Brothers & Sisters 5x22

Das Brothers & Sisters-Patentrezept: Man plane ein Familientreffen, hole dafür ein verlorenes Familienmitglied aus der Kiste, gebe reichlich Konferenztelefonate hinzu, würze mit mindestens einem durch Aneinander-vorbei-Reden entstehenden Missverständnis - und heraus kommt der typische Walker-Wahnsinn, manchmal etwas nervig, meistens aber sehr charmant, häufig mit einem süßen Happy End.
Zum Finale der fünften Staffel wurden dieser Rezeptur noch eine Prise Sentimentalität und gleich zwei amüsante Tanzszenen hinzugefügt, was aus einer normalen „Brothers & Sisters“-Episode eine besonders gelungene machte. Das ist auch gut so, denn Walker down the aisle könnte zugleich das Serienfinale der ABC-Dramedy gewesen sein. Entsprechend endete die Folge anders als das vorherige Staffelfinale, das uns mit einem folgenschweren Cliffhanger verabschiedete, mit strahlenden Gesichtern und kaum ungelösten Storylines.

Fans hoffen nun, dass es im Herbst weiter geht - zuletzt standen die Chancen nicht allzu schlecht. Doch seien wir mal ehrlich: Wie lange lassen sich dieselben Zutaten noch mischen, ohne dass das Gericht fade schmeckt? Erst recht, wenn langsam die Gewürze ausgehen?
Soll heißen: Patricia Wettig, Rob Lowe und Emily VanCamp haben die Serie im letzten Jahr bereits verlassen. Balthazar Getty klammert sich zwar noch an seinen Tommy, doch die Rolle des verlorenen Sohns, der immer mal wieder für eine Folge und gefühlte fünf Sätze nach Hause kommt, könnte unbedeutender kaum sein.
Jetzt könnten weitere Darsteller gehen oder kürzer treten: Calista Flockhart, die schon in dieser Staffel nicht in allen Episoden dabei war, Ron Rifkin sowie Sally Field, die zugunsten anderer Projekte Nora Walker künftig vernachlässigen würde. Die Walkers ohne ihre Übermama? Kaum vorstellbar!
Vor allem Rifkin kann man die Entscheidung nicht übel nehmen. Mit der HIV-Diagnose hatte Saul in der fünften Season endlich mal wieder eine kräfte Storyline. Doch die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema führte die Figur schnell wieder Richtung Bedeutungslosigkeit und in die Arme eines früheren Lovers, einem kaum durchdachten Charakter, den Richard Chamberlain in seinen wenigen Episoden einfach nicht mit ausreichend Leben zu erfüllen vermochte. Dass aus dieser gar nicht ordentlich aufgebauten Beziehung am Ende der Staffel plötzlich ein Heiratsantrag folgt, ist ein eher trauriger Versuch, Rifkins Rolle für die mögliche Zukunft der Serie eine Daseinsberechtigung zu geben.
Vom ursprünglichen Gerüst der Familie wäre in einer sechsten Staffel, wie sie auch aussieht, nicht viel übrig. Das muss nicht heißen, dass „Brothers & Sisters“ die Lücken nicht aufzufüllen wüsste. Sarah (Rachel Griffiths) und Luc (Gilles Marini) als Paar, Lucs Interaktion mit den Walkers und die familiäre Erweiterung bei Kevin (Matthew Rhys) und Scotty (Luke Macfarlane) haben etwa die Abwesenheit von Kitty gut auffangen können, auch wenn die Episoden mit Calista Flockhart die besseren in dieser Season waren.
Wenn es langweilig zu werden droht in Pasadena, dann werden in der Regel verlorene Verwandte aus dem Hut gezaubert. Nach Rebecca und Ryan ist der jüngste Taschenspielertrick der Autoren Sarahs leiblicher Vater Brody (Beau Bridges), der eine wichtige Rolle in dieser Staffel hat. In Walker down the aisle, als Sarah auf dessen jüngst Tochter Lori Lynn (Trieste Kelly Dunn) trifft, deutet sich ja schon an, wie der Faden weitergesponnen würde. Bitte, ABC, mute uns das nicht zu!

Allein, welchem Drama die Charaktere in dieser TV-Season wieder ausgesetzt wurden: ein toter Ehemann, ein verlorener Sohn, eine neue Tochter, eine Hochzeit, eine Scheidung, eine lebensverändernde Krankheit, ein neuer Papa, neue Jobs, Untreue, Umzüge, Abschiede, neue Liebschaften, alte Liebschaften. Nicht zu vergessen dieser schlecht durchgeführte
Selbst wenn Brothers & Sisters nie den Anspruch hatte, vollends realistisch zu sein, hielt die Serie doch bislang meist die Balance: zwischen normalem familiären Wahnsinn und dem Wahnsinn einer fiktiven Serienwelt, in der eine Frau innerhalb von fünf, sechs Jahren von der Radiomoderatorin zur Bestsellerautorin zur schwerkranken Politikerehefrau zur toughen Senatorin zur alleinerziehenden, arbeitslosen Mutter wird.
Doch wenn diese Gratwanderung nicht mehr gelingt, dann jumpt die Serie the shark, wie man im Englischen so schön sagt. Es wäre zu schade, wenn „Brothers & Sisters“ dafür in Erinnerung bliebe und nicht als die unterhaltsame, charmante Familienserie mit dem wundervollen Cast, die sie über Jahre war.
Zu Beginn der fünften Staffel hatte es noch geheißen, von einem Finale könne nicht die Rede sein - letztlich hätte die Episode nicht finaliger anmuten können. Das Ende von „Walker down the aisle“, so uncharakteristisch und albern es auch auf manchen wirken mag, ist so perfekt wie ein Walker-Ende eben sein kann. Von Kittys Schwangerschaft abgesehen bleibt so gut wie nichts ungelöst, alle Geschwister samt Anhang sind glücklich. Kein Cliffhanger, kein Drama, keine Tränen (außer Tränen der Freude). Und passender als mit Matriarchin Nora Walker, die im Voice over über die Bedeutung von Familie philosophiert, könnte diese Serie gar nicht enden.
Also sage ich: Danke, ABC! Aber wenn es um eine Verlängerung geht: Nein, danke!
Verfasser: Carolin Neumann am Montag, 9. Mai 2011(Brothers & Sisters 5x22)
Schauspieler in der Episode Brothers & Sisters 5x22
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?