin wird nachts im Meer vor ihrem luxuriösen Couples-Retreat auf St. Marie ertrĂ€nkt. Zur Tatzeit sitzen allerdings alle vier zahlenden GĂ€ste gemeinsam beim Abendessen. Don Gilet wirkt hierbei in seiner zweiten Staffel als Ermittler endlich angekommen. Weniger gehetzt, selbstsicherer im Umgang mit dem Team und deutlich souverĂ€ner als noch in Staffel 14. Das tut der Serie gut.
Wie ermordet man jemanden im offenen Meer?
Die zentrale Frage dieser Folge ist so simpel wie knifflig. Wie tötet man eine Frau, die bei ihrem nÀchtlichen Schwimmgang hundert Meter ins Meer hinausschwimmt, wenn man gleichzeitig nachweislich am Esstisch sitzt? Das ist der Stoff, aus dem klassische Whodunit-Folgen gemacht sind.
âDeath in Paradiseâ hat dieses Format in 15 Staffeln natĂŒrlich perfektioniert und spielt hier seine StĂ€rken aus. Die Auflösung kommt mit einem Doppel-Twist. Der Barrister Alasdair Hartnell, gespielt von Ace Bhatti (bekannt aus âLine of Dutyâ), entpuppt sich als Mörder mit einer tief vergrabenen Motivation. Seine Frau Margot, ĂŒberzeugend dargestellt von Hermione Norris (bekannt aus âCold Feetâ und âSpooksâ), hat verdrĂ€ngt, dass ihr Mann vor Jahren ihre gemeinsame Tochter bei einem Autounfall getötet hat. Die Therapeutin Keira Mayhew drohte, diese Erinnerung wieder hervorzukramen. Der Twist kommt jedoch nicht völlig ĂŒberraschend.
In den Fanforen scherzte ein Zuschauer, der selbst als Barrister arbeitet, er habe den TĂ€ter sofort erkannt, weil sein Berufsstand in Krimiserien nie gut wegkomme. Trotzdem wirft der Weg zur Lösung Fragen auf. Warum hinterlĂ€sst ein cleverer Jurist FingerabdrĂŒcke am Hals des Opfers? Wie genau funktioniert die Verabreichung eines Schlafmittels bei einem Abendessen, an dem alle teilnehmen? Die Logik des Falls hĂ€lt einer genaueren Betrachtung nicht immer stand. FĂŒr eine Serie, die vom RĂ€tselspaĂ lebt, ist das Ă€rgerlich. Die atmosphĂ€rische Kulisse im Retreat und die starke Gast-Besetzung fangen einiges davon aber wieder auf.
Solomon nervt. Und zwar richtig...
Das gröĂte Problem dieser Folge trĂ€gt einen konkreten Namen. Solomon Wilson, der Bruder von DI Mervin Wilson, war bereits zuvor eine schwierige Figur. In der zweiten Episode der neuen Staffel hat sich daran nichts geĂ€ndert. Er lĂŒgt, manipuliert und stiehlt von seinem Bruder, obwohl er genau weiĂ, dass Mervin eine schwere Kindheit hinter sich hat. Trotzdem bekommt er immer wieder eine neue Chance. Mervin sehnt sich nach Familie und kann nicht anders.
Die Kritik lobt diese Bruder-Dynamik als frischen Ersatz fĂŒr den ĂŒblichen Liebes-Plot. Im Ansatz stimmt das ja auch. âDeath in Paradiseâ hat in vierzehn Jahren praktisch jeden Ermittler in eine Romanze verwickelt, von Richard (Ben Miller) und Camille (Sara Martins) ĂŒber Humphrey (Kris Marshall) und Martha (Sally Bretton) bis zu Neville (Ralf Little) und Florence (Joséphine Jobert). Die Idee, stattdessen die familiĂ€ren Wunden von Mervin zu erkunden, hat durchaus Potential. Allerdings funktioniert das nur, wenn Solomon als Charakter zumindest einen sympathischen Zug zeigt. Die Szene am Pool, in der er Mervin ins Wasser schubst, und die Hot-Sauce-Aktion sind als Slapstick ganz nett. Als Grundlage fĂŒr eine emotionale Brudergeschichte reicht das aber nicht. Das scheinen auch die Autoren irgendwann gemerkt zu haben...
Commissioner in Form, der Rest im Mittelfeld
Was dagegen ĂŒberzeugt, ist Commissioner Selwyn Patterson. Don Warrington spielt den Commissioner endlich wieder so, wie wir ihn aus den besseren Staffeln kennen: souverĂ€n, trocken und mit subtilen Seitenhieben gegen die politischen Spielchen rund um die Insel. Seine Szenen bringen genau den Humor, den die Serie braucht. Weniger ĂŒberzeugend bleibt Officer Sebastian Rose. Shaquille Ali-Yebuah gibt sich alle MĂŒhe, aber die Figur tritt auf der Stelle. Da muss auch endlich mal was passieren.
Lesetipp: „Death in Paradise“: Bekommt Commissioner Patterson sein eigenes Spin-off?
DS Naomi Thomas wirkt in dieser Folge ebenfalls etwas zurĂŒckgenommen. Shantol Jackson begleitet Mervin zuverlĂ€ssig, bekommt aber wenig eigene Impulse. Die neue Kollegin Sergeant Mattie Fletcher (Catherine Garton), Ersatz fĂŒr die abwesende Darlene Curtis (Ginny Holder), hat in dieser Episode etwas von sich preisgegeben. Viel war es allerdings nicht. Ihr Potential muss sich in den kommenden Folgen erst zeigen.
Fazit: Solide Kost mit Luft nach oben
âDeath in Paradiseâ liefert mit der zweiten Folge der 15. Staffel bessere Unterhaltung als mit dem Staffel-Auftakt. Das Pacing stimmt, der Fall steht stĂ€rker im Vordergrund und die Gastschauspieler heben das Niveau. Hermione Norris gehört zum Besten, was die Serie in den letzten Staffeln an Gastauftritten zu bieten hatte. Und auch am Ende der Episode können „Heavy Manners“ von Marcus I als Abspann-Song einen gelungenen Schlusspunkt setzen, als Mervin es sich vor seiner HĂŒtte am Strand gemĂŒtlich macht. Es ist einer dieser Songs, bei dem man sofort mitwippt.
Von mir bekommt die Episode dreieinhalb von fĂŒnf KokosnĂŒssen - solide, aber ausbaufĂ€hig.
Wer âDeath in Paradiseâ kennt und mag, bekommt genau das, was er erwartet. Einen Mord, ein RĂ€tsel, Sonne und ein bisschen Chaos. Die Solomon-Handlung bleibt der schwĂ€chste Teil, aber DI Mervin Wilson wĂ€chst in seine Rolle hinein. Und das ist nach dem holprigen Start der aktuellen Staffel eine gute Nachricht.
Verfasser: Mariano Glas am Samstag, 14. Februar 2026(Death in Paradise 15x02)
Schauspieler in der Episode Death in Paradise 15x02
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