Boardwalk Empire 5x01

Das Gedicht „Be Honest and True“ von George Birdseye bildet die Klammer der Auftaktepisode zur abschließenden fünften Staffel des Prohibitionsdramas Boardwalk Empire. Es ist einem Sammelheft namens Golden Days for Boys and Girls entnommen, das der Episode ihren Namen gibt. Als voice-over begleitet es den jungen Nucky Thompson (Nolan Lyons), der sich die in dem Gedicht von jungen aufwachsenden Burschen angemahnte Ehrlichkeit zu Herzen nimmt, um mit dieser Maxime durchs Leben zu gehen.
Where's the sense in looking back?
Bald wird er erfahren, dass er mit diesem Vorhaben nicht weit kommen kann. Wir Zuschauer wissen schon längst, wohin der Weg für Nucky führen wird. Er selbst muss einige bittere Erfahrungen machen, bis er erkennt, wie er am besten erreicht, was er will. Die Botschaft ist indes nicht so eindeutig, wie es zunächst den Anschein hat. Obwohl er nämlich vom Commodore sogleich eingetrichtert bekommt, dass sich Ehrlichkeit nicht lohnt, ist es genau diese Ehrlichkeit, die ihm Zugang zum Commodore verschafft.
Serienschöpfer Terence Winter und sein Autorenteam haben sich dazu entschlossen, für die abschließende Staffel einen Handlungssprung von acht Jahren zu unternehmen. Gleichzeitig blicken sie aber in die Vergangenheit, um die Vorgeschichte von Nucky Thompson (Steve Buscemi), seinem Bruder Eli und deren Mentor, dem Commodore, zu erzählen. Ein zentraler Beweggrund für Winter war es, die Serie in dem Jahr enden zu lassen, in dem auch die Prohibition zu ihrem Ende fand. Immerhin startete die Geschichte von Boardwalk Empire am Vorabend der Prohibition - da ist es nur folgerichtig, sie an deren Ende auch abzuschließen.
Man kann also hoffen, dass die Serie zu einem runden Abschluss findet. Gleichzeitig bedeutet der Zeitsprung aber auch, dass einige prägnante historische Ereignisse übergangen werden müssen - beispielsweise das legendäre Valentine's Day Massacre im Jahre 1929 in Chicago. Außerdem werden wir eine der interessantesten Figuren aus den vergangenen vier Staffeln nicht wiedersehen: Der New Yorker Zockerkönig Arnold Rothstein (Michael Stuhlbarg) wurde wegen einer Wettschuld im Jahre 1928 erschossen. Die Auftaktepisode der fünften Staffel stellt indes einen blutigen Konflikt in ihr Zentrum, an dessen Ende Lucky Luciano (Vincent Piazza) einen weiteren Gegenspieler auf seinem angestrebten Weg zum Capo di tutti i capi („Boss der Bosse“) beseitigt hatte.
Wenngleich ich dem Zeitsprung sehr offen gegenüberstehe (mir aber gleichzeitig wünsche, dass es noch viele weitere Staffeln der Serie gäbe), bin ich mir nach dieser Episode unsicher, ob der Einsatz der Rückblenden in Nuckys Jugend eine gute Entscheidung war. Vor allem die herausragende (vielleicht die beste) vierte Staffel hat nämlich gezeigt, dass die Serie besser ist, wenn sie nicht Nucky in ihr Zentrum stellt, sondern einen der vielen interessanteren Charaktere. Es war zwar abzusehen, dass Nucky auch in der letzten Staffel der dramaturgische Anker sein würde - trotzdem hätte ich mich darüber gefreut, wenn er eine weniger prominente Stellung eingenommen hätte.
To get myself ahead
Während Golden Days for Boys and Girls wird aber schnell klar, dass Nucky die Geschichte einmal mehr dominieren wird - dieses Mal sogar in zwei zeitlich verschobenen Erzählsträngen. Geopfert wurde dafür einiges: Weder Gillian Darmody (Gretchen Mol) noch Valentin Narcisse (Jeffrey Wright), Eli Thompson (Shea Whigham), Nelson Van Alden (Michael Shannon) oder Al Capone (Stephen Graham) tauchen in dieser Episode auf. Nun ist es zu diesem Zeitpunkt noch etwas zu früh, um über das Gelingen des Rückblendeneinsatzes zu räsonieren, mein erster Eindruck ist jedoch, dass ich stattdessen lieber mehr Geschichten aus New York oder Chicago gesehen hätte.
