Bates Motel 2x07

Bates Motel 2x07

In der US-Serie Bates Motel kommt Norman noch einmal mit dem Schrecken davon. Doch in Presumed Innocent kündet eine Hiobsbotschaft bereits von neuen Problemen für den Protagonisten, den man trotz allem noch ins Herz schließen kann. Die Frage ist nur: wie lange noch?

Wie lange wird Alex Romero (Nestor Carbonell) in „Bates Motel“ noch an das Gute in Norman glauben? / (c) A&E
Wie lange wird Alex Romero (Nestor Carbonell) in „Bates Motel“ noch an das Gute in Norman glauben? / (c) A&E

In der Episode Presumed Innocent wird das allzu gut geölte Team aus Norman (Freddie Highmore) und Norma Bates (Vera Farmiga) noch etwas weiter entzweit. Während der Schrecken, der mit dem tödlichen Sturz von Jimmy Brennan (Michael Rogers) einherging, sich in Bates Motel am Ende doch in Wohlgefallen auflöst, vergiftet beidseitiges Misstrauen die Mutter-Sohn-Beziehung.

Unschuld

Der gewalttätige Vater von Cody Brennan (Paloma Kwiatkowski) hat den geräuschvollen Fall aus der vorangegangenen Episode Plunge (2x06) tatsächlich nicht überlebt. Obwohl Norman in das Handgemenge verwickelt war, kann man dem aus Notwehr schubsenden jungen Mann hier wohl tatsächlich kaum eine böse Absicht unterstellen. Während auch die Polizei zu diesem Schluss kommt und selbst Jimmys Tochter ihrem Freund Norman ein schlechtes Gewissen ausredet, tut sich ausgerechnet seine liebende Mutter sehr schwer damit, hier an einen Unfall zu glauben.

Begründetes Misstrauen

Normas Befürchtung, dass ihr Jüngster den Alkoholiker ermordet haben könnte, muss sie dabei zu keinem Zeitpunkt explizit zur Sprache bringen. Ihre sorgenvollen Blicke, die panische Nervosität und nicht zuletzt Normas überschwängliche Freude über Normans „Freispruch“ lassen an ihren Vermutungen nämlich keinen Zweifel. Nachvollziehbar ist Normas Misstrauen aus der weitsichtigeren Perspektive der Zuschauer in jedem Fall. Schließlich hat die Frau nicht nur bei dem gewaltsamen Tod ihres Ehemannes miterlebt, wozu Norman im Zustand seiner unheimlichen geistigen Umnachtung fähig ist.

Getrieben von ihrem wohlmeinenden, dabei aber furchtbar fehlgeleiteten Beschützeristinkt, setzt sie alles daran, die Wahrheit über Normans Blackouts zu vertuschen. Während Norma in ihrer Verzweiflung sogar die verhasste Cody ein Stück weit ins Vertrauen zieht, kommt in Mrs. Bates die innere Furie zum Vorschein, als ihr Sohn selbst mehr über das düstere Geheimnis erfahren möchte. Doch statt Norman zu helfen, schürt sie dessen - verständliche - Frustration durch ihren autoritären Ausbruch nur noch weiter.

Ein herber Verlust

Indem Cody sich aus der Welt von Norman verabschiedet, um bei ihrer Tante ein neues Leben zu beginnen, wird dem introvertierten Jungen eine immens wichtige Bezugsperson genommen. Trotz - oder gerade wegen - ihrer rebellischen Art, ließ Cody ihn nämlich doch die unbeschwerteren Seiten des Teenagerdaseins kosten. Zwar meint es auch Emma Decody (Olivia Cooke) zweifellos gut mit Norman. Doch aufgrund ihrer Nähe zu Norma bingt ihre Freundschaft nicht den so dringend benötigten Abstand zum toxischen mütterlichen Einfluss mit sich.

Isolation

Norman lässt seine Feststellung, Emma nun „nie wieder trauen“ zu können, mithilfe eines warmen und gänzlich unbescholtenen Lächelns zwar ironisch erscheinen. Doch, obwohl er sich seiner Freundin gegenüber auch sonst äußerst liebenswürdig verhält, ist es in der Tat fraglich, ob er Emma je wieder etwas berichten wird, das er seiner Mutter lieber vorenthalten würde. Der ohnehin schon lichte Kreis von Normans Vertrauten hat nach der Episode Presumed Innocent somit gleich zwei herbe Verluste zu verbuchen.

Wird Norman (Freddie Highmore) seiner Freundin Emma (Olivia Cooke) tatsächlich nie wieder vertrauen? © A%26amp;E
Wird Norman (Freddie Highmore) seiner Freundin Emma (Olivia Cooke) tatsächlich nie wieder vertrauen? © A%26amp;E

Eine weitere Figur aus Bates Motel, die einen Wohl bringenden Einfluss auf Norman haben könnte, ist sein Bruder Dylan (Max Thieriot). Doch, nachdem er von der Wahrheit um seine Abstammung erfahren hat, hält er zunächst die Distanz zu dem Rest seiner unheilschwangeren Familie. Daran kann auch Emma nichts ändern, die in der Serie wie die personifizierte Herzensgüte zwischen den anderen Charakteren hin-, und herwandert.

