Bates Motel 2x08

Bates Motel 2x08

In der Episode Meltdown kommt es zwischen Norman und seiner Mutter zu unerwartet heftigen Auseinandersetzungen. Dass es in Bates Motel gleichzeitig noch an zwei anderen Brandherden brenzlig wird, kann diesen Grundkonflikt nicht überschatten.

Norman (Freddie Highmore) hat in „Bates Motel“ wieder einmal Gelegenheit, seinem liebsten Hobby nachzugehen. / (c) A&E
Norman (Freddie Highmore) hat in „Bates Motel“ wieder einmal Gelegenheit, seinem liebsten Hobby nachzugehen. / (c) A&E

Es ist ein Stück weit enttäuschend, dass sich in der Serie Bates Motel viele Cliffhanger allzu unkompliziert in Wohlgefallen auflösen. So ergreift Dylan (Max Thieriot) schlichtweg die Flucht, nachdem er am Tatort von Zane Carpenters (Michael Eklund) letzter Schandtat aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht. Doch wie so oft sorgt die packende Interaktion zwischen Norman (Freddie Highmore) und Norma Bates (Vera Farmiga) dafür, dass man der Serie auch in der Episode Meltdown weiterhin gewogen bleibt.

Entzweit

Norma durchwacht, gequält von der Sorge um Norman, die Nächte. Doch statt ihm die Wahrheit über seine dunkle Seite zu verraten und dadurch vielleicht den Weg in eine heilere Zukunft zu ebnen, bewahrt sie weiterhin ihr stoisches Schweigen aufrecht. Was aus mütterlicher Sorge geschieht, treibt jedoch einen Keil zwischen das zuvor so fest zementierte Mutter-Sohn-Gespann.

Norman bestraft seine Mutter für ihr Geheimnis, indem er sich vor ihr zurückzieht. Statt sie offen anzufeinden, entschließt er sich dazu, ihr lächelnd aus dem Weg zu gehen. Dabei ist er sich vollkommen darüber im Klaren, wie sehr er Norma verletzt. Seine Foltermethodik verfeinert er noch, indem er das Bates'sche Anwesen mit einer Armada aus ausgestopften Tieren dekoriert, was übrigens auf hübsche Weise an „Psycho“ erinnert.

Norma ist die Taxidermie nicht wohlgesonnen, und somit besteht in Normans Handeln ein Versuch, seine Mutter endlich zu einer Reaktion zu zwingen. Es ist, als würden die beiden in einen Wettkampf verstrickt sein, wer den anderen am ehesten dazu bringen kann, endlich aus der Scheinheiligkeit herauszutreten.

Im Krieg und in der Liebe...

Im Zuge dieses vertrackten Spiels ändert Norma auf verhängnisvolle Weise ihre Strategie, indem sie ausgerechnet an Normans Eifersucht appelliert: „I will probably be very late,“ („Es wird wahrscheinlich sehr spät werden,“) sagt sie, bevor sie sich auf den Weg zu George Helders (Michael Vartan) begibt. Wieder einmal untergräbt hier die Angst um Norman - und davor, was er in ihrer Abwesenheit wohl anstellen könnte - eine Chance für Norma, sich zur Abwechslung einmal den Vorzügen der Normalität hinzugeben.

Ein trauriges Geständnis

George stellt zwar nicht gerade den interessantesten Charakter aus Bates Motel dar. Doch immerhin bringt die Interaktion mit ihm eine von Farmigas stärksten Szenen hervor: „My family was a mess. I am not educated or polished or nice. I am nothing.“ („Meine Familie war eine Katastrophe. Ich bin nicht gebildet, veredelt oder nett. Ich bin ein Nichts.“) Aus Normas zutiefst traurigen Worten lässt sich herauslesen, wie wenig ihr Leben im Grunde genommen ausmacht - neben der Mutterschaft für Norman, versteht sich.

Das große Etappenfinale

Als die Bandagen endlich abgelegt werden, kommt es zu einem wuchtigen Schlagabtausch, der wie bei Normas Wutausbruch aus der vorangegangenen Episode Presumed Innocent (2x07) wieder auf der Treppe ausgetragen wird. Doch nun sind mit den Positionen der beiden auch die Machtverhältnisse vertauscht: Als Norman von oben auf seine Mutter hinabblickt, wohnt dem Spiel von Highmore eine ungeheure Intensität inne. Stärker noch als in so manchem Blackout kommt das Böse in ihm zum Vorschein, als er Norma bitterböse Anschuldigungen entgegenschleudert. Die vormals so innige Vertrautheit sei hiermit Vergangenheit.

Die eigentlich extrem gesunde Tatsache, „seine eigene Person“ zu sein, wird von Norman als Sanktionsmaßnahme verwendet. Gekrönt wird der vermeintliche Zusammenbruch ihrer Zweisamkeit von Nomas haarsträubend hysterischem Anfall (Bravo, Vera Farmiga!).