Die Rückblenden sollen uns zeigen, wie Nucky zu dem Mann wurde, der er heute ist. Im gegenwärtigen Handlungsstrang sehen wir ihn mit seiner Geschäftspartnerin Sally Wheet (Patricia Arquette) in der kubanischen Hauptstadt Kuba, wo er mit Unterstützung eines amerikanischen Senators versucht, ein neues, potentiell lukratives Geschäft abzuschließen. Vater des Gedanken ist sein immerwährender Wunsch, endlich die illegalen Machenschaften hinter sich zu lassen und zum legitimen Geschäftsmann zu werden. Die Rückblenden sollen diese Dichotomie noch einmal verstärken. Doch wissen wir das alles nicht schon längst? Will Nucky nicht schon seit dem Mord an Jimmy aus der Illegalität aussteigen?
Es ist daher nur folgerichtig, dass sich die interessantesten Handlungsbögen der Episode nicht in Kuba abspielen. Chalky White (Michael Kenneth Williams) befindet sich in Haft und muss Zwangsarbeit ableisten - wie er dorthin gekommen ist, wird uns nicht gezeigt. Gemeinsam mit einem an moderner Kommunikationstechnologie interessierten Mitgefangenen gelingt ihm aber die Flucht. Sein Erzählstrang als Erzfeind von Valentin Narcisse gehörte zum Besten, was die letzte Staffel hervorgebracht hatte. Wohin sein Weg nun führen wird, bleibt abzuwarten.
Auch die übrigen Handlungsstränge kommen wegen Nuckys Dominanz etwas zu kurz. Margaret (Kelly Macdonald) wird an ihrer Arbeitsstätte Zeugin des Selbstmordes ihres Chefs, woraufhin sie befürchten muss, dass dessen krumme Machenschaften und ihre Beteiligung daran auffliegen könnten. Lucky Luciano kämpft unterdessen mit seinem Verbündeten aus der Kosher Nostra, Meyer Lansky (Anatol Yusef), um die Vorherrschaft in der New Yorker Unterwelt.
Kingdoms rise, kingdoms fall
Im Auftrag des Mafiapaten Don Salvatore Maranzano lässt er seinen einstmaligen Partner Joe Masseria (Ivo Nandi) von Bugsy Siegel (Michael Zegen) und einem weiteren Komplizen ermorden. Danach wird Lucky bei einem traditionellen Ritual in den Kreis der sizilianischen Mafia aufgenommen. Der historische Hintergrund dieser Bluttat bleibt indes umstritten. Heutzutage wird es als Legende angesehen, dass Luciano beim Mord an Masseria tatsächlich zugegen war. Boardwalk Empire nimmt sich aber die künstlerische Freiheit, ihn kurz vor der Tat noch mit Masseria sprechen zu lassen - und seiner Leiche ein düsteres „The fight is over“ hinterherzuraunen. Der Mord beendete den sogenannten Krieg von Castellammare. Maranzano setzte sich danach an die Spitze der fünf New Yorker Mafiafamilien.
Lucianos partner in crime Meyer Lansky weilt unterdessen auf Kuba, wo er zufällig auch Nucky Thompson trifft und von diesem sogleich misstrauisch beäugt wird, nachdem Nucky herausgefunden hat, dass Lansky lügt. Er sieht sich wohl ebenfalls nach neuen Geschäftsmöglichkeiten um, könnte sogar zu Nuckys direktem Konkurrenten werden. Ein stärkeres Ineinandergreifen dieser beiden Handlungsbögen wäre durchaus wünschenswert.
Bleibt also zu hoffen, dass die Rückblenden nicht allzu viel screen time einnehmen werden. Die letzte Staffel wurde schon auf acht Episoden reduziert - da wäre es ärgerlich, könnte manch ein Handlungsstrang nicht seine volle Wirkung entfalten, weil sich die Serie zu lange in Nuckys Vergangenheit aufhält. Der Anfang einer jeden Staffel von Boardwalk Empire war bisher leicht holprig, am Ende, in den letzten drei bis vier Episoden, gelang es Winter und Konsorten aber stets, sämtliche lose Enden wunderbar zusammenzuführen. Zur technischen Umsetzung der Serie muss hier eigentlich auch nichts mehr gesagt werden: Sie sieht schlichtweg fantastisch aus.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 8. September 2014Boardwalk Empire 5x01 Trailer
(Boardwalk Empire 5x01)
Schauspieler in der Episode Boardwalk Empire 5x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?