Der Unglücksrabe

Leider ist Dylan auch in seiner Arbeitswelt das Glück nicht gerade hold. Kaum hat er sich von dem letzten Anschlag auf sein Leben erholt, liegt er dank des eindimensionalen Unsympathen Zane Carpenter (Michael Eklund) schon wieder blutend am Boden. Dadurch, dass Dylan sich einer Ausweitung des Drogenkrieges und weiterem Blutvergießen entschlossen entgegenstellt, wird zwar verdeutlicht, dass es sich bei ihm um einen von „den Guten“ handelt. Zudem ist die Sequenz, in der die Schüsse und Schreie aus Nick Fords (Michael O'Neill) Lagerhaus in sein lädiertes Bewusstsein hervordringen, von der Regisseurin Roxann Dawson (bekannt als B'Elanna Torres aus Star Trek: Voyager) sehr packend inszeniert. Sie schürt außerdem Neugierde in Bezug auf das Schicksal des leidgeplagten Charakters.

Im Zweifel...

Alex Romero (Nestor Carbonell) hat mit Dylan die Tatsache gemein, dass er in diesem Umfeld trotz gewisser krimineller Anwandlungen sehr sympathisch erscheint. Er legt nicht nur im Umgang mit der hysterischen Norma („I have done your laundry!“; „Ich habe deine Wäsche gewaschen!“) eine Engelsgeduld an den Tag. Auch in der durch und durch bewegenden Szene, in der er den von Schuldgefühlen zerfressenen Norman befragt, beweist er Einfühlungsvermögen.

Doch gerade, als sich der Sheriff bereit macht, sich mit Tabletten und Alkohol auf seinen verdienten Feierabend einzustimmen, wird Romeros augenscheinliches Wohlgefallen gegenüber den Bates auf eine schwere Probe gestellt. So setzt ihn seine übereifrige Kollegin Patty Lin (Agam Darshi) aufgeregt darüber in Kenntnis, dass das bislang unidentifizierte Sperma, das im Leichnam von Miss Watson gefunden wurde, niemand anderem gehöre als Norman Bates. Doch ist er auch der Mörder der Lehrerin?

Fazit

Presumed Innocent ist abseits der Cliffhanger um den bewusstlosen Dylan und Normans Sperma in ihrer Gänze eine ruhige Episode. Es ist auf der einen Seite löblich, dass sie der Aufarbeitung von Jimmys Tod die Zeit zugesteht, die eine derartige Situation verdient. Gleiches gilt auch für die verhältnismäßig uninteressante Tatsache, dass Norma ihren Sitz im Stadtrat auf recht „mysteriöse“ Weise bekommen hat. Obwohl sich das Prozedere in beiden Fällen etwas in die Länge zieht, sorgen wie so oft die kleinen großen Momente dafür, dass die Aufmerksamkeit des Publikums nicht abhandenkommt.

Neben Normas Verweis auf Romeros Schmutzwäsche kann auch ihr angewiderter Blick auf Regina (Aliyah O'Brien), die „dauersmsende“ Sekretärin des Polizeidezernates, für Erheiterung sorgen. Trotz des Dramas, das seinem Charakter innewohnt, kann selbst Norman einen Anflug von unterschwelligem Humor beisteuern, indem er Emmas tröstende Worte mit einem „It is way worse for Cody. And for her dad.“ („Für Cody ist es um einiges schlimmer. Und für ihren Vater.“) quittiert.

Das kleine große Highlight in dieser Episode ist aber sicherlich ein Norman, der in der Schürze seiner Mutter Eier brät. Obwohl die Szene zunächst noch witzig anmuten mag, wohnt ihr doch ein beklemmender Verweis auf das Schicksal inne, das den so sensiblen Jungen unweigerlich ereilen wird.

Es bleibt dabei: Uns stehen in Bates Motel noch allerlei unangenehme Schrecken bevor und Dylans Handlungsstrang könnte sicherlich etwas mehr Originalität vertragen. Dennoch sorgen die wie so oft geradezu fantastischen schauspielerischen Leistungen der Protagonisten dafür, dass man Normans Reise in die Dunkelheit nur allzu bereitwillig begleitet.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 15. April 2014
Episode
Staffel 2, Episode 7
(Bates Motel 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Normas Schweigen
Titel der Episode im Original
Presumed Innocent
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 14. April 2014 (A&E)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 24. September 2014
Autor
Alexandra Cunningham
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Bates Motel 2x07

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