Verknüpfung und Annäherung

In der Episode Meltdown gelingt es endlich etwas besser, den Handlungsstrang um Dylan und das Drogenkartell von White Pine Bay mit dem zentralen Konflikt der Serie zu verknüpfen. Dies liegt neben Nick Ford (Michael O'Neill), der durch seine Drohgebärden als Bindeglied zwischen den Erzählsträngen fungiert, vor allem daran, dass Norma wieder den Kontakt mit ihrem Ältesten aufnimmt. Zugleich sorgt ihr Besuch in Dylans Arbeitsstätte ein wenig für Aufheiterung: „I don't like the marihuana part. But I am glad you are doing so well!“ („Der Marihuana-Teil des Ganzen ist mir suspekt. Aber ich bin doch froh darüber, dass du dich gut anstellst“). Von einer Aussprache zwischen Norma und Dylan kann zwar noch nicht die Rede sein. Dennoch ist es richtig herzerwärmend, hier eine gewisse Annäherung mitzuerleben. Dies stimmt auch aus dem Grund optimistisch, da jede Figur in der Serie von einer Nähe zu den beiden Hauptfiguren aufgewertet wird.

Dylan vs. Zane

In Anbetracht der Traumata aus Dylans Vergangenheit ist es vielleicht nachvollziehbar, dass er eine gewisse Toleranz gegenüber Kummer entwickelt hat. Vielleicht hat er sich ja auch ein bisschen in Jodi Wilson (Kathleen Robertson) verguckt, und möchte ihr deswegen nicht den Dienst versagen. Zudem steht Dylan als lieber Kerl einer Ausweitung des Gemetzels pessimistisch gegenüber. Doch dass er Zane nicht mit Anlauf an die Gurgel springt, nachdem der ihn niedergeschlagen und sich selbst überlassen hat, ist doch etwas merkwürdig.

Zum Glück scheint Dylan die Entscheidung darüber, sich an Zane zu rächen, nun jedoch praktisch abgenommen zu werden: Nur indem er sich des Wüterichs entledigt, kann er seine Familie vor Nick beschützen. Selbst Zanes eigene Schwester gibt dafür flüsternd ihr Einverständnis.

Warum nicht einfach...?

Doch ein Mord zum Wohle des großen Ganzen bleibt immernoch ein Mord, den Dylan sicher lieber vermeiden würde. Aber Warum delegiert er das Dilemma nicht einfach an Alex Romero (Nestor Carbonell) weiter? Damit würde Dylan gleichzeitig nicht nur Bruder und Mutter vor Sanktionen bewahren und den Krieg beenden, sondern auch die Großmächte Ford und Romero zufriedenstellen.

Romeros Schwäche für Norman

In Bezug auf den Provinzsheriff fragt man sich, warum er derartig verbissen um Norman kämpft, obwohl der Junge im Mordfall Watson eindeutig etwas verheimlicht. Zum einen kann dies wohl dadurch gerechtfertigt werden, dass Romero trotz allem einen Weichen Kern und eine Schwäche für die Schwachen aufweist. Auf der anderen Seite gibt es da selbstverständlich noch seinen Fable für die Mutter des widerspenstigen Jungen...

Ausgerechnet in einer Dusche versucht Alex sein Bestes, um Norman zu helfen. Doch da sich der Junge allem Anschein nach ja nicht an den Sex mit seiner Lehrerin erinnert und durch den Zwist mit seiner Mutter ohnehin an den Rand der Rage getrieben ist, schlägt auch Romeros zweiter Interventionsversuch fehl.

Entführt!

Bevor Norman die Gelegenheit hat, sein grenzenlos gruseliges Spiel mit Miss Watsons Perlenkette zu vertiefen, wird er von einem Unbekannten entführt. Indem Norma just in diesem Moment in Georges Bett die Augen aufreißt, wird zum Ende dieser Episode von Bates Motel noch einmal die unheilvolle Verbindung hervorgehoben, die Mutter und Sohn selbst über den Tod hinaus einen soll.

Fazit

In dem Film noir „Double Indemnity“ („Frau ohne Gewissen“) aus dem Jahr 1944, der in Meltdown so auffällig betont wird, geht es um Verführung und Verderben. Die gleichen Themenfelder kommen auch in Bates Motel immer wieder zum Tragen. Weil Norma ihr ersehntes „mother-son-date“ vorenthalten wird, schläft sie mit George, wobei sie sich nicht von der eigenen Begierde, sondern von einer unreifen Rache leiten lässt. Dann kommt das Verderben ins Spiel, indem sich Normas Befürchtungen wieder einmal bewahrheiten: Wenn sie Norman nicht unermüdlich bewacht, geschieht unweigerlich Schreckliches.

Man kann sich nicht nur aufgrund der oft schnell eskalierten Cliffhanger sicher sein, dass Mutter und Sohn bald wieder vereint sein werden. Verheerender ist jedoch, dass ein Anflug von Distanz zwischen den beiden gleich wieder mit unverhältnismäßiger Härte bestraft wird, was Normas Klammergriff in Zukunft wohl noch verstärken dürfte.

Wieder sind es Farmiga und Highmore, die die Episode durch ihr prägnantes Spiel veredeln. Und obwohl auch der Drogenkrieg zeitweise an Reiz gewonnen hat, bleibt doch zu hoffen, dass er künftig nicht wieder einen derartig großen Teil des Rampenlichtes für sich beanspruchen wird, wie es in Meltdown der Fall ist. Denn das sollte doch bitte dem verlockenden Herzstück der Serie vorbehalten sein.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 23. April 2014
Episode
Staffel 2, Episode 8
(Bates Motel 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Stadt der verlorenen Kinder
Titel der Episode im Original
Meltdown
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 21. April 2014 (A&E)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 24. September 2014
Autoren
Liz Tigelaar, Nikki Toscano
Regisseur
Ed Bianchi

Schauspieler in der Episode Bates Motel 2x08